Man sieht das Chart vor Daten nicht
Ukraine, Russland & das Radix-Problem:
Dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, ist manchmal nicht zu vermeiden. Dass man ein "funktionierendes" Radix vor lauter kursierenden Daten nicht findet, wird vor allem bei Nations-Horoskopen manchmal zur unangenehmen Alltags-Herausforderung der Astrologie. Beispiel Krim, Ukraine und Russland. Für das Krim-Referendum am Sonntag sind die Länder-Grafiken wichtig.
Aber: Es spuken gerade in diesem Bereich viele anekdotenhafte Annahmen herum, die alles bieten, nur keine stabile Grundlage für die Deutung. Kurz, man betritt den klassischen Urwald an Möglichkeiten zur Prognose, wenn jeder nur sein eigenes Süppchen kocht und einfach die eine oder andere Idee mit in den ohnehin köchelnden Daten-Brei wirft. Obwohl andere bereits gründliche Vorarbeiten geleistet haben und es trotz des Trends zur freien Wahl durchaus unermüdliche und sehr genaue Termin-Forscher gibt. Am besten reagieren solche Geburts-Bilder, die sich einerseits auf ausdifferenzierte Angaben stützen und zum anderen wirklich "in der Zeit stehen". Das heißt, sich im Kontext der Geschichte als reagibel erweisen, historische Eckpunkte treffen und das aktuelle Klima aus sich heraus abspiegeln.
Wo findet sich nun aber die "wahre" Geburt eines Landes? Schwer zu sagen. Geschichtlich geben sich nun mal die "harten" Zeitpunkte neuerer politischer Gebilde genauso die Klinke in die Hand (in modernen Zeiten besonders in Richtung Osten) wie die Verantwortlichen. Wenn es gut (und abgesichert) läuft, beziehen sich später aber alle einander ablösenden Horoskope wieder wie in einer Kette inhaltlich aufeinander. Das heißt zum Beispiel: Russlands "altes" Radix wird in Teilen schon sein neueres Bild spiegeln. Fast immer gibt es bei den Nationen aber zu allem Unglück nicht nur widersprüchliche Angaben (vor allem durch das Gewirr von Zeiten und Zonen in schwierigen Phasen), sondern auch ganz unterschiedliche Wertungen über die Bedeutung eines Stichtags im unermesslichen Daten-Chaos. Ein Dschungel, der sich hier und jetzt, in Bezug auf Russland, Ukraine und Krim, wenigstens ein bisschen lichten soll.
Leider vervielfacht das Internet mit seiner Informations-Flut zunehmend willkürlich ganz "neue" Zeiten und Daten, die dann wie Jack In The Box unbestätigt wieder irgendwo auftauchen und sich per Gerücht festsetzen. Obwohl sie oft höchstens dem Anschein nach sicher sind. Die Kunst des Quellen-Hinweises, der astrologisch so wichtig ist, wird im Netz mit seinen Ritualen des Abschießens von Meinung bis Urteil gründlich verlernt. Auch am Beispiel der jetzigen Konflikte zeigt sich, wohin astrologische Ungenauigkeit immer führt. Zum freien Floaten im Tank der kosmischen Fantasie.
Nazi-Suche: Mars des fixen Kreuzes
Töten ehrt nur den Tod, die dunkle Seite (Star Wars).
Wenn jetzt die Zentralstelle für NS-Verbrechen neue Überführungen von unentdeckten, überlebenden Nazi-Tätern ankündigt, wird fast 75 Jahre nach Beginn des 2. Weltkriegs auch die Frage nach astrologischen Mustern der "prominenten" Nazis wieder wach. Wer sich länger mit der höllischen Quadriga beschäftigt (links Hitler, Goebbels, Himmler und Göring), ihren Zulieferern und Werkzeugen, den bekannten Köpfen des Terrors, entdeckt einige gemeinsame Auffälligkeiten. Hitlers "Kampf" (in Wahrheit seine Spiegel-Gefechte einer Betonung aus dem 7. Prinzip) prägte dabei mehreren stabil und fanatisch einklickenden Mars-Stellungen seiner Helfer seine gefährlichen Bedrohungs-Konzepte und ihre flachen "Lösungen" auf.
