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Und jedem Ende wohnt ein Anfang inne

Seit heute Mittag gegen 12:31 Uhr wandert die Sonne aus unserer Erdsicht wieder durch die zwölfte Phase des Zodiaks. Durch das Zeichen der Fische, in dem seit geraumer Zeit auch der neue Herrscher des veränderlichen Wasser-Elements, Neptun selbst, seine Kreise zieht. Und weil das Eintrittshoroskop hierzulande die Sonne am MC stehen hat, ist es vielleicht ganz angebracht, ein paar Gedanken, die wir uns hier schon 2012 dazu gemacht haben, noch einmal zu teilen.

*****

„Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“

Hermann Hesse

Wie soll man etwas verstehen, was sich jeder Zuschreibung entzieht? Wie soll man etwas erklären, was sich jeder Beschreibung verweigert? Was gleichzeitig größer ist als das gesamte Universum und sich doch in jedem kleinsten Sein wieder finden lässt.

Dass uns Neptun so oft rätselhaft und geheimnisvoll erscheint, mag vielleicht auch nur Selbstschutz sein. Damit es uns nicht so geht, wie dem Frosch in dieser Geschichte:

In einem tiefen Brunnen wohnte seit langer Zeit ein Frosch. Eines Tages bekam er Besuch von einem Vetter, der am Meer lebte.
„Wo kommst du denn her?“ fragte ihn der Brunnenfrosch.
„Vom großen, weiten Meer“, entgegnete der Vetter.
 „Groß? Wie groß ist denn dein Meer?“.
„Riesig“.
„Du meinst, so groß wie ein Viertel meines Brunnens?“
„Nein, größer…“
„Größer? Etwa gar halb so groß wie mein Brunnen?“
“Nein, viel grösser…“
„Ist es…vielleicht so riesig wie mein Brunnen selbst?“
„Das ist überhaupt kein Vergleich“, antwortete der Vetter.
„Unmöglich“, sagte der Frosch. „Das kann nicht sein, das muss ich selbst sehen“.

Zusammen hüpften sie dem Meer entgegen. Und als sie dort ankamen, sah der Brunnenfrosch den riesigen Ozean und war so schockiert, dass ihm augenblicklich der Kopf explodierte.


Ja, es mag wohl die größte Sehnsucht aller Menschen sein, endlich befreit zu werden von der Vielzahl der Eindrücke, die genauso schnell vergehen wie sie entstanden sind.
Und von einem Leben zwischen Gegensätzen, in dem oben nicht unten sein kann, Liebe nicht Hass und Dummheit nicht weise.
Wo alles seinen festen Platz zu haben scheint und doch nichts wirklich sicher ist.

Vielleicht haben wir uns deshalb Mythen geschaffen, von paradiesischen Welten und himmlischen Bereichen, von Erlösern und Erlösungen, um wenigstens die Hoffnung nicht zu verlieren.  
Aber was wenn dies alles nicht die letztendliche Wahrheit ist? Wenn Neptun für ein Prinzip steht, das wir gar nicht fassen wollten, selbst wenn wir es könnten?
Vielleicht sind es gar nicht so sehr die Feuer der Höllen, die wir fürchten.
Denn selbst dort ist immer noch klar, wer wir und wer die anderen sind.
Vielleicht sind es die Wasser Neptuns, die uns wirklich ängstigen, weil wir in ihren Fluten selbst das noch verlieren müssen. Was uns am nächsten und liebsten ist.

Uns selbst.

Wenn wir Existenz als zyklisch verstehen, dann wartet Neptun immer am Ende einer Reise. Nicht Saturn,  als Erfahrung der Endlichkeit unserer Form.
Denn dann folgt noch Uranus, der uns zeitweilig sogar die Kraft und Freiheit unserer Gedanken und Bilder aufzeigt. Über den physischen Tod hinaus.

Nein, es ist Neptun der am Ende darüber wacht, das alles was zusammengesetzt ist, was sich bedingt, auch wieder losgelöst wird aus der Umklammerung der gegenseitigen Abhängigkeiten.

