Loop!

Astro-Labor

Astro-Logics IV: Es leuchtet

Neulich in einem Forum.
User A:  „Also das mit dem Merkur und seinem Gravitationseinfluß ist Quark, da hat deine Freundin ja einen größeren auf dich.“
User B: „Heisst das, daß meine Freundin das Raum-Zeit-Gefüge stärker krümmt als Merkur? Ich hatte schon so was geahnt…“

Nein, Planeten haben keinen Einfluss. Jedenfalls keinen direkten. Können sie gar nicht, weil die mess- und spürbaren Gravitationseffekte auf mich und meinen Körper kleiner sind, als die meiner Freundin. Wäre es anders hätte ich mich vermutlich in einen Stein verliebt. Von der Größe Merkurs. Nein, ich bin sehr froh darüber, dass meine Freundin eine größere Anziehungskraft auf mich hat als Venus.

Nur – darum geht es hier nicht.

Es geht um eine These, die immer wieder von Menschen, die an die reine Kraft der Logik und des Verstandes glauben, von anderen Menschen gefordert wird. Die daran glauben, dass Astrologie eine Wahrheit zum Ausdruck bringt, die bisweilen zwar schwer nachvollziehbar, nichtsdestotrotz aber erfahrbar ist.
Der Streit darüber ist wahrscheinlich so alt wie die Erfindung des Rades, wenn es diese denn je gab. Ich vermute ja eher, das die ersten Vorfahren, die einen runden Stein zur Erleichterung bestimmter Vorhaben benutzten, auch keine Ahnung hatten, warum das Runde dafür bessere Dienste leistet als das Eckige.
Es war ihnen, vermute ich wirklich, schlichtweg egal, es hat einfach funktioniert. Und darauf gekommen sind sie nicht durch ausgefeilte Berechnungen und Überlegungen, sondern durch einfache empirische Beobachtungen. Es rollt. Heureka.

Ähnlich war es mit der Astrologie. Dort oben ein leuchtender Wandelstern vor einem fixen Sternenhintergrund, hier unten prügeln sich wieder einmal die benachbarten Stämme um die ewigen Jagdgründe.

 Am Anfang war alles etwas einfacher

"Das gabs doch schon mal, als dieser rötliche leuchtende Punkt vor diesen weißen Punkten im Hintergrund stand (die auch noch irgendwie aussehen wie ein störrischer Bock mit Hörnern)", dachte sich einer der Stammesfreaks, den man sonst nicht mal zum Wasser holen schickte. Weil er ADS hatte und eine „highly sensitive person“ war, was man aber vor 20000 Jahren noch nicht wusste. Und der Sammelbegriff für alle, die sich nicht nur mit nackten Überlebensstrategien und Fortpflanzung befassten, "Idiot" war. Später wurden aus diesen "Idioten" dann Schamanen, Medizinmänner und Heiler, aber erst nach dem sie anfingen, ihre Beobachtungen alltagstauglich zu machen und somit auch etwas zum Gemeinwohl des ganzen Stammes beitrugen.

Noch viel später, als Menschen schreiben und lesen konnten, wurden diese ersten Beobachtungen mit Namen und Begriffen belegt. Es hieß dann: Mars steht wieder im Widder. Und die Hofastrologen flüsterten ihren Königen zu „wenn du schon in den Krieg ziehen musst, tu es  jetzt…“ So entstanden neben bei auch selbst erfüllende Prophezeiungen, aber das tut der Sache, um die es hier geht keinen Abbruch.

Astrologie ist wie das Rad entstanden. Man schaut, man sieht, man beobachtet und assoziiert. Und was man dabei nicht vergessen sollte – Assoziationen die keine unmittelbare Verbesserung brachten bzw. einen erfahrbaren Nutzen hatten, haben niemand interessiert. Das Zeitalter der Philosophen kam sehr sehr viel später. Hätten also die Beobachtungen unseres Stammesidioten keinerlei Relevanz für den Alltag seiner Stammesgenossen gehabt, wäre er ein Idiot geblieben. Und nie Schamane geworden. Wer etwas anderes glaubt, versteht nichts von Geschichte und der menschlichen Natur.

