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Astro-Labor

Astro-Logics V: Woher kommt die Zeit?

„Zeit ist eine reale Illusion“.
Albert Einstein

Wenn Einstein recht hat, gibt es im Grunde keine Zeit. Sie ist nur eine Illusion, ein bisschen real zwar, aber eben nicht im wissenschaftlichen Sinn. Wir selbst sind es, die das Phänomen Zeit erschaffen, und damit unserer Wirklichkeit Ordnung und Struktur verleihen.

Folgen wir diesem Gedanken konsequent, dann ergibt sich eine dramatisch andere Sicht auf die Welt und ihre Erscheinungsformen. Nicht nur die Zeit wäre dann eine Illusion, sondern auch alles was an unsere Zeiterfahrung gebunden ist. Ursachen hätten keine Wirkungen, Bewegungsabläufe würde es nicht geben. Nichts verändert sich wirklich, niemand wird zu einem bestimmten Zeitpunkt geboren und stirbt Jahrzehnte später. Es  hätte auch niemals eine Evolution gegeben. Und ohne Evolution keinen Urknall, kein Universum, keine Galaxien, keine Sterne, keine Planeten, kein Leben. Denn jede Entwicklung ist zeitgebunden.

Mit anderen Worten – alles wäre eine Illusion. Nicht nur unser Erleben von Zeit, sondern auch unser Erleben von Raum und Form. Raum und Form könnten dann allenfalls statisch existieren, da aber jedes Modell des Kosmos eine Entwicklung voraussetzt, also Veränderung braucht, könnte man dieses Statische genauso gut als Nichts, als nicht existent bezeichnen.
Nun, dem steht, gedankt sei wem auch immer, unsere unmittelbare Erfahrung entgegen. Welt und Dinge existieren für uns, ebenso das Erleben von Zeit. Wenn wir Einstein folgen wollen, ohne in einem gedanklichen Schwarzen Loch zu landen, müssen wir andere Wege gehen, um eine Erklärung für das Phänomen der Zeit zu finden.

Wenn also Zeit die Grundlage von jeder Entwicklung ist, kann das bezogen auf die Manifestationen von Form und Raum nur eines bedeuten. Alle möglichen Entwicklungs-Zustände von Raum und  Form sind „irgendwie gleichzeitig“ existent (wobei das Wort gleichzeitig hier schon irreführend ist). Sie existieren als eine grundlegende Potentialität mit allen erfahrbaren Möglichkeiten. Erst durch das Phänomen der Zeit werden bestimmte Aspekte dieser potentiellen Möglichkeiten aneinander gereiht. In Abfolgen und zyklischen Mustern, die wir dann zB als Gesetzmäßigkeiten erleben. Der Wandel ist also nichts, was den „Dingen“ immanent innewohnt, sondern zeigt sich nur durch diese Aneinanderreihung verschiedener Ausdrucksformen.

 

Das Universum in uns

Das mag im ersten Moment wie Science Fiction klingen, ist aber Science, Wissenschaft. Denn jedes Atom in unserem Körper existiert tatsächlich seit Anbeginn des Universums. Es gibt nichts an, in und um uns herum, das erst seit dem Beginn unseres Lebens entstanden wäre. Alles, wirklich alles, was wir jetzt in diesem Augenblick erfahren und erleben, existiert seit Anbeginn des Universums und der Zeit.
So gesehen sind wir keineswegs erst einige Jahre oder Jahrzehnte alt. Die Elemente meiner Fingerspitzen, die diese Buchstaben tippen, existieren bereits seit Milliarden von Jahren. Und die Foto-Rezeptoren deiner Augen, die dich diese Buchstaben sehen lassen, sind genauso alt. Beides war schon im Urknall existent, seit der Entstehung der ersten Galaxien, im ersten Aufflammen unserer Sonne und seit den ersten Momenten der Entstehung unserer Erde. Und all das wird auch noch lange nach unserem Tod weiterexistieren, bis zum Ende aller Tage. Die einzelnen Elemente unserer körperlichen Form werden sich zwar aus dieser Verbindung lösen, aber zu unzähligen neuen Manifestationen wieder zusammen finden.

