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Astro-Labor

Wie man lernt, das Leid zu l(i)eben

alone in fog„Wir werden durch Werbung irregeführt, wo Menschen in Outfits, die zu ihren Meditationskissen passen, selig aussehen.“ (Pema Chödrön, via Lions Roar).

Leid ist leidvoll. Schmerzen sind allgemeingültig, schwierig, letztlich nur mit-teilbar, nicht wirklich teilbar. Und Venus‘ Beschönigungen (Alles wird gut!) oder Neptuns Tröstungen (ja, mit Merkur dann eben auch mal über Medikamente) täuschen darüber oft wunderbar hinweg, weil sie in den Fischen erhöht steht, wo er zuhause ist. Mal dir die Welt glücklicher.

Oder: Fließ einfach mit, dann hört der Schmerz schon auf. Und wenn nicht? Zur hilflosen Bewältigung gehören auch die Sprüche, die immer nur kurz helfen: Wenn es nicht gut wird, ist es nicht das Ende. Weil leider immer noch „falsch,“ bis wir es uns „richtig“ denken. Soweit jedenfalls ein paar Visionen von Feuer-Luft über das, was wehtut und was jeder spürt. Nun aber die etwas rauhere Wirklichkeit von Erde-Wasser (und beide haben Recht!):

Alles ist so mühsam. Packen wir's an. Oder weinen darüber. 

0000AtoolsDa spaziert also irgendwann ein Saturn über unser Horoskop - oder trifft in Mundan-Aspekten agitierte Handlungs-Planeten an und demonstriert eine Weile: Jetzt disziplinierst du dich oder ich behindere dich. Oder ein Chiron (jetzt im Widder) wird auf einmal aktiv. Was vor einer Heilung gut auch unendlich schmerzen kann.

Oder Pluto, Uranus, Neptun bringen Sprünge, Brüche, seelische Erosionen mit. All die großen Wandler, die auch jetzt wieder anzeigen: Es wird da etwas losgetreten, was nicht so einfach wegzumeditieren ist. Oder aus dem Sein zu denken. Etwas funktioniert leider gar nicht mehr, wie man möchte. Weil das Schicksal uns anderswo sieht, sagen die einen. Weil es einfach so ist, gauben die anderen. Irgendwo hakt immer etwas, körperlich oder seelisch, da ziept es, da wehrt sich jemand, geht ein anderer nicht mit. Das Leben ist oft gerade anders, als man es sich wünscht.

Astrologisch haben wir Erklärungen, aber auch keine Patentrezept. Die holt man selbst ja eh schon wie im Reflex aus dem Schrank, wenn es wieder zuviel wird. Es wird Zeit: Dass man seine Leidens-Angewohnheiten auspackt, als Arsenal des Wegzauberns. Irgendwann müssen sie ja mal geholfen haben, denn es tat (bis vorhin) nicht immer so weh. Eins haben alle gemeinsam: Der Schmerz (der Anlass) und das Leid (das Erleben), ob sie nun in der Seele oder im Körper entstehen, sollen endlich weg gehen. Das ist auch ein Mars/Saturn: Ich will etwas tun und ich brauche ein Ergebnis. Und dann geht es oft erst richtig rund, wenn nichts funktioniert. So menschlich, so bekannt, so kräftezehrend, so nutzlos (meistens). Denn Schmerz nimmt sich immer seinen Raum, bis er seine Zeit wie eine Welle durchlaufen hat. Chiron als sein genauester Anzeiger in einem Radix (obwohl er auch nur die Leidensrituale der andere Planeten, die hoch differenziert sein können, wie in einer Überschrift zusammenfasst) hat seine Berechtigung. Schmerz und Leid gehören zum Alltag, wir können nicht einfach weg davon.