Wenn das astrologische Modell niemals in seiner langen Geschichte, nachprüfbare und erfahrbare Schlussfolgerungen gebracht hätte, würde es heute nicht mehr existieren. Es hätte sich schon am Anfang seiner Entstehung als unnütz erwiesen und wäre  mitsamt seinen ersten „Entdeckern“ im Schlund der Geschichte verschwunden. Kritiker möchten die alte Dame zwar gerne in eine Reihe mit allen anderen Orakeltechniken der Vorzeit stellen, aber dann sei die Frage gestattet, warum heute niemand mehr seine Zukunft aus den Eingeweiden diverser Haustiere liest (von wenigen Ausnahmen mal abgesehen). Und stattdessen lieber immer noch zum Astrologen geht. Vielleicht gibt’s ja ein Gen dafür. Evolutionsbedingt. Tatsächlich eine halb-wissenschaftliche These. Ich befürchte man wird es eines Tages auch finden.

Um es kurz zu machen: auch später, als unsere Zivilisation langsam heranwuchs, mag es ein paar durchgeknallte Könige gegeben haben, die ihr glänzendes Gold zum Fenster hinaus schmissen. In die Hände von unfähigen Astrologen, deren Aussagen allesamt nicht den geringsten praktischen Wert hatten. Ein paar vielleicht. Aber ist es vorstellbar, dass fast alle Herrscher und Eliten der Geschichte einem Phantom auf den Leim gingen???  Wer sich mit der Geschichte der Astrologie ohne Scheuklappen beschäftigt wird sehr schnell feststellen – unter all den Beratern der Kaiser, Könige, Fürsten, Päpste und sonstigen „Entscheidern“ gab es fast immer auch einen Astrologen. Manche waren ganz offiziell in Amt und Würden, andere wurden heimlich konsultiert.  Und auch nicht ganz unwichtig: ein globales Phänomen in Zeiten, als die Erde offiziell noch eine Scheibe war und Europa nichts von Asien und Amerika wusste und umgekehrt. Wie um alles in der Welt hat die Menschheit das überlebt? Ich weiß, eine äußerst seltsame Art der Beweisführung. Aber das was man oft abfällig gesunder Menschenverstand nennt, kann ja manchmal auch für die eine oder andere Einsicht sorgen.

Gehen wir nur mal theoretisch davon aus, dass zumindest die Astrologen der früheren Geschichtsepochen einen guten Job machten. Der einen gewissen Nutzen brachte. Zum Beispiel beim Bestellen der Felder. Oder beim Heilen von Krankheiten. Sogar bei der Vorhersage des Wetters. Also very practical. Die astrologische Charakterdeutung und Seelenschau unserer Tage ist ja noch ein vergleichsweises  junges Phänomen. Und hängt eher damit zusammen, dass sich die Bedürfnisse der „Klienten“ geändert haben. Als mit den Wurzeln der Astrologie. Was hätte man einem Papst auch sagen sollen? Du hast eine Mars-Saturn Konjunktion, bist also in deinem sexuellen Ausdruck eher gehemmt. Gönn dir doch mal was nettes, damit du nicht immer so verspannt bist? Wenn aber ein Astrologe fähig war, zB das Wetter „vorher zu sagen“, und das waren manche unzweifelhaft, wenn sie gut in ihrem Job waren, dann MUSS es hinter all den Symbolen und Metaphern auch ein funktionales Ursache-Wirkungs-System geben. Oder zumindest gegeben haben.

Auch wenn die Astrologen davon keine Ahnung hatten, ähnlich wie die „Erfinder“ des Rads anfänglich. Dass dieser Missstand auch heute noch anhält, haben wir wiederum einem anderen Umstand zu verdanken, besser gesagt einem ehemaligen Kollegen.

 

Kepler und das Schisma

Ein gewisser Johannes Kepler hat uns nämlich einen Bärendienst erwiesen. Uns Astrologen. Einerseits wollte er beweisen, dass es diese kosmische Harmonie gibt, mit der er sich als Astrologe beschäftigt hat. Aber als typischer Steinbock blieb er dann bei seinen Zahlen und Berechnungen hängen und erfand die keplerschen Gesetze. Und löste damit eine folgenschwere Entwicklung aus.