Im Prinzip gibt es also nur diesen Urstoff, wie immer man ihn nennen mag, der sich in vielfältiger Weise als unterschiedliche Elemente und Teilchen zeigen kann. Ihre Verbindung schafft erst Form, wie wir sie kennen. Und die Zeit ist der universelle Klebstoff, der diese Verbindungen zusammen hält.
Nicht die Zeit, die wir erleben, sondern eine andere, ursprünglichere Zeit gibt den Rhythmus vor, unter dem sich diese Verbindungen finden.
Potentialität bedeutet in diesem Zusammenhang nichts anderes, als die Möglichkeit solcher Verbindungen innerhalb bestimmter Zeiträume.

Vom Ursprung der Zeit

Wie aber kommt nun diese Zeit in die Welt?  Wenn es kein Zeit-Element ähnlich der Form-Elemente gibt, was schafft dann den Rhythmus der Veränderung und Entwicklung? Ist vielleicht Zeit das vielgesuchte Perpetuum mobile, etwas das sich, einmal in Bewegung gebracht, immer weiter und weiter entwickelt?  Und als allerersten Anstoß dazu nur etwas benötigte, das wir heute Urknall nennen?

Die Idee, eine Verbindung zwischen Zeit und Himmel zu suchen, ist nicht neu. Schon Plato vermutete, dass es die himmlischen Planeten sind,  die eine zeitliche Ordnung in unsere Welt bringen.
Was auf den ersten Blick wie ein alter Mythos erscheint, zeigt sich beim zweiten als durchaus folgerichtig. Die zeitlichen Ordnungsprinzipien, mit denen wir heute unsere Zeit messen, beziehen sich allesamt auf die Bewegungen der Himmelskörper, vor allem auf die Interaktionen zwischen Erde, Mond und Sonne.
Das Jahr beschreibt den vollständigen Umlauf unseres Planeten um die Sonne, die Monate leiten sich ursprünglich von den Mondphasen ab und der Tag wiederum ist die Maßeinheit für eine vollständige Umdrehung der Erde um ihren Schwerpunkt. Aber auch die scheinbar irrationale Unterteilung des Tierkreises in zwölf Abschnitte findet sich in unserem Zeitsystem immer wieder. Die 12 Monate sind dabei die offensichtlichste Einheit. Der  Tag ist in zweimal 12 Stunden aufgeteilt, die Stunde in 60 Minuten (5 mal 12), ebenso die Minuten in sechzig Sekunden.

Dass sich also unser heutiges Zeitverständnis aus den Bewegungen der Himmelskörper ableitet, ist offensichtlich. Und wir gehen davon aus, dass Zeit etwas Zyklisches ist. Messen sie nicht nur als linearen Strahl, der immer weiter in die Zukunft zeigt, sondern auch als Wiederholung bestimmter Verläufe.
Selbst die gemessene Zeit ist also nur ein Spiegel der Eigenrotation unseres Heimatplaneten um seinen eigenen Schwerpunkt und seinen Bahnbewegungen um die Sonne.
Wo aber war die Zeit dann vor der Entstehung unseres Planeten und unseres Sonnensystems?

Große Zeit

Nun, damals, vor einigen Milliarden Jahren, wurde sie  vielleicht von anderen Taktgebern bestimmt. In einer Phase als das Universum, wie wir es heute kennen,  noch im Entstehen war, waren es womöglich die Zyklen der Ur-Sonnen und Galaktischen Zentren, die den Takt vorgaben. Oder die Geschwindigkeit der Ausdehnung des Universums selbst. Diese Phasen bezeichnen wir  heute als Äonen, unvorstellbare große Zeiträume, in denen sich nach und nach Abläufe formierten, die zur Grundlage von Leben wurden. Nach der Entstehung der ersten Sterne, kamen weitere Differenzierungen  hinzu, kleinere Takteinheiten. Vergleichbar etwa mit den Perioden, die ein Stern braucht um sein galaktisches Zentrum zu umwandern.

Aber erst mit der Entstehung von Planeten konnte es weitere Unterteilungen und Verkürzungen der Zyklen geben, ihr Umlauf um das jeweilige Zentralgestirn erschuf die Jahreszyklen, ihre Eigenrotationen die von Tag und Nacht.
Genau diese Abläufe der Zeit finden wir  auch in jedem Horoskop wieder. Der tropische Tierkreis stellt die Umlaufbahn der Erde um die Sonne dar, der Häuserkreis umfasst eine vollständige Drehung der Erde um ihre eigene Achse. Aber das astrologische Zeitbild geht weit über diese Faktoren hinaus. Der Lauf des Mondes wird ebenso berücksichtigt, wie die Umläufe der Planeten. Und neben den offensichtlichen  Mond- und Planetenphasen werden auch feinere Zeitstrukturen durch die Aspekte der Himmelkörper angezeigt.
Im Grunde finden wir in einem einfachen Geburtsbild also die gesamte Komplexität aller relevanten Zeit-Taktgeber in unserem Sonnensystem wieder. Diese Rhythmen sind nun aber im Großen und Ganzen für alle Bewohner eines Planeten gültig. Woraus leitet Astrologie dann die individuellen Unterschiede ab?