Was dann kommt wird oftmals nur noch als Leerheit umschrieben.
Wie anders sollten wir auch ausdrücken, dass Nichts in diesem Fall bedeutet: alle Bezüglichkeit muss enden.
Nicht nur die Atome in unseren Zellen, sondern auch jeder Gedanke, jedes Gefühl und jedes Bild kehrt zurück in seinen ursprünglichen Zustand. Zurück in die wahre Natur allen Seins.
Wer sollte dort warten, um uns zu begrüßen? Wer uns Auskunft geben, über das was ist? Wenn es kein Innen und Außen mehr gibt. Wenn Beobachter, Wahrnehmung und Wahrgenommenes nicht mehr getrennt voneinander existieren, wer ist dann was und ist dann überhaupt noch etwas?

Genau diese Unsicherheit, die solange bleiben muss bis die Erfahrung selbst an ihre Stelle tritt, lässt uns vor Neptun schaudern und dann demütig werden. Wohl ahnend, dass in seiner subtilen Umarmung auch der letzte Hauch von Hoch- und Übermut schwinden wird.

Die alten Götter konnte man bestechen, ihnen Tempel bauen, Opfer bringen und Gesichter geben. Solange bis sie mehr uns ähnelten, als wir ihnen. Aber wie will man etwas huldigen, das kein Gesicht kennt. Weil jedes Bild, das nicht auch alles andere in sich trägt, nur falsch sein kann.
An diesem inneren Ort - jenseits von jenseits und doch so nah und unmittelbar präsent.

Doch hier liegt auch der größte Trost verborgen. Da ist nichts Menschlich-Göttliches mehr am Werk. Nur ein Prinzip, ein Teil jeder Reise, dort wo sie sich ihrem absoluten Ende nähert. Es liegt nichts Strafendes darin, und für all jene die das schweigende Donnern der lichtumtosten Nacht nicht ertragen, gibt es den Trost der sanften Ohnmacht.
Des einfachen Entgleitens der letzten Bilder hin in einen traumlosen Traum.
Und auch darin liegt kein Urteil, keine Aufforderung irgendetwas anders zu machen. Nichts ist mehr verborgen und wer immer diese allgewaltige und -gegenwärtige Präsenz nicht erträgt, darf sanft entschlummern und sich so einfach selbst vergessen.

Dann geschieht das Wunder erneut. Aus dem was Nichts mehr war, strömt ein neuer Impuls, ein neues Bild, ein neuer Schöpfer und neue Schöpfungen. Die Reise beginnt von vorn, in neuen Kleidern und ohne die Last der Erinnerung, von alten Freuden und vergangenen Sünden.
Und wieder dürfen wir uns Kindern gleich verlieren - im Spiegel unserer eigenen Schöpfung.
Tag um Tag, Jahr um Jahr, Leben um Leben, Zeitalter um Zeitalter.
Leiden und hoffen, lieben und hassen.
Um am Ende erneut dem letzten Wächter über Raum und Zeit zu begegnen.

Bis wir uns vielleicht auf einer dieser Reisen plötzlich erinnern. Dass am Ende immer noch und wieder das große Vergessen, das große Loslassen stehen wird.
Und mit etwas Glück und gutem Karma, begegnen wir anderen. Die sich ebenfalls erinnern und vielleicht sogar ein wenig mehr wissen. Darüber was zu tun ist. Schon während der Reise.

Wir könnten dann verstehen, was die eigentliche Illusion unserer zahllosen Leben war. Dieses falsche Bild eines ewigen Ichs, genährt von der falschen Hoffnung auf Unvergänglichkeit.
Und anfangen uns vertraut zu machen und zu verbinden mit diesem nackten Dasein, jenseits von Ich und Du, von Himmel und Hölle, von Hoffnung und Furcht.
Dann mag der Blick in den spiegelgleichen Ozean von Neptun schon unterwegs erfolgen und wir erkennen das, was wir immer waren und immer sein werden.

Vollkommene Schöpfung –  nur vorübergänglich ein wenig verwirrt.

(meta - 03.02.2012, 20:04 h)



Stufen (von Hermann Hesse)

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde.

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