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Astro-Labor

Astro-Logics II: Was ist Zeit?

„Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis. Alle Menschen haben daran teil, jeder kennt es, aber die wenigsten denken je darüber nach. Die meisten Leute nehmen es einfach so hin und wundern sich kein bisschen darüber. Dieses Geheimnis ist die Zeit.“

Michael Ende in „Momo

Warum erscheint uns Zeit so ungreifbar? Als wäre sie lediglich eindimensional  messbar, etwas nebulöses, dass es zwar gibt, aber keinesfalls so „wirklich“ ist, wie all die Formen, Farben, Klänge und Düfte, die wir als Teil des Raumes wahrnehmen. Deutlich und sichtbar.

Warum können wir Zeit nicht genauso klar und eindeutig erkennen? Nun, vielleicht hat das lediglich mit unserer Perspektive von Raum zu tun, mit einer automatischen Zuordnung von bestimmten Ausdrucksformen von Wirklichkeit, die wir irrtümlich mit Raum im Sinne von Struktur, Festigkeit und Materie verbinden. Womöglich liegt es einzig daran, dass wir alles, was wir wahrnehmen, dem Raum- und Form-Aspekt von Raumzeit zuordnen und deswegen nichts mehr für den Zeitaspekt übrig bleibt.

Denn wenn wir allgemein von Wirklichkeit und Realität sprechen, meinen wir in aller Regel den „dinglichen“ Aspekt unserer Wirklichkeitserfahrung. Das was wir greifen können, mit unseren Händen und unseren Sinnen. Dieser Aspekt von Wirklichkeit erscheint uns aber nicht nur einfach als Form und Struktur, sondern in ihm finden wir auch Eigenschaften wie Festigkeit und Stabilität.

Der Raum mit all seinen formgebenden Elementen stellt also für uns das eigentlich „Wirkliche“ dar, während wir dem Zeitaspekt lediglich das Vorübergängliche und Flüchtige zuordnen.
Aber schon alleine in dem Begriff Wirklichkeit versteckt sich eine andere Bedeutung. Denn wirklich kommt von Wirken, etwas wirkt oder wird bewirkt. Es dreht sich hier also mehr um eine Handlung, etwas Bewegtes oder Bewegendes, nicht um statische Strukturen.
Wirken und Handeln erfahren wir aber nur im Zusammenhang mit dem Vergehen von Zeit. Jede Bewegung bedingt eine Abfolge von einzelnen Schritten, die wenn sie durch unser Zeiterleben miteinander verbunden werden, dann erst als Wirkung und Ergebnis in Erscheinung treten. Ohne Zeit also hätte niemals ein Universum entstehen und sich entfalten können, kurz gesagt – all die wunderbare Vielfalt der Form wäre schlichtweg ohne dieses Zeitkontinuum nicht existent.
Aber auch das, was uns an der dinglichen Wirklichkeit so fest und stabil erscheint, hängt in großen Teilen von der Relativität unseres Zeiterlebens ab.

 

Ein Beispiel: Steine und Felsen erscheinen uns im Gegensatz zu Wind und Wasser als sehr solide und fest. Wenn wir versuchen würden, mit unserer Hand in den Fels hineinzugreifen, machten wir die Erfahrung von  Widerstand, der Stein ist für unsere Hand undurchdringlich. Aus der Sicht eines rein materiellen Universums ist dies völlig einleuchtend, Stein bzw. Fels ist eben ein härterer Stoff als Hand bzw. Haut und Fleisch.
Die  Physik hat dafür viele Formeln und Begründungen entworfen, die am Ende alle darin übereinstimmen, dass es dafür materielle Ursachen gibt. Stoffliche Bedingtheit eben.

Aber stellen wir uns jetzt für einen Moment vor, wir könnten uns in eine Zeitkapsel setzen und darin die Geschwindigkeit bestimmen, mit der Zeit für uns verstreicht. Und statt eines normalen Menschenlebens von ca. 80 Jahren, stellen wir unsere Lebensuhr auf eine Zeitspanne von 500 Millionen Jahren ein.
Und jetzt, während unsere Zeit in einer neuen, sehr viel langsameren Geschwindigkeit abläuft, blicken wir aus dem Fenster dieser Kapsel auf den eben noch so festen Fels. Wir würden überrascht feststellen, dass uns dieser harte Fels jetzt wie ein flüchtiger Windhauch erscheint. Seine Oberfläche verändert sich in Sekundenschnelle, wird aufgewirbelt wie die Gischt einer Welle und nach sehr kurzer Zeit wäre er zu einem flüchtigen Nichts zerfallen.