Denn bis dahin war jeder Astrologe ein ebenso guter oder schlechter Astronom. Ging ja nicht anders, in Ermangelung von verlässlichen Ephemeriden und Computern. Alles Handarbeit sozusagen und ziemlich aufwendig, wenn man seinen Job ernst nahm. Andererseits, wann immer sich etwas Neues am Himmel tat, waren die Astrologen die ersten, denen das auffiel. Zudem mussten sie auch noch passable Mathematiker sein und am besten noch etwas von Physik, Biologie, Medizin, Meteorologie, Landwirtschaft, Politik und gesellschaftlichen Hintergründen verstehen. Allround-Talente sozusagen.

Nach Kepler war alles anders. Plötzlich gab es Astronomen. Und immer mehr Wissenschaftler. Die eins vereinte – ihre Abneigung gegen den eigenen Ursprung, die alte Dame Astrologie und ihre Vertreter.
Als  Astronom scherte man sich einen Teufel um den Sinngehalt von Planetenstellungen, sondern wollte nur noch mit Lineal und Stift ausmessen, wie groß etwas ist und wie weit weg. Und der andere Teil der ehemaligen  Gemeinschaft reagierte trotzig und befand, dass Größe und Weit-Weg jetzt überhaupt keine Rolle mehr spielen sollten, sondern nur noch der Sinngehalt.

Heute reden diese beiden Gattungen nicht mal mehr miteinander. Was ziemlich dumm ist.

Für die Astrologen deshalb, weil sie irgendwie jede Entwicklung verschlafen und mit ihrer Anpassung Jahrzehnte bis Jahrhunderte hinterher hinken. Vor allem aber, weil sie überhaupt keinen Schimmer haben, worauf sich ihr Modell eigentlich gründen könnte.

Für die Astronomen deshalb, weil sie in ihrer panischen Angst davor mit schwurbelnden Sternenlesern in einen Topf geworfen zu werden, einfachste Zusammenhänge nicht sehen dürfen. Denn das könnte ja schon wieder zu einer Bestätigung für die Altgestrigen werden.
Das Ende vom Lied ist wie die Geschichte von den vier Blinden und dem Elefant. Die man hier nachlesen kann.

Zeit für eine These

Nur - wir leben jetzt im Jahr 2012 und angeblich geht die Welt in ein paar Wochen unter. Deswegen jetzt mal „Buddha bei die Fische“: Astrologie funktioniert nämlich doch. Und nicht nur einmal, sondern sogar zweimal. Je nachdem, wessen Geistes Kind man ist.

Um es nicht allzu kompliziert zu machen, beschäftigen wir uns heute mit der einfacheren Variante. Nennen wir sie mal – die These für alle die glauben, dass Innen und Außen zwei paar verschiedene Schuhe sind. Und alles was Außen ist, völlig anders und unabhängig von Innen funktioniert.
Kurz die dTfadgdIuAzpvSsUawAivauuvIf  – These.

Es geht also darum (wenn man die Welt so betrachtet wie oben beschrieben), welcher Wirkmechanismus dem astrologischen System zugrunde liegen könnte. Astrologie besteht ja nun aus vielen Komponenten. Vor allem aber aus vielen unterschiedlichen Richtungen mit noch mehr Komponenten. Wenn man den unübersehbaren Dschungel an  Methoden und Fachbegriffen einmal rigoros zurecht stutzt, landet man bei vier Achsen oder tragenden Säulen.

Zum einen gibt es da den sogenannten Tierkreis oder Zodiak  (in fast allen Traditionen ein Kreis, der in zwölf Abschnitte unterteilt ist). Zum anderen die sogenannten Häuser bzw. Felder, meistens ebenfalls in zwölf Abschnitte unterteilt. Die beiden zusammen bilden einen Hintergrund, vor dem die Bewegungen von Sonne, Mond und Planeten abgebildet werden.