Im Vergleich der astrologischen Anlagen ergibt sich so ein lückenloses gemeinsames, fixes Durchsetzungs-Kreuz, unter anderem per Mars-Zeichen. Ihm sind ähnlich vernetzte AC-Herrscher (immer der persönliche Hilfs-Mars) in kardinalen Häusern als Verwirklichung beigeben. Ein Signum, das nicht nur Täter verbindet, sondern auch Manifestations-Willen mit den Zündern der Zerstörung. Die fixen Zeichen stehen ja unter anderem auch für die Erbauer wie Vernichter des Lebens und der Welt. Denn ihre Ängste legt das Existenz-Kreuz fest.
Dessen Qualität bringt wie keine andere die energetischen Initial-Zündungen aus dem Kardinalen in stoffliche Form. Was so bereichernd sein kann, spielt sich am anderen, dem Negativ-Pol, oft wie unterm Zwang zum Überleben um jeden Preis ab (Stier-Skorpion oder Venus-Pluto) mit dem Motto Alle für einen, einer für alle (Löwe-Wassermann oder Sonne-Uranus). Hier herrscht auch leicht eine extreme Störbarkeit vor, das Gefühl, bedroht zu werden. Dieses Szenario wird vom Kardinalen laufend mit neuen Freundes- oder Feind-Bildern beliefert. Dem so entstandenen Stoff einer meist unendlichen Geschichte setzen dann die fallenden Prinzipien wechselnde Sinn-Zuschreibungen auf, die überall Begründungen für Destruktivität entdecken. Nicht umsonst fängt das ebenso fruchtbare wie gefährliche (weil immens wirksame) Fix-Kreuz mit Erde (Stier) an, einer Phase, die Substanz aus allem herauskristallisiert, was ins Dasein will. Konzepte des Lebens und Sterbens, Werdens und Vergehens. Sie spiegeln sich besonders in den Radix-Horoskopen der führenden Nazis. Schaut man sich 12 Schlüssel-Figuren an (Liste weiter unten), fällt sofort auf, dass 9 von ihnen den AC-Herrn in Kardinal-Häusern haben und damit auf einer Verwirklichungs-Ebene Macher, Signal- und Taktgeber sind. Dazu taucht neunmal auch ein hoch fanatischer Mars in Fix-Zeichen auf.
Wiedergeburt: Ein Dalai-Lama-Krimi
Manchmal entwickelt sich astrologische Forschung wie ein Krimi - zum Beispiel, wenn man sich aufmacht, die Wiedergeburten der Dalai-Lama-Linie astrologisch zu analysieren. Als 1391 ein kleiner Junge namens Pema Dorje in eine Nomaden-Familie geboren wurde, ahnte keiner, dass er bis 2014 dreizehnmal neu inkarnieren würde. Von seiner zukünftigen Bedeutung als spirituelles Oberhaupt der Tibeter ganz zu schweigen. Inzwischen lebt der erste "ozeangleiche Lehrer" (die Übersetzung des Titels) schon sein 14. Leben, diesmal unterm Namen Tenzin Gyatso, im Exil in Indien. Oder geht, wie jetzt, auf Stippvisite im Weißen Haus, wo Barack Obama ihn empfängt.
Dieses indirekte Statement zur Besetzung Tibets ist China erneut ein Dorn im Auge. Für die Loop! Serie Astrologie & Reinkarnation doppelter Anlass, sich astrologisch mit den letzten Dalai Lamas zu beschäftigen, die alle "Tulkus" waren.
Damit verkörpern sie im tibetisch-buddhistischen Glauben nicht nur ihre jeweiligen Vorgänger in anderer Gestalt, sondern auch Chenrezig, den Bodhisattva des Mitgefühls. Die Anerkennung neuer, hoher Reinkarnationen benötigt dabei eine besonders komplizierte Prozedur, bis die wahre Wiedergeburt endlich gefunden ist. Ähnlich verwickelt ging es mir beim ersten Versuch einer astrologischen Analyse der ungebrochenen Linie dieser wenigen als "anerkannt" geltenden Wiedergeburten vor einem Jahr. Ich hatte mich lange darauf gefreut, sie mir sogar aufbewahrt, weil ich bombastische Ergebnisse schon zu riechen glaubte. Gerade hier mussten sich deutliche astrologische Muster zeigen. Wenn nicht bei den Dalai Lamas, als "offiziell" Reinkarnierten, wo sonst? So kann man sich irren. Was stattdessen passierte, als ich die Geburtsbilder des 13. und 14. spirituellen Oberhaupts übereinander legte, war trotzige Desillusionierung und später fast etwas wie Entgeisterung. Denn der Vergleich wirkte jämmerlich beliebig. Wie konnte das sein?
