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Astro-Labor

Nessus: Der Daimon + das Seelenlied

Dies ist eine Annäherung an einen Schlüssel zur eigenen Seele, den Daimon, einen Märchen-Begleiter, und ja, auch an die Schlange im Chart, die sich manchmal lieber selbst beißt, bevor sie etwa durch andere stirbt. Dies ist ein Loblied auf Nessus. Wie so oft bei Dingen, die auch das unruhige Herz des Lebens betreffen, fängt diese Geschichte persönlich an: An einem Tag im Januar schickte mir ein geschätzter Astrologen-Kollege eine kleine Facebook-Post, die auch einen Nessus-Transit erwähnte. Etwas gequält, das will ich gleich sagen, genauso gequält, wie ich es dann las.

Denn dieser ominöse Nessus, einer der Kentauren, von dem man nicht allzu viel weiß, war für mich bis zu der Minute der Prototyp eines Phänomens. Einer, den ich am allermeisten mit so manchem Ufo-Schrott verwechselte, den eine fast schon pop-esoterische, astrologische Findungs-Sucht in die Welt wirft. Mit der Inflation anderer Faktoren als Lilith, Chiron oder Pholus, die mir sehr sinnvoll vorkommen, all der Andromedaner, Androiden, Asteroiden oder frisch entdeckten Weltformeln durch einen Planetoiden Love oder Quark also, kann ich nichts (im Sinne von gar nichts) anfangen. Da mir aber der Kollege als experimentierfreudig und trotzdem nicht überkandidelt bekannt ist, machte ich ein schnelles Chart auf den Mail-Moment.

Nessus stand exakt am Deszendenten im Wassermann und zwar an meinem IC. Das saß. Eine seiner Eigenheiten, soweit ich inzwischen weiß, der starke Bezug zum Erleben und Auslesen von Synchronizitäten. Danach setzte ich ihn probehalber in mein Radix. Ja, ich wusste nicht mal, wo er dort stand - nämlich mitten auf meiner Sonne. Nicht an dem Tag, sondern immer. Wie Lilith, mit der ich zehn Jahre nicht warm geworden war, auch nachdem ich wusste, welche Bedeutung sie für mein Radix hatte. Aber bei Nessus ist vieles ganz anders. Eins seiner Kennzeichen, wie seine verrückte Bahn in Form einer starken Ellipse, wobei er 121 Jahre für einen Umlauf braucht, aber in den Tierkreiszeichen deutlich unterschiedlich lang verweilt. Solche "körperlichen" Merkmale sind manchmal schon Hinweise auf die astrologischen Wirkungen.

In diesem Moment begannen Monate voller Entdeckungen, in denen ich mich durch eine schier endlose Liste von Horoskopen klickte und ihre Nessus-Stellungen mit zugehörigen Lebens-Geschichten untersuchte. Jede von ihnen ähnelte in gewisser Weise meiner - da, wo es um Identität ging vor allem, um Väter, Wanderungen und Namen. Eines der Charts gehörte ausgerechnet meinem Analytiker-Gott, dem großen James Hillman, einem geistig-seelischen C.G. Jung-Ziehsohn, Anwalt des Soul's Code und eines kreativen "Psyche-Patho-Logos" - der das gefürchtete Abweichen von der Norm als wichtige 'Sprache der leidenden Seele' würdigt, samt aller sinnreichen, märchenhaft mystischen Bilder der Wahnwitzigen und Fantasievollen. Ich hatte Hillman schon als Jugendliche nach Jung gelesen, hypnotisiert, ganz und gar hungrig, obwohl ich astrologisch zwischen ihm und mir später kaum Ähnlichkeiten fand, was in solchen Fällen selten ist.

Aber dann kam Nessus. Die eine, astrologische Überschneidung, die vielleicht meine Faszination ausmachte, enthüllte sich mir erst spät. James Hillman, der "Hügelwächter", war eine Neumond-Geburt im Widder und hatte wie ich Nessus auf Sonne - eine nicht sehr beliebte Konstellation. Denn Nessus, dieses pferdehälftige, vermeintlich giftige Geschöpf, hat nicht Jupiters Glanz und Gloria, sondern eher Wesenszüge seines Schattens. Aber getreu der Legende über sein schmerz-bringendes tückisches Gewand, sieht vieles dahinter anders aus. Über diesen Faktor, Nessus, den Kentauren, dessen bin ich mir heute sicher, klären sich vor allem auch Selbst-Täuschungen, schwierige Identifikationen und notwendige Häutungen, wenn man seine Angebote nutzt. Wie all diese astrologischen Neuankömmlinge betrachte ich ihn nach meinen Analysen inzwischen gleichzeitig als Boot, Ruder und Gewässer für spezifische Herausforderungen. Eine Art Tool, das die klaren Bereiche der üblichen planetaren Faktoren in der Astrologie hilfreicher vernetzt und letzten Endes in manchen Ausdrucksformen sehr problematisch, aber am Ende erweiternd ist. Man kommt astrologisch sicher auch gut ohne ihn aus, aber der Werkzeug-Koffer der Zusatz-Faktoren ist eine Fundgrube an Hilfs-Informationen, die den Spot auf bestimmte Aufgaben im Radix ausrichten. James Hillman, der Nessus-Mensch, dessen Neumond eingerahmt wird von Chiron und Nessus, hat das, was der rätselhafte Kentaur astrologisch darstellen könnte, vielleicht ungewollt am schönsten beschrieben:

Die Seele jedes Menschen bekommt, bevor sie das Licht der Welt erblickt,einen einzigartigen Daimon als Begleiter - und sie wählt ein Bild oder Muster, nach welchem wir auf der Erde leben. Dieser Seelengefährte, der Daimon, führt uns im Leben [...], erinnert sich daran, woraus sich unser Bild zusammensetzt und was zu unserem Schicksal gehört, und daher ist unser Daimon der Träger unseres Schicksals."

James Hillman, Charakter und Bestimmung, Goldmann Arkana, 1996.

Ein Verführer, Helfer, Leader, ein ewiger Begleiter der Seele aus Welten vor und hinter ihrer Jetzt-Zeit, der psychologisch unsere einzigartigen, ganz vollständigen und ursprünglichen Mosaike aus dem Schlaf des Daseins zurückholt und uns heraus aus dem Labyrinth unserer Persona befördert. Dieser gefährlichen, öffentlichen Larve der Sonne damit kraftvoll begegnet und als Geburts-Helfer der Aussage des Wassers im Zodiak dient: Mond, Pluto und Neptun. Bei den einen mehr und anderen weniger, ganz nach seiner Stellung im Horoskop. Der Daimon, die Brücke, der Pfad zum spezifischen Seelenlied, nicht Seelenleid - das ist für mich Nessus, wobei das eine leicht, bei denen, die nicht zuhören, zum anderen werden kann. Es ist möglich, dass dieser Kentaur eins der fehlenden Puzzle-Stücke jeder Reise zum Selbst darstellt. Hier also Teil 1 meiner Recherche über einen großen Grenzgänger in den Gegenden, wo Wirklichkeit mehr als Logik ist. Man schaue sich einfach die Nessus-Menschen genauer an.