Letzteres ist quasi das Salz in der Suppe, ohne diese Faktoren würde jedes Horoskop ähnlich aussehen - es wäre schlichtweg leer. Sucht man also nach einer Erklärung für jemand, der eine These im oben genannten Sinne benötigt, sollte man als erstes den „Wirkmechanismus“ der Planeten und ihrer Bewegungen beschreiben. Findet man hier nichts, hat sich der Rest sowieso erledigt.

Die gute Nachricht für alle – es ist eigentlich ganz einfach, man muss nur ein bisschen umdenken. Genauer gesagt den Blick aufs große Ganze lenken. Und dabei immer schön einfach bleiben, keine binomischen Formel, Fibbonaci Zahlen, der goldene Schnitt kommt auch erst später und die Kaluza-Klein-Kompaktifizierung ist anfangs auch nicht so wichtig.
Just reasoning, oder wie es Ockhams Rasiermesser ausdrückt: die einfachste Theorie ist allen anderen vorzuziehen.

Sonne, Mond und Sterne

Wenn es also um direkt wahrnehmbare Wirkungen geht, sollten wir uns auf zwei der vier Grundkräfte in der Physik konzentrieren – Gravitation und die Elektro-Magnetische Wechselwirkung.
Es gibt, wie ein großer Skeptiker in seiner Kritik der Astrologie einmal treffend bemerkte,so gesehen nur zwei Himmelskörper, die nachweisbar und unbestritten eine direkte und unmittelbare Wirkung im Hinblick auf unseren Planeten und all seine Bewohner haben. Richtig, der Mond und die Sonne, oder auch umgekehrt, der Sonne und die Mond. Je nach Kultur und Sprache.

Der Mond wirkt durch die immer noch etwas ominöse Kraft der Gravitation. So ganz genau weiß auch heute noch niemand, was das eigentlich ist, aber man kann es zumindest messen und berechnen. Und wer glaubt, daß sich das nur auf die Bewegung der Ozeane auswirkt, sollte nochmal nachlesen. Deswegen gibt’s da auch unter Wissenschaftlern und Skeptikern keine Zweifel, Mond ist gut und wichtig und hat diesbezüglich ziemlichen Einfluss. Das ist zwar kein exklusives Alleinstellungsmerkmal, aber bezogen auf unseren Heimatplaneten ist er/sie der dickste Drops. Und das muss man hier auch nicht weiter erklären.

Die Sonne ist aber nochmal ein ganz anderes Kaliber. Mal ganz abgesehen von der Gravitation, die auch eine Rolle spielt, ist es viel wichtiger, dass sie scheint. So hat man das früher genannt, heute heißt das elektro-magnetische Strahlung und Sonnenwind. Da ist von Neutrinos, Elektronen und Protonen die Rede. Und von vielem mehr.

Die Sonne ist also auch wichtig und „wirkt“. Bezogen auf die beiden Hauptlichter gibt es breiten Konsens zwischen Astrologen und Nicht-Astrologen. Die beiden sind am wichtigsten, kann man in allen, sogar den schlechten Astrologiebüchern nachlesen. Und in den wissenschaftlichen Abhandlungen sowieso. Nur bezogen auf die anderen Planeten, die viel zu wenig Gravitation haben und auch nicht scheinen, gibt’s erst mal unterschiedliche Sichtweisen.
Die wirken nämlich wirklich nicht. Direkt. Auf uns. Jedenfalls in kaum messbaren Bereichen, wenn man sich nur auf die obigen beiden Kräfte bezieht.

Und sie wirken doch

Direkt wirken sie aber auf die Sonne. Auf jeden Fall die dicken Brocken wie Jupiter. Deswegen ist einer der Aktivitätszyklen der Sonne gleich dem Umlauf von Jupiter. Nein, nicht immer auf die Sekunde genau. Aber die Abweichungen erklären sich womöglich aus den Umlaufbahnen der anderen Planeten um die Sonne. Und ihren Stellungen zueinander. Das nennt man auch in der Astrologie Aspekte. Und Zyklen.
Die „Jupiter-These“ ist kein Hoax oder Zufall. Mittlerweile hat man zumindest schon ein anderes Sternensystem mit einer gelben Zwergsonne (HD 154345) entdeckt, die einen jupiter - ähnlichen Begleiter  hat. Und siehe da, der Aktivitätszyklus dieser Sonne beträgt ca. 9 Jahre, analog zur Umlaufzeit des dortigen „Jupiters“.