Die neuen Farben der Zeit
Wenn man das astrologische Modell als kosmisches Zeit-Ordnungs-System begreift, als eine bildhafte Analogie, die die Mechanismen des Raum-Zeit-Kontinuums aus einer anderen Perspektive beleuchtet als die Naturwissenschaften, dann muss man sich zwingend eine Frage stellen:
Wo bitte sind auf dieser kosmischen Uhr die Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger?
Das Ziffernblatt des Zodiaks zeigt gemeinhin ja nur zwölf Abschnitte. Und je nach Umlaufgeschwindigkeit der einzelnen Planeten verweilen diese mehr oder weniger lang in einem davon. Seit ca. 14 Tagen steht die Sonne jetzt im Zeichen Skorpion, belässt man es dabei, dann würde das zwangsweise bedeuten, dass sie sich auch in den nächsten zwei Wochen durch ein und dieselbe Hintergrund-Atmosphäre bewegt. Die Welt wandert also symbolisch durch eine Landschaft, die ganz plötzlich aus dem Nichts entsteht, sich zwar von der vorherigen unterscheidet, aber in ihrer gesamten Ausdehnung nur eine einzige Struktur kennt, die sich innerhalb dieses Abschnitts nie verändert.
Stimmt das mit unserer Lebens-Erfahrung, mit unseren eigenen Beobachtungen überein?
Wohl kaum…
Versierte Astrologen und Astrologinnen werden jetzt zu Recht einwenden, dass sich die Dynamik des astrologischen Modells ja nicht nur aus den Zeichendurchläufen der Planeten ableitet. Sondern dass es im Prinzip eine fast unüberschaubare Anzahl von unterschiedlichen Rhythmen gibt, die in ihrer Gesamtheit das Phänomen der Zeit wiederspiegeln. Mond- und Planetenphasen sind ein Beispiel, der Häuserkreis ein anderes. Kombiniert man all das, hat man tatsächlich ein weitläufiges Spektrum an verschiedenen Intervallen, die, jedes für sich gesehen, auch anwendbar und aussagekräftig sind.
Trotzdem bleibt der etwas fade Beigeschmack, dass der grundlegende Hintergrund, der Zodiak und seine Unterteilungen, etwas grob gestrickt ist. Eine Uhr eben, auf der die kleinen Zeiger scheinbar fehlen.
Ein Herz wie Quecksilber
Des Menschen Herz ist gleich wie Quecksilber, das jetzt da, bald anderswo ist, heut also, morgen anders gesinnt.
(Martin Luther, exakte Merkur-Neptun-Konjunktion).
Sonne wandert nach Jungfrau und die Ernten werden nicht nur buchstäblich eingefahren, sondern es kommt seelisch außerdem "Ergebnis-Hunger" auf, die Suche nach wirklich umsetzbaren Prozessen in und um uns. Es ist Abgleich-Zeit, wir finden Relativierungen, Vergleiche und spüren, dass nichts aus sich heraus einfach "ist" - sondern vieles sich mit den Schuhen wandelt, in denen wir mental gerade gehen.
Besonders jetzt, da Merkur, der retro-Herrscher des 6. Prinzips auch noch durchs 6. Prinzip selbst scheinbar rückwärts wandert, wirkt diese Phase auch für Nicht-Merkurier speziell und sehr sehr stark. Alles dreht sich nun wieder um feinste Wahrnehmungen innerhalb der eigenen Entwicklungen. Gar nicht so leicht. Weniger anstrengend wäre es, in einer reinen, unzerstörbaren Faktenwelt zu leben. Aber zur Quecksilbrigkeit der Ansicht kommt, was unser Kopf aus dem strickt, was wir erleben: Unsere Geschichten über unseren Alltag, die wie Haie sind und das faktische Sein einfach mit Mann und Maus auffressen können, wenn wir sie lassen. Eigene Welten, die dann oft völlig leer sind, frei von äußerer Wirklichkeit und mit der Realität, in der wir leben, gar nicht mehr viel zu tun haben. Gut, denn die Jungfrau ist ohne Fische nicht zu haben. Verwirklichung nicht ohne Fantasie. Merkur, das Denken, nicht ohne Neptun, die Täuschung. Das sollte man wissen.