In einigen astrologischen Grobstrick-Rezepten wird er als "Bösewicht" der Kentauren schon als Inkarnation von Verrat oder durch und durch grausamer Prozesse gehandelt. Verrat ist - soweit meine bisherigen Untersuchungen - nun tatsächlich eins seiner Themen. Aber das größere ist für mich: Identität. Am wichtigsten scheint mir: Auch ein Nessus, der listige Anti-Typ seines Mythos, lässt sich astrologisch nicht schwarz-weiß abspalten. Wir sind noch lange nicht soweit, ihn zu verstehen, da wir uns selbst in unserer Vollständigkeit zwischen Mythos und Logos ja kaum begreifen können. Nessus ist für mich aber tatsächlich in jedem Geburtsbild der Punkt, "where the buck stops" - wie MELANIE REINHART sagt. Die Stelle also, wo - frei übersetzt - der Bock nicht mehr zum Gärtner gemacht werden kann. Man muss die Hosen in Bereichen, wo er persönlich wird und wirkt, im Natal oder Transit, buchstäblich herunterlassen. Man muss bei starken Bezügen zu Nessus vor allem unbedingt man selbst sein. Bei Menschen mit Sonne, Mond oder anderen persönlichen Faktoren im nahen, großen Aspekt zu ihm wird das sofort kristallklar. Ein prominenter Nessus in einem Chart begegnete mir bei der Nachforschung häufig zunächst als deutlicher Kampf um die Identität und dann als Zug zum Dasein als Fremdling oder Grenzgänger - wie der Kentaur selbst.

Es geht hier letztlich aber um weitaus mehr, nämlich die Frage der eigenen Identität, ohne jede gesellschaftliche Maske. Um die Seele, ihre Musik, die Muschelhörner des eigenen, unzerstörbaren Kerns über viele, viele innere Leben hinweg, das Greifen nach vielen Verschmelzungen mit Eigenschaften, Dingen oder Kategorien, in denen wir uns so oder so verfangen. Um das, was eigentlich, wirklich, in uns, darunter ist, was immer bleibt. Diesen kleinen, unzerstörbaren Punkt des Seins, der uns ausmacht und den wir unter einem klopfenden Herzen spüren können, von wo er sich mit dem Pulsschlag über all unsere Positionen, Identifikationen, Sichtweisen hinaus ausbreitet in die Welt, über die Welt, unter der Welt. Nessus ist für mich Nicht-Zeit, die nach Zeit greift, Formlosigkeit, die Inhalte um Längen schlägt. Der Steg, der Pfad, die Hängebrücke zwischen Hier und Immer. Weniger ein "Werkzeug" des Erkennens zwischen Saturn und Pluto (weil seine Bahn nun mal bis dorthin reicht), sondern der  irdische Zugang (Saturn) in die seelischen Bereiche des astrologischen Wassers, in das Ewige, Selbstige, das nicht sonnen-haft standort-bezogen ist, sondern Mond, Pluto und Neptun berührt in all seinen Inhalten.  

Nessus hat - nach meinen Erkenntnissen und Auswertungen - einen starken Bezug zu "Qual" und Qualen, im Gegensatz zum eindimensionaleren "Schmerz". Der Roman "Blaze" = Brand/Feuer, der deutsch unter dem Titel "Qual" herauskam, zeigt hier die Nessus-Analogien sehr schön auf. Qual ist die Flamme, das Glühen des unaufhörlichen Schmerzes, der überpersönlich in uns wirkt und nicht zu enden scheint. Stephen King schrieb dieses Buch, dessen Erscheinungs-Radix Mond-Nessus-Quadrat und viele weitere Bezüge zu persönlichen Planeten hat, unter dem Pseudonym Richard Bachmann und bei Nessus Quadrat Geburts-Nessus. Wie wir noch sehen werden, sind Namens-Wechsel typisch für dessen Identitäts-Krisen.

Auch zum Selbstquälerischen (in Bezug zu persönlichen Planeten) und zu einer regelrechten Folter von seelischen Umständen, in denen wir verharren, schlägt der Kentaur die Brücke. Obwohl wir diese Zustände meist nicht selbst vertreten, da sie nicht zu unserem Sein in der Tiefe passen. Nessus Ruf heisst für mich: Ändere deine Welt (die Settings der Sonne), oder deine Welt ändert dich, bis du nicht mehr du selbst bist, wer du eigentlich sein sollst. Nessus weiß manchmal nicht, wo sich sein Standort befindet, wenn er sich mit Sonne oder Mond (hier besonders), Merkur, Venus oder Mars astrologisch verbandelt. Dann beginnt er häufig die innere Qual nach außen weiterzugeben und sticht wahllos zu. Nicht umsonst heisst die Brenn-Nessel so. Nessus Erfahrungen und Verhalten nach üblichen Erlebnissen von Verrat und Verlorenheit ähneln zuweilen der Funktion der Brenn-Haare dieser Pflanze - sie sind ein Schutz gegen sogenannte "Fraßfeinde" - ein Teil der Persona, die haltlos versucht, Seelisches zu beschützen, das sie gleichzeitig bekämpft.

Die Nessus-Qual, von der ich rede, ist nicht Chirons tiefer Schmerz, der immer kausal nachvollziehbar ist und auch nicht Plutos lange Leine des Drucks, der Krämpfe, die Geburtswehen ähneln. Nessus Qualen scheinen ewig zu dauern, weil sie keinen herkömmlichen Anlass haben, sondern auf dem Boden einer zusammengepressten Seele entstehen, die nach Raum verlangt, weil sie groß ist, und nicht weiß, wie sie das "Nessus-Hemd" abwerfen kann, ohne sich - wie Herkules, dabei selbst zu zerfleischen. Bei den Konjunktionen scheinen die Sollbruchstellen, die einen bei Nessus so oft plötzlich und bedingungslos auf den Weg des Eigenen zurückführen, am deutlichsten und heftigsten zu sein. Oppositionen erleben sie leicht an anderen, die ihnen begegnen (und ziehen Nessus-Menschen an), Quadrate teicheln zuweilen endlos in immer gleichen Erlebnissen, ohne dass der tief empfundene, stets unlogische, nötige Sprung in den Mythos des Ursprünglichen der eigenen Seele auch passiert. Beginnen Nessus-Menschen, sich kompromisslos mit ihrer eigenen Weichenstellung zu beschäftigen, kann die Qual verschwinden, als hätte es sie nie gegeben. Wenn die Weichenstellung dem eigenen Muster entspricht. Nessus kennt die Seele selbst sehr gut. Aber er stößt uns vielleicht gerade darum immer wieder an die Grenzen dessen, was der Seele an Anpassung abverlangt wird - von der Sonnenwelt anderer, die unsere funktionierende Persona wollen - Familie, Freunde und Gesellschaft. 

Wenn nicht, können Nessus-Situationen wirken, wie ein Flugzeug, das in einen massiven Turm rast oder ein Schiff, das gegen einen Eisberg fährt. 9-11, der erste Einschlag im WTC, hatte eine heftige Spannung zwischen Merkur, Jupiter und Nessus, ausgelöst durch die Achsen. Der Titanic-Untergang Venus Konjunktion Nessus. Ihre Folgen zeigen, welche Traumata Nessus symbolisieren kann. Etwas brennt auch im persönlichen Chart wie Feuer, etwas hört nicht auf, auch wenn der Grund, die Causa, längst entfallen ist. Nessus mag der kleine Wespenstich sein, der über jeden Anlass hinaus anschwillt, als Signal, dass hier Tiefergehendes in Unordnung geraten ist. Oft betrifft er nicht nur die metaphorische Haut zwischen Persona und der wahren Bestimmung, die schmale Linie zum Sein des Eigenen, dem psychoanalytischen Selbst, da, wo es zeit- und identifikationslos in uns lebt. Manchmal geht es dabei aber auch um die wirkliche Haut und die zweite, physische Haut genauso,  die Kleider, die unser wahres Sein verhüllen. Nessus lehrt zur Not durch Qual, was zum "zeitlosen Menschen" des C.G. Jung gehört, und zu dem, anderen, der Hülle, die im irdischen Raum lebt. Er weist darauf hin, was wir sind und was nicht, auch immateriell, was sich in der Stier-Sonne seiner Entdeckung und ihrer Verbindung zu Grenzen und Begrenzungen spiegelt.