Kleine Zeit

Das individuelle Radix bezieht sich immer auf den Augenblick der Geburt. Genauer – auf den Moment, in dem wir beginnen, selbstständig zu atmen. Ab diesem Moment sind wir in einen Rhythmus  eingebunden, der fortan unser Leben maßgeblich bestimmt. Wenn er auf Dauer zum Stillstand kommt, kennzeichnet das den Zeitpunkt unseres Todes. Die Elemente unserer körperlichen Verbindungen lösen sich auf, werden wieder zu ursprünglicher Potentialität. Um sich dann, irgendwann, neu und anders zu verbinden.

Diesen Zeitpunkt des ersten Atemzugs als den eigentlichen, individuellen Beginn unseres Lebens zu nehmen, ist also durchaus sinnvoll und begründet. Das astrologische Horoskop hält diesen Moment als Bild des Himmels fest, bezogen auf den Zeitpunkt und den Ort des Geschehens.

Was aber genau beschreibt dieses Bild? Beschreibt es die Beschaffenheit der Atome und Elemente? Der körperlichen Form? Der psychischen Eigenschaften? Wie sollte das möglich sein? Wie kann man aus einem statischen Bild, die gesamte Dynamik eines Lebens ableiten? Wenn es sich tatsächlich nur auf die Form, die Erscheinungen innerhalb des Raumes beziehen würde.

Nach menschlichem Ermessen erscheint das unmöglich, unsinnig und nicht nachvollziehbar. Ominöse Kräfte müssten dann am Werk sein, deren Existenz man nur vermuten kann. Jeder noch so absurden Spekulation sind damit Tür und Tor geöffnet, seitens der Befürworter genauso wie von Seiten der Kritiker.

Wer den gesammelten Ausführungen über Zeit und Raum bis hierher gefolgt ist (auch aus den früheren Astro-Logics Teilen), wird aber vielleicht schon jetzt eine andere Möglichkeit in Betracht ziehen.

Innere Uhren ticken anders

Was, wenn wir im Geburtsbild nur den Anfangspunkt, die Eckdaten unseres individuellen Zeitsinns beschrieben finden? Die Grundlagen unserer Eigenzeit, unserem individuellen Erleben von Zeit.
Und damit selbstverständlich auch Aussagen darüber, in welchem Zusammenhang wir Raum und Form erleben. Welche Bezüge wir herstellen, welche inneren und äußeren Ordnungssysteme wir für wahr oder falsch halten. Zeitsinn bedeutet ja eben nicht nur eine sinnentleerte Abfolge von Rhythmen. Der Verlauf dieser Rhythmen ermöglicht uns überhaupt erst, Zusammenhänge zu erkennen. Wirkungen bestimmte Ursachen zuzuschreiben. Entwicklungen vorher zusehen.

Es geht eben nicht nur um das mechanische Ticken einer inneren Uhr. Die Art und Weise wie sich für uns Augenblick um Augenblick aneinander reiht, welche Sinneseindrücke wir miteinander verbinden, warum wir in bestimmten Worten eine Bedeutung finden und in anderen nicht, all das hat auch etwas mit unserem individuellen Zeitsinn zu tun.

Die Grundparameter teilen wir mit allen Lebewesen auf diesem Planeten, unsere spezifische Anlage aber, zeitliche Bezüge mitsamt ihren weitreichenden Konsequenzen herzustellen, entsteht erst nach und nach. Dass wir nicht schon als Säuglinge laufen können, liegt nicht daran, dass wir noch keine Beine haben. Wir verstehen anfangs nur nicht, wie wir Schritte zeitlich so setzen müssen, dass wir vom Stolpern ins beständige Gehen kommen. Je mehr sich neben unseren anderen Sinnen auch unser Zeitsinn entwickelt, desto sicherer werden wir im Umgang mit den alltäglichen Erfordernissen.
Vielleicht zeigt unser Geburtsbild also tatsächlich diesen Startschuss in ein zeitbewegtes Leben an. Doch erst wenn wir der Himmelsdynamik weiter folgen, finden sich auch die prägenden Zyklen unserer Eigenzeit.

