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Die wundersame Welt der Esologen

Manche Begriffe mag man eigentlich nicht mehr hören. Und auch beim Schreiben tut es irgendwie weh. Esoterik ist so einer. Ursprünglich mal eine feine Sache, diente der Unterscheidung zwischen dem, was sich auch der breiten Allgemeinheit auf den ersten Blick offenbart, und den Offenbarungen besonderer Menschen, die ihr spezielles Wissen aber nur im engsten Kreis und sehr direkt weiter gaben.

Was heute davon übrig ist, kann man auf den einschlägigen Webseiten sehen. Es gibt eigentlich nichts, was nicht im weitesten Sinne esoterisch, also irgendwie besonders und geheim ist, beziehungsweise so präsentiert wird. Ganz oben auf der Angebotsliste steht alles was mit Zukunft und Schicksal zu tun hat, dicht gefolgt von Beziehungsempfehlungen aller Art. Aber, so krass muss man das mal sagen dürfen, das Meiste ist ein einziger Etikettenschwindel. Ein kunterbunter Eintopf aus allem möglichen, das weder geheim noch sonst wie besonders ist. Und wenig bis nichts mit Esoterik im ursprünglichen Sinne zu tun hat, sondern eigentlich etwas völlig Neues darstellt – die Esologie.

Esologen sind im Unterschied zu den alten Esoterikern meistens höchst öffentliche Menschen. Sie halten überhaupt nichts davon, im Verborgenen zu agieren, sondern suchen im Gegenteil die breite Aufmerksamkeit. Je mehr desto besser. Somit gehören sie also zu den Exoterikern, denjenigen, die einer großen Anzahl von Menschen etwas über die Welt und ihre „Wahrheiten“ erzählen wollen. Während früher jedoch diese Wahrheiten höchst subtil waren (und genau deshalb nur bestimmten Suchenden offenbart wurde), sind die heutigen Erkenntnisse der Esologen alles andere als subtil. Sie benutzen zumeist einen bunten Mix aus allen möglichen Weltbildern, aus denen man dann, je nach Situation, das geeignete „Weisheits-Karnickel“ aus dem Hut zaubert.

Leider hat sich in den letzten Jahrzehnten aber auch bei der Kundschaft ein neuer Wissenstand eingebürgert, wo noch vor ein paar Jahren ehrfürchtiges Staunen ob magischer Kristalle, die einzelne Chakren mit Energie aufladen, angesagt war, fragen heute immer mehr Menschen nach der „Logik“ dahinter. Dass die Kristalle einfach nur schön bunt sind, reicht also nicht mehr, um die Verkaufszahlen in die Höhe zu treiben, Erklärungen, weshalb und wie denn diese nun genau funktionieren, müssen schon mitgeliefert werden. Und diese Erklärungen sollten zumindest einer kurzen Google-Recherche stand halten können.

Da genau liegt das Problem. Denn heute kann man innerhalb von Minuten heraus finden, ob die großartige Erklärung darüber, tatsächlich mit dem aktuellen Wissensstand übereinstimmt, oder schlichtweg eine Erfindung ist. Was liegt da näher, zumindest aus der Sicht eines Esologen, als sich ein Begründungsschema zu suchen, dass einerseits die „Logie“ schon im Namen hat, andererseits aber kaum auf faktische Zusammenhänge in kurzer Zeit überprüfbar ist.

Ja, und wenn man dann mal alle alten „esoterischen“ Bereiche durchgeht, bleibt eigentlich nur ein Gebiet übrig, das diese Voraussetzungen bestens erfüllt – die Astrologie. Der angesprochene Kristall bekommt dann einfach einen Planeten zugewiesen (für Glück steht Jupiter, erfüllte Sexualität bis ins hohe Alter = Mars und glückliche Beziehungen entstehen durch Venus). Da kann der Kunde dann solange googeln wie er will, überall wird er bestätigt finden, dass diese Zuordnungen von alters her gebräuchlich sind. Astro-Logisch abgeleitet eben. Und schon hat man aus allen Welten das Beste –esoterisches Angebot gemixt mit astro-logischen Zuordnungen. Ein Verkaufsschlager in jedem esologischen Supermarkt.