Also nochmal langsam zum Mitdenken.

Die Sonne scheint, aber wie sie scheint, hängt ganz entschieden von der Stellung aller Planeten ab. Und deren Verhältnis zueinander. Natürlich wird das bei den Größten am offensichtlichsten. Wie bei Jupiter. Das liegt in der Natur der Sache.
Aber wenn man nun weiß, dass auch Jupiter eingebunden ist ins große Ganze und die Bewegungen der anderen Planeten seine Bahn ebenso beeinflussen und alle zusammen die Lage des Baryzentrums unseres Sonnensystems bestimmen, dann entsteht doch langsam ein Bild von: alles hängt irgendwie mit allem zusammen und beeinflusst sich gegenseitig. Was am Ende egal wäre, wenn es keine Sonne gäbe.

Weil es aber Sonne gibt, und die Art wie sie scheint, auch von den Stellungen der Planeten abhängt (hinzu kommen noch einige andere kosmische Phänomene), erreichen uns die Auswirkungen dieses ganzen Mit- und Durcheinanders eben sehr deutlich spür-  und messbar. Über all das, was unserer Zentralgestirn so von sich gibt. Eben nicht nur Licht, sondern noch einiges mehr.

Hier haben wir also eine Wirkung. Und in ein paar Jahren wird wohl auch niemand mehr diesen Zusammenhang bestreiten. Es gibt schon heute genügend ernsthafte Forschungen darüber, von denen manche aber zur Zeit in die Kontroverse um den Klimawandel involviert sind und  für politische und wirtschaftliche Interessen eingespannt werden. Und somit nicht die objektive Aufmerksamkeit bekommen, die sie eigentlich verdient haben. Aber auch das wird sich irgendwann ändern.
Auf jeden Fall haben wir jetzt eine These. Und um Ockams Rasiermesser Genüge zu tun, nochmal einfach ausgedrückt:

Die Sonnenaktivität in all ihren vielfältigen Formen wird maßgeblich durch die Bewegungen der Planeten beeinflusst. Die Planeten selbst haben zwar nur einen minimalen, direkten Einfluss auf Mensch und Welt, ihr indirekter Einfluss zeigt sich aber über die Auswirkungen der Sonnenaktivität. Diese wiederum beeinflusst alles Leben direkt und unmittelbar.

Das ist, um Mißverständissen vorzubeugen, eigentlich ein alter Hut. Theodor Landscheidt zB hat schon vor etlichen Jahren auf diesen Zusammenhang hingewiesen, andere Forscher wie Percy Seymour ebenso. Nur malen die Mühlen der Wissenschaft nicht immer so schnell, wie man sich das gemeinhin vorstellt. Und es mag durchaus noch ein paar Jahre dauern, bis dieser Zusammenhang sozusagen „amtlich“ wird. Dafür gibt’s dann höchstwahrscheinlich auch einen Nobelpreis.

Zurück zum Thema. Ein methodisches System, dass als Basis seiner Beobachtungen die Bewegungen aller Planeten inklusive Sonne und Mond nimmt, beobachtet demnach im Umkehrschluss sehr wohl etwas „wirkungsvolles“ und relevantes.

Dieses System heißt Astrologie.

Natürlich bedeutet das nicht, dass alle Schlussfolgerungen, die Astrologen im Laufe der Jahrhunderte aus diesen Beobachtungen gezogen haben, richtig sind. Keine Frage.
Es bedeutet aber trotzdem, dass die Grundlage dieser Beobachtungen nicht aus der Luft gegriffen ist. Die simple Aussage mancher Kritiker – Planeten können keinen Einfluss auf uns Menschen haben – ist damit als Begründung einer generellen Ablehnung des Systems der Astrologie hinfällig.
Jedenfalls bis zum Beweis, dass diese These falsch ist.

Aber aber aber

Jetzt kommt das Aber. Eigentlich viele Abers. Aber irgendwo muss man ja anfangen.
Aber - wie soll denn das astrologische System, das ja geozentrisch angelegt ist, also die Planetenbewegungen aus der Sicht der Erde darstellt, diese heliozentrischen Aspekte überhaupt erfasst haben. Und damit diese indirekten Wirkungen?

