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Mein ICH - das unbekannte Wesen

Es gibt wohl kaum jemand der mir näher ist als ICH. Das klingt grammatikalisch erst mal blöd, ist aber durchaus richtig. Wir reden hier ja über ein ETWAS, astrologisch meist in den Feuerzeichen angesiedelt (was aber durchaus nicht so einfach ist, wie sich das später noch zeigen wird). Ein ETWAS namens ICH, bildlich gesprochen aus allem Fleisch und Blut, dass man sich nur denken kann. ICH-Kopf, ICH-Arme-Beine-Hände-Füsse, ICH-Körper als Gesamtkunstwerk.

Aber halt – da geht es schon los. ICH bezeichnet Körper ja zumeist als MEIN, als etwas nicht-ichiges, sondern in Besitz genommenes.

Nicht – Ich Körper also bin ICH, sondern eher im Sinne von „ICH habe also bin ICH“. Damit wäre zumindest schon mal eines klar – wo immer man dieses merkwürdige ICH suchen möchte, im oder am Körper sitzt liegt oder steht es nicht. Genau genommen liegt es zwischen N und t, wie man unschwer feststellen kann, inmitten von einem nichts also, was schon wieder äußerst merkwürdig ist.

 

Ein anderes Phänomen ist fast noch erschreckender. Mit ICH meint ICH in der Regel etwas absolut außergewöhnliches und einzigartiges. Kein Duplikat oder eine simple Kopie, sondern ein Unikat. Nämlich mich. Zumindest ist mein Empfinden für mich ziemlich einzigartich. Nun stellt ICH aber immer wieder fest, dass auch DU, SIE und WIR dasselbe Wort benutzen, wenn ER,SIE,ES oder SIE von sich reden. Gelinde gesagt eine Frechheit, es reicht schon das diverse Subjekte den Namen, den man ICH gegeben hat (ohne das ICH vorher gefragt wurde ob mir das denn auch entsprechen würde) ebenfalls so benutzen, als wäre dies ein Alleinstellungsmerkmal.

Also nicht ICH im Sinne von Meine Einzigartigkeit, sondern das wohl grösste sprachliche Massenprodukt neben „und“ und „ist“. Jeder und jede, egal ob Mann, Frau, Kind oder Greis, ob Asiate, Europäer, Südamerikaner oder Araber – benutzt dasselbe Wort für das innerste Allerheilige, so als hätte es dazu nie Alternativen gegeben. Gut, natürlich klingt das in jeder Sprache etwas anders, aber was nun damit gemeint ist, bleibt gleich. Obwohl auch hier schon wieder Hinweise liegen könnten, ob ICH vielleicht mehr regionalen Charakter hat, als man überlicherweise glauben mag.

Das englische „I“ ist nun ziemlich minimalistisch angelegt, könnte das nicht bedeuten, daß unsere Freunde von der Insel auch ein kleineres ICH haben als wir Deutsche? 60% weniger ICH-Masse vielleicht? Oder in den Wüsten dieser Welt alle ICHs grundsätzlich poetischer angelegt sind, denn auf Suaheli heisst ICH „mimi“. Wobei die Konsequenz aus solchen Überlegungen alle Polen zu den positivsten Menschen mit dem grössten Selbstwert machen würde, denn dort nennt sich ICH einfach „ja“.

Das führt also anscheinend auch nicht weiter, Körper (Stier) ist es nicht, das Wort (Zwilling) hat anscheinend an sich auch keine wirkliche Bedeutung. Mit „ICH denke als bin ICH“ kommt man auch nicht weiter, heutzutage wäre die Grundaussage sowieso eher zweifelhaft. Ich rede also bin ICH wäre wohl passender oder noch zeitgemässer: ICH simse-twittere-chatte also bin ICH.

Nun denn, vielleicht liegt des Rätsel Lösung ja nicht im Materiellen und Geistigen, sondern in unserer Empfindung. Mond-Krebs als Heimat und Ursprung von ICH, das würde zumindest die Subjektivität der ICH-Vorstellung erklären. Aber ist mein ICH sesshaft in einem Gefühl? Oder verhält es sich nicht ganz ähnlich wie mit dem Denken? Und dem Körper? ICH ist beides nicht und auch nicht das Gefühl selbst.

