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Grass' Schuldfragen: Mit letzter Tinte

 Über ein Gedicht, das ein Zankapfel ist 

Karfreitag kommt. Jemand muss ans Kreuz. Einer, der sich astrologisch als frisches Bauernopfer von Saturn Waage und Uranus-Pluto-Quadrat eignet. Mit all den Kategorie-Hülsen, Flügel-Kämpfen und Projektionen. Gesucht wird einer, der ein bisschen Schuld für andere trägt. Auf den man mit Fingern zeigen kann. Wie in der Waschmittel-Reklame: Nun haben wir wieder ein reines Gewissen. Um’s kurz zu machen: Der Mann ist gefunden. Günter Grass. Nobelpreisträger und seit der „Blechtrommel“ moralische Instanz Deutschlands. Saturn zur Zeit am Ac, Uranus-Pluto-Transit zum Mond. Zeitklima ins eigene Schicksal eingebunden. Er hat einen Fehler gemacht. Ein GEDICHT geschrieben. Im Lande der Dichter und Denker.

"Was gesagt werden muss", heisst es. Es kommen aber leider auch Worte darin vor, die sich unter Waage-Saturn aufpumpen lassen. Zu geistig brutal attackierbaren, abstrakt-formalistischen Klischees. Worte wie Israel, Verschweigen, Lüge, Strafe und Mitschuld. Dagegen hat man hierzulande eine Allergie. Aus guten Gründen. Das ur-deutsche Dilemma von Schuld bricht wieder auf. Von Vergangenheit. Passend zum Transit von Neptun Quadrat BRD-Sonne, der – gerade jetzt – exakt ist. Samt Pluto über AC und Quadrat zu Neptun im 8. Radixhaus. Grass‘ politisch-menschliches Manifest hat nämlich unter anderem diese wenig poetische Aussage: Nach dem Trauma des Holocaust dürfe in hiesigen Breiten über Israel besser nicht mehr wie sonstwo geurteilt werden. Und er greift Israel an. Das gibt den Medien die Steilvorlage für eine neue Delegation von Schuld. Haben wir dich endlich! Da steht der wahre schwarze Peter.

Seit Saturn die Waage stempelt,  berechtigt sich Öffentlichkeit ja dazu, Projektion zum Denkmal eigener Unfehlbarkeit zu machen. Was jetzt, hier, passiert, berührt deshalb auch nicht nur das Drama eines Mannes, der bei der Wanderung von Steinbock-Herrscher über sein aufsteigendes Zeichen letzte Einsichten in die Welt schicken will. Sondern auch das alte Drama Deutschland (im Radix Sonne Quadrat Saturn und Chiron) in traditionell-nationaler Erstarrung gegenüber eigenen Fehlern. Alten und neuen. Plus Schuld, als akutes Pluto-Neptun Thema. Der Zwang zum Tabu.

Grass drückt aus, was andere schon gedacht haben. Deutschland kann nicht gleich unter Gleichen sein. Denn: Deutschland hat nach wie vor keinen Umgang mit seinen Altlasten. Sie zeigen sich astrologisch durch ein scharfes Pluto-Quadrat zum Mars auf dem deutschen Stier-IC, dem Grass‘ Merkur im Skorpion gegenüber steht. Der den Finger - wie so oft - in die Wunde hält. Sprich, die Deutschen liefern für ihn als eine Art Kompensations-Geschäft unendlicher Schuld am Holocaust Israel U-Boote, die dort wiederum kriegerische „Erstschläge“ möglich machen. So öffnet der Schriftsteller nicht nur sperrangelweit die Tür für Vorwürfe, alte antisemitische Positionen wieder aufzubringen. Sondern auch Schuld-Fragen an sich, die neue Schuld nach sich ziehen. Wenn kein Ausgleich gefunden wurde. Als Kampf-Pflaster. Ein bekanntes Phänomen der Neptun-Thematik mit Pluto-Einschlag.

Nur gibt es im Leben eben Traumata, die schlicht nicht wiedergutzumachen sind. Wie die Shoa. Passend zu Ostern taucht mit Grass nun ausgerechnet in deutschen Landen auch das alte Christen-Trauma des ewigen Martyriums des einen oder anderen wieder auf. Prinzip Komplex, Prinzip Neurose, Prinzip Buße. All das, was religiös delegierbar ist. Zur Not eben auf den Himmel. Unter Transit Jupiter im Kurs auf Mars-IC und Quadrat Pluto. Also ran an den Feind und ächten: Grass war's. Er provoziert (im Radix ebenfalls Mars Quadrat Pluto). Er mahnt. Er möchte nicht mehr schweigen. Er will Wahrheit sagen. Da schlägt ein Land, das sich gedemütigt fühlt, schnell zurück. Das inhaltlich mit sich selbst noch nicht fertiggeworden ist. Lenkt ab. Umgeht.