Das mag auch die Fülle der „Berater“ bei diversen Hotlines erklären, die häufig hauptsächlich Kartenlegen, Runenorakel, Karmareinigung und Direkt-Channeling von außerirdischen Super-Gurus anbieten, aber sich hauptberuflich Astrologen nennen. Bis heute jedenfalls, denn ich hoffe sehr, dass sich der neue Begriff des Esologen schnell verbreiten wird (und bitte diesbezüglich um die emsige Mithilfe aller geneigten Leser). Denn Sprache soll ja auch dabei helfen, die Vielfalt der Welt ein wenig überschaubarer zu machen.

Wie könnte man denn nun unterscheiden, wann jemand berechtigterweise als Astrologe oder andernfalls als Esologe auftreten sollte?

Ein prägnantes Kennzeichen der Esologie ist das Motto – je mehr desto besser. Das „Mehr“ bezieht sich aber eben nicht auf die Vertiefung und Ausweitung eines bestimmten Bereiches, sondern auf die Ansammlung von möglichst vielen verschiedenen Themengebieten. Der Esologe ist im besten Sinne also ein Allrounder, ein moderner Zehnkämpfer der „Spiritualität“. Wobei die Wortverwandtschaft in diesem Zusammenhang zu „Spiritismus“ und „Spirituosen“ nicht von ungefähr kommt. Denn schon im Altertum mussten die diversen Orakel zu berauschenden Hilfsmitteln greifen, um die verborgene Wahrheit hinter den Dingen zu offenbaren. Dazu gab es aber meist sehr ausgeprägte Rituale, die Medien wurden jahrelang geschult und auf diese besonderen Momente vorbereitet. Heute scheint dann der Griff zum „Himbeer-Geist“ oder sonstigen geistigen Getränken eher das Mittel der Wahl zu sein, um die Behinderung der eigenen Intuition durch die eigene Ratio aufzulösen.

Aber das ist nur eine Vermutung und auch nicht das eigentliche Thema. Denn im Unterschied zum Astrologen benutzt der Esologe Astrologie ausschließlich und nur, um seine eigene Botschaft an den Mann oder an die Frau zu bringen. Er schert sich also wenig um Gesetzmäßigkeiten und überprüfte Aussagen, wenn da nichts zu finden ist, dann schüttelt man eben im Zweifelsfall eine neue Methode aus dem Ärmel. Oder einen neuen Planeten, Asteroiden oder auch nur symbolische Punkte im Horoskop. Gute Voraussetzungen dafür sind immer: kennt sonst noch niemand, gibt keine Studien darüber, man ist quasi ein Pionier und kann allen anderen erzählen, worum es dabei geht. So etwas bringt dann, mit ein wenig Glück, den absoluten Durchbruch. Vorher war man nur ein namenloser Dienstleister unter vielen, plötzlich wird man zur absoluten Instanz, zum Guru einer neuen Weltsicht, mit all den damit verbundenen Annehmlichkeiten. Spätestens dann werden religiöse Inhalte zum Hauptthema, wahlweise bedient man sich fernöstlicher und christlicher Analogien und Aussagen, am besten aber bunt gemixt als neue Weltreligion.

Aber immer noch mit der „Logie der Sterne“ als Background, nur für den Fall, dass doch mal ein ganz Frecher kommt und die falschen Fragen stellt. Dann heißt es gleich „du hast eben den Super-Geist Punkt im Quadrat zu „Hermes“ (ein Asteroid), du bist einfach nicht in der Lage zu sehen, wie großartig mein Beitrag zur geistigen Entwicklung der Menschheit ist“. Das nennt man auch anderswo ein „Totschlag-Argument“, Ende der Diskussion. Natürlich gibt es auch genügend Gurus der Neuzeit, die das hinderliche Modell der Astrologie schon hinter sich gelassen haben. Von denen soll aber hier nicht die Rede sein, denn es geht ja nicht darum, anderen Menschen irgendwelche besonderen Einsichten abzusprechen, die durchaus auch hilfreich sein können. Es geht um die unselige Verknüpfung zwischen dem altehrwürdigen Modell der Astrologie und dem neuzeitlichen Esologie-Supermarkt. Um einen Etiketten-Schwindel also.