Würden wir in dieser Phase aus unserer Kapsel aussteigen und innerhalb unserer neuen Eigenzeit diesen Fels berühren, könnte es dann nicht sein, daß da kaum noch Widerstand ist? Wir vielleicht allenfalls noch ein sanftes Kribbeln spüren würden, wenn unsere Hand in den "Fels" eintaucht?

Als ich vor Jahren den alten Bibelspruch entdeckte, "Alles hat seine Zeit", sah ich darin nur einen Hinweis darauf, daß eben alles nur zu einer bestimmten Zeit geschehen könnte.
Aber vielleicht ist damit auch gemeint: Alles hat seine eigene Zeit.

Genau diese Eigenzeit macht dann den Unterschied. Ob uns etwas stabil erscheint oder zerbrechlich, hängt immer auch von dem Verhältnis unseres eigenen Zeiterlebens zu der Eigenzeit des Beobachteten ab.
Vergeht unsere "Eigenzeit" schneller als die des Objekts, wird uns dieses stabiler und fester erscheinen. Ist es umgekehrt, erleben wir dasselbe Objekt als zerbrechlich und fragil.

Die Sicherheit, die uns der Boden gibt auf dem wir uns bewegen, hat demnach nicht nur mit seiner materiellen Beschaffenheit zu tun, sondern auch mit dem Verhältnis der Eigen-Zeiten zwischen uns und ihm.
Und unser gesamtes Erleben von Welt entsteht aus diesem Miteinander. Dieses nichtgreifbare, relative Etwas, das wir Zeit nennen, ist eine Art unsichtbarer Film, der unsere Wirklichkeit umhüllt und zumindest mehr mitgestaltet, als wir das oft wahrhaben wollen.

Zeit spielt mit dem Raum und seinen Ausdrucksmöglichkeiten. Sie zeigt uns das wandelbare Potential, dass jeder Form und allem Materiellem innewohnt. Sie ist in gewisser Weise die Grundlage allen Lebendigen, der universelle Tanzboden unserer Alltags-Erfahrung.
Sie ist das verborgene Gesicht hinter den „Dingen“,  und selbst in unserer christlichen Schöpfungsgeschichte wird angedeutet, dass sie die Basis ist, auf der Welt erschaffen wurde.

Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag." (Genesis, 1. Buch Mose)

Fazit: Hinter dem unscheinbaren Begriff der Zeit verbirgt sich also weitaus mehr, als nur das Ticken unserer Uhren. Kein graues Etwas, sondern die Basis von Wirkung und somit Wirklichkeit. Nicht greifbar als Erscheinung, aber immer wieder zu finden in dem anderen Aspekt unserer Erfahrung, in den Formen und sinnlichen Wahrnehmungen.

Hierin liegt vielleicht die einfachste Erklärung, warum wir in einem Horoskop, einem Stundenbild, nicht nur die Qualität der Zeit, sondern auch ihren Ausdruck in Form und Gestalt erkennen können, denn beides ist untrennbar miteinander verknüpft.

Aber während sich dem Form-Aspekt unserer Wirklichkeit fast alle Naturwissenschaften gewidmet haben, bleibt es bis heute der Astrologie überlassen, das grundlegende Wesen sowie die Eigenschaften und Gestaltungskräfte der Zeit zu erforschen und zu verstehen.

Um dieses Wissen dann sinnstiftend so anzubieten, dass es für alle Menschen, unabhängig von ihren geistigen, religiösen, kulturellen oder sozialen Hintergründen, nützlich und hilfreich ist.

Die Loop! Serie „Astro-Logics“ richtet sich vor allem an Menschen, die sich dem Thema Astrologie auf eine neue Art und Weise nähern wollen. Aus diesem Grund werden darin unter anderem astrologische Basics erklärt, die vielen Lesern höchstwahrscheinlich schon geläufig sind. Dabei geht es aber weniger um die Wiederholung von Erklärungen, die man in jedem Standardwerk über Astrologie nachlesen kann, sondern um neue Perspektiven, Herangehensweisen und Denkanstöße.

Hier geht es zu den anderen Teilen von Astro-Logics:

Astro-Logics I: Zeit und Raum 
Astro-Logics III: Venusjahre
Astro-Logics IV: Es leuchtet

Astro-Logics V: Woher kommt die Zeit?
Astro-Logics VI: Bilderwelten
Astro-Logics VII: Panta rhei
Astro-Logics VIII: Das scharfe Schwert
Astro-Logics IX: Der Kreis und das Ganze

 

Dienstag, 19. Juni 2018

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