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Die späte Begnadigung der Hexen

Köln nimmt nachträglich Missachtung der Menschenwürde zurück

Zu spät ist besser als nie. Sollte man meinen. Wenn Köln nun endlich - fast 400 Jahre nach der mitteleuropäischen Hexen-Hysterie - bei Uranus-Pluto-Quadrat und Waage-Saturn die Unschuld der Angeklagten nachträglich feststellt und sie "rehabilitiert" (ARTIKEL WELT) ist das vielleicht ehrenhaft. Aber gestorben sind die Frauen (und Männer) doch. Unter übelsten Folterungen, schlimmsten Schmerzen und der vielleicht verächtlichsten Begleitmusik, die man sich für ein Drama vorstellen kann: Den begeisterten Rufen des Mob. 

Auf den Wellenkämmen jenes Hexenwahns, der heute als hysterisches Massenphänomen und Reaktion auf Armut, Kriege und konfessionelle Spaltungen gilt, fanden sich ausgerechnet bereits dieselben Konstellationen wie jetzt, in der Phase der "Entschuldung". Uranus-Pluto, Saturn in der Waage. Denn am Anfang jeder Denunziation ist immer das Wort. Gerüchte, jenes berüchtigte, nicht nur damals, sondern auch heute noch übliche "gemein Geschrey", das Saturn in Waage beinhart über die Öffentlichkeit vervielfältigt und dort als wirksame Meinung einmauert.

Um 1450 begannen die Verfolgungen unter Steinbock-Herr im Zeichen der Multiplikatoren, kurz danach gesellte sich eine Uranus-Pluto-Konjunktion im Löwen (die Bedrohung der Individualität) dazu. 1596, auf dem Höhepunkt der Hatz auf Menschen, die anders waren, wiederholte sie sich im Widder mit nachwanderndem Saturn in der Waage, der Meinungen munitionierte. Um ab 1711 (erneute Konjunktion im Löwen mit anhängendem Waage-Saturn) endgültig langsam auszuklingen.

Geschätzt haben 30 000 Menschen in diesen dunklen Zeiten der harten Klischees und Verurteilungen hierzulande sterben müssen, weil ihnen vorgeworfen wurde, sie seien mit dem Teufel im Bunde gewesen. Gerade da, wo Unschuld posthum festgestellt wird, bleibt ja als Gegenpol das Klischee, die generelle Möglichkeit zur Schuld. Unter Waage-Saturn werden solche Kategorien vielleicht schönfärberischer genutzt. Sie sterben aber nicht aus. Vielleicht ist das auch gar nicht möglich, solange weiter ein Konzept des Bösen lebt, dem völlig unsystematische Ahnungen der "höheren, spirituellen Welten" entgegenstehen. Die alte Konkurrenz zwischen Pluto und Neptun, dem fixen und dem formlosen Wasser, das immer mit stärksten Gefühlen verbunden ist und sich auf Geistesinhalte auswirkt. Die dann aufgeplustert weitergereicht werden.  

Die sogenannten Hexen waren bevorzugte Zielscheiben. Immer besondere Frauen, unbequeme, auch astrologisch schwierig angelegte Personen, mit denen eine Gesellschaft schwer zurecht kam. Viel seltener als man annimmt, handelte es sich bei ihnen um jene Kräuterweiblein, Hebammen oder weisen Geschöpfe, die eben nah am Neptunischen, den "anderen" Welten lebten. Die "Hexen", die während der Verfolgung gefoltert und bei den gefürchteten Proben auf Unschuld vermessen wurden, standen vielmehr meist im Fokus von Nachbarschafts-Konflikten oder kommunalen, politischen Streitereien, weil sie sich über ihre sperrige Persönlichkeit als Projektionsflächen anboten. Sie waren einfach speziell. Damals wie heute. Von wenigen ist das Geburtsdatum überliefert. 