Einzigartigkeit und Begrenztheit sind Synonyme. Ohne sie gibt es keine Wahrnehmung des Unbegrenzten - und auch keine Bewusstwerdung - sondern bloß eine wahnartige Identität mit demselben."

C.G. Jung, Nessus am MC, Trigon Sonne und Nordknoten, aus: Erinnerungen, Träume, Gedanken, 1961 Pantheon Books

Der Schweizer Gottfried Keller, Autor von "Kleider machen Leute", und Hans Christian Andersen mit seinem Märchen "Des Kaisers neue Kleider" sind Nessus-Menschen, die in gewisser Weise das "Nessus-Hemd" (ich komme später noch darauf) tragen. Keller hat ihn im Quadrat zu Lilith und Sonne, bei Andersen steht der Kentaur direkt auf Sonne und Merkur. Ihre Biografien enthalten viele der sonderbar ähnlichen Eckpunkte, die ich inzwischen bei vielen Nessus-Biografien, variiert durch die Natur der beteiligten, persönlichen Faktoren, gesehen habe. Als einen Kern von Nessus' Aussagen beschreiben diese Leben auch den ständigen, exzentrischen Ruf der Seele, die unter der weltlichen Identifikation der Persona leidet: Sei du selbst. Ich, dein Daimon, der dein tiefstes, innerstes Schicksal kennt, erinnere dich daran, indem ich dich durch stärkste Wandlungen begleite und dein Sein aus dem Traum schäle. Hörst du mich nicht an, begegnet dir mein Schatten mit Verrat, Verlockung, Zwist und Verlorenheit. Du kannst nicht vor dir selbst fliehen. Du musst deinem Seelen-Lied folgen oder die Qual ertragen.Nessus-Lebensläufe haben dementsprechend häufig folgende Punkte gemeinsam, die sich in seinem Entdeckungs-Chart (links) schon in seiner eigenen Anlage zeigen:

- Unüblich oft begegneten mir bei bekannteren Namensträgern frühe, eindeutige Nicht-Verfügbarkeit, Abwesenheit oder auch Tod von Vater oder Mutter (vor allem bei Konjunktionen). Das  war eine Auffälligkeit, die mir seltsam vorkam, war aber keineswegs zwingend. Ich versuche hier, ein erstes Setting zu beschreiben. Kellers Vater stirbt, als der Junge 5 Jahre alt ist, Andersens Vater noch vor der Pubertät des Sohnes. Auch schwierigste Ehe-Verhältnisse der Eltern mit unruhigem Klima (und  öfter Armut) kommen in Nessus-Geschichten häufiger vor. Solche Erlebnisse in der Kindheit wirkten dann auf Identität und stabiles Standort-Empfinden, so, dass sich - aus meiner Sicht - manchmal untergeordnet Schein-Identitäten ausbildeten - analog zu den Erfordernissen des Umfeldes. Im Entdeckungs-Radix steht passend dazu Herrscher 12 Jupiter in enger Opposition zu Venus, Herrscherin 5. Die praktische Umsetzung der Auflösung von Orientierung am Standort. Das Radix enthält auch diese sehr angespannte, nahe Sonne-Nessus Opposition von 4 nach 10. Eltern-Konflikte, ausgehend vom Vater (Sonne) die sich im Seelischen (Haus 4) hart niederschlagen (eventuell über die Mutter-Bindung) und in 10 wiederum traumatisch maßstäblich werden können. Das ist meine Idee von dem, was als Grundlage passiert.

Solche Kindheiten ermöglichen erst einen späteren Verlauf, der den notwendigen Kampf um Identität und eine manchmal dramatische, stark entfaltete innere Entwicklung sichert. Die Arena steht - die Seele erhält eine wirklich ungewöhnliche, faszinierende Entwicklungs-Chance, die man bei vielen Nessus-Menschen später als ungewöhnlichen Output oder Lebens-Sicht erlebt - wenn die Sollbruchstellen als Wende, als Rückkehr zu sich selbst, genutzt werden. 

Wir sind, auf wessen Knochen wir gehen

- Es kommt auch vor, dass sich diese Identitäts-Krisen bereits in der Großeltern-Generation abspielten, denn Nessus scheint auch einen starken Bezug zu den "Ahnen" zu haben. Als Mittler zwischen Neptun, Pluto und Mond, als den ich ihn erlebe, beschreibt er auch systemische Geschenke oder Lasten, die aus der Vergangenheit, dem Ungelebten, kommen. Wenn unser Sein, wie Jung sagt, die Summe aller biologischen und psychologischen Ahnenbilder ist, wird das nachvollziehbar. Nessus Stier-Sonne wirkt hier als Bild für die genetisch-materiehaften Erbstücke in 4, dazu die Skorpion-Opposition zu Nessus selbst, das psychische Erbe, das er als Alchemist, "Zauberer", der Sonne spannungsvoll auferlegt. Womöglich ist die Wirkung von Nessus gegen die "Persona", die irdischen Masken, in seiner eigenen Sonne-Nessus-Opposition stark symbolisiert. Einer wie James Hillman mit Sonne-Mond-Nessus wäre also für diese Reise in die Mitte der eigenen Universen, die er immer wieder selbst beschreibt, bestens disponiert. Der Soul Code, lautet sein Thema, um das herum er spiralig und akausal die eigentümlichen Felder einer Psychologie beschreibt, die einen notwendigen mystischen "Sinn" (hier eventuell auch Nessus Verwandtschaft mit Jupiter) in psychischen Abweichungen findet. Merkwürdige Wendungen des Seelischen sind kein Fehler. Der Mensch folgt Menschen und ihren Energiekreisen nach. Wir sind ja, auf wessen Knochen wir gehen. Die Vorfahren leben psychologisch in uns weiter und verkörpern sich seelisch-bildhaft zuweilen wie Dämonen, wenn sie unglücklich waren, bis wir ihre Talente durch uns erlösen und sie metaphorisch zu unseren Schutz-Geistern werden.

Wiederholungen im familiären Schicksal trifft man dementsprechend gern bei Nessus-Betonten  an, genau wie einen extrem starken Bezug zu seelischen Verwandlungs-Bildern, eigenartigen "Zufällen", Koinzidenzen und den akausalen, magischen Verknüpfungen des Innen mit Geschehnissen im Außen: Jungs Synchronizitäten. Jeder Nessus-Betonte kennt sie und kann bei entsprechender Fokussierung solche Ereignisse wie Träume lesen. Überhaupt gibt es einen Hang zum Märchenhaften, Mythen, der archetypischen Welt, die sich manchmal geradezu alchemistisch in die Biografien einspinnt und bemerkbar macht. Nessus nah an persönlichen Planeten zu haben, bedeutet auch, in den Settings des Nicht-Sagbaren zu leben, auf eine völlig geheimnislose, natürliche Art. James Hillmans gesamte, wunderbare Sicht auf die vernetzenden Zusammenhänge einer "inneren Familie" in der Seele des Einzelnen, die mit Jung begann, war eine deutliches Feier seiner Nessus-Anlage in Form eines hilfreich forschenden und erweiternden Daimon-Archetyps.