Selbstverständlich werden auch Astrologen von Zeit zu Zeit neu entdeckte Himmelskörper in ihr Modell mit aufnehmen. Aber, auf der Basis von Forschung und Austausch mit anderen Kollegen und Kolleginnen, dann eben auch die Erschwernisse und Widerstände aushalten müssen, die sich durch verschiedene Ansätze und Sichtweisen immer ergeben. „Wo geforscht wird, da fallen Späne“, wer Astrologie benutzen will, um dem eigenen Ego einen Tempel zu bauen, wird schnell auf den Widerstand all der anderen Egos stoßen. Aber was im ersten Moment durchaus schmerzhaft sein kann, zeigt sich oft viele Monate später als ein Segen. Dann, wenn nämlich zumindest Teile der ersten Idee, plötzlich allgemeine fachliche Anerkennung bekommen und tatsächlich ein neuer Baustein im astrologischen Haus mehr und mehr Allgemeingut wird. Dann hat man einen Beitrag geleistet, der womöglich noch in Hunderten von Jahren immer wieder hilfreiche Einsichten fördert. Was will man mehr?

Aber eines ist ziemlich ausgeschlossen, man wird nicht in den Stand eines Astrologie-Gurus erhoben werden. Denn wenn überhaupt, dann gibt es derer viele, aber keiner von ihnen wurde jemals angebetet, oder Opfer von religiösen Wahnvorstellungen (das sollte auch mal Kritikern zu denken geben, die Astrologie eben gerne in solche Ecken verbannen wollen). Astrologische Arbeit bezieht sich immer auf die Kombination von Wissen und Einsicht, der Einzelne ist dabei nur eine Stimme im Chor der Vielen. Und das ist auch gut so.

Und um keinen falschen Eindruck zu erwecken – es geht hier auch nicht darum, wirkliche esoterische Suchende und Richtungen zu verunglimpfen – ganz im Gegenteil. Sie alle haben einen Beitrag zu leisten, gerade in einer Welt, die die Ratio als neuen Gott erkoren hat und dabei völlig übersieht, wie irrational diese Gedankengebäude teilweise sind. Da werden „Gottesteilchen“ gesucht und die „Dunkle Energie“ als bedeutende Kraft im Universum postuliert, wir reden von „Quanten“ und rechts- und linksdrehenden „Spins“ . Alles ganz normal.

Kommt aber jemand und behauptet, dass linksdrehende Bakterien im Joghurt eine heilsame Wirkung auf die Darmflora haben können, dann lächelt die skeptische Rationalisten-Fraktion nur noch milde. Und wenn sich gar jemand erdreistet, homöophatische Mittel anzubieten, ist gleich der Teufel los. Denn da ist doch NICHTS drin. Stimmt, genau so viel NICHTS wie im innersten eines Neutrinos oder ähnlichem. Nur wird dieses Nichts dann mit wissenschaftlichen Begriffen belegt, die nach Etwas klingen und schon hat man den scheinbaren Widerspruch überwunden. Wen das jetzt an die Vorgehensweise der Esologen erinnert, der liegt vielleicht nicht ganz verkehrt, zumindest was die Überbrückung von offensichtlichen Lücken im „Lehrgebäude“ angeht.

Bei den esoterischen Richtungen ist zumindest eines immer klar, es geht um etwas Irrationales. Das man zwar erfahren und erleben kann, aber dummerweise nur jeder für sich selbst. Den Weg dorthin kann man allenfalls beschreiben, allerdings können das nur diejenigen, die ihn auch gegangen sind. Esoterik ist also alles andere als logisch und genau das unterscheidet sie von Esologie. Kein Etikettenschwindel, drin ist was drauf steht.

