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Buntes

John Lennons großer Hunger

Bulimie oder nicht?

Machtmenschen wie er seien gefräßig, soll John Lennon seinem Freund Harry Nilsson mal gesagt haben. Sie wollten die ganze Welt verschlingen. Dafür, dass er das nicht nur metaphorisch gemeint hat, spricht ein neues Buch von Debra Sharon Davis. Nach ihren Recherchen hat der 1980 erschossene Beatle Bulimie gehabt. Seine Witwe Yoko Ono allerdings dementiert.

Bulimie, die heimliche Sucht unheimlich zu essen, ist die versteckteste der Eßstörungen. Betroffene wirken häufig taff, gesellschaftlich gut integriert oder besonders ehrgeizig. Zum üblichen Suchtmuster passt das Außenbild selten. Dessen scharfer Kontrast zum unsicheren Innenempfinden ist ein Konflikt der Krankheit. Oft zeigt sie sich astrologisch an einer Kombination von Neptun-Problemen (Sucht, Verdrängung), Venus-Haus-7-Betonungen (Bilder der anderen) und deutlichen Dominanzen der Achse Stier-Skorpion oder 2/8 (Polarität von Genuß und Selbstgeißelung und Macht-Ohnmacht-Konflikte).

Essen und Erbrechen, die diese Krankheit ausmachen und die manchmal massiven inneren Extreme der Betroffenen bebildern, werden häufig nach außen verborgen und durch eine perfektionistische Maske ersetzt (Haus 6). Dahinter lauert vielfach der negative Jungfrau-Ausdruck großer Angst. John Lennons Chart trägt den Stempel größter Anspannung. Er war eine hoch talentierte Waage mit Sonne in Haus 6, Tendenz zu 7, und einer deutlichen Betonung der 2. und 8. Tierkreisprinzipien: Merkur im Skorpion Opposition Jupiter-Saturn von 7 nach 1.

Dünn wie ein Gabelzinken, war er bekannt als eigensinniger Esser, der makrobiotisch lebte, aber plötzlich auch Unmengen eigentümlicher Mahlzeiten vertilgen konnte. Vom Erbrechen danach hat kaum jemand etwas gemerkt. Tun und ungeschehen machen ist einer der Slogans der Bulimiker. "Essen ängstigte und befriedigte ihn gleichzeitig," sagt sein Freund in dem Buch. Trotz seiner manchmal grotesken Essanfälle wog Lennon bei seinem Tod offenbar nur noch 58 Kilo. Eine der Signaturen von Bulimie - etwas ist und ist gleichzeitig ganz anders.  


Mit einem extrem großen 6. Haus (Jungfrau eingeschlossen) war Lennon nicht nur ein Detailfanatiker, sondern auch einer der menschlichen "Kanarienvögel", wie sie Bergleute früher mit in die Grube nahmen, um dort drohenden Sauerstoffmangel anzuzeigen. Die Vögel fielen vorher einfach um. Menschen mit solchen Konstellationen werden oft von der Realität geradezu verbraucht. Sie können überall Stimmungen erspüren, ihr Radar ist dicht und überfordert. Anpassungs-Notwendigkeiten werden geradezu gerochen, Gefühle anderer gefühlt. Pech, wenn sie - wie der Sänger - einen Neptun im Haus der Anpassung stehen haben, der sie widersinnigerweise auch noch tabuisiert. Obwohl sie für 6. Häusler so nötig und instinktiv lebenswichtig ist.

Oft besteht hier auch eine Art Umweltallergie, unentdeckte Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten sind die Regel. Manchmal entwickelt sich gerade auf Unverträgliches ein unstillbarer Hunger. Lange hat man Bulimie lediglich für eine seelische Erkrankung mit Somatisierungsfaktor gehalten (ebenfalls Haus 6), der Persönlichkeitsbrüche zugrundeliegen. Erst jüngere Forschungen beschäftigen sich damit, ob der endlose Hunger, dessen körperliche Folgen (Dicksein) kurz nach dem Essanfall rückgängig gemacht werden sollen, nicht auch durch angeborene Unregelmäßigkeiten im Hirnstoffwechsel (ADHS-Formenkreis) provoziert oder durch Allergien ausgelöst wird. Zudem sind beide Faktoren gern auch noch miteinander gekoppelt. John Lennons astrologische Strktur passt dabei - wie seine berüchtigte Penibilität mit allem Essbaren (betrifft Jungfrau und Stier) - ins Bild des bulimischen Formenkreises.

Für ihn gibt es zweifellos körperliche Gründe, aber auch eine Seelenstruktur, die damit analog geht. Viele Bulimiker haben neben Spannungsabfuhr über Sättigung und späterer Entledigung von der Überfülle auch ein fast zwanghaftes Verhältnis dazu, einem hoch ästhetischen Außenbild zu entsprechen. Es soll gesellschaftlichen Applaus absichern (Waage/Haus 7) und kann ein löchriges Innenbild physischer Zufriedenheit phasenweise völlig ersetzt. Lennons Herrscherin 2, Venus, befindet sich in 6. Sie braucht die totale Befriedigung und sucht gleichzeitig  Selbstschutz durch ein Aufgehen in Umweltbedingungen, während sie andererseits absolut wählerisch in Ernährungsfragen und Alltagsmustern ist, die sich nur schwer herausbilden (Neptun).