Dann, wenn wir unsere zweifellos wichtige, aber extrem subjektive Sicht nicht immer wieder mit der Realität der anderen abgleichen, verlaufen wir uns viel zu leicht. Man sollte merkurisches Sein deshalb besser nicht übertreiben oder sich für seine brilliante Welt-Erkenntnis zu sehr feiern. Wer zuviel an die Richtigkeit des eigenen Denkens glaubt, muss die Folgen kennen: Gott Neptun wird sich oft da rächen, wo wir Merkur zum noch größeren Gott stylen und der Ratio zu sehr huldigen. Dann geht's da, wo wir jungfräulich alles richtig machen wollen, unbedingt logisch völlig schief.
Merkur als Herr des 6. Prinzips darf bescheiden bleiben, denn er soll erst mal nur eines: Nützen, helfen, Gefahren voraussehen. Auch, das Du im Verstehen vorab mental berühren, sprich, für Ausgleich sorgen und nicht, die Unordnung noch vergrößern, die der menschliche Geist in ohne ihn auch wunderbar laufende Prozesse des Seins, Werdens und Vergehens gebracht hat. Dazu passieren dann die Kompensationen, in diesem 6. Zeichen, das vor der Waage, der Begegnungen, kommt. Damit wir überhaupt erst wieder verbindungsfähig werden und eine gemeinsame Wirklichkeit entwickeln können, in der wir uns treffen. Und weil das manchmal so schwierig ist und 1000 Blickwinkel ein zersplitterndes Realitätsmosaik machen, hier noch mal der Blick auf den "Übersetzer des Neptun", Merkur. Den einzigen, der Worte für das Namenlose findet, das uns unsere Spiritualität schenkt.
Für Plato war er der "Glitzernde" und einen "Hühnerdieb" nannte ihn Astrologe Wilhelm Knappich (mit plaktischem Merkur-Neptun und Sonne in 12). Merkur ist ein Planeten-Spiegel, der nervös und schnell wie ein Radar alle Energie aus der Umgebung einsaugt, auseinandernimmt und wieder zusammensetzt, was er an Leben in die Finger bekommt. Ein Bote von Schützes Weiten, Seelen-Begleiter in Fisches Ewigkeit, Trickster und Vermittler, dessen Zauberstab den Schlaf (Neptun) bringt und Dinge in Gold (Zeus-Jupiter als Gold-Regen) verwandelt. Die Wunder des beweglichen Kreuzes holt der widersprüchliche "gute Hirte" mit seinem Geldbeutel aus dem Balg kleiner Tiere und den Flügelschuhen in die Welt. Die Fallen der Wirklichkeit, auf die man sich erst einigen muss, bevor man sie erkennt. Rückläufig ruft Merkur auf zur Rückbesinnung, zur inneren Einkehr, zum Blick in die eigenen Ambivalenzen - zwischen Herz und Hirn, Gedanke und Wirklichkeit.
Astrologie & die Liebe zur Genauigkeit
Sammle erst die Fakten, dann kannst du sie verdrehen, wie es dir paßt.
(Mark Twain, Schütze, AC Skorpion, Merkur in 1).
In einer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, hatten Menschen, die am selben Tag geboren wurden, auch praktisch dasselbe Horoskop. Wie Oprah Winfrey und Anthony Paul Moo-Young (genannt Mooji), die heute beide 60 Jahre alt werden. Zwei Wassermann-Sonnen mit Schütze-Monden und stark verletzen Geschlechts-Planeten. Die eine wurde mächtigste Medien-Frau der Welt, der andere einer der wichtigsten "New-Age-Gurus", die in den letzten Jahren auftauchten.