Ich fühle ja etwas und dieses etwas kann in einem Augenblick Liebe sein, im nächsten Hass. Das widerspricht der Kontinuität des ICHs, es verschwindet selten bis nie, ist manchmal vielleicht etwas ICH-vergessen, aber eigentlich immer da.

Nur wo?

Gefühle scheinen eher sowas wie verlängerte Arme von ICH zu sein, manchmal vielleicht auch ein Art seismischer Spiegel, in dem man sich endlich selbst wiederfindet, zumindest positioniert. Das finde ICH gut, das nicht. Das „Ich fühle also bin ICH“, als schulterklopfende Selbstbestätigung um die Unsicherheit über die eigene Existenz zu lindern?

Nur bei genauerer Beobachtung scheint ICH immer ein wenig hinter den eigenen Gefühlen her zu hinken, geht also selten voraus und entscheidet dann, welches Empfinden gerade passend wäre. So als würde man für jede Situation eine entsprechende, emotionale Garderobe anlegen. Nein, meistens schlüpft man ICHbewusst in die Gefühle, die sich kurz vorher scheinbar von Nirgendwo her plötzlich wie ein Schleier über unsere gesamte Wahrnehmung gelegt haben. Am Ende ist man schon froh, wenn man wenigstens noch irgendeinen Ausdruck von Selbstbestimmung, notfalls auch per Mausklick, in die Welt bringt: Gefällt mir, also bin ICH.

Nun, wie so oft, wenn ICH mich mit mir selbst beschäftige, das Rätsel um dieses geheimnisvolle Etwas lösen will und dabei zumindest versuche, genauer hinzusehen, entsteht mehr und mehr Verwirrung. Allerdings nicht was mein Ich-Empfinden angeht, das ist nach wie vor gleich, befindet sich anscheinend immer im Zentrum des Geschehens, komme was da wolle.
Also doch der heimliche Sonnenkönig? Dem man fälschlicherweise den Satz „Der Staat bin ICH“ zugeschrieben hat, der aber angeblich auf seinemTotenbett auch gesagt haben soll: „Ich gehe, aber der Staat bleibt.“ Diese Form eines sogenannte erkenntnismässigen Double-Binds meint ICH mit Verwirrung.

Wenn also Löwe-Sonne das astrologische Bild für Ich sein soll, dann beibt trotzdem die Frage, wo denn genau das Zentrum liegen soll, der Thronsaal, in dem ICH residiert?

In der Mitte ja, aber in der Mitte von was? In der Mitte meines Körpers? Meiner Gedanken? Meiner Gefühle? Meiner Wahrnehmungen?

Auf den ersten Blick scheint die Zentrierung auf eine Körpermitte (das wäre dann irgendwo technisch gesehen in der Magengegend…) durchaus nachvollziehbar. Jedenfalls solange wir eine Körperempfindung und sonstige damit verbundene Wahrnehmungen haben. Aber des Nachts, wenn wir tief und fest träumen, scheint dieses Zentrum nun wieder überall sein zu können. In der Mitte eines anderen geträumten Ichs oder als unbeteiligter Beobachter einer Szene. Auch in einer Wachimagination kann sich das Zentrum, der Sitz meines Ichs, völlig verlagern.
Manchmal erscheint es sogar so, als könnte dieses Ich überall sein, an jedem vorstellbaren Ort im Universum. Augen zu, gedachte Wirklichkeit und schon bin ICH dort, sehe und empfinde wieder alles aus einer zentralen Perspektive, ohne jedoch dort körperlich anwesend zu sein. Wer schon einmal die Erfahrung des luziden Träumens gemacht hat, kennt das Phänomen. Im Prinzip hat sich an der Eigenwahrnehmung fast nichts geändert, nur die Möglichkeiten zB der Fortbewegung haben sich immens vergrössert.

