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Waldjunge: Er hatte seine Wahrheit

Der neue Kaspar Hauser kam scheinbar aus dem Nichts und führte die Welt fast ein Jahr an der Nase herum, indem er sie neptunisch mit einer Geschichte nach der anderen fütterte. In Wahrheit ist der mysteriöse "Waldjunge Ray" ein Stier, der jetzt zum Ausgleich seiner ganz, ganz großen Lüge 150 Stunden "der Herde" dienen muss. Manchmal sind Richter eben auch ganz gute Astrologen.

Dass Robin van H., heute 21 Jahre alt, nun mit Sozialstunden seine blühende Fantasie und die Kosten von 30 000 Euro abbüßt, die er Berlin aufbürdete, passt genauso zu seinem Geburts-Horoskop wie das, was er getan hat: Eine faszinierend stabile Schein-Identität erfunden, die seinem Sonnenstand Raum zum Atmen und ein Setting gab, das mehr auf ihn zugeschnitten war, als seine wirkliche Wirklichkeit. Archetypen-Lehre in Aktion - ohne dass er davon selbst wusste.

Denn Sonnen-Herrscherin Venus steht in seinem Radix im Quadrat zu Uranus-Neptun. Es ist genau diese schwierige Konjunktion, die mit "Ray" auch viele andere Kids aus der Generation des jungen Holländers bei problematischen Kontakten zu persönlichen Faktoren zu solchen "Waldjungen" macht. Verloren zwischen den virtuell entgrenzte Realitäten, die Gegenwart in einer Wassermann-Fische-Zeit ihrer Geburt mit ihren - nur dem Anschein nach - endlosen Möglichkeiten zu sprengen drohten. Meist ohne Unterlage des sicher Saturnischen, das unter dem Stempel dieses Uranus und Neptun im Zeichen ja immer radikaler verschwimmt. Diesen Kindern fehlen wirklich Grenzen und Halt. So gesehen ist Robin aus den Bäumen auch ein Archetyp seiner Zeit. Fische-Mars schenkt ihm dazu das Ticket zum Flüchten.

Am 5. September 2011, als Lilith exakt auf seiner Widder-Venus steht und den hungrigen Fantasie-Aspekt von Uranus-Neptun aktiviert, während Saturn aus Waage gerade zur Spannung anläuft und Pluto-Uranus seinen Widder-Merkur belagert, taucht ein Junge im Roten Rathaus in Berlin auf. Er behauptet, dass er aus den Wäldern kommt, wo er fünf Jahre lang gelebt hat. Seine Geschichte liefert alles, was ein gutes Märchen braucht: Mutter tot, Vater dort draußen gestorben und von ihm beerdigt. Das Merkwürdige: In gewisser Weise stimmt das auch. Dieser Junge, der in Wahrheit Robin heißt, übersetzt nur die Symbole seines Lebens. Aber das weiß keiner. Die Polizei ist sprachlos. Kaspar Hauser in Berlin. Waldjunge Ray kommt in eine betreute WG. 

Man traut ihm die Gedächtnislücken zu, die ja wirklich, in anderen Zusammenhängen, für Neptunisch-Uranisches typisch sind. Vielleicht wirkt die absurde Story des Jungen darum auch so kongruent. Er strahlt diese echte Gebrochenheit im Sein aus, unter der sonst so normalen Fassade der Stier-Sonne und eines zurückhaltenden Steinbock-Mondes, die beide Sicherheit dringend benötigen. Ihnen zum Wohlgefallen erfindet "Ray" sich bei Uranus-Pluto-Transit über einem stets unendlich spontan und kurzfristig agierenden Widder-Merkur jetzt eine Vergangenheit neu, die mit seiner echten in gewisser Weise psychologisch korrespondiert. Nur dass er sie völlig anders übersetzt. Wie Erde das tut, in praktischen Überlebens-Bildern. Mit der feurigen Grundlage eines Denkens, das in sich schnell wie perspektivlos ist (weil es nie Folgen vorausplant) und jetzt noch hektischer losstürmt.

Damit organisiert Robin van H. sich auch ein gedachtes Umfeld, das es der Umwelt leicht macht, sich um ihn zu kümmern. Als wäre er wirklich noch der Minderjährige, für den er sich ausgibt, als der er sich möglicherweise auch fühlt. Dabei ist er seit über einem Jahr formal erwachsen und agiert in all diesem Chaos auch völlig autonom. In der Erfindung. Aber darunter benötigt er offenbar Ver- und Umsorgung. Widder-Anteile haben oft beim Heranwachsen ein Problem: Sie empfinden sich als extrem selbstig und eigen-sinnig, aber gleichzeitig auch noch lange als kindlich emotional. Denn Widder ist ja der Starter, das "Baby" des Tierkreises. Forever Young. Darum holt sich Robin van H. nun in der betreuten WG durch seine Lüge auch das Aufgehoben-Sein, den Halt, den auch Stier will. Vermutlich, weil er all das da, wo er herkommt, nicht bekam. Die Ambivalenz seines Horoskops spiegelt diese beiden Seiten in dem Jungen, der - wie sich erst viel später herausstellt - aus dem kleinen, holländischen Städtchen Hengelo kommt. Venus-Uranus-Neptun: Er will in die weite Welt, Berlin. Also löst er sich einfach in Luft auf (Fische-Mars) und geht fort. Von einer Minute auf die andere. Uranus und Pluto bringen Merkur unter Druck. Weg aus dem Käfig.