Einfache Antwort. Musste es ja gar nicht. Es hat die Bewegungen der Planeten immer aus unserer Sicht dargestellt. Da aber alles auf empirischer Beobachtung beruhte  (was passiert zum Zeitpunkt X hier auf der Erde), spielte das überhaupt keine Rolle. Denn trotzdem hat die Astrologie ja das eigentliche Ursache-Wirkungs System beobachtet, nur aus einer anderen Perspektive. Dadurch werden eventuelle Wirkmechanismen ja nicht ungültig. Die Bezugspunkte verändern sich und damit auch die Zuordnungen, das ist wohl wahr. Und ja, das kann dann auch Probleme schaffen.

Denn ein heliozentrischer Aspekt zwischen Jupiter und Saturn, muss aus geozentrischer Sicht gar keiner sein. Wenn also die beiden in einer heliozentrischen Konjunktion stehen, kann sich das aus Erdsicht ganz anders darstellen.  Wobei es bei den Langsamläufern eine relativ zeitnahe Angleichung gibt. Schwieriger, weil sehr viel unterschiedlicher ist das vor allem bei den inneren Planeten Merkur und Venus. Hier differieren die Umlaufbahnen gewaltig.

Regeln und Ausnahmen

Genau das ist den alten Astrologen aber schon immer aufgefallen. Manchmal gab es da Übereinstimmungen. Eine Wirkung ist aufgetreten und am Himmel stand etwas in Konjunktion. Also hat man beim nächsten Mal gedacht, jetzt passiert es wieder. Tat es aber nicht, zumindest nicht zum berechneten Zeitpunkt. Weil heliozentrisch und geozentrisch nicht in Übereinstimmung waren. Ein paar Tage später war aber plötzlich die erwartete Wirkung da. Und Schwupps hat der Astrologe dann einen Sonderfall berechnet, ein neue Regel zum Ausregeln hinzugefügt. Die mit etwas Glück beim nächsten Mal wieder funktioniert hat. Und wenn nicht, dann kam noch eine Regel dazu.

Denn der Effekt war ja eingetreten, nur oft eben nicht zum erwarteten Zeitpunkt. Und leider müssen dabei auch zwangsweise Zuordnungen entstanden sein, die im oben dargestellten Sinne, „falsch“ waren. So wurde vielleicht der Venus eine Wirkung zugeschrieben (weil die aus geozentrischer Sicht eine prägnante Stellung hatte), die aus heliozentrischer Sicht eigentlich aus dem Zusammenspiel von Merkur und Mars kam (bezogen auf die Sonnenaktivität). Das mag dann auch die Probleme mit Prognosen und Deutungen erklären. Sie sind womöglich einfach deshalb sehr viel öfters falsch als richtig, weil sie sich auf falsche Zuordnungen beziehen

Nur darf man bei all dem eins nicht vergessen. Da astrologische Beobachtungen nicht innerhalb von einigen Wochen und Monaten als Regelsätze nieder geschrieben wurden, sondern die Kernelemente im Laufe von Jahrtausenden entstanden sind, gab es auch genügend „Zeit“ sprich Möglichkeit, das System auf diese Fehlerquellen hin auszurichten. Und da das geozentrische Bild ja keine pure Erfindung ist, sondern nur ein Perspektivenwechsel, ergibt sich auch die rechnerische Möglichkeit, dass die Darstellung von Planetenbewegungen aus dieser unterschiedlichen Perspektive trotzdem ein für den angedachten Zweck stimmiges Bild liefern kann.

Zudem gibt es da ja noch ein anderes Phänomen. Wenn auf der Sonne wieder mal ein großer Ausbruch stattfindet, entstehen zwei messbare Ereignisse. Das Erste kann schon unmittelbar nach dem Ausbruch, fast zeitgleich, gemessen werden (Stichwort Neutrinos). Das zweite, meistens heftigere, findet dann ein bis drei Tage später statt. Dann wenn die Ausläufer dieser Sonnen-Tsunamis auf das Magnetfeld der Erde treffen. Diese Auswirkungen können oft Tage anhalten.