Trotzdem – zumindest das Prinzip der Mitte scheint mit dem Phänomen des Ichs stark verbunden zu sein – keine Mitte, kein Zentrum, kein ICH.

Gehen wir einen Schritt weiter. Das Merkur-Prinzip haben wir schon kurz vorher als nicht-Ich erkannt, der freie Fluss der Gedanken wird eher benutzt als Fahrzeug für ICHhafte Fortbewegung, wird aber nicht von unseren ICHs kontrolliert und somit auch nicht erschaffen.
Aber da gibt es ja noch die Vernunft, die Ratio, das Jungfrau-Prinzip. Auch das ist zwar nur Gedachtes, aber einem erkenntnismäßigen Kontext. Sei es auf erdhafte Erfahrung gegründet oder auch über logische Schlußfolgerung weiter geführt. Und wie man unschwer überprüfen kann, hat diese Logik doch etwas sehr persönliches, mit ihr begründen wir unser Handeln und Tun, sie ist die Grundlage, auf der wir mit allem was nicht Ich ist, umgehen. Zum Beispiel in der Wahl unserer Nahrung.
Wissen, gegründet auf unmittelbarer Erfahrung führt zu einer Logik, die uns unterscheiden lässt, was nützlich und was schädlich für uns ist.

Aber auch das ist in der Regel nur gedacht, selbst wenn einem manche Gründe schon sehr erdhaft in Fleisch und Blut gefahren sind, es durchaus also schon körperliche Reflexe geben kann, die sich in bestimmten Lebensituationen selbstständig machen.

Ich = Ratio also? Nicht wirklich, ähnlich wie bei allen anderen Kandidaten bleibt ein Empfinden der Unvollständigkeit. Denn wo ist dieses Ich wenn die Vernunft gerade mal Urlaub macht, wie das nun leider allzu oft passiert im Laufe eines Lebens. Gibt es mich dann nicht mehr?

An dieser Stelle ist wohl ein Zwischenfazit angebracht. Denn nun haben wir die ersten sechs Zeichen und Prinzipien, die astrologisch mit dem eigenen ICH in einen zumindest stärkeren Zusammenhang gebracht werden, als die folgenden, allesamt kurz untersucht.
Und nirgends findet sich mein geliebtes Ich so wieder, wie ICH es empfinde. Irgendwie steckt in allem ein Funken Wahrheit also auch ein Funken Ich, aber bei näherer Betrachtung bleibt das nur ein unbestimmtes Gefühl, dass einer eingehenden Analyse nicht standhält.

Aber etwas habe ICH in dieser Aufzählung übersprungen – das erste Zeichen, Mars-Widder. Ohne Absicht, es kam einfach nicht vor. Oder anders gesagt, dieser erste Impuls hat sich schon beim ersten Tippen eines Buchstabens für diesen Artikel manifestiert, er stand am Anfang dieser ganzen Überlegungen. Ist also ICH vielleicht nur in dieser ursprünglichsten aller Bewegungen zu finden, das aus der neptunischen Unbestimmbarkeit sich selbst hinauskatapultiert als Funke und Initialzündung, dessen vorgegebene Entwicklung sich dann in all den anderen Elementen wiederfindet?
Antrieb, Wille, Bewegung also die Grundlage für mein Ich?

Das klingt verlockend und fühlt sich (irgendwie) erstmal richtig an. Bewegung und Veränderung als Grundlage für ein Empfinden von mir selbst, dass mir ansonsten äußerst statisch und dauerhaft erscheint. Gibt es das eine, entsteht automatisch das andere. Darüber muss Ich erstmal nachdenken.

Bevor es dann vielleicht einmal in die zweite Runde geht, dorthin wo die wirklich wilden Kerle wohnen (Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto), die bisher, zumindest astrologisch, auf dieser kleinen Selbstfindungsreise noch gar keine Rolle gespielt haben.

Titelbild (bearbeitet): "Ich Denkmal", memorial in Frankfurt, Main, Germany, created by Hans Traxler in 2005. Taken April 2005 by Popie (de:Benutzer:Popie) via Wikimedia Commons

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