Deswegen ein persönlicher Appell:

Liebe Esologen, auch wenn ich hier nicht gerade zimperlich mit euch umgehe, heißt das nicht, dass ich kein Mitgefühl oder Verständnis für euch habe. Ich bins nur leid, mit euch im selben Topf zu brodeln. Ich bin nur ein einfacher Astrologe, der hauptsächlich weiß, dass er im Verhältnis zu allem, was man vielleicht wissen könnte, nicht allzu viel weiß. Aber es macht Spaß und Freude, das auf einer gesicherten Basis immer weiter zu entwickeln, um es auch anderen als Hilfe zur Verfügung zu stellen. Nach dem Motto - im Lande der Blinden (bezogen auf die Hintergründe und die Dynamik von Zeit) ist selbst der Einäugige König und kann vielleicht etwas Sinnvolles zum Gemeinwohl beitragen.

Ich möchte euch deshalb herzlich bitten, diesen neuen Begriff als Geschenk an euch zu verstehen. Ihr könnt damit machen was ihr wollt, als Esologen seid ihr auch in Zukunft vor jeglicher Astrologen- Kritik gefeit. Denn Esologen sollen und müssen ja genau das machen, was sie sowieso tun. Steht quasi schon in der Jobbeschreibung. Und es wird sicher noch genügend Suchende geben, die das genauso wollen und auch richtig finden. Aber lasst doch endlich die gute, alte Astrologie außen vor. Es ist einfach nicht in Ordnung (oder um es in euren Worten zu sagen: schlecht fürs Karma…), ein Wissensgebäude, das sich über Jahrtausende durch die Arbeit von vielen Menschen entwickelt hat, so in Misskredit zu bringen, wie ihr das (vielleicht sogar ungewollt) heutzutage oft tut.

EsokreisDa ich mir vorstellen kann, wie schwer der Verzicht darauf fallen wird, gibt es natürlich ein alternatives Angebot dazu. Ich nenne es mal, den esologischen Geistkreis. Mal unter uns, diese altbackenen astrologischen Symbole sind ja nicht mehr zeitgemäß, da könnte man sich doch was Netteres ausdenken. Und den ganzen Planetenkram mit den mühseligen Berechnungen braucht man als Esologe doch auch nicht wirklich. Stattdessen kann man ab sofort folgendes machen:

Ihr nehmt das Eso-Chart als Basis. Da sind schon wichtige Himmelskörper eingezeichnet. Und das Beste ist – die gibt es alle wirklich. Sind zwar manchmal nur so groß wie ein Kleinwagen, aber es gibt sie. Zum Beispiel das Narrenschiff, das heute Morgen, als ich anfing diesen Artikel zu schreiben, in Konjunktion mit Merlin stand. Narrenschiff bedeutet immer – geile Idee, sprengt den Rahmen. Und Merlin – große Macht wird zur dir kommen. Ist eigentlich einfach, oder? Das Ganze noch im neuen Zeichen ALLES sagt doch einfach aus, dass dieser Artikel die Welt verändern wird. Zudem steht Lust noch im Geld-Feld, was will man mehr (vielleicht sollte ich einen Kurs dazu anbieten?).

Wenn jetzt ein Kunde anruft, der zum Beispiel einen neuen Partner sucht, dann lasst ihr euch von ihm eine Zahl zwischen 0 und 10000 nennen. Die gebt ihr in euer neues Geistkreis Programm ein und das spuckt euch dann den entsprechenden Asteroiden aus. Wenn ihr Glück habt, heißt der tatsächlich HEIDI. Und steht in Konjunktion mit YES. Da müsst ihr nicht mehr lange überlegen, welchen Namen die zukünftige Partnerin eures Kundens hat und ob die Beziehung gut gehen wird, oder?

Also – seid nach Herzenslust Esologen, mixt alles was der Zeitgeist hergibt, fröhlich durcheinander und freut euch daran. Denn auch euer Stellenwert in der Gesellschaft wird vom neuen Etikett profitieren. In einer Zeit, in der Markennamen schon fast zu Mantren geworden sind, kann es doch nichts Besseres geben, als eine klare Berufs-Bezeichnung. Deswegen mein Angebot, der erste der auf seiner Werbeseite (ob bei einer Telefon-Hotline oder auf der eigenen Webseite), das Wort Astrologe streicht und durch Esologe ersetzt, bekommt von mir sein kostenloses esologisches Geistkreis-Chart. Und außerdem – der Erste zu sein, wäre ja schon ein Meilenstein in der Geschichte der Esologie. Das kann einem später niemand mehr nehmen...