 

Eine von ihnen, Maria Renata Singer von Mossau, verkörpert den sehr, sehr eigenständigen, "emanzipierten" und dadurch schwer handelbaren Frauentyp, der sich unter den vermeintlichen Zauberinnen der damaligen Zeit immer wieder findet. Als Superiorin des Klosters Unterzell bei Würzburg wurde sie zum letzten, fränkischen Opfer der Hexenverfolgung. Mit einer Steinbock-Sonne in Opposition zum Saturn stand Maria der regel-gerechten Seite des Seins ebenso nah, wie durch ein weites Venus-Neptun-Quadrat von Skorpion nach Wassermann dem Hang zum Ausbruch aus der Frauenrolle. Mit 70 Jahren wurde sie der Hexerei für schuldig erklärt, bei Mars auf ihrer Sonne geköpft, wonach ihr Kopf - stadtwärts zeigend - als Abschreckung aufgestellt und der Körper verbrannt wurde. Wegen ihrer Schwäche durch die Folterungen musste sie sitzend auf einem Stuhl zum Richtplatz getragen werden. Sie hatte vorher, unter dem Druck der Qualen, gestanden, sechzig Jahre lang Hexe gewesen zu sein.

Ihre Geschichte liest sich wie der Klassiker all der Frauen, die früher und später das Schicksal mit ihr teilten. Missgunst, Neid und das gemeine Geschrei spielten eine Hauptrolle. Wie es sich für eine so starke Steinbock-Betonung plus Sonne-Uranus gehört, fiel Maria auf. Sie war seit dem 20. Lebensjahr im Kloster, dort äußerst fleißig, selbständig und galt rasch als Vorbild. Nachdem ihr das wirtschaftliche Management der Gemeinschaft unüblich schnell übertragen wurde, lief alles jahrzehntelang gut. Bis  Uranus auf Sonne und Pluto auf Mond (ausgerechnet die Langsamläufer-Signatur der Hexenprozesse) 1738 Gerüchte und Neider brachten. Man nahm Maria ihre Katzen weg und der Selbstläufer des Geredes brach über ihr zusammen. Plötzlich war sie für alle unangenehmen Ereignisse verantwortlich.

Damals war ein hysterisches Symtombild, das man als "Besessenheit" bezeichnete, in Klöstern nicht unüblich. Heute weiß man, dass solche "Ausraster" oft in engen Mädchen- oder Frauengruppen vorkommen (siehe Fan-Hypes oder auch die Namensgebung der Hysterie = wandernde Gebärmutter) und seelisch ansteckend wirken können. Als in Marias Kloster sechs Nonnen als besessen diagnostiziert wurden, war klar, wer die Schuld hatte. Die Frau, die durch Eigenwillen und strenge Selbstdisziplin schon immer besonders auffiel. Ihr Chart stand unter dem Einfluß eines doppelten Neptun-Pluto (Konjunktion und Quadrat). Solche Zweifachbetonungen zeigen sich oft schicksalshaft und die Folgen sind meist archetypisch übertragbar und kaum aufzuhalten.

Als Neptun 1749 ihren Merkur und Mars in der Opposition agitierte, hieß es unvermittelt, die Superiorin sei auch noch mondsüchtig. Was sie vermutlich tatschlich war, da Merkur-Neptun in Transiten ein bisher ruhendes Talent zur Hellsicht oder lunare Empfindlichkeit hervorrufen kann. In einer Nacht schlug ihr eine aufgewühlte Nonne mit einem "Disciplinenhieb" mitten ins Gesicht. Das heisst, einer Peitsche, die normalerweise der Selbstkasteiung diente. Was für ein erschreckend beziehungsreiche "Übersetzung" des neptunischen Überlaufs zu Merkur/Mars im Steinbock. Danach automatisierte sich das eingestielte Klischee von der Hexe Maria. Die alte Frau starb nach einer Selbstbeschuldigung von Teufelsbuhlschaft über Mäusemachen bis hin zur Verunehrung von Hostien nach zahllosen Folterungen.