Aber als ihm in Deutschland das Geld ausgeht, braucht er Absicherung und einen gesellschaftlich üblichen Kontext, möglichst gestützt von wirklich "Erwachsenen". Stier und Steinbock. Robin erfindet deshalb sein Märchen, das all das zusammen- und hervorbringt. Freiheit und Lüge im Normalen. Einen Platz in der Herde, den das erste Venus-Zeichen immer genauso sucht wie flüchtet. Alles in einem. Sicher wundern sich die Sozialarbeiter, dass dieser junge Typ, der jahrelang durch die Wälder gezogen sein will, nachdem die Mutter bei einem Autounfall starb, so famos mit Computern umgehen kann. Ein Gamer, mit dem Quadrat von Sonnen-Herrin zu Uranus-Neptun. Der kein Deutsch und fließend Englisch spricht, der schüchtern und gleichzeitig hintergründig aufmüpfig ist. Ein Rätsel eben. Aber vielleicht sind Menschen so, die mit Bäumen sprechen. Von Robin van H. gibt es ein Foto, wie er mit Sonnenbrille irgendwo auf einem Ast zwischen Blättern sitzt und lächelt. Darin steckt eigentlich schon sein ganzes Horoskop. Aber da Hengelo, die etwas piefige Kleinstadt, sich weder für Wald-Romantik, noch für große Freiheit des verlorenen Jungen eignete, dichtet er sich eben nun, in Berlin, sein Teil dazu. Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Sein und Nicht-Sein. Selbst und Bild.

Denn er IST ja auch der Waldjunge, der Stier, im Kokon der Natur, immer im Überlebenskampf, auf Schutz-Suche, mit Venus zwischen Neptuns Nebel und Uranus' weiten Räumen. Da oben, wo der Wind im Geäst pfeift. Selbst das Radix der neuen Identität, das er wohl spontan erfindet (Ray, geboren am 20.6.1994, links) spiegelt faszinierend seinen Umgang mit genau diesem Anteil einer ambivalenten Identität wieder: Statt Venus als Sonnen-Herrscherin mit Uranus und Neptun angespannt, nun Stier-Mars trigonal zu beiden Langsamläufern. Womit Robin für Ray das Ursprungs-Problem in seine Komfortzone holt und als fließend zum integrierbaren Anteil lösbar macht. Ein junger Mann, der unbewusst dem jungen Mann, der er sein will (aus Fische-Mars wird der praktisch handelnde Stier-Mars), einen Konflikt aus dem Radix streicht.

Die Mars-Pluto-Opposition, die dieses neue Horoskop des neuen "Wald-Wesens" aufweist, zeigt nun auch noch ausgerechnet zusätzlich Mars-Pluto, den Aspekt der klassisch Entrechteten und Vertriebenen, die in die Wälder gehen, vogelfrei leben, Opfer und Täter gleichermaßen sind. Uranus-Neptun dazu als Anschub, nicht als Behinderung, wie in Robins wirklichem Leben. Der Mond im Plutonischen weist auf den Ursprung des Problems hin: Im Bereich des Mütterlichen, das fehlt. Die dominierende Second-Hand-Anlage aus Robins Radix wird in der Fantasie zum erwünschten, öffentlich gezeigten Gesicht, mit dem der Fake-Waldjunge der Welt jetzt neu gegenüber tritt. Über eine Geschichte, die ein Problem in den marsisch-plutonischen Kontroll-Bereich verlagert und dadurch nicht nur Welt manipuliert, sondern auch praktisch handlungsfähiger ist, als Mars in den Fischen. 

Die Jungs mit direkten, großen Uranus-Neptun-Aspekten in Bezug zu persönlichen Faktoren lösen ihre Verstrickungen häufig auf einer zweiten Spiegel-Ebene, wie Robin. Sie brauchen (vor allem bei Widder-Beteiligung) echte Quests, die Initiationen ins Mann-Sein, haben oft extreme Autonomie-Kämpfe und beharren darauf, alles allein zu lernen. Ihr Trotz kann Legende sein, die Feldzüge in Doppel-Identitäten (und sei es nur radikal und entgrenzt am PC, wenn sie sonst keine Gelegenheit finden) ein regelrecht klassischer Ausdruck. Manche werden eine Weile Hobos, ziehen durch die Welt, auf Schiene oder zu Wasser, bevor sie sich niederlassen. Nur dass bei Robin van H. Stier und Steinbock diesen Abenteurer nur teilweise durchlassen und Bequemlichkeit letztlich siegt. Niemand wundert es, dass seine alte, wahre Identität fast genau die Dauer einer Schwangerschaft braucht, um den Holländer wieder einzuholen. Als Ray, der Erfundene, offiziell "erwachsen" zu werden droht, weil sein 18. Geburtstag angeblich kommt, verstärkt die Polizei ihre Bemühungen um Aufklärung. Dann melden sich plötzlich Freunde aus Holland, die Ray kennen und wissen, dass er als vermisst gilt.