PS.: Zur Klärung und Abgrenzung - dieser Artikel ist der kommenden Opposition zwischen Jupiter und Pluto gewidmet, mit angeschlossenem Uranus-Quadrat.

Titelbild - Bblvc (Own work) CC-BY-SA-3.0 ; Eso2 -By vishwagna.com (Own work) CC-BY-SA-3.0; Astral Sleep - By Jeroen van Valkenburg CC-BY-2.0; World Contact Day - By Draek (Own work) CC-BY-SA-3.0; Feier - Bundesarchiv, Bild 183-62162-0009 / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de ; alle via Wikimedia Commons

  • Sehr gut beschrieben, Meta. Wie sich die Astrologenwelt in den letzten Jahrzehnten verändert hat! Beispielhaft der Übergang von Reinhold zu Baldur Ebertin.
    Bevor Du dich über die Asterioden 1-10'000 lustig machst, probier es mal aus! Ich war sehr skeptisch, aber Dieter Koch hat mich eines Besseren belehrt. Als Beispiel nenne ich den Swissair-Absturz in Halifax, den er in einem Buch beschrieben hat. Er nennt es 'Das Lachen der Götter', wenn die Asteriodennamen so mit dem Ereignis korrespondieren. Ein persönliches Beispiel: als ich meine Frau kennenlernte, lief der Asteroid Cynthia üner meinen Radix-Mond. Sie heisst zwar Jittiya, aber alle nennen sie Cynthia. Ihr thailändischer Nickname ist Duan, was auf deutsch Mond heisst. Da lachen die Götter!

    22.05.2017, 8:54
  • Lieber Rene, ich bin mir schon bewusst, dass es im Leben gewisse Synchronizitäten gibt und sich deshalb auch Ereignisse spiegeln und zuordnen lassen. Sonst würden ja sämtliche Mos (tibetische Orakeltechnik) und anderes nicht funktionieren. Aber da ist für mich eben genau die Grenze. Asteroid Cynthia hat ja keine spezifisch astrologische Bedeutung, die schon überprüft wurde im Laufe von Jahrzehnten und deshalb dauerhaft anwendbar wäre. Sonst müssten ja alle Cynthias diesen Felsklumpen als Herrscher im Chart haben. Entdeckt wurde der übrigens an meinen Geburtstag, insofern könnte man jetzt schon wieder daraus schliessen, dass er auch für mich eine besondere Bedeutung haben muss.
    Aber das ist nun mal schlicht und ergreifend "herumorakelt" und deshalb auch kein astro-logischer, sondern ein eso-logischer Ansatz. Und wie ich hier ja immer wieder betont habe, mir geht es nicht darum irgendjemand vorzuschreiben, ob und wie er oder sie solche Dinge deutet und als Lebensorientierung ge- (oder manchmal auch miss-)braucht. Nur möchte ich mich als forschender Astrologe nicht immer für diese Ansätze rechtfertigen müssen, weil manche Esologen ihre persönlichen Vorlieben gerne mit dem Oberbegriff Astrologie aufwerten. Das finde ich respektlos all den vielen Menschen gegenüber, die sich seit Jahrtausenden bemüht haben, aus dem astrologischen Modell eine zuverlässige Lebenshilfe zu formen und damit die Astrologie zu einem Weisheitsschatz der Menschheit gemacht haben.

    In diesem Sinne beste Grüße

    Meta

    Kommentar zuletzt bearbeitet am 2017-05-22 10:28:36 von meta
    22.05.2017, 11:32
  • Lieber Meta, vielleicht bildet ja dieser planetare Kaffeesatz, die zehntausend Asteroiden, das Bindeglied zum esologischen Kaffeesatzlesen?

    Wo zieht man die Grenze zwischen Kaffeebrösmeli, Felsbröckli (kosmische Kartoffeln hast du sie mal genannt) und echten Planeten, um Astrologie von Esologie zu unterscheiden?