- Das Thema der Identität bleibt beim Nessus-Menschen oft lebenslang dominant, was sich häufig in Namens-Fragen spiegelt. Uranus und Neptun als Herren 2 und 3 eng im 1. Haus miteinander, identifiziert und verschmolzen. Hier ist schon eine Tarnung angelegt, aber auch die Verbindung der irdischen Persona mit "neuen" Namen. Ich habe selten so viele Namens-Geschichten gelesen, wie in Lebensläufen, in denen starke Nessus-Konstellationen wirkten. Selbst Könige oder Kaiser (bei denen Nessus-Konstellationen ungewöhnlich häufig vorliegen) hatten öfter eine unübliche Namens-Vita. Als ich solche Nessus-Biografien las, fragte ich mich nach einer Weile schon: Wann kommt denn nun die Stelle mit dem Namen?

In irgendeiner Form spielten also Wechsel, Bekanntheit unter anderen Namen oder feste Spitznamen eine ungewöhnliche Rolle. Selbst Kaiser Wilhelm I. (Sonne-Nessus) nannte sich zwischendurch Wilhelm Oelrichs oder firmierte fest als Kartätschenprinz. Königin Margrethe von Dänemark mit dem gleichen Aspekt war lang die letzte Prinzessin mit isländischem Vornamen (Þórhildur) und hat ein offizielles Pseudonym als Buch-Illustratorin - Ingahild Grathmer. Der Termin öffentlicher Zugänglichkeit des Internet (6. August 1991), der die Konjunktur von Nicks und Schein-Identitäten einläutete, hat Sonne-Pluto im Löwen im Quadrat zu Jupiter-Saturn mit anhängendem Nessus im Stier, ein ganzer Kraft-Cluster, mit dem Kentaur als "Blinddarm". 

- Häufig finden bei Nessus-Personen auch sehr früh Entwurzelungen statt. Sie kommen aus der Fremde oder wandern in ferne Gestade - Schiffs-Jungs, die von zuhause fortgehen, Inder, die ihre Kasten verlassen, Kinder, die zu weit entfernten Großeltern in Ländern fremder Sprachen verpflanzt werden oder als Jugendliche von selbst gehen. Manche werden unspektakulärer aus der ersten Umgebung gerissen, sind dann am neuen Ort nicht wirklich heimisch, empfinden sich als Fremdkörper in einer anderen als der ursprünglichen kulturellen, soziologischen, verwandtschaftlichen "Heimat" (die Stier-Frage der Herde kommt auf und Herr 4, Mars wandert nach 7, da, wo das Eigene nicht ist, aus). Neue Identifikationen sind immer wieder gefordert. Im Entdeckungs-Chart belegt Herr 2 Uranus eng am Neptun schon das unruhige, revierlose Ich. Die Selbstgrenzen schon vor ihrer Entdeckung in 2 aufgelöst oder vernebelt, das Aufgehen in Sippen-"Netzen" zugleich ersehnt und gebrochen.

Nessus als einer ohne den üblichen Stallgeruch zeigt sich oft besonders in der Jugend. Selbst zuhause ist er lange nicht daheim. Besagter Widder-IC mit Mars Herr 4 in 7 belegt Heimatsuche und -Abwehr, den aggressiven Kampf in jeder Begegnung, im "Du", das nicht Ich ist. Nessus ist so gesehen für mich auch ein Exilant, Fahrender, Reisender, Wanderer, Sucher und Finder. Dabei aber mitnichten der fröhliche Reisende Jupiter, den Gott lieb hat, sondern eher einer ohne echte Behausungen. Manchmal sogar vertrieben, unfrei verschoben. König Konstantin von Griechenland, der letzte der dortigen Regenten, hat Mond-Nessus im Stier. Auch bei ihm gab es den früh gestorbenen Vater und Konflikte um seinen richtigen Nachnamen (der eben nicht "König" lautete), bis man ihm irgendwann sogar den Pass entzog. 

Nessus Fragen: Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?

Innere "Quests", diese eigentümlichen Heldenreisen, die in Nessus-Entwicklungen wichtig scheinen, spiegeln sich besonders stark in solchen äußerlich unsteten Daseins-Verläufen. Beispiele mit Sonne-Nessus oder Mond-Nessus-Konjunktionen: Mohandas - genannt Mahatma - Gandhi, Hans-Christian Andersen, Paul Gauguin, Barack Obama, Katharina die Große, Victoria von Schweden. Bei dieser Kronprinzessin ist beispielsweise Mond betroffen, sie hatte Magersucht und Bulimie, die Alles- oder Nichts-Krankheit. Ein Artikel darüber hieß einmal: "Der stille Sieg über den Vater", eins der Nessus-Themen. Genau dieser König Carl Gustaf (Tod seines Vaters, als er neun Monate alt war, von dem er aber erst mit 7 Jahren erfuhr!) hat nun wiederum Sonne-Nessus und Nessus familiäre Fremdheits- und Identitäts-Geschichte, die sich in solchen Eigentümlichkeiten spiegelt, stammt wohl aus einem lang zurückliegenden Ahnen-Vorkommnis. Der Familien-Namensgeber, der französische Marschall Bernadotte, wurde vom aussterbenden Geschlecht der Schweden-Könige adoptiert und die "Linie" der Holstein-Gottorps gebrochen. Das scheint systemisch noch nicht bewältigt, wenn man sich die Nessus-Stände dieser Royals anschaut. Die Namens-Story, die bei Nessus so oft vorkommt, hat aber auch mit Carl Gustafs Titel zu tun: Er war der erste, der nur noch "Schwedens König" hieß und nicht mehr einen Jahrhunderte alten, sehr lange Bezeichnung verwenden durfte. Andere Leute, anderer Ausdruck: Südsee-Wanderer Paul Gauguin mit Sonne-Nessus hatte Streit mit Van Gogh (Mond-Jupiter Opposition und Mars Quadrat Nessus), weshalb der sich am Tag vor Heiligabend 1888 das Ohr abschnitt. Wobei bis heute ungeklärt ist, ob es nicht doch Gauguin war, der zum Messer griff.

Es passierte bei einer transitierenden, engen Nessus-Mars-Konjunktion - im Quadrat zu Gauguins MC und Trigon zum Nessus-Sonne-Aspekt und im Quadrat zu Van Goghs Saturn und Jupiter genau auf seinem Mond (mit der Nessus-Opposition). Beide waren prädestiniert für solche Situationen. Über sich selbst stellte Gauguin ansonsten stets eine "Marotte zu fliehen" fest. Einer seiner Bild-Titel stellt die Fragen, die mir so charakteristisch für Nessus-Thema vorkommen: Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? (1897). Van Gogh hatte eine dieser typischen Namens-Geschichten des Nessus und auch die systemischen Wiederholungen - er wurde als "Ersatz" für einen ein Jahr vorher gestorbenen, älteren Bruder Vincent (gleicher Name) gebraucht und früh in die Fremde gegeben. Wie Gauguin, dessen Familie sich von Frankreich aus in seiner Säuglingszeit noch nach Peru einschiffte, wo der Vater auf der Überfahrt starb.  