chironJe eher man den ganzen Komplex also leben lässt = sich ent-wickeln, umso eher kann man sich und andere wieder lieben, heißt es. Weil Leid auch immer Stress lostritt und wir dann leicht ungemütlich werden. Eine Binsenweisheit, aber eine, die ja häufig so stimmt. Gerade läuft Sonne wieder auf Chiron zu und Mond steht im Quadrat zu ihm, der sich quälend langsam durch den Widder bewegt und die Leidensfähigkeit in allen Energie-, Bewegungs- oder Übergriff-Bereichen ordentlich durchknetet. Überprüft, wollte ich schon schreiben, aber dadurch kommt man zu leicht wieder auf Gedanken und gibt sich (bei Jupiter in den Fischen) Illusionen hin: Etwa, wir säßen wirklich alle in einem kosmischen Klassenzimmer und müssten uns nur anständig benehmen und das Leiden würde aufhören. So ist es aber ganz offenbar nicht. Sonst könnten nicht alle ohne Vorlauf ganze Schmerz-Tagebücher schreiben.

Wo Chiron steht in einem Radix oder im Geburtsbild einer speziellen Zeit, er ist nicht der Verursacher. Er zeigt auch nur, wodurch gerade allgemein spontan sehr stark gelitten wird. Im Zeichen (ob persönlich oder mundan) beantwortet er die Frage: Was führt dazu? Da zeigt er unter anderem die Auslöser. Im Feld wird noch klarer: Wie genau leiden wir, in welchem Bereich unseres Daseins? Seit Frühjahr 2018, Chirons Widder-Ingress, tun u.a. wieder "tätliche" Angriffe am meisten weh. Aktive, schnelle, heiße Impulse, die einen treffen. Ärger, Wut und aktive Verletzungen bis Selbst-Verletzungen.

Man leidet hier auch reflexhaft an Energie-Verlusten, genau so wie an hasserfüllten Aktionen anderer und an den "Schmerzen des Schmerzes". Allem also, was körperlich direkt, ohne Zugabe von irgendwelchem hausgemachten Kontext, gegen jemanden oder etwas geht. Am häufigsten natürlich: gegen mich. Weil Widder unmittelbar ist. Körperlich kann generell alles schmerzhafter sein als sonst, was den Kopf betrifft. Aber auch allgemein den Kräftehaushalt. Wobei auch eine andere Ebene noch ganz wichtig ist: Wo mein Chiron steht und welcher Transitplanet ihm gerade begegnet, umschreibt die eigenen Schmerzgrenzen und das, was sie verschieben oder Leid persönlich mildern kann. Chiron auf persönlichen Planeten oder an Achsen hat im Transit eine besondere Beziehung zu Leid. Und auch zu dessen Heilung (nicht umsonst sagt man ihm - manchmal verdeckte - Heiler-Qualitäten nach).

"Wir können denken, dass es bei Meditation und dem spirituellen Weg darum ginge, die Schwierigkeiten deines Lebens zu überwinden und diesen einfach nur tollen Ort zu finden. Aber das hilft dir nicht sehr, denn das bringt dich bloß dazu, ständig enttäuscht von dem zu sein, was den ganzen Tag lang beim Frühstück, Mittag- und Abendessen passiert." (Pema Chödrön, via Lions Roar)

Leiden braucht eine Geschichte

Die große Überempfindlichkeit für Wehes aller Art, die uns nun mal gegeben ist als Menschen, ist schwer zu ertragen. Wenn man Hunde oder Katzen leiden sieht, stellt man oft lange gar nichts fest. Es ist manchmal, als wäre überhaupt nichts (gewesen), bis sich herausstellt, das Tier hatte eine versteckte Krankheit, ihm tat etwas weh. Leiden braucht ja immer auch eine Geschichte. Wenigstens, wenn man ein Mensch ist. Die Fähigkeit des Gehirns, einen Reiz oder eine Empfindung als gut oder schlecht erkennen ist dabei doppelbödig. Der Vorteil: Man kann Schmerz sogar manchmal durch Denken vermeiden (Fass bloß nicht in kochend heißes Wasser!). Der Nachteil: Die Stories, die man sich darüber hinaus aber gern gewohnheitsmäßig über sein Leid erzählt und mit dem man es vorwegnimmt und vergrößert, machen ab und zu auch alles nur noch schlimmer. Dann ist Schmerz nicht nur eine Körper-Empfindung, sondern wird zum Gesamtprogramm, das viele andere Bereiche ansteckt.