Eine ganz ähnliche Geschichte hat KATHARINA HENOT, die Frau, die bei der jetzigen Entschuldigung des Rats der Stadt Köln immer wieder genannt wurde. Auch hier spielt wieder ein Kloster die Schlüsselrolle. Nach Jahrzehnten, in denen die Stadt bei den im Rheinland sonst sehr beliebten Hexenprozessen äußerst zurückhaltend und abwehrend gewesen war, läutete ihre Verurteilung einen regelrechten Rush ein. Das Gerücht um ihre "Hexerei" war einerseits wegen ihres Bestehens darauf entbrannt, dass sie die Rolle der einflußreichen Postmeisterin für Köln behalten wollte, die man ihr streitig machte, und sie nicht klein beigab, sondern dafür sogar vor Gericht ging. Andererseits gab es im Kloster St. Klara in Köln wieder besessene Schwestern, die Katharina Henot beschuldigten, dafür verantwortlich zu sein. Andere selbst Beschuldigte sprangen auf diesen Zug auf. Eine alte Geschichte des Übertragungsversuchs von Verantwortlichkeit begann und die Tür zur Hexenhysterie ging auch in Köln auf. Wie so viele, war Katharina Henot (hier ihr Brief zu Selbstentlastung vom März vor ihrem Tode) eine besondere Frau, die mehrfach versuchte, sich schon vor der offiziellen Beschuldigung vor Gericht gegen die Gerüchte zu wehren. Ein Geburtsdatum liegt nicht vor, wohl aber das Chart ihres Todestages, das mit Uranus-Pluto-Jupiter im fixen Kreuz nahlegt, dass die energische Katharina ebenda dominante Positionen im Radix aufwies. Sie bestand bis zu ihrer öffentlichen Erdrosselung vor dem Mob darauf, dass sie unschuldig sei und wurde später als Steinfigur am Kölner Rathaus verewigt (rechts). 

Ein Beispiel für die starken Charts und ungewöhnlichen Lebensläufe der Menschen, die man als Funktionsträger der Hetze gegen "Hexerei" einsetzte, sind zwei kleine Mädchen: Betty Parris (Venus Opposition Pluto und Quadrat Uranus), neun Jahre, und ihre Cousine Abigail Williams, elf Jahre alt. Sie lösten in Amerika als lange Hand der Hysterie ungewollt die unglaublichen Hexenprozesse von Salem aus, bei denen 1692 mehr als zwanzig Menschen umgebracht und unzählige Unschuldige der Hexerei beschuldigt wurden. Abigail, die im Geburtshoroskop einen Cluster von 5 Planeten (Sonne, Merkur, Saturn, Uranus und Pluto) im Krebs sowie ein Sonne-Uranus-Quadrat (und auch die Uranus-Pluto-Signatur) aufweist, war die Nichte eines Erweckungspredigers.

Mit dessen Tochter Betty zusammen fiel sie auf, weil sie unvermittelt eigentümliche Anfälle bekamen. Verrenkungen, seltsame Sprachausbrüche, merkwürdiges Herumkriechen am Boden, was alles in allem epileptischen Symptomen glich. Beide wurden für besessen erklärt und dazu gebracht, Nachbarn und Sklaven zu denunzieren. Dahinter steckte möglicherweise ein Familienfehde, die sich wie ein Buschbrand ausbreitete. Abigail hatte damals  einen Transit von Jupiter-Uranus-Saturn auf ihrem Jupiter, was dem Kind immense Aufmerksamkeit sicherte. Betty dieselbe Konstellation im Transit zu Sonne-Mond im Schützen. Beides eine ebenso starke Belastung wie der kosmische Startblock für eine Verwicklung in den Trend zu Denunziation, Verurteilung, gesellschaftlicher Ächtung, der durch eine exakte Spiegelung von Pluto auf Uranus von Krebs zu Zwilling (die in der Auswirkung der Konjunktion gleichkommt) losbrach. 

Was braucht man als "Gegengift" zu einem solch' auffälligen Signum? HARTMUT HEGELER heisst der evangelische Pfarrer und Autor, dem die Stadt Köln ihre späte Einsicht zu verdanken hat, dass eine Entschuldigung gegenüber den Opfern des Hexenwahns fällig wäre. Er setzt sich seit Jahren für deren Rehabilitation ein - nicht nur als Gründer des Arbeitskreises Hexenverfolgung in Westfalen. In seinem Radix findet sich ein mutiger Uranus auf Sonne in den Zwillingen, eine hoch verantwortliche Venus-Saturn-Konjunktion im Krebs. Und vor allem Jupiter und Neptun in der Waage, deren ersterer die bei Waage-Saturn erstarrten öffentlichen Meinungen öffnen und der andere Klischees völlig auflösen kann. Solche Menschen braucht das Land, wenn es - wie jetzt - unter Uranus-Pluto und Saturn wieder neue Kategorien ohne Ende bildet und für gesellschaftliche Urteile besonders anfällig ist. Gegen alles und jeden, was aus dem Rahmen fällt. Wie damals die, die man "Hexen" nannte.

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