- Die Lebensläufe von Nessus-Betonten sind vielfach verworren, nicht eindeutig, gekennzeichnet von meist mehrfachen Ausnahme-Begabungen, die man wechselnd fokussiert, bevor man sie im besten Fall "gegen die Moden" verteidigt und lebt. Wenn man dem hilfreichen Daimon Nessus zuhört und nicht am Dämon Nessus zerbricht. Eine gewisse Exzentrizität, Rebellion, Brüchigkeit, die ganz anders ist als die uranische, wird meist sofort spürbar. Vom "Geschmack" her, dem Klima, erinnert sie eher an Plutos existenzielle Herausforderungen. Das Brüchige, aber auch Zerbrechliche selbst, ist allerdings astrologisch als Bild des Neptun-Uranus weit vorn im Nessus Entdeckungs-Chart ausgedrückt. Ein maskiertes, illusionäres Gesicht für die Welt - psychoanalytisch auch sichtbar in der vitalen Sonnen-Persona Stier mit dem dominanten Steinbock-AC, an dem in 1 das Gebot: Du darfst kein Ego haben! des Neptun sitzt, der alles Saturnische und selbst den sprunghaften Grenzhalter Uranus "löscht". Nessus-Menschen wie Belmondo (Uranus-Nessus sehr eng, Konjunktion Sonne) und Marlon Brando (Sonne-Nessus sehr eng, Quadrat zu Mars) machen das sichtbar. Aber immer wieder haben genauso eher "mental" orientierte Menschen Planeten im Bezug zu Nessus: Bei Maharishi Mahesh Yogi, Begründer der Transzendentalen Meditation, findet man Merkur- und Mars-Nessus. Nicht zu verwechseln mit Ramana Maharishi, der mit 16 Jahren in die Erleuchtung wanderte, fortan weitgehend schweigend lebte und der Seele folgte - mit Sonne-Nessus. Er ließ seine Schüler stets mit der Nessus-Frage "Wer bin ich?" arbeiten. Auch die Entdeckung von Uranus hat übrigens Sonne-Nessus (weite Konjunktion in den Fischen).  

- Frühe Entwicklungen durch dramatische Forderungen des Selbst, ein ständiges Pendeln zwischen Narzissmus und Altruismus mit deutlichen Umschwüngen zwischen den Polen fallen bei den wirklich Nessus-Betonten (nicht nur Bezüge zu Langsamläufern!) auf. Selbst die hier schon angesprochenen großen Seelen wir Ramana Maharishi oder Gandhi, wie auch Krishnamurti, die alle sehr stark eingeschwungen auf die Themen des planetaren "Fremdlings" waren, litten zuweilen unter größten Ängsten in der frühen Jugend, "tickten" immer wieder aus und nahmen danach Zuflucht zum Daimon. Ihr Weg führte dorthin, wohin ihr Seelen-Auftrag sie wehte - radikal, freundlich, aber letztlich ohne Rücksicht auf die ausgetretenen Pfade, die ihnen gesellschaftlich oder traditionell zugedacht waren.

Andere, wie der Märchenkönig Ludwig (links innen Vergleich mit seinem Tod - außen Stehenbleiben der Taschenuhr als Zeit-Angabe) zerbrachen an ihrer Nessus-Betonung, vermutlich, weil sie nicht kongruent wurden. Im Radix findet sich beim "Kini", der mit den ebenfalls so nessus-typischen, exzentrischen Traum-Projekten wie Neuschwanstein viel zu tun hatte, Mond-Nessus Konjunktion und Sonne-Nessus plaktisch im Quadrat. Er gab auf, drei Tage, nachdem er entmündigt worden war, weil er seiner seelischen Vielfalt (und vermutlich auch Homosexualität) nicht selbst-bewusst freiwillig durch Rückzug vom Amt Raum verschaffte. Dies scheint mir eine klassische Nessus-Weichen-Stellung oder Weg-Gabelung zu sein. Der Selbstzerstörung wäre die Selbst-Belebung zuvorgekommen. Als er ins Wasser ging (oder, bei dieser Betonung, buchstäblich in die Gewässer seiner Seele zurückkehrte, eine Rolle, die ihn ja auch lebenslang drängte), stand DC exakt auf seinem Geburts-Nessus, Nessus transitierend im Quadrat zu Jupiter und Pluto auf dem Zwillinge-Mond. 

- Die immer so deutliche, hervorstechende Seelen-Suche in solchen Biografien ist für mich nicht allein den üblichen astrologischen Faktoren beizuordnen. Es kommen Neptun- und Pluto-Betonungen mit dominanten Entwicklungs-Forderungen auch in diesen Charts vor. Aber dieser spezifische "Ton" des Nessus klingt für mich nach den vielen Betrachtungen der dominanten Konstellationen des Kentauren anders. Im Entdeckungs-Chart steht die Begegnung mit einem projizierten Mond Herr 7 in 6 (das ist die verlorene, funktionalisierte Seele der Suchenden). Eines Selbst, das in die Funktion geht und doch aus der Definition anderer "funktioniert". Es fahndet aber nach dem Seinen, da es trigonal zu MC und Saturn in 2, den eigenen Grenzen, steht. Die Quests von Nessus können nur gelingen, wenn die endlose Reise zu dem tiefsten Kern des "vor-irdischen" Selbst mit den Herausforderungen der Schein-Identitäten bricht und die "innere Seele" (die kollektive Archetypen, Ahnen-Schicksal und spezifisch Eigenes verbindet und sich anders als üblich heilen kann) wieder mit der äußeren Persona überein gebracht wird. Das bedeutet gewissermaßen auch den Hunger nach Radikalität. Das Innere, der zeitlose Mensch des Neptun mit dem Fühlen des Mondes, darf nie vom Außenbild der Sonnen-Persona oder des "äußeren" AC-Auftrags unterjocht werden. Die Stier-Skorpion-Opposition von Sonne und Nessus selbst in seinem Chart spiegelt den Fight zwischen Materie und Psychischem bereits fabelhaft wieder.

Nessus verbindet für mich letztlich als "Mahner", der korrigierende Situationen hervorbringt, Welt mit der Endlosigkeit des transformatorischen Mythos. Nicht nur Seele ist in uns, sagt die Hillman'sche, archetypische Psychologie, sondern wir sind auch in der Seele, die sich wie ein eigenes Wesen durch unsere Welten zieht. Nessus deckt ihre Bedürfnisse auf - auch wenn die sehr viel von uns fordern - an Abgrenzung, die wir nicht haben, an Mut, für den wir zu erschöpft zu sein scheinen, Änderung, die uns als gebundene Wesen in manchen Zusammenhängen unmöglich vorkommt und an Klarheit, die mit von den vielen Ichs und Identifikationen (auch im Widerstand, mit dem Widerstand!), die wir haben, zugedeckt sein mag. Wenn Nessus Aufgaben womöglich uns selbst am meisten wehtun, werden wir sie nie so radikal vertreten, auch wenn er im engen Aspekt in unseren Charts anzeigen mag, dass wir längst alles haben, was wir dazu benötigen.

- Das Nessus-Hemd tragen: Dieses Bild bedeutet lebenswichtige Häutungen - mehr als bei anderen ohne diese Aspekte. Womit wir beim Mythos des Kentauren sind. Der neuralgische Punkt am Faktor Nessus und seiner möglichen, astrologischen Aussage ist tatsächlich der Verrat. Verrat, der einem begegnet und den man an anderen begehen könnte. Aber vor allem der Verrat an der eigenen, tiefen Seele, dem Kern-Szenario. Wie ein roter Faden kehrt das Thema (als Empfindung oder Tat) in Nessus Zeitläufen wieder. Nicht nur gedacht, auch buchstäblich. In seinem Entdeckungs-Horoskop steht Chiron als größter, anzunehmender Schmerz in 8, der Umsetzung des Plutonischen im Radix. Herrin 8 Sonne verdeckt, privat, sensibelst, aber hoch dramatisch in 4. Pluto im eigenen Zeichen. Die Zeichen-Achse Stier-Skorpion: Binden und lösen, lösen und binden!