Wenn also auf der Erde bestimmte Anomalitäten zu beobachten waren, hat unser Astrologe natürlich zum Himmel geschaut und die geozentrischen Positionen dafür „verantwortlich“ gemacht. Er hat also den eigentlichen, heliozentrischen Hintergrund ins Geozentrische übersetzt.
Trotz alledem, ändert das nichts an den Besonderheiten unserer Himmelsmechanik. Planeten stehen in bestimmten „harmonischen“ Abständen zueinander, ihre Umlaufbahnen folgen außergewöhnlichen Mustern usw. usw. Wenn ich diese Bewegungen von einem bestimmten Ort aus beobachte, beobachte ich ja trotzdem nichts „Falsches“. Lediglich das Erscheinungsbild ändert sich. Aber auch für diese Perspektive gelten immer noch dieselben Gesetzmäßigkeiten, die Grundlage ändert sich nicht.
Solange zumindest, wie man das System immer wieder an aktuelle Beobachtungen anpasst und neu justiert. Da sich ja auch völlig neue und unbekannte Konstellationen zeigen können.

 

Zwischen den Stühlen

Den einzigen Vorwurf den man der Astrologie oder den Astrologen machen kann ist – irgendwann haben die meisten aufgehört, eigene Beobachtungen zu machen. Sondern sich auf die systemischen Aussagen ihrer Vorgänger verlassen. Und wenn dann die beobachtete Wirklichkeit nicht damit übereinstimmte, hat man das geflissentlich unter den Teppich gekehrt. Augen zu und durch.

Vor allem nach der Trennung zwischen Astronomie und Astrologie entstand ein immer größeres Wissensgefälle. Die einen wurden mehr und mehr gesellschaftsfähig, bekamen dementsprechende Unterstützung für Forschung etc., die anderen waren immer mehr auf sich gestellt. Und haben deshalb auf ein scheinbar endgültiges und abgesichertes Wissen zurück gegriffen, in Ermangelung eigener und neuer Forschungsmöglichkeiten.

In diesem Dilemma stecken wir noch heute. Es gibt kaum astrologische Forscher, die sich eine solche Forschung auch leisten könnten. Ohne jede Unterstützung durch Sponsoren oder die Gesellschaft. Ihre einzigen Sponsoren sind ihre Kunden, und die erwarten eine solide und verlässliche Dienstleistung, die auf gesicherten Daten beruht. Wenn ich aber forsche, werden sich meine gesicherten Erkenntnisse zwangsweise immer wieder auch von selbst in Frage stellen, das nennt man dann Fortschritt und Entwicklung. Ich müsste in solchen Phasen meine Arbeit mit Menschen womöglich einstellen, brotlose Kunst also. Ist gleich Arbeitslosigkeit ist gleich Forschung findet nicht mehr oder nur in geringem Umfang statt.
Ein Teufelskreis, der menschlich nachvollziehbar ist, aber zu einer Stagnation in der Entwicklung des astrologischen Systems geführt hat.

Die Krux mit den Neuen Planeten

Zu all dem kommt noch hinzu, dass man von der Existenz mancher Himmelskörper keine Ahnung hatte. Von Uranus und Neptun zum Beispiel. Auch deren Wirkung musste man sich ja irgendwie dazu rechnen, ohne dass man wusste, dass es sie gibt. Aber die Effekte waren da. Konnte man beobachten. Genauso wie heute noch. Aber eben nicht „richtig“ zuordnen.

Und ich vermute mal, das ist immer noch so. Das Tyche-Phänomen zum Beispiel könnte alsbald weitere Lücken schließen, die bisher nur „überbrückt“ wurden.
Durch einen Haufen komplizierter Formeln, wie das halt so ist. wenn man Wissenschaft betreibt. Und bestimmte Faktoren noch gar nicht kennt. Wie das Higgs Boson. Oder die Grundlagen von dunkler Materie. Und dunkler Energie.
Das mag jetzt alles Wasser auf die Mühlen mancher Astrologie-Kritiker sein. Aber vielleicht zeigt sich ja zumindest für Einige auch etwas anderes. Vertrautes. Gerade wenn es um Forschung und Entwicklung geht. Was wäre denn das Higgs-Boson ohne 25 Jahre Vorarbeit und viele Milliarden an Forschungsgeldern? Nur eine Idee im Kopf von Herrn Higgs.