Wenn die innere Welt in Bewegung oder Aufruhr gerät, findet sie eben immer einen Spiegelpunkt in den äußeren Erscheinungen. Bei Menschen, die wie Grass in der Öffentlichkeit stehen, dreht sich aber die selbst-erschaffene Übertragung des Drucks von Transiten auf Welt-Probleme auch wieder um. Wendet sich gegen sie.  Am Ende landet nun mal überall alles doch nur immer wieder da, wo es einmal angefangen hat. bei sich selbst. Ob man nun Grass heisst, oder Deutschland.


 Zwar wird Günter Grass, weil er kein Bundesamt bekleidet, sondern frei ist, nicht das nächste Rücktritts-Opfer medialer Intelligenz, die wochenlang Büßergesten fordert. Sondern eine Art freiwilliger Märtyrer, verletzt von seiner eigenen Zeitdynamik, mitsamt deren unvermeidlichen Missverständnissen. Was ist schon passiert? Ein Dichter, ein Literat (Mond als Herr 9 in 9 und Herr 7 Konjunktion Mc-Herrscherin Sonne in 12) hat das getan, was man von ihm erwartet. Und dabei eher un-lyrisch ausgedrückt, was ihn gerade bewegte. Das braucht Krebs-Mond als Herr der Philosophien, Visionen und seiner inneren „Mission“. Verböte Grass sich das, könnte er nicht mehr schreiben.

Umso mehr, als gerade Uranus sein Radix-Quadrat zu eben diesem Mond wiederholt. Grass‘ Angst vor etwas Drohendem, das bei Saturn am Ac durchaus physisch ist, und sein Wunsch, aufrichtig Dinge beim Namen zu nennen, Tabus zu brechen, spiegeln sich in Radix-Pluto in 9, Quadrat Sonne-Mars. Sich zumindest von Konventionen nicht einschüchtern zu lassen, ist auch Uranus‘ Sache. All das hat der Nobelpreisträger im Zankapfel, dem Gedicht „Was gesagt werden muss“ ausgedrückt. Zum Missfallen deutscher Kritik. Denn  sein Pluto steht fast exakt im Quadrat zum Widder-Mond der Republik.

Kein Wunder, dass er und Deutschland es miteinander nie leicht hatten. Grass‘ Merkur im Skorpion, gegenüber von Deutschlands Altlasten (Mars am Stier-IC Quadrat Pluto im Löwen) ist kein unkomplizierter Heimatliebender. Obwohl das Krebs-Mond so gern möchte. Was dieser Mann seinem Land zu sagen hat, schmerzt nun mal. Letztlich spricht er über Doppelbödigkeit, Heuchelei, eine falsche Wiedergutmachung. Alles, was sich auch als aktuelle Auslösung in seinem Geburtsbild wiederfindet. Zum einen Saturn, als Herrscher über Recht und Unrecht, gerade auf seinem Waage-Aszendenten. Nicht nur ein paar Tage, sondern durch Rückläufigkeit schon seit einigen Wochen. Wer immer diesen Übergang bereits erlebt hat, wird ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Einerseits eine Zeit großer Klarheit und Klärung, andererseits starke Ängste und das Gefühl von Einschränkung. Der Druck aufs emotionale Brustbein kann ungeheuer werden, und vielerlei Formen annehmen.

Einbruch der Selbstbeschränkung

Wohl dem, der gleichzeitig ein anderes Ventil findet, um all das zu lindern. Kunst. Schreiben. Politik. Saturn herrscht bei Grass über Haus 3, Selbstausdruck in jedweder Form, allerdings in 2 im Schützen. Diese Konstellation hat, bildlich gesprochen, „die Weisheit mit Schöpflöffeln gefressen“ und braucht Einschränkung und Fokussierung, um nicht uferlos zu werden. Vor allem, wenn der beherrschende Jupiter in den Fischen auch noch generell zum Wahrheitsfinder tendiert. Auch Grass‘ Saturn selbst steht gerade unter energetischem Dauerbeschuss. Mars aus Jungfrau (ebenfalls fast stationär) rüttelt von der einen Seite, Neptun in Fische weicht von der anderen Seite auf. Die angeborene Selbstbeschränkung durchläuft eine Wandlung, kann nicht mehr aufrechterhalten werden.

Besonders, wenn Uranus den ungeheuer reagiblen, auf Heimatliches, Gefühltes, phasenhaft Erscheinendes bezogenen Mond in die Zange nimmt. Mit Transit-Saturn am Aszendenten fühlt sich das wie innere Ketten, wie Gefängnis an. Hier kommt die zweite treibende Kraft der Zeitqualität zu Hilfe: Uranus, der Freund aller Revolutionäre und Befreiungskriege, stützt trigonal den angeschlagenen Saturn, nur nicht in dessen ureigener Weise. In blitzartigen Schüben kommen Einsicht und Erkenntnis. Einem geht ein Licht auf. Positiv, erhellend wahrgenommen. Unvereinbares scheint plötzlich vereinbar: Einen alten Status einerseits aufrechterhalten, während man Neues, Unerwartetes, ins Leben bringt.

Aber Revolution bedeutet leider das Abschlagen alter Köpfe und die Überwindung überholter Strukturen. Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn Grass das Web als uranisches Medium benutzt und sein Gedicht als „Open Source“ ins Internet gestellt hätte. Womit die viel berufene „Schwarm-Intelligenz“  (eine andere Uranus-Analogie) selbst über Erfolg oder Misserfolg - oder wichtiger: Wahrheit oder nicht – hätte urteilen können. Das Land, unter dem Druck des Transit-Quadrats von Neptun zu Sonne, ist allerdings verführbar durch Fehl-Wahrnehmungen. Falsche Propheten gehen zur Zeit auf und wahrere „Kanäle“ im starren Urteil von Waage-Saturn unter.

Ausgerechnet die alten Medien-Seilschaften, die Grass benutzt, sind momentan durch die Saturn-Belastung aber eher für Scherben-Gerichte gut. Hauptsache, maßstäblich. Hauptsache, die kategorische Verregelung stimmt, die Saturn seit der kardinalen Klimax ins Luftklima der geistigen Landschaft trägt. Bevor er im Skorpion die Beliebigkeit und Auswechselbarkeit der begegnenden Ideen, denen er Gewicht beimaß, lange wieder aufräumen muss. Also bleibt das Unvereinbare für Günter Grass unvereinbar. Denn aus dem schönen Uranus-Saturn-Trigon ist plötzlich das Quadrat zum Radix-Mond geworden. Und Widerstand tut weh. Der wendet sich gegen die stark empfundene Schrift an der Wand, die Grass gesehen hat. Exakt jetzt. Kurz nach der Veröffentlichung.

Was noch letzte Woche eine gute und mutige Idee war, wird jetzt zum Bumerang gegen das eigene Gefühl, in 9 etwas Gutes zu fügen. Im Leben des Nobelpreisträgers bleibt das saturnische Prinzip als Blockade noch Wochen und Monate wirksam. Mitsamt der Verwirbelungen (durch Mars-Neptun-Opposition im Quadrat zu Radix-Saturn) und Ent-Rechtungen. Nicht angenehm. Für Normalsterbliche ab einem gewissen Alter immer auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit.

Das chronifizierte Schuldgefälle

Grass‘ fast verzweifelte Ethik, die vermutlich in ihrer Schärfe auch aus dem Bewusstsein seiner Endlichkeit stammt, mutet Spötter und andere Protagonisten der uranischen Anteile von Wirklichkeit völlig übertrieben an. Sie rebellieren. So zeigt sich Wassermann, wenn er sich in Kämpfen gegen einen moralisierenden Skorpion für die öffentlichen Formalismen des aktuellen Saturn verbraucht. Das macht Günter Grass‘ Ahnungen von persönlichem und weltbezogenem Unheil nicht weniger realistisch. Er wird gehen irgendwann. Israel, Iran, Nordkorea, Pakistan oder Deutschland,werden bleiben. Mitsamt ritualisierter Be- und Entschuldigungen, aber auch hilflosen Versuchen, gleich unter Gleichen zu sein. Ohne chronifiziertes Schuldgefälle, wie es unter Neptun über Deutschlands Radix-Saturn entstanden ist. Und bei Pluto Quadrat Neptun noch zwanghafter entsteht. Tatsächlich ist die freie Fähigkeit, Kritik zu geben und zu nehmen, mehr als wichtig. Aber das versteht Sonne-Saturn-Chiron-Land nicht auf den ersten Blick.

Was war nochmal passiert? Wir erinnern uns: Eigentlich hat hier, im Land der Dichter und Denker, nur ein Literat ein Gedicht geschrieben. Das zudem keins ist, sondern ein politisches Statement. Was immer man daraus macht, kann hilfreich werden oder noch mehr unter den Teppich kehren. Bei Saturn in Waage, dem „Hammer der Beschönigung“, sagt Interpretation meist mehr über das Problem des Lesers aus, als über das des Autors. Der, passend zum Thema, häufig ein echtes U-Boot im Nebel der deutschen Selbstanalyse war. Mit seinem Land verbindet Grass übrigens ein Combin, das sich auf den 4. August 1938 errechnet, den Tag, an dem ausgerechnet ein deutsches Kriegs-U-Boot in Dienst ging, das für Wikipedia allen Ernstes das „zweiterfolgreichste“  der gesamten Kriegsmarine ist. Elf "Feindfahrten". 55 Schiffe versenkt. Eine Groteske für sich. Zufall?

Synchronizitäten weisen, laut C.G. Jung, oft auf bedeutsame Entwicklungen, Herausforderungen und Aufgaben hin. Vielleicht musste, damit wieder diskutiert werden kann, ja tatsächlich etwas gesagt werden. Und vielleicht wirklich, wie Günter Grass schreibt: Mit letzter Tinte.

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Donnerstag, 14. November 2019

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