Eventuelle Ähnlichkeiten sind durch gleiche astrologische Hardware (Anlage = Zeichen) und Unterschiedlichkeiten durch offenbar völlig andere Software (Umsetzung = Häuser) in den Radix-Bildern erklärbar. Denn die Astrologie braucht nun mal nicht nur Inhalt, sondern auch Form und präzise Übersetzung und Hierarchisierung der Analogien und kommt darum ohne Häuser nicht aus. Wie jede Kunst ist sie auch Handwerk, das eben nicht allein von Luft, Liebe, Intuition, Bild-Denken oder Beliebigkeit lebt - nach dem Motto: "Wer fühlt, hat Recht". Insofern war Astrologie auch nie das Fass ohne Boden, in das man sämtliche subjektiv-esologischen Ideen einfach hineinstopfen und wild-vergnügt anwenden konnte, sondern letztlich eine Merkur-Neptun-Kombination. Detail und Vernetzung. Anders funktioniert das System leider nicht. Angefangen bei den Klassikern und ihrer fanatisch exakten Sicht auf den Horoskopos, den Aszendenten. Schon MANILIUS sagte im Astronomicon Libri V über die vier wichtigsten Eck-Punkte und ihre besonderen Qualitäten: "Diese Orte verleihen besondere Kräfte und wirken laut Theorie am meisten auf die Geschicke [...], hielten sie nicht im Wechsel den Himmel [...], löste der Kosmos sich auf und das Werk stürzte haltlos zusammen." (Reclam 1990). Kurz: Ohne Verankerung des menschlichen Schicksals im Irdischen (über die innere und äußere Standort-Zuweisung per Geburtszeit) auch kein präziser Blick auf den ganzen Menschen in seiner Eigenheit.
An Unterschieden und Ähnlichkeiten der beiden Neuen im Team 60+, Oprah Winfrey, deren Geburtszeit bekannt ist, und Mooji, von dem eine ungesicherte Zeit kursiert, lässt sich schön nachvollziehen, wie viel besser und realistischer eine stabile Verwirklichungs-Ebene derselben Anlage (Haus + Zeichen) Wirklichkeit abbildet.
Luft is in the Air...
Thorsten Krawinkel aus Bochum hat sich mit dem astrologischen Hintergrund des großen Mutuations-Horoskop von 1980 beschäftigt, seinen Artikel dazu gibt es heute im Astro-Labor als Crosspost.
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Gerade war es wieder so weit. Zur Begrüßung des neuen Jahres haben wir die Sektkorken knallen lassen, haben wild gefeiert und nur einige Mundanastrologen haben es vielleicht etwas besinnlicher angehen lassen, in Anbetracht der spannungsgeladenen Konstellationen, die 2014 bringen wird.
Noch viel weniger wird wohl Silvester 1980 jemand im Bewusstsein gehabt haben, dass an diesem Abend ein ganz außerordentlicher kosmischer Augenblick stattfand, dass eine Rakete gezündet würde, die die folgenden 200 Jahre in ihr charakteristisches Licht setzen sollte. Die Rede ist von der ersten Jupiter/Saturn-Konjunktion in einem Luftzeichen seit ca. 800 Jahren...
Der Zyklus der Großen Konjunktionen
Wenn man die neuen Planeten einmal außen vor lässt, bildet der Jupiter/Saturn-Zyklus mit seinen alle 20 Jahre stattfindenden Konjunktionen den umfassendsten Rahmen der planetarischen Rhythmen. Mit den beiden Langsamläufern sind die Themen Staat und Kultur/Religion angesprochen und die Konjunktion beider in diesem oder jenem Zeichen/Haus markiert klassisch betrachtet den Grundimpuls auf der ganz großen gesellschaftlichen Bühne.
Mars in Waage: Chance und Risiko
In den letzten Tagen hat sich bereits im Alltag das eine oder andere Mal gezeigt, wie gereizt die Spannung zwischen Mars, Sonne, Uranus und Pluto diesmal daherkommt. Da Mars sich aber noch eine ganze Weile durch das Begegnungs-Zeichen bewegt und die angespannten Aspekte wiederholt, heute als Crosspost einen weiterführenden Artikel von Mag. Stefan Hofbauer (Astrologe und Gestalttherapeut) aus Wien von seinem Blog "Hofastro".