Hannelore Kohl mit ihrer letztlich tödlichen (Haut?)-Krankheit litt unter anderem wegen solcher Themen-Felder schlimme psychische und physische Schmerzen. Als Mädchen von Soldaten mehrfach vergewaltigt, baute sie eine perfekte Persona auf. Helligkeit tat ihr später weh und sie begann zu brennen. Häutungen waren ihr, als Frau und Team-Spielerin des großen, doppelten Widder-Kanzlers (übrigens Sonne-Uranus-Merkur-Nessus!), nicht mehr möglich. Die Optionen ihrer Persona als Unterstützerin und Stichwort-Geberin ausgespielt, ausgereizt. Sie hat die Nessus-Geschichte beider getragen. Wollte so gern analog zum äußeren Bild funktionieren. Sie tat das lange. Hannelore Kohl hatte Nessus Konjunktion mit Uranus im Quadrat zum Krebs-Mond-Pluto. Was ihres Ehemanns Verrat an ihr gewesen sein mag, geht keinen etwas an. Ihren, den letzten, nach so langer Treue, durch eine "Indiskretion" Selbstmord, mag er durch die Verschattung des perfekten Kategorien-Spiels, das diese Ehe lebenslang bedient hatte, im Heftigsten, dem  outenden Suizid, schließlich doch noch so empfunden haben. Aber man kann sicher sein: Auf diese eigentümliche Art wurde diese Fische-Frau frei. Der Fall Hannelore Kohl sagt viel über die Fallen der zweideutigen Ebenen des Nessus.

Hinter ihrer rätselhaften Krankheit steckte wie bei allen Nessus-Betonten jene harte Frage nach Identität, der Weichenstellung in die verlorene Tiefe des Selbst, das sie an der Seite des Kanzlers unmöglich in seiner ganzen Ausprägung leben konnte. Wäre Licht auf das gefallen, was in ihr vorging, was hätte es für ihre Familie bedeutet? In solchen Fällen tut das Helle mehr weh, als das Dunkle. Sie entwickelte eine Licht-Allergie. Die Wahrheit schmerzt. Das Verraten dieser Wahrheit, die Enttarnung jeder Täuschung (Neptuns) und Stehen zur Ent-Täuschung, die unbedingte Positionierung auf der Seite  dessen, was Lüge vermeidet (auch durch offensichtliche Taten) mag das Gegenstück zu Nessus Verrats-Problematik sein, seine innere Substanz. Man kann ihn auf so vielen Ebenen lesen und findet immer dasselbe. Haut-, Hüllen, Schichten, aber auch Kleidungs-Themen sind - wie oben schon angemerkt - bei starkem Nessus häufig sehr aktiv und konfliktbehaftet. Oft kommt ganz buchstäblich in der Kindheit Nesselfieber oder Allergien vor, als Gegenwehr zum Zwang des Nicht-Selbst. Einige Modeschöpfer haben einen dominanten Nessus - was die Metapher der "zweiten Haut" einer jungschen Persona, die für und nach Außen lebt, statt die Seele zu verwirklichen, passend auffängt.

Der Nessus-Mythos vom Kentauren, der die schöne Deianeira, Herkules' (damals noch nicht Herakles) Frau durch List von ihrem Helden absondert und zu vergewaltigen versucht, hat viele Schichten. Er erinnert stark an diesen Topos der Häutungen (und an zahllose andere, auch skorpionische Themen, was Nessus Verwandtschaft mit plutonischen Transformationen belegt, für die er oft Geburtshelfer zu spielen scheint). Als Herkules Nessus, dem Helfer, der eigensüchtig helfen will, für den Verrat mit einem vergifteten Pfeil tötet, belügt Nessus im Sterben noch die bedrohte Lady. Für den Fall, dass Herkules sie je betrüge, soll sie etwas von seinem Blut mitnehmen. Sie könne es ihm dann auf sein Kleid geben und er werde zu ihr zurückkehren. Als es geschieht, dringt aber das Gift des Pfeils mit Nessus "totem" Blut durch das Gewand in Herkules Haut ein. Wie beim astrologischen Nessus, eine Erfahrung, Durchdringung, Trauma durch Mark und Bein. Bis in die tiefe Seele, wo das Erkennen der Rache stattfindet. Nessus zerstört als Toter noch Herkules Struktur. Als der versucht, sich das Nessus-Hemd mitsamt Fleisch vom Leib zu reißen und freiwillig auf den Scheiterhaufen geht, da es nicht gelingt, tötet Deianeira sich selbst vor Leid. Das belegt Nessus weite Kreise, einen Zugriff noch aus der "Totenwelt" - den Flüssen der Ahnen, die systemisch in ihm wohnen.

Selbst-Zerfleischung wie bei Herkules, der in die Energie des großen Brennens gerät, ist in der einen oder anderen Weise bei Menschen, die das Nessus-Hemd tragen, aus meiner Sicht nicht unüblich. Die Qual endet erst, wenn sie den festen Entschluss treffen, ihren Weg, den Klang, Geschmack, Geruch ihrer ganz besonderen Unter- und Oberwelten, der persönlichen Himmel und Höllen, endlich anzuerkennen und dem Lied der Seele zu folgen, das ihnen Nessus zeigt. Zur Not auch unter Aufgabe aller anderen Bezüge. Wenn es nicht anders geht, auch allein. Herkules ist hier Nessus Opfer und Täter - Ermordeter und Mörder. Denn in den quälenden Kämpfen der Kentauren-Szenarien scheint nie wirklich klar zu sein, wer wem schadet und auf welchem Boden. Erst ab dem Punkt, an dem wir wissen, wer wir sind, unsere wahre Identität besitzen und würdigen, unsterblich und unabhängig von Bedingungen, sind wir frei. Nessus beweist das manchmal auch durch folternde Verwicklungen.     

Jeder Ruf oder jede Berufung hat ihre eigene charakteristische Persona [...]. Nur besteht die Gefahr, dass sie sich mit ihren Personas identifizieren - der Professor mit seinem Text-Buch, der Tenor mit seiner Stimme. Dann haben wir den Schaden, ab sofort lebt er ausschließlich vor dem Hintergrund seiner eigenen Biographie. Das Kleid der Deianeira ist über seine Haut gewachsen und eine einsame Entscheidung wie die des Herakles ist nötig, wenn er sein Nessus-Hemd wieder vom Körper zerren will und einen Schritt ins verzehrende Feuer der Unsterblichkeits-Flamme tun, um sich wieder in das zu verwandeln, was er wirklich ist. Mit etwas Übertreibung könnte man sagen, die Persona ist das, was einer nicht ist, aber was er - wie alle anderen - zu sein annimmt."

C.G. Jung

In dieser Hinsicht ist Nessus bei seinen astrologischen Kindern sowohl der Erlöser, der den Weg zum nackten Kaiser des Selbst ohne seine prächtigen Kleider weist, die vor und nach der Zeit und im Strom des Seins keinerlei Bedeutung mehr haben. Ein Wegweiser an die un-chronologischen Orte von Neptun, Pluto und Mond, ins astrologische Wasser. Ein Versucher, der auch Rächer sein kann - und die innere Wahrheit aufleben lässt. Denn Verrat, der buchstäblich unauslöschlich brennt, wird offenbar jedem Nessus-Betonten immer wieder in seinem Leben ganz spezifisch begegnen. Als Selbstfalle oder Verlockung einer Waffe gegen andere gleichermaßen. Das große Tabu, wenn man die Schätze, die Nessus bietet, heben will. Was für seine Anlage nicht einfach ist und eine bombenfeste ethische Konstellation benötigt. Den Bock nicht mehr zum Gärtner machen. Keine Rache. Auch wenn sie ebenso oft angewandt wie überlegt wird. Übergeht Nessus die Loyalitäten, die er selbst so braucht, zeigen sich die Qualen der Seelen-Losigkeit noch schlimmer als gewohnt. Die unüblich vielen Regenten mit Nessus an persönlichen Planeten sind hier die besten Beispiele - mit ihren Verstrickungen in Liebe, Hass und die Netze ihrer Außenwirkung.