Zyklische Prägungen

Der erste davon ist schon innerhalb eines Tages abgeschlossen, nach einer vollständigen Umdrehung der Erde um ihre eigene Achse. Einfach gedacht.

Betrachtet man aber ein astrologisches Bild dynamisch, zeigen sich hier noch andere Zyklen. Innerhalb von 24 Stunden gehen sämtliche Planeten im Osten auf und im Westen wieder unter. Haben ihre Höchst- und Tiefststände, bewegen sich über den sichtbaren Himmel oder bleiben unsichtbar.
Auch das prägt unseren Zeitsinn womöglich schon entscheidend, es sind zumindest erste Abläufe, die wir als zyklisch erfahren.

Sobald die Sonne nach einer Erdumdrehung wieder dort am Himmel steht (ob nun über oder unter dem Horizont spielt dabei keine Rolle), wo sie zum Zeitpunkt unserer Geburt stand, ist ebenfalls ein Zyklus abgeschlossen. Gleichzeitig sind wir aber auch in die Muster der großen Zeit eingebettet, erleben den tatsächlichen Sonnenauf- und –untergang als fremdbestimmten Rhythmus.

Zwei Zeiten also, die sich aufeinander beziehen. Aus dieser Bezogenheit alleine lassen sich schon erste Schlüsse ziehen, zeigen sich im dynamischen Horoskop die grundlegenden Raster eines neuen, individualisierten Zeitempfindens. Prägung ist entstanden und alle weiteren Zyklen beziehen sich fortan auch darauf. Hier liegt unser Ausgangspunkt, unsere relative Zeitbasis.

In der Dynamisierung ist der Stand unserer Geburtssonne also nur ein zeitlicher Indikator für den Anfangspunkt eines rhythmischen Intervalls. Dasselbe gilt für alle anderen, relevanten Himmelskörper.
Das nächste, prägende Raster findet sich dann im Umlauf des Mondes wieder. Zum einen zeigen sich die Mondphasen selbst als weiterer Rhythmus, zum anderen werden durch die Übergänge über andere Eckpunkte des Geburtsbildes neue und verwobene Zeitmuster initiiert.

Mit jedem Tag, jeder Stunde kommen also neue Auslösungen hinzu. Und das was wir anfangs vielleicht leichtfertig als „den einen Zeitsinn“ betrachtet haben, entfaltet sich zu immer komplexeren und verwobenen Mustern, die unsere Welt ordnen und strukturieren. Ereignisse haben einen Anfang, entwickeln sich und finden ein Ende. Und Zeit wird erlebt als Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit.

Synchronisation und Anpassung

Aber im Laufe unseres Lebens geschehen merkwürdige Dinge. Während am Anfang unsere verinnerlichten Zeitraster noch in relativer Übereinstimmung mit den aktuellen Planetenbewegungen waren, driften innere und äußere Zyklen später mehr und mehr auseinander.

War die Zeit des Sonnenaufgangs in den Tagen nach unserer Geburt noch fast identisch mit unseren ersten Eindrücken, geht unsere innere Sonne nach 6 Monaten vielleicht genau dann symbolisch unter, wenn die wirkliche Sonne im Osten aufsteigt. Ein verschobener Rhythmus also, der uns zu einer Anpassung zwingt.

In solchen Phasen ist das Ordnungs- und Strukturprinzip unserer Eigenzeit in Frage gestellt. Und damit einher gehen Gedanken, Gefühle und Stimmungen, bis hin zu körperlichen Erscheinungen. Das Zusammentreffen dieser Rhythmen erscheint uns disharmonisch und wir suchen nach Möglichkeiten, sie auszugleichen. Im günstigsten Fall entstehen gerade dann neue Sicht- und Verhaltensweisen, aus der ursprünglichen Anpassung wird eine Erweiterung unseres Verständnisses und unseres Selbstausdrucks.Gelingt diese Anpassung nicht, können negative Empfindungen überhand nehmen, seelisches und körperliches Gleichgewicht aus dem Takt geraten. Mitsamt unangenehmer Folgen.