    Ist nicht das Praktizieren von echter Astrologie auch eine Art von Divination? (Geoffrey Cornelius). Ich glaube, ohne ein bestimmtes Setting oder nenne es ein Einstimmen kann man ein Horoskop schlecht lesen. Das ist keine rein rationale, rein regelbasierte Angelegenheit. Es braucht nach meiner Erfahrung neben der Technik den Kuss der Astro-Muse.

    Ich habe keine Antwort, ich staune nur noch. Weil sich die klassische, 'reine' Astrologie nicht beweisen lässt - trotz zahlreicher Evidenz-Erlebnisse. Aber eben auch Cynthia - Mond -Duan ist ein Evidenz-Erlebnis der anderen Art.

    Vielleicht liegt das esologische Problem eher in der Bauchnabel-für-mich-stimmt-es-so-'Astrologie'. Viele sich selbst Astrologen nennende sind nicht mehr bereit, ihre Methoden zur Diskussion zu stellen und durch andere kritisch hinterfragen zu lassen. Vielleicht fehlt diesen Leuten schlicht das astronomische Rüstzeug dazu.

    23.05.2017, 8:50
  • Lieber Rene,

    selbstverständlich braucht es zur Deutung eines astrologischen Bildes immer auch Intuition. Aus meiner Sicht aber hauptsächlich deshalb, weil in diesem Bildern ja nur sehr grundsätzliche "Fakten" abgebildet werden und wir dann die Feinheiten und Übersetzungen auf die jeweilige Situation oder den Menschen erarbeiten müssen. Darin liegt die Kunst der Deutung. Insofern - wenn man sich nicht auf die grundlegenden Fakten eines Charts bezieht, sondern dann auch noch anfängt willkürlich zB kosmische Kartoffeln in die Deutung einzubinden, landet man sehr schnell beim Orakeln oder einer "Divination". Dann stellt sich für mich wieder einmal nur die Frage: Warum all die komplizierten Berechnungen?

    Ist es dann nicht besser man malt sich ein paar Planeten auf Karten und legt die dann ähnlich wie das Tarot? Spart Zeit und Mühe und läuft im Endeffekt auf das selbe hinaus.

    Ich teile deine Ansicht (und die vieler anderer Kollegen und Kolleginnen) nicht, dass Astrologie nicht beweisbar ist. Ich bin davon überzeugt, dass die Grundlagen der Astrologie tatsächlich faktisch überprüfbar sind (siehe zum Beispiel Das Ende des Zufalls, leider machen sich die wenigsten Astrologen heute noch die Mühe, selbstständig und nachvollziehbar zu forschen.

    Natürlich könntest du die Cynthia-These auch überprüfen. Du müsstest ja dann nur deine eigene Erfahrung damit übertragen und andere Menschen fragen, ob sie ähnliche Erfahrungen unter solchen Cynthia-Auslösungen gemacht haben. Das selbe gilt dann auch für alle anderen zehntausende Asteroiden. Ich wäre wirklich gespannt auf die Ergebnisse.

    Allerdings wirst du dazu natürlich die schon vorhandenen Strukturen als Grundlage nehmen. Und das kannst du auch beruhigt tun, denn die wurden ja im Laufe von Jahrtausenden von Millionen Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen beobachtet und überprüft. Daraus hat sich dann vieles entwickelt, was wir heute als Selbstverständlichkeit hin- und übernehmen, obwohl selbst das immer wieder über zeitgemäße Beobachtungen angepasst werden muss. Denn schließlich ist Astrologie ja ein dynamisches System.

    Das Problem mit den bisherigen "wissenschaftlichen Untersuchungen" war aus meiner Sicht, dass man sich ausschliesslich auf individuelle Eigenschaften einzelner Menschen bezogen hat, statt erst einmal die Grundlagen zu überprüfen. dazu muss man doch nur die aktuellen Auslösungen oder Mundan-Stände nehmen und auf bestimmte Ereignisse und unmittelbar Betroffene übertragen (was wir hier ja seit 5 Jahren fast täglich tun). Nimm zum Beispiel den Anschlag in Manchester gestern Nacht und überprüfe welche Planeten sowohl heliozentrisch wie geozentrisch ausgelöst wurden und vergleiche das mit anderen Anschlägen. Du wirst in kürzester Zeit bestimmte Muster erkennen und das Ganze zuordnen können, bevor die tatsächlichen Ermittlungen Ergebnisse bringen (siehe zum Beispiel unseren Artikel zum Dortmunder Anschlag Dortmund - ein idiotistischer Anschlag).