Kaspar Hauser, der moderne Waldjunge, fliegt auf, als Pluto und Uranus mundan fast genau im Quadrat zueinander stehen - daher ist anzunehmen, dass sie seinen (ungesicherten) Mond berühren. Jedenfalls holt ihn die Heimat ein (Mond) und auch die Mutter, zu der er schon als Kind den Kontakt verlor. Nachdem sie mit ihm und seinen Bruder in der Kleinkind-Zeit aus Holland nach Portugal "flüchtete" und beide angeblich vernachlässigte, bringt der Vater die Kids wieder nach Hause und erzieht sie allein. Deshalb war Mutter tatsächlich für Robin lange "tot". Einfach verschwunden, wie in seinem Märchen. Der Vater, ein Busfahrer, musste viel arbeiten, um die Kinder versorgen zu können. Danach sah Robin sich offenbar als einsamen Waldjungen, aufgewachsen ohne Sicherheit, die Stier mit Steinbock-Mond benötigt, damit er sich in seinen fantasievollen Uranus-Neptun-Anteilen konstruktiver, freier entfalten kann. Er soll schon in der Schule aus seinen Eltern ein Geheimnis gemacht haben. Denn er lernte mit Fische-Mars und Neptun mit Venus über die Mutter früh, dass Flucht immer eine Möglichkeit ist, aus Konflikten auszusteigen.

Das Drama an dieser altbekannten Beugung der Wahrheit, so wie Neptun sie versteht, geht aber noch weiter. Während Robin in Berlin als Waldjunge in Betreuung und Obhut der Stadt lebt, stirbt sein Vater, ohne dass er es weiß, nur wenige Monate, bevor sich das Rätsel um "Ray" aufklärt. Nun stimmte seine Story wirklich - wird auf eine seltsame und unwirklich virtuelle Art zur Realität. "Er hatte seine eigene Wahrheit. Er hatte offenbar Gründe, seine eigene Wahrheit zu haben. Aber an die sind auch wir nicht rangekommen.“ Das sagte sein Betreuer später (TAGESSPIEGEL) über den Jungen, der sich ein ganz neues Gebäude über einen sehr alten Konflikt zurecht baute. Venus-Uranus-Neptun - manchmal werden Erfindungen eben dann später auch wahre Wirklichkeit. 

Dass dieser Junge, Robin oder Ray aus Hengelo, der sich zuhause nicht mehr zurecht fand, sehr beschämt gewesen sein soll, als alles herauskam, ist nachvollziehbar. Stier hat einen großen Sozial-Stolz und legt letztlich Wert auf ein positives Image. Die Brechung seiner bedürftigen Anlage mit der Suche nach einer Herde, die Mensch anerkennt und stützt, wird durch diesen anderen, viel radikaleren, flüchtigeren und ebenso dominanten Anteil im "echten" Robin geradezu aufgerissen.

Venus-Neptun-Uranus von Widder nach Steinbock, die Konstellation, bei der eben manchmal eine Geschichte die andere jagt. In der Fantasie und im Leben, was wiederum die Fantasie beflügelt. Ob Robin nun Robin bleibt (oder erst wird, so wie er gedacht ist, als polarer Mensch, der mit sich und sich leben kann), bleibt unsicher. Abspaltung ist immer wieder eine Option. Besonders, wenn irgendwann Pluto und Uranus direkt die schwierige Venus-Lagerung erreichen. Dagegen sind die Sozialstunden nun ein Klacks, die Stier mit Steinbock-Touch nicht nur verkraftet. Es kann sein, dass sie ihm sogar Sicherheit geben. Vielleicht findet der Waldjunge so ja einen neuen Weg aus dem Gewirr der Bäume, wo er sich eine Weile völlig verirrt hat. Der Weg ist jetzt nach zwei Seiten offen: Mit seiner Anlage kann er genauso gut ein großer, fantasievoller Geschichten-Erzähler werden, der in sicheren Umständen lebt, wie ein chronischer Hochstapler, der erst in kaum aufbrechbaren - weil fest installierten - Scheinwelten beginnt, wirklich zu vibrieren und zu leuchten. 

 

Bilder: Tubanti + Vitold Muratov (Own work) [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons

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