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Alles, was uns im Leben begegnet, ist letztlich Resultat unseres eigenen geistigen Handelns.
(Bercholz/Chödzin)
Beim Zeichen Waage geht es vor allem um Begegnung, Offenheit, Unvorein-genommenheit und Beziehungsfähigkeit. Menschen mit einer Waage-Betonung (Sonne, Aszendent oder mehrere Planeten im Zeichen Waage) liegt daran, sich in der Begegnung mit der Umwelt zu erfahren. Die Verbindung mit Menschen oder geistigen Inhalten fasziniert sie und lässt sie wie in einem Spiegel erkennen, was sie aus sich selbst heraus nicht ohne weiteres erfahren können.
Wegen seiner späteren Rückläufigkeit (1.3.2014 bis 20.5.2014) wird sich Mars besonders lange im Zeichen Waage aufhalten. Der Planet, der üblicherweise nur rund zwei Monate in einem Zeichen verweilt, wird jetzt fast acht Monate in diesem Zeichen bleiben (7.12.2013 bis 26.7.2014). Mars gilt in der klassischen Astrologie im Zeichen Waage als besonders ungünstig gestellt. Als Herrscher des gegenüberliegenden Zeichens Widder, befindet er sich in Waage im Exil. Diese Meinung muss man nicht unbedingt teilen. Wahr ist aber, dass sich Mars in Waage ganz anders zum Ausdruck bringen wird als im Zeichen Widder.
Wenn er im Zeichen Widder laut, hektisch, stürmisch und bisweilen gewalttätig daherkommt, so äußert er sich im Zeichen Waage eher sanft, besonnen, freundlich und sanftmütig. Ein Waage-Mars kämpft mit den Waffen der Vernunft, er argumentiert, taktiert, weicht aus, harmonisiert, gibt nach und zeigt sich eher nachdenklich.
Es gibt aber kaum eine Mars-Stellung, die so überaus begegnungsfähig, bedachtsam, umsichtig, diplomatisch und teamorientiert ist. Ein Mensch mit Waage-Mars geht in eine Gruppe von Menschen, die zutiefst zerstritten ist und ist in der Lage, sehr rasch den gemeinsamen Nenner der einzelnen Parteien zu finden. Von Kompromissfähigkeit und dem Geist der Versöhnung getragen, kann er auch dort noch Frieden stiften, wo andere schon längst aufgegeben haben. Waage-Mars ist der geborene Diplomat, Stratege und Friedensstifter.
Perspektive 2014 - ein Aufruf
"Der Heilige kann die Zeit nicht machen, aber er kann in seinen Handlungen der Zeit entsprechen. Und wenn die Handlungen der Zeit entsprechen, dann ist der Erfolg groß."
– aus „Frühling und Herbst des Lü Bu We“
Zumindest einmal jährlich wird der Berufsstand der Astrologen auch öffentlich wahrgenommen, der Blick in die Zukunft ist gefragt wie eh und je, wenn zu Sylvester das neue Jahr begrüßt werden soll. So werden wir wohl auch diesmal wieder lesen, wie günstig oder mies die Sterne in den nächsten Monaten stehen, leider nicht als ausgewiesenes, persönliches Statement einzelner Propheten, sondern oft nur „schein-astro-logisch“ begründet und abgesichert.
Los geht das Ganze meist schon mit der Überschrift „2014 wird ein Saturn-Jahr“. Das dürfte vor allem den gleichnamigen Handelskonzern freuen, als astrologischer Beobachter möchte man da schon vor Fremdscham im Boden versinken. Denn - warum bitte sollte 2014 ein Saturn-Jahr sein?
Ja gewiss, es gibt da die chaldäische Reihe, also Stunden-, Tages- und Jahresherrscher. Aber wenn man sich schon auf solche klassischen Muster beruft, sollte man zumindest beachten, dass die damit gemeinten, astrologischen Jahre immer erst zur Tag- und Nachtgleiche im März neu begonnen wurden. Und nicht am 1. Januar. Aus der Sicht der Chaldäer besteht 2014 also zu einem Viertel aus „Mond-Beherrschung“, der Rest wäre dann Saturn.