Bei diesem Mythos darf man allerdings nicht vergessen, dass niemand weiß, was Wahrheit ist. Der der Verrat spielt sich ursprünglich im Hochwasser ab, über das Nessus die Frau tragen will. Ein deutlicher Hinweis auf Neptuns Illusionen, die dann Nessus bestenfalls in Menschenleben mit aufdecken hilft. Herkules, der Gute im Spiel, ist ja eigentlich ein schwerst jähzorniger Verstoßener, der weitaus schlimmere Dinge als Nessus getan hat. Einer, der selbst mordete und brandschatzte und seine vielen Prüfungen (er überwand letztlich die 12 Stufen der Astrologie in seinen Aufgaben) nur auf sich nahm, um sich bei den Göttern wieder beliebt zu machen. Nach der Folter wird er befördert.

Als er sich aus Qual über das Nessus-Hemd, dessen brennende Schmerzen er nicht loswurde, selbst verbrennen ließ, durfte er als einziges sterbliches Wesen im Olymp residieren. Damit verhalf Nessus ihm letztlich auch zur Unsterblichkeit. Im übertragenen, astrologischen Sinne gibt Nessus ja den an ihn Angekoppelten seine immense Kraft genau dafür, bis sie in ihre Unsterblichkeit zurückgelangen.

Die entscheidende Frage für den Menschen ist: Bist du auf Unendlichkeit bezogen oder nicht? Das ist das Kriterium seines Lebens." 

C.G. Jung

Herkules war es nicht. Er fühlte sich irdisch und wollte von den Göttern akzeptiert werden, als einer der Ihren. Insoern blieb er begrenzt, denn selbst die Himmel sind eng - verknüpft mit Identifikationen. Was er wollte, bekam er durch Nessus letztlich auch. Ohne in den Welten vor, hinter, über und unter der Zeit wirklich das Leiden zu begreifen. Wer bin ich? Der Gute oder der Böse? Woher komme ich? Was ist meine Geschichte? Was ist es, das von mir bleibt? Diese Nessus-Fragen sind nicht faktisch, kausal oder logisch zu beantworten. Sie stammen aus dem Raum der Seele, die auch James Hillman oder C.G. Jung meinen. Man kann sie erforschen, ihre Bilder ausloten, aber nicht bestreiten oder kategorisieren. Nessus erstattet - das sei nur nebenbei bemerkt - den Menschen indirekt auch den Tierkreis zurück, den Herkules (wie der phönizische Gott Melkart) in seinem Zwölfer-Ritt wie eine feindliche Macht überwindet. Seine Geschenke werden sichtbar - nur oft erst auf den zweiten Blick. Man muss die Augen dafür haben, die Ohren, um zu hören.    

- Gewisse gewaltsame Tendenzen oder Szenarien wie die, die man auch von Pluto kennt, sind bei Nessus oft schon früh erlebbar. Seine Kinder kennen mit engen Bezügen zu persönlichen Planeten oder Achsen vor allem großen Zwist und Streit, die für sie häufig umso schwerer erträglich sind. Denn eine so starke Anbindung an den Zug, die Energie und den fast zwingenden Auftrag der Seele ist selten sonst zu beobachten. Gleichzeitig hiesig und dortig, im Nichtsein und im Sein, viel weniger weltlich als beim Mond und nicht so himmlisch entrückt wie in Neptuns Gegenden. Auch physischer oder psychischer Missbrauch scheint (ähnlich wie bei plutonischen Anlagen) zum Nessus-Thema zu gehören. Allerdings mehr auf der erwachsenen Ebene, in Augenhöhe, nicht zwischen Täter und eindeutigem Opfer. Strategischer als im kindlichen Schwimmen eines sich opfernden Neptun. Manchmal entwickelt sich aus solchen Erlebnissen als Übergang dann eine Art Hang, Menschen zu triezen - das Omega-Huhn-Prinzip, das später sein Leid weitergibt, um zum Alpha-Tier zu werden. Aber "The buck stops here". Nessus kann sich nicht erlauben, den schwarzen Peter weiterzugeben.

Er muss aus dem Schund, Schmutz, Schutt und Asche seiner oft tragischen Erlebnisse und Erfahrungen aufsteigen. Hochtauchen, all das mitbringen, nicht mit der Wunde identifiziert, aber auch nicht mit anderem. Vielleicht ist der Nessus-Weg einer der schwierigsten, weil er aus dem vorzeitlichen Neptun kommt und sich wie der Lotos von Dreck ernährt. Um später, nicht im weltlichen, aber im tiefsten Sinne, umso reicher und schöner zu blühen. Als einer, der einen Kern gewonnen hat. Denn das besagt letztlich jedes starke, unüberhörbare Seelen-Lied. Für mich hat der Nessus nicht nur aus eigener Erfahrung etwas Schamanisches und starken Bezug zur Alchemie. Seine Angelegenheiten scheinen gewoben aus dichten Bildern, verflochtenen Mythen und Archetypen - nicht unbewusst wie Neptun, da Nessus lieber selbst aktiv hebt - die halben Lügen, seidenen Fäden, versponnenen Erbstücke und unglaublichen Sehnsüchte des Fische-Herrn gleich mit.

All das, was Nessus-Betonte gegen die Tabus der Rache und des Verrats möglicherweise auch anrichten, in ihrem Schmerz, der Angst, der Flucht vor der vergessenen, empfindsamen Seele in einer Ursache-Wirkung-Welt, wird immer wieder umso härtere Konsequenzen im Leben finden. Da all das mit den Zielen der seelischen Integration kollidiert. Im Entdeckungs-Chart zeigt das ein kindlicher, phasenhaft losbrechender Krebs-Mars, gefühls-gepeitscht, im Quadrat zum ausgleichenden Waage-MC, das am Ergebnis stehen soll. Nessus darf nie selbst brutal, taktisch oder allzu ober-weltlich statt innerlich sein. Sein Fluch ist es, wenn er mit den Mitteln der Persona spielt oder sich gar mit ihr verbindet. Er muss möglicherweise die Welt aufgeben, um in der Welt zu sein - auf seine erlebnis-empfindliche Art. Auch wenn er reflexhaft immer zum Schutz des Seelischen neigt, sofern er die Quests überhaupt zu erfüllen beginnt. Sonst wandelt er sich vom guten Daimon und Schützer des Selbst, dem vielleicht besten Seelen-Begleiter, den ein Mensch haben kann, zum Dämon für andere, mit denen wir doch so bedingungslos Beziehungen wirken wollen.