Eine der wichtigsten (buddhistischen) Empfehlungen zum Umgang mit Schmerz (ob seelisch oder im Körper) lautet darum auch, das Leid, das er erzeugt, besser nicht noch zu verstärken. Durch Widerstand etwa, Wut, Urteile darüber (die besagte Story, wie immer sie bei jedem persönlich klingt, die wir uns automatisch nach einem Trigger immer wieder erzählen), durch Herumreiben in der Wunde oder ein ewiges Aufreißen des Pflasters. Aber wir tun das so oft wie mit einem Autopiloten, der nur auf die Gelegenheit gewartet hat und verhalten uns dann, als wären wir nicht mehr ganz bei Trost. Leiden ist in dem Ausmaß ja gar kein Natur-Ereignis. Man kann das ganz praktisch auch ausprobieren - sich beobachten, wie schnell man in sein Narrativ verfällt. Oft beachtet man es gar nicht, weil diese innere Erzählstimme zum Erleben nun mal dazuzugehören scheint.

Tut sie aber nicht. Wir haben uns das angewöhnt - lauter oder leiser, je nach Veranlagung. In uns sprechen ja viele. Wenn Schmerz der unvermeidbare 1. Pfeil ist, den irgendwer auf uns abschießt, dann ist, so die Metapher, diese unaufhörliche Gegenwehr in uns erst der 2. Pfeil des Leidens, der macht, dass alles später noch viel mehr wehtut. Wir leiden, weil wir in uns wiederholen, wer was gemacht hat, was wir besser gesagt oder getan hätten und bilden uns ein, dann täte es vielleicht nicht mehr so weh. Wir müssen es nur "bearbeiten". Der Regisseur ist vermutlich im Merkur symbolisiert - aber er kann auch eine ganz eigene Person durch ein Mosaik in uns erschaffen. Die dann dreht und dreht - wenn keiner sie stoppt. 

Klar ist: Das Leiden an der direkten Wunde und ihren Folgen lässt sich nicht verhindern, bis die energetische und emotionale Ladung durch ist. Schmerz flutet uns und wenn wir das blockieren, erleben wir mehr davon. Sehr wohl kann man diese Verstärkung verhindern. Wie er sich fortsetzt und ein Netz zu alten Geschichten knüpft, durch alles, was wir dazu geben, in Gedanken. Sprich, wir sollten auch lernen mit uns selbst in diesem Leiden besser umzugehen. Eine der besten Techniken, die ich dazu jemals kennengelernt habe, bezieht sich auf die Tatsache, dass Schmerz astrologisch immer auf der Ebene des Elements Erde fühlbar wird, in dem sich Wasser (der Emotion) spiegelt. Das kommt astrologisch aus der Ebene Saturn (Konzentration und Verdichtung) und Neptun (Gewährenlassen - in dem Fall des Schmerzes). Wir spüren ihn ja zuerst NUR in unserem Körper. Und danach fühlen wir seine Folgen erst in einer extrem unangenehmen Empfindung, die jeweils auch einen Ort in uns hat.

Das ist eben meist nicht der Kopf, auch wenn sich in ihm der Großteil des Dramas abspielt. Es sei denn, man hätte gerade Migräne. Das Problem am Schmerz ist das, was wir über ihn denken. Nicht, dass er da ist. So entsteht aus einer sensorischen Empfindung großes Leiden. Das gebrochene Bein tut ja im Bein weh, Kummer vielleicht irgendwo im Bauch. Wut spürt man wie eine Explosion, die sich durch die gesamte Physis bewegt. Nur so, an einem Gefühl, das immens stört, lernen wir also, dass etwas nicht in Ordnung ist - in oder um uns. Aber wir bleiben oft nicht auf der Entstehungsebene, sondern nehmen alles in uns hinein. Obwohl gar nicht der Freund wehtut, der einen verrät oder das Messer, das uns draußen schneidet, sondern ihre Spiegelbilder in uns selbst weiterarbeiten. Sofort beginnt Merkur zu handeln - und der Kopf fängt an, wie ein Kommentator die passende Geschichte zu erzählen. Ich kann keine Messer mehr ertragen. Oder: Ich werde so verloren sein wie damals, als Mama mich vor der ganