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Hoolo-Ween: Deutschland im Herbst

Jupiter im Löwen ist schon eine feine Sache: Ich-bezogene Weltbilder haben Hochkonjunktur, im Kleinen wie im Großen. Ichbezogenes Weltbild bedeutet: Ich (Löwe) gehöre zu den Guten, glaube an das Richtige etc. (Jupiter). Folgerichtig beginnt man dann, immer neue, plutonische Feindbilder zu kreieren, alles was ausgelagert werden muss, weil es nicht ins eigene Gutmenschentum passt, wird irgendeinem Anderen oder auch ganzen Gruppierungen zugeordnet. Anfangs fühlt sich das dann meistens sehr gut an, es herrschen ja endlich klare Verhältnisse, nur kommt diese Art der Abspaltung und Selbsterhöhung früher oder später immer als Bumerang zurück.

Nachdem unsere Leitmedien und Politiker also eindringlichst und immer wieder vor der „salafistischen Gefahr“ gewarnt haben, hat sich jetzt eine neue Allianz gebildet, die sich nun um dieses Problem kümmern will. Hooligans und rechte Gruppierungen haben deswegen am Sonntag in Köln eine gemeinsame Demo organisiert und gleich mal gezeigt, wohin die Reise in Zukunft gehen soll. Nur dass sich diesmal nicht nur ein paar hundert ewig Gestrige auf den Weg gemacht haben, sondern gleich einige tausend. Im Ergebnis brachte das dann etliche Verletzte, Chaos in Köln und  wieder einmal liest man heute – die Politik ist ratlos, damit hat nun wirklich niemand rechnen können.

Auch das ist wieder ein herrliches Beispiel, wie einfach diese Aufspaltung aktueller Herausforderungen funktioniert. Da sind also über Nacht die Monsterhorden aus den Unterwelten hervor geschwemmt worden (Pluto-Archetyp) und jetzt ist man selbst höchst überrascht (Uranus-Archetyp) und auch ein bisschen durcheinander. Damit ist das aktuelle Quadrat, das in knapp vier Wochen zum vorletzten Mal exakt werden wird, bestens in Konzepte verpackt und durch die Abtrennung der beiden Hauptthemen kann es auch keine Lösung geben. Außer eben die übliche für alle Evolutions-Dummies: die Bösen müssen weg.

Dabei hätte im Vorfeld selbst ein kurzer Blick auf die entsprechende Wikipedia-Seite genügt, um zu verstehen, worum es geht, wenn Hooligans zu einer Demonstration aufrufen:

Das Zelebrieren von Gewaltritualen und das Kultivieren einer Ästhetik der Aggressivität sind bestimmende Elemente der Hooligan-Kultur.

Aus Wikipedia

Es geht also um Krawall, Gewalt, Aggressionsabbau, Kampf und Gegnerschaft. Alles Mars-Themen mit plutonischem Beigeschmack und so wird es auch niemand sonderlich wundern, dass die beiden Symbolträger sich fröhlich vereint zum Höhepunkt der Auseinandersetzungen wieder finden. Am MC des Ereignishoroskops. Der fachkundige Kölner Polizei-Astrologe hätte da schon mal im Vorfeld kurz darauf hingewiesen, dass hier Gefahr im Verzug ist. Wenn es ihn denn geben würde. Zudem steht dieser Mars im Moment auch noch „out of bounds“ (siehe auch Grenzgänger: OOBs, he did it again), ist also ziemlich entgrenzt, was die Wahrscheinlichkeit von gewalttätigen Auseinandersetzungen jeder Art noch erhöht.

Und zu allem Überfluss feuert die Sonne gerade aus allen Rohren, AR2192 ist der größte Sonnenfleck seit 25 Jahren (LINK) und hat in den letzten Tagen schon fünfmal die magische X-Grenze auf der Heftigkeits-Skala übertroffen. Das bringt, neben den genannten Grundlagen, nochmals starke Gefühlsaufwallungen mit sich, auch wenn man kein Hooligan ist.

Der Rest ist dann einfache, astrologische Mathematik. Als um 16:08 h zum ersten Mal Flaschen fliegen und Wasserwerfer eingesetzt werden, steht Mars exakt am Ereignis-MC, während Sonne, Venus und Saturn gemeinsam das achte Haus bevölkern. Als um 16:35 h laut Kölner Express „alles ausser Kontrolle gerät“, steht der aktuelle Uranus genau am AC des lokalen Ereignischarts. Um 17:49 h hat dann jemand eine zündende Idee, über Lautsprecher lässt die Polizei eine langsame Piano-Version von „Atemlos“ erklingen (nein das ist kein Scherz…), Saturn steht da kurz vor dem Übergang über den Ereignis-DC und man glaubt es kaum, die Situation beruhigt sich langsam. Die Helene-Fischer- Hypnose funktioniert, es werden danach keine weiteren Eskalationen mehr gemeldet.

Ob das allerdings auch ein Patentrezept für alle zukünftigen Demos dieser neuen Allianz ist, darf man bezweifeln. Und dass der Spuk ein schnelles Ende hat, leider auch. Denn schon kursieren neue Aufrufe im Netz unter dem Slogan „Köln war nur der Anfang“, und das 25-jährige Jubiläum des Mauerfalls soll in Berlin dementsprechend kräftig gefeiert werden.

Da kann man den Verantwortlichen vor Ort in der Hauptstadt nur raten, diese Ankündigung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn einen Tag später wird die kommende Konjunktion zwischen Mars und Pluto exakt werden, was tatsächlich befürchten lässt, dass Köln wirklich nur ein Anfang war, auch was die Heftigkeit der Gewalt angeht. Besonders kritisch dürften die Zeiten gegen Mittag sein (Mars-Pluto am AC), zwischen 15:00 h und 15:40 h (Mars-Pluto am MC, Uranus am AC) und gegen 19:00 h (Mars-Pluto am DC, Neptun am MC), wobei letzteres auch das Ende möglicher Ausschreitungen kennzeichnen könnte.

Und wer jetzt weiterhin das „islamistische Terror-Feindbild“ öffentlich pflegt und hegt, weiß spätestens seit dem Wochenende, wem er damit in die Hände spielt. Und kann später nicht behaupten, man hätte eine solche Entwicklung ja nicht vorausahnen können. Hätte man sehr wohl, wenn man aus der Geschichte lernen würde. Denn vor knapp 95 Jahren tauchte in Deutschland zum ersten Mal eine andere „Ordnertruppe“ auf, die sich damals nur Saalschutz nannte. Geschützt sollten die eigenen Leute und „Kameraden“ werden, vor bösen Kommunisten, Juden und anderen Staatsfeinden.

Das war im Januar 1920, und auch damals stand Jupiter im Löwen. Aus dieser Ordnertruppe wurde später die Sturmabteilung (SA) der NSDAP, Hitlers paramilitärische Kampftruppe, die ihm den Weg zur Macht freiprügelte. Wer also unbedingt etwas braucht, wovor man sich fürchten kann – wie wäre es mit der Vorstellung, dass demnächst wieder prügelnde Nazi-Horden durch Deutschland ziehen?

Titelbild: By Montecruz Foto (Libertinus) from Berlin, Alemania (Dresden Polizei) [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

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