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2019 - ein Merkurjahr?

MerkurjahrTitelEigentlich wäre heute der Tag der Tage. Für einen Astrologen. Denn am ersten Tag eines neuen Jahres sind selbst kritische Medien bereit, Prognosen und Vorhersagen für das selbige von uns zu übernehmen, auch wenn diese noch so absurd und oberflächlich sein mögen. Denn heute soll doch etwas komplett Neues beginnen. Ein neuer Anfang der Hoffnung machen könnte, ein Tag, an dem gute Vorsätze vielleicht sogar die Chance haben, irgendwann umgesetzt zu werden.

Wirklich erstaunlich wie viele Astro-Logen und -Loginnen gerne auf diesen Illusionszug aufspringen, um den „Unwissenden“ dieser Welt zu erklären, was dieses neue Jahr alles mit sich bringen wird. Denn als seriöser Astrologe sollte man ja wissen, dass dies nur ein eingebildeter, ein willkürlicher Neuanfang ist. Zeitverschoben um etliche Tage, weggebeamt von der naheliegenden Wintersonnenwende, die man zumindest in der nördlichen Hemisphäre durchaus als eine Art Neustart nehmen könnte. Und Lichtjahre entfernt vom eigentlichen, astrologischen Jahresbeginn, der Frühlings Tag-und-Nachtgleiche, wenn aus unserer Sicht die Sonne ins Alpha-Zeichen des tropischen Zodiaks wechselt.

Einfach ausgedrückt – mit Astrologie hat das Ganze nichts zu tun, insofern steckt normalerweise auch keinerlei natürliche Zeitenwende dahinter. Trotzdem kann und sollte man das feiern, denn schließlich tun das fast alle Bewohner unseres Planeten, wenn auch fröhlich zeitversetzt. Was wiederum auch aufzeigt, wie unsinnig Pauschal-Deutungen für den gesamten Planeten sind, wenn man auf dem Boden der astro-logischen Tatsachen bleiben würde.

Denn auch diesmal begann das Neue Jahr auf der Erde bereits um 11:00 Uhr mittags am 31.12. unserer Zeit auf den Inseln Samoa und Kiribati. Um 12 Uhr MEZ knallten dann in Neuseeland die Sektkorken, um 14 Uhr in Australien (Video), aber auch schon in manchen Gebieten Russlands und so ging es weiter und weiter. Während wir dann um Mitternacht wieder einmal eine horrende Feinstaubbelastung in unseren Städten erleben durften, passierte dies im Vereinigten Königreich erst eine Stunde später. In den USA startete 2019 erst zwischen 6 Uhr und 12 Uhr unserer Zeit und am Schluss feierten dann noch eine Handvoll Menschen auf ein paar amerikanischen Inseln diesen irren Neuanfang.

Neujahrsfeuerwerk in Sydney / Australien

Kurz und gut – unser Neujahrsanfang war und ist eine rein lokale Angelegenheit und theoretisch müsste man das dann auch so deuten. Also zum Beispiel spezifische Landeshoroskope erstellen und daraus dann entsprechende Schlüsse ziehen. Wie sinnvoll das wäre, bleibt allerdings offen, weil es diesbezüglich kaum Prognosen gab oder gibt, die man auf ihre Stimmigkeit hin überprüfen könnte. Vermutlich vor allem deshalb, weil dies für die Astropropheten der Neuzeit ein zu großer Arbeitsaufwand wäre.

Da ist es doch wesentlich einfacher, das nächste Jahr gleich als kosmisches Merkur-Jahr zu titulieren. Solche Überschriften klingen gut und werden auch gerne von den Medien übernommen. Bei mir löst das aber ehrlich gesagt nur noch inneres Kopfschütteln verbunden mit einem leichten, intellektuellen Brechreiz aus, denn diese Zuordnung ist wirklich nur an illusionären Eso-Haaren herbeigezogen.

MauritiusKnauerRadixAngefangen hat damit ein gewisser Mauritius Knauer, ein christlicher Abt eines fränkischen Klosters, der um 1664 den sogenannten hundertjährigen Kalender erstellt hat. Wieso und warum er diese Abfolge der Planetenjahre für seine Vorhersagen benutzt hat, weiß bis heute niemand. Würde sie sich auf die Zeichenherrscher-Abfolge des Zodiaks beziehen (Saturn-Jupiter-Mars-Venus-Merkur-Sonne/Mond) dann wäre das zumindest ein wenig nachvollziehbar. Aber sie bezieht sich scheinbar nur auf die Dauer der Umlaufbahnen der Planeten von der Erde ausgesehen, also auf die Abfolge Saturn-Jupiter-Mars-Sonne-Venus-Merkur-Mond und dann wieder von vorne.