Nessus Muster und rote Fäden, die uns in die Unterwelt und wieder hinauf in die Himmel geleiten, von Pluto zum Neptun und zurück, unter bitterlichen, inneren Schmerzen, können nach meiner Beobachtung "karmische" Dimensionen annehmen. Das bezieht sich auf die schwierigen, geistigen Muster, die wir alle so leicht übernehmen und dann wie Mantras erneut erzeugen - mit allem was wir tun und erleben und danach der buchstäblichen Welt wieder wie einen Stempel aufprägen. Zu dieser ursprünglichen Auffassung von Karma aus den östlichen Sichtweisen hat Nessus für meine Begriffe einen großen Bezug. Vielleicht findet sich in ihm auch das Nadelöhr, der "Einbruch in die Freiheit" des Eigenen, das besitzlos und entgrenzt ist, obwohl es aus den Grenzen des irdischen Daseins stammt und sich sein Fahrzeug für die Seele lediglich entleiht. Jiddu Krishnamurti, der große Wahrheitssucher, hatte ein Wasser-Trigon von Nessus (in den Fischen in 1 mit Quadrat zu Merkur) mit Jupiter und Saturn, das Mond im Steinbock zu einem Drachen vervollständigte. Seine Mutter starb, als er sehr jung war. Danach begann ein ungewöhnlicher Weg für den Jungen mit der Stier-Sonne. Er hatte genug Boden, um das Himmlische auf die Erde zu holen. Das Feste und das Fließende auf dem Weg zum Ruf der Seele. Nessus ist nicht "böse", wenn man die vielen Menschen, Denker, Künstler und Fühlenden mit sehr engen und "heftigen" Verbindungen betrachtet.

Viele haben das Beste aus Herausforderungen, Bildern und Gelegenheiten gemacht, mit denen er ein Leben geradezu überschwemmen kann. Seine energetische Phase halte ich für vorwiegend feurig, getreu des Nessus-Hemds und des Feuers, das er um Lebenswege und in Seelen entzündet, bis sie ausbrennen - auf ihre tiefste Essenz. Für mich ist er ein Schutzgeist und Herausforderer, bei dem man höllisch aufpassen muss, den "wirklichen" Weg nicht zu verpassen. Sonst ist der Zug, der wir sind, lange fort, wenn wir ihn endlich erkennen. Nessus, der Daimon, ist nie die Seele selbst, sondern nur die Brücke dahin, der Feuerring, durch den jeder springen muss, der guten Mutes ist, nicht am Irdischen kleben zu müssen. Seine Wirkung, sein Klima, kann man monatlich bei Mond-Transiten meist eindrücklich ahnen.  

Seine undiplomatischen, aber so heilsamen Beziehungen zu den zauberischen Unwägbarkeiten in der Symbolik des Lebens ist für mich fraglos. Den Synchronizitäten, reißenden Flüssen des Unkörperlichen, das sich zauberhaft zu Substanz verdichten kann. Mit großem Misstrauen hat alles begonnen - gegenüber Dominanzen wie Sonne, Mond und Sternen mit Nessus, dem Kentauren. Ich wollte ihn auf seinen Ton, sein Lied, überprüfen, eigentlich nur, um ihn weiter zu ignorieren. Typisch Nessus. Alles ist ganz anders als es scheint. Das, was Nessus vielleicht ist, hat in herkömmlicher Sprache ja viele Namen. Verrat, Ehrlichkeit, Ursprünglichkeit, Kongruenz, Häutung, Seelen-Führung, Mehr-Dimensionalität? Die spezifische Symbolik abzugrenzen, ist nie leicht, weil wir unseren eigenen Schubladen viel leichter auf den Leim gehen. Aber: Will man's wissen? Oder nicht? The buck stops here. Nessus scheint ein Yang-Archetyp der Wandlung zu sein. Transformation explodiert, bei denen, die auf ihn eingetuned sind, gern absoluter, mit mehr Einklick-Effekten ins Netz des Numinosen, Nicht-Fassbaren. Sie wird extrem durchlaufen oder blockiert. Wer sie vermeidet, dem bricht Nessus aus meiner Sicht metaphorisch das Genick. Ja, es gibt viele schwierige Lebensläufe unter seinem Siegel. Und es gibt die, die aufstrahlen, irgendwann. Dieses Leuchten, das aus der Helligkeit nach dem Dunklen kommt. Nessus, das Risiko im Chart. Aber vielleicht auch eine größere Chance für inneren Beistand, als wir bislang ahnen.

All das kann ich nicht beweisen, ich kann es nur fühlen, mit Sonne-Nessus. Als treue Leserin eines viel größeren Geistes wie James Hillman, dem Hügelwächter und Nessus-Bruder, dessen unglaubliche, archetypische Psycho-Analyse nicht etwa bedeutet, falsche Bilder zu heilen und richtige zu installieren. Sondern unsere Zwischenwelt, die in Bildern schwimmt, untergeht und lebt, Ernst zu nehmen und auszuloten. Den riesigen Raum, in dem immer wieder Wunder erscheinen. Im Hintergrund C.G. Jungs unglaublicher Kosmos von neptunischer Vernetzung. Als Zugabe die Prüfungen jenes Stegs zum inneren Ufer, der für mich seit einiger Zeit eben Nessus heisst. Auch Jung, mit Nessus nah dem MC, hat Neptun geträumt und in vielerlei Hinsicht Nessus gelebt. Die Daten des Nessus-Entdeckungs-Horoskops stammen von ROBERT VON HEEREN (Merkur-Nessus-Quadrat), der wie ZANE STEIN (Venus-Pluto Quadrat Nessus) oder DIETER KOCH (Mond-Lilith-Nessus) hervorragend über exzentrische Kentauren und andere "Fremdlinge" arbeitet. Sie sind nah dran. Allesamt. Wie James Hillman, Vater des Soul's Code, Widder-Sonne und Mond mit Chiron und Nessus, der das Astrologische intuitiv weiß:

Jedes Leben wird von seinem einzigartigen Bild geformt. Ein Bild, das die Essenz dieses Lebens ist und es zu seinem Schicksal ruft. Als Kraft der Vorsehung agiert dieses Bild wie ein persönlicher Daimon, ein begleitender Führer, der sich an deinen Ruf erinnert. Der Daimon motiviert. Er schützt. Er erfindet und widersteht mit hartnäckiger Treue  Vernünftigkeit und Kompromissen und bringt oft Abweichungen und Merkwürdigkeiten bei seinen Trägern hervor. Besonders, wenn er verleugnet oder zurückgewiesen wird. Er bietet Bequemlichkeit und kann dich in sein Gehäuse holen, aber er kann Unschuld nicht ausstehen. Er kann den Körper krank machen. Er ist nicht im Einklang mit der Zeit, findet alle Arten von Fehlern, Lücken, Knoten im Lebensfluß - und bevorzugt sie. Er hat Affinität zu Mythen, weil er selbst ein Mythos ist und mystisch denkt. Er hat viel zu tun mit Gefühlen von Einzigartigkeit, Größe und der Rastlosigkeit des Herzens, seiner Ungeduld, seiner Unzufriedenheit, seiner Sehnsucht."

(James Hillman)

Das ist Nessus. Bei allem, was ich inzwischen über ihn weiß, eine der schönsten, unfreiwilligen Punktlandungen eines Analytikers über einen astrologischen Archetyp. Zur Zeit bin ich froh, eine Erinnerung an so vieles durch Nessus wiedergefunden zu haben. Nachdem ich vergessen hatte, wie tief, oft und lange er mir in meinem Leben schon begegnet ist und mich zu mir zurückgeholt hat. Es war nie leicht, aber es hat sich immer gelohnt. 

 

Bilder: Francisco de Zurbaran + Howard Pyle [Public domain]+ Louis de Boullogne + Paul Gauguin + Vincent van Gogh via Wikimedia Commons

Danke, Wolf Krause, für eine unerwartete Anregung!

       

 

 

 

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