Im astrologischen Modell finden sich einfache und klare Methoden, um genau diese Zeitpunkte notwendiger Synchronisierungen aufzuzeigen. Vor allem über das System der Transite und Phasenübergänge. Dies alles im Detail zu beschreiben, würde den Rahmen eines Artikels vollständig sprengen. Wichtiger ist es vielleicht, noch einmal die Konsequenzen dieses Ansatzes aufzuzeigen. Auch und gerade am Beispiel heutiger Erkenntnisse.

Schöpfung 3.0

Die Grundlage der makroskopischen Welt, der großen Formen also, sind Teilchen, die kleinsten Bausteine der materiellen Wirklichkeit.  Ob aber die allerkleinsten von ihnen überhaupt als Teilchen in Erscheinung treten, hängt in weiten Teilen von einem Beobachter ab.

Was aber beobachtet dieser Beobachter? Lediglich einen Verlauf. Wäre seine Beobachtung nur auf einen statischen Moment gerichtet, würde sich das ursprüngliche Potential niemals als Teilchen zeigen können. Es würde weiterhin in seiner amorphen Potentialität verweilen. Wenn wir diesem Ansatz folgen, landen wir also wieder bei der Zeit bzw. dem Zeitsinn des Beobachters als Voraussetzung für die Entstehung wahrnehmbarer Formen.

Ab einem gewissen Punkt, wenn sich viele Teilchen zu einer größeren Ansammlung verbunden haben, ist dann ein Resultat entstanden, dass durch den individuellen Zeitsinn des Beobachters nicht mehr wesentlich beeinflusst werden kann. Genau das erleben wir dann als „große Zeit“, die Entwicklung der äußeren Welt folgt jetzt ihrer eigenen Zeitgesetzmäßigkeit.

Sobald  wir uns diesen gesamten Prozess als Verlauf vorstellen, entsteht schnell eine Vorstellung, dass dies doch alles vor sehr langer Zeit geschehen sein müsste. Es also einen ersten Beobachter gegeben haben muss, der schon inmitten des Urknalls oder kurz danach für die Entstehung des ersten Teilchens „verantwortlich“ war. Und dadurch eine lange Ursache-Wirkungs-Kette in Gang gebracht hat, an deren Ende wir uns jetzt wieder finden. Damit hätten wir einen religiösen Schöpfungsmythos erschaffen, denn dieses Wesen am Anfang der Zeit muss wohl ein sehr außergewöhnliches gewesen sein.

Von Augenblick zu Augenblick

Aber es gibt auch eine andere Möglichkeit. Wenn dieser Prozess an sich zeitlos wäre, er also ständig und fortwährend stattfinden würde, dann würden wir als Beobachter in jedem Augenblick unsere Welt neu erschaffen. Allein durch unsere Wahrnehmung und die zeitliche Sinnhaftigkeit, die wir selbst einbringen. All das könnte im Bruchteil eines Augenblicks stattfinden, Universen würden entstehen und wieder vergehen. Nur unserer Zeitsinn würde eine Brücke zwischen diesen Augenblicken schaffen und somit die Illusion einer Beständigkeit.

Man könnte nun einwenden, dass es doch zumindest große Teile dieser Welt gibt, die allen Menschen gleich erscheinen. Es kann also nicht sein, dass ich als einzelnes Individuum diese Welt erschaffe, sie müsste sich sonst erheblich von der Welt meiner Mitmenschen unterscheiden.
Das müsste sie nicht. Dann nämlich wenn der Zeitsinn aller Menschen ähnlich oder gleich gestaltet ist. Zumindest in seinen Grundparametern. Und wenn wir dem astrologischen Modell über die Entstehung dieses Zeitsinns folgen, dann sind diese Parameter eben auch gleich. Schließlich leben wir alle in dem selben Planetensystem, haben also die selben Taktvorgaben.

Dass wir diese gemeinsame Welt in Teilen trotzdem unterschiedlich erleben und erfahren, also ihre Potentialität sich nicht für jeden von uns in genau derselben Weise zeigt, hängt wiederum mit der Eigenheit unseres individuellen Zeitsinns zusammen.

Astrologie – eine Wissenschaft der Zeit?

Astrologie hat in der Vergangenheit hauptsächlich die Auswirkungen dieses Zeiterlebens beschrieben. Was auch sonst?  Wir lesen also nicht, dass der Schütze als Ausdruck der Anlage seines Zeitsinns Orientierung in einer bewegten Zukunft sucht, sich also permanent mit diesen Möglichkeiten beschäftigt. Sondern Astrologie beschreibt meist nur wie sich „der Schütze“ dann verhält. Als Archetyp, als Prinzip, als Mensch.