Letztes Jahr wurde dementsprechend auch von diversen Astrologen das Venus-Jahr ausgerufen, und dafür gibt es im 100-jährigen Kalender für die Monate November und Dezember folgende Prognose: Wenige schöne Tage im November müssen bald Kälte und Regen weichen und am Ende kommt nicht nur Schnee ins Land, sondern sogar große Kälte. Es ist in einem Venusjahr nicht ungewöhnlich, dass der Schnee dann bis Weihnachten liegen bleiben kann. Und so bleibt es im Dezember auch kalt, frostig und mit Schnee. Rund um Weihnachten wird es dann auch noch windig.

Ähnlich treffend sind auch die meisten anderen Aussagen über den Wetterverlauf in bestimmten „Planetenjahren“.

Zudem hat der 100-jährige Kalender auch das Grundwetter dieses (immer noch laufenden) Venus-Jahres als „mehr feucht als trocken, jedoch sehr warm…“ gekennzeichnet. Was ja nur zur Hälfte stimmt, zwar gab es einen wirklich heißen Sommer, aber 2018 war eines der trockensten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen von 1884, zumindest wenn wir es auf unser Land beziehen. Und das müssen wir, denn der hundertjährige Kalender wurde damals für die Landwirte in Franken erstellt, als Hilfe für deren Aussaat und Ernte. Und nicht als globale Wetterprognose, die auch für Afrika und Asien gelten sollte.

Folgerichtig müssten die selbsternannten astrologischen Propheten in ihren Video Clips auch darauf hinweisen, dass wir nur bei uns bzw. in Franken von einem Merkur-Jahr sprechen können. Macht aber natürlich niemand und damit wird das astrologische Modell wieder einmal mehr von ihren eigenen, selbsternannten Vertretern ins esoterische Abseits gesteuert. Hauptsache man bekommt genügend Likes, Klicks und neue Kunden. Dass diese Haltung mittlerweile dazu geführt hat, dass in den großen Buchläden kaum noch astrologische Literatur zum Kauf angeboten wird, scheint sie nicht zu stören.

100jaehrigerKalender

Vielleicht versteht man vor diesem Hintergrund, woher mein „Brechreiz“ beim Lesen solcher Artikel bzw. beim Hineinblicken in diese esologischen Prognose-Clips kommt?

Natürlich wird jetzt bei einigen der Betroffenen die Frage aufkommen, was mir denn die Berechtigung gibt, solch heftige Kritik zu üben. Ganz einfach - ich lebe in Hagen, der Stadt mit dem ersten begehbaren Planetenmodell weltweit, das sich durch das gesamte Stadtbild zieht. Und während ich dies schreibe, stehen meine Füße auf einer der magischen Merkurplatten dieses kosmischen Jakobsweges.

Eine Neptun-Merkur Konjunktion sozusagen und natürlich darf man davon ausgehen, dass Merkur selbst durch mich hindurch spricht bzw. schreibt. Um klarzustellen, wie unsinnig solche Ableitungen sind und dass er damit absolut nichts zu tun haben will.

Wer das nicht glauben mag, der sei umarmt und auch allen anderen wünsche ich für die nächsten 12 Monate nur das aller Allerbeste. Und für diejenigen, die ich jetzt frustriert habe, weil sie sich so auf ein Merkurjahr freuten, gibt’s noch eine Überraschung. Denn 2019 kommen tatsächlich auch bestimmte Zeitphasen auf uns zu, in denen Merkur das Sagen hat. Zumindest wenn man den klassischen Analogien der Zeichenherrscher folgt und nach den jeweiligen Dispositoren eines jeden Tages sucht.

Die längsten Merkur-Phasen finden demnach zwischen dem 17. April und dem 14. Mai statt, sowie vom 22. Mai bis zum 4. Juni und vom 23. August bis zum 15. September. Kein ganzes Jahr aber immerhin einige reale, energetische Augenblicke, die auch spürbar sein werden. Zwar muss sich Merkur diese Tage dann auch mit anderen Energieträgern teilen, aber das ist eine andere Geschichte, die wir hier vielleicht ein anderes Mal erzählen.

Bilder: 100-jähriger Kalender - Staatsbibliothek Bamberg, Cal.o.36-ab. Foto: Gerald Raab Warburg (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de)

Freitag, 4. April 2025

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