Des Kaisers neue Kleider

Was bleibt oder zumindest bleiben sollte: es gibt sehr wohl Möglichkeiten eine These für einen wirkungsvollen Hintergrund zu entwickeln, die das Modell der Astrologie in ihren Grundlagen bestätigt. Wenn man denn guten Willens ist und die entsprechenden Mittel dazu hat.
Sinnvoll wäre das allemal, denn auf wundersame Weise bildet es ja die hochkomplexen Zusammenhänge von Gravitationswirkungen und elektromagnetischer Wechselwirkung und vielem mehr in einem einzigen System ab. Auf einfachste Weise. Ist es nicht das, was Ockhams Rasiermesser meint und wonach Forscher auch heute noch suchen?
Natürlich ist das hier nur eine erster Thesenansatz. Darüber das Planeten sehr wohl einen Einfluss haben könnten. Wenn auch anders als bisher angenommen.
Der ganze Rest des astrologischen Modells bedarf gesonderter Erklärungen. Und Überprüfungen. Ob einige der gängigen astrologischen Aussagen in diesem Zusammenhang noch stimmig sind, bleibt bis dahin offen. Aber Offenheit wäre ja schon mal ein Anfang, um ins Gespräch zu kommen.

Aber um ehrlich zu sein, ich glaube daß es noch eine andere Erklärung gibt, warum und wie Astrologie "funktioniert". Die bezieht sich dann aber auf all das, was nicht messbar ist. Das eigene, subjektive Erleben von Ich und Welt, die eigene Wahrnehmung, die eigenen Empfindungen, Vorstellungen und Gedanken. Also auf all das, was uns Menschen ausmacht. Das anfangs angesprochene "Innen", dass scheinbar unabhängig vom "Außen" existiert. Und umgekehrt. Hier stößt man dann auch wieder auf das seltsame Phänomen der Zeit. Auch eines der Rätsel, die noch nicht gelöst wurden.
Diese Erklärung hier ist für all diejenigen gedacht, die alte Wahrheiten in einem neuen, zeitgemäßen Kleid sehen wollen. Auch wenn man weiß, was es mit „des Kaisers neuen Kleidern“ oftmals auf sich hat.

Für alle anderen, die irgendwie ahnen, dass das was Welt erschafft, nicht in den fernen Weiten des Universums wohnen muss, gibt es erstmal nur ein Bild. Aber vielleicht reicht das ja schon.

 

Die Loop! Serie „Astro-Logics“ richtet sich vor allem an Menschen, die sich dem Thema Astrologie auf eine neue Art und Weise nähern wollen. Aus diesem Grund werden darin unter anderem astrologische Basics erklärt, die vielen Lesern höchstwahrscheinlich schon geläufig sind. Dabei geht es aber weniger um die Wiederholung von Erklärungen, die man in jedem Standardwerk über Astrologie nachlesen kann, sondern um neue Perspektiven, Herangehensweisen und Denkanstöße.

Hier gehts zu den anderen Teilen von Astro-Logics:

Astro-Logics: Zeit und Raum 
Astro-Logics II: Was ist Zeit?
 
Astro-Logics III: Venusjahre
Astro-Logics V: Woher kommt die Zeit?
Astro-Logics VI: Bilderwelten
Astro-Logics VII: Panta rhei
Astro-Logics VIII: Das scharfe Schwert
Astro-Logics IX: Der Kreis und das Ganze
 

Bilder: Nebra: by DBachmann[CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) oder GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons

Geo- und Heliozentrsich (bearbeitet): von Niko Lang (Eigene Arbeit (Niko Lang)) [CC-BY-SA-2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia Commons

Solarcycles: von Dilaudid [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/), GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC-BY-SA-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5-2.0-1.0)], via Wikimedia Commons

Sun: by John Stetson via SpaceWeatherGallery

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Freitag, 15. Dezember 2017

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