Aus seinem Verhalten schließen wir auf charakterliche Anlagen, Talente und Defizite. Das ist völlig in Ordnung, wenn man jedoch das dem zugrunde liegende Prinzip nicht kennt, dann können diese Beschreibungen irgendwann zu Dogmen werden, die viele Möglichkeiten dieses „Schütze-Zeitsinns“ ungewollt ausschließen. Aber überall dort, wo Beobachtungen an die Aktualität der Zeit und ihre rhythmischen Parameter angepasst wurden, bleiben sie in großen Teilen stimmig. Als Beschreibung eines wahrscheinlichen Verhaltens, nicht einer festgelegten Anlage.
Im Prinzip ändert sich durch einen verstärkten Zeitbezug also nicht viel. Zeit war ja schon immer das Grundthema der Astrologie. Der hier vorgestellte Ansatz vertieft dies nur und eröffnet vielleicht dadurch auch neue Wege in der astrologischen Deutung.

Neue Fragen, neue Sichtweisen

Denn bleibt man dem astrologischen Modell und seinen Strukturen dabei weiterhin treu, entstehen neue Fragen. Gibt es nur eine Zeit, nur einen Zeitsinn? Oder gelten für verschiedene Erfahrungsbereiche auch unterschiedliche Ansätze? Haben wir bei der Betrachtung der Zeit den äußeren Phänomenen zu viel Aufmerksamkeit geschenkt? Und wissen deshalb heute zwar wie schnell sich Licht durch Zeit und Raum bewegt.

Aber nicht, wie schnell ein Gedanke ist? Ist er überhaupt an die Zeit gebunden, wenn er keinen physischen Raum durchqueren muss?  Gibt es eine Zukunft der Empfindungen? Und die Vergangenheit eines Wahrnehmungsimpulses?  Verändern Gefühle unser Zeiterleben? Oder ist Angst nur eine komprimierte Form der Zeit? Und ist die Zeit in unseren Träumen noch dieselbe, die wir wach erleben?

Das astrologische Modell bietet eine Vielzahl von ungewöhnlichen Ansätzen zur Beantwortung dieser und anderer Fragen. Es kann sich dem Phänomen der Zeit von allen Seiten nähern, umfassender und tiefgehender als jedes andere uns bekannte Weltbild. Und darin mag ihr wahrer Nutzen liegen.

Denn solange wir uns nicht von „Einsteins realer Illusion“ befreien können, solange werden wir den Kreislauf von Geburt, Kindheit, Alter und Tod auch weiterhin erleben, genau wie er. Zeit bleibt also eines unserer kostbarsten Güter und das Wissen darum, in welcher der vielen möglichen Zeiten wir gerade leben, kann uns ganz sicher dabei helfen, sie auch bestmöglich zu nutzen.

 

Die Loop! Serie „Astro-Logics“ richtet sich vor allem an Menschen, die sich dem Thema Astrologie auf eine neue Art und Weise nähern wollen. Aus diesem Grund werden darin unter anderem astrologische Basics erklärt, die vielen Lesern höchstwahrscheinlich schon geläufig sind. Dabei geht es aber weniger um die Wiederholung von Erklärungen, die man in jedem Standardwerk über Astrologie nachlesen kann, sondern um neue Perspektiven, Herangehensweisen und Denkanstöße.

Hier gehts zu den anderen Teilen von Astro-Logics:

Astro-Logics: Zeit und Raum 
Astro-Logics II: Was ist Zeit?
 
Astro-Logics III: Venusjahre
Astro-Logics IV: Es leuchtet

Astro-Logics VI: Bilderwelten
Astro-Logics VII: Panta rhei
Astro-Logics VIII: Das scharfe Schwert
Astro-Logics IX: Der Kreis und das Ganze

Bilder (alle bearbeitet) - Dali: Mallowtek (Own work) via Wikimedia Commons; PipoClock: Silhouette_Mr_Pipo.svg: Nevit Dilmen (talk) derivative work: Nevit Dilmen (Silhouette_Mr_Pipo.svg) via Wikimedia Commons; Time: Creator:Anastasiya Markovich via Wikimedia Commons

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Freitag, 15. Dezember 2017

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