Widerspruch gegen Anpassungsdrang

Mitherr 6, Merkur delegiert dazu Lennons Anpassungsvorstellungen nach 7, an das Du oder das Publikum. Dem wird über Skorpion ein zwingendes Vorstellungskonzept zugeschrieben, das man dann zu erfüllen hat. Brisant, wo doch andererseits Mond als Herr 12 in 11 Wassermann steht und alles Verdrängte zur Generalüberholung frei gibt. Hier wurde der Pop-Legende eine gehörige Portion Widerspruchsgeist in die Wiege legt, die in krassem Gegensatz zur natürlichen Tendenz steht, sich den Bedingungen des Umfeldes unterzuordnen. Wenn einerseits also alles nach Anpassung schreit, andererseits aber genau die nicht sein darf und drittens noch Mond als Naturrevolutionär Merkur-Jupiter-Saturn unter extreme Spannung setzt, braucht es Ventile.

Dass John Lennon gleichzeitig ein Freak war, obschon er manchmal wie der Buchhalter von nebenan daherkam, spricht dafür, dass seine Innenausstattung seinem zwiespältigen Äußeren in nichts nachstand. Solche Anlagen prädestinieren dazu, ein Chamäleon zu sein, dessen Innenleben mit der Rolle der Welt nichts zu tun haben muss. Sie benötigen Ablasspunkte, die Lennon unter anderem auch in Meditation oder Musik (typisch für Neptun oder Fische in 6) fand. Sollte er wirklich an der Wechselkrankheit Bulimie gelitten haben, was wahrscheinlich ist, beweist das eine gewisse Hilflosigkeit, die Extreme der Mond-Spannungen auszugleichen - ein Eindruck, den das Chart bestätigt.   

Vergleicht man Lennons extrem angespanntes Radixhoroskop (großes Quadrat Mond, Merkur, Jupiter, Saturn und Pluto) mit dem von Lady Diana Spencer, die bekanntermaßen Bulimikerin war, finden sich einige Gemeinsamkeiten. Kein Wunder, dass beide bei ihrer Orientierung Richtung Begegnung einen stillen Ausgleich nach innen benötigen. Statt Waage-Sonne hier Sonne in 7 - wieder der Zug zum Standort beim Du oder Publikum, statt in sich selbst. Merkur ebenfalls Herr 6 in 7 und Venus dabei sehr stark im Stier. Allerdings wird sie angegriffen durch Uranus und Mond (sic!), der auch hier wieder im Wassermann steht.

Statt eines prominenten 6. Hauses, verlagert sich Lady Dis Kampf-Arena nun direkt in die Jungfrau, wo Mars-Pluto um Anpassung genauso ringt, wie er sie zeitgleich verweigert. Merkur als Herr 6 sorgt dabei für eine Schein-Integration im Umfeld, das die spätere Princess of Wales schon als sehr junge Frau als Larve der eigenen Projektionen ähnlich formte, wie sein Publikum Jahrzehnte zuvor einen John Lennon. So unterschiedlich sie auch letztlich lebten, hier ähneln sich zwei Menschen beim Drahtseilakt zwischen Bedürfnissen des Selbst und den Forderungen der Welt da draußen.

Lennons Herr 10 Saturn stand mit Jupiter (Stier) im Zeichen des Selbstschutzes und Haus der Durchsetzung - die Königs-Persona, eine Art absichernder, abgespaltener Eigenvorstellung, die gegen das ewige Wollen des Du powert. Lady Di's Neptun in 10, der ihre eigenen Vorstellungen einer Berufung diffuser ausfallen ließ als das, was in ihren Begegnungen gefordert wurde, steht wiederum im Quadrat zu Jupiter in 2, der ebenfalls eine Selbstabsicherung durch das Prinzip "Mehr von allem" beschreibt. Mehr essen, kauen, schlucken schafft mehr Selbstempfinden. Das leider sonst, bei beiden durch einen verspannten Herrn 2 angezeigt, eher angegriffen daherkommt. 

Die Tragik der Bulimie ist ihre Unsichtbarkeit und das Nicht-Vermeidenkönnen des Suchtmittels. Essen. Konfrontation und Begegnung, Liebe oder Kampf. Venus, Waage, Haus 7. Wo Alkoholiker - abstinent vom Stoff - nach einer Weile der Selbstdisziplin wieder für Phasen in eine gewisse Normalität zurückfinden können, liegt bei dieser merkwürdigen Eßstörung ein dauerhafte Sichtbarkeit und Belebung durch die "gefährdende" Substanz vor. Die nicht selbst zur Gefahr wird, sondern durch den Umgang damit (Haus 6 oder Jungfrau). Meidet man sie chronisch, stirbt man. Verhungert. Das belegt auch die Wichtigkeit der Erdzeichen und Häuser (Ac-Herrn einmal in 2, einmal in 6) und der Überlebensachse 2/8 für Betroffene. Seelisch und körperlich, dreht sich bei ihnen viel um Leben und Tod.

Die skorpionische Selbstzerstörung durch bombastische Zwänge aus Bildern und Konzepten liegt bei Bulimie immer in Reichweite. Wer den Tod als Imprägnierung des Lebens so dauerhaft vor Augen hat, hungert aber auch nach Stier - dem Leben. Bei Lennon und Lady Di zeigte sich das Schwanken zwischen diesen Polen nicht nur in Eßanfällen, sondern auch in einem fanatischen Umgang mit dem Prinzip Leben - ebenso wie mit dem Prinzip Selbst. Beide starben so gewaltsam, wie der Boden dieser Krankheit ist, den häufig auch extreme Ohnmachtserfahrung in der Kindheit ausmachen. Der eine durch einen Attentäter, die andere durch einen Unfall, der die Brüche im Selbst auf eine schockierend tragische Weise final schloß.

(sri - 7.3.201 - 22.42 h)    

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