    Ich gebe dir auch Recht wenn du schreibst:

    Viele sich selbst Astrologen nennende sind nicht mehr bereit, ihre Methoden zur Diskussion zu stellen und durch andere kritisch hinterfragen zu lassen. Vielleicht fehlt diesen Leuten schlicht das astronomische Rüstzeug dazu.


    Und das Fehlen des astronomischen Rüstzeugs (und meist auch des astrologischen) wird dann einfach durch ein übergroßes Ego ersetzt, dass sich unbedingt profilieren will und dabei auch über "inhaltliche Leichen" geht (also einfach etwas erfindet und das dann ungeprüft als absolute Wahrheit postuliert), möchte ich noch hinzufügen :p

    Beste Grüße

    meta

    23.05.2017, 11:04
  • Lieber Meta

    Was den 'Beweis für die Richtigkeit der Astrologie' angeht, gehöre ich inzwischen zur für-mich-stimmt-es-Fraktion (:) ). Die Anerkennung der Astrologie als etwas Respektables suche ich nicht mehr. Wenn der Ruf mal ruiniert ist (und das ist er!), herrscht Narrenfreiheit, z.B. auch esologische. Damit muss man als trotzdem noch ersthafter und forschender Astrologe leben. Die Freiheit hat aber auch Vorteile, schau dir nur mal den hoch angesehenen IPCC mit seinem Meinungsterror und seinen Betrügereien an. Geld verdirbt Geist, Meteorologenkarriere frisst Hirn.

    Seit ich mich von der Last des Beweisenmüssens befreit habe, kann ich mich an den Evidenzerlebnissen in meinen Astrologenkreis ergötzen und die anschliessende Diskussion geniessen.

    Herzliche Grüsse
    René

    24.05.2017, 8:15
  • Hallo Rene,

    du schreibst:

    Die Anerkennung der Astrologie als etwas Respektables suche ich nicht mehr. Wenn der Ruf mal ruiniert ist (und das ist er!), herrscht Narrenfreiheit, z.B. auch esologische. Damit muss man als trotzdem noch ersthafter und forschender Astrologe leben.


    Das sehe ich nicht so. Weder möchte noch werde ich mit dieser Narrenfreiheit einfach leben. Natürlich brauche ich auch keine Beweise mehr für die Richtigkeit der Astrologie, das überprüfe ich jetzt seit über 45 Jahren täglich und bin noch auf nichts gestoßen, was an den Grundlagen rütteln würde. Aber eben nur darauf bezogen, das meiste von dem, was heute als "moderne Neuerung" verkauft wird, hält einer Überprüfung nicht stand. Die Grundlagen reichen aber völlig aus, um in verschiedensten Lebensbereichen gravierende Verbesserungen für Menschen umzusetzen, wenn man diese Grundlagen denn anwenden würde, zum Beispiel im medizinischen Bereich, vor allem was das Thema Vorbeugung angeht.
    Aber kein verantwortungsvoller Arzt wird sich auf esologischen Humbug einlassen, der nicht überprüfbar und nachvollziehbar ist und auf Dauer wirklichen Nutzen für seine Patienten bringt. Und ich finde, es wird langsam Zeit eines der effektivsten Mittel, mit dessen Hilfe individuelle und kollektive Zeitqualitäten realistisch einschätzbar sind, wieder für alle Menschen nutzbar zu machen.
    Und nicht nur für einen kleinen Kreis von "Selbsteingeweihten", die damit ihre persönlichen Weltbilder bestätigen frei nach dem Motto "was nicht passt, wird passend gemacht..." und ansonsten eine moderne Form von Wellness-Psychologie betreiben, die letztendlich nicht mehr Nutzen für andere hat als eine kostenlose Telefonseelsorge.

    Deine Meinung zum IPCC teile ich übrigens nicht und würde solche Querverbindung auch gerne aus dieser Diskussion rauslassen.

    Herzliche Grüsse

    Meta

    25.05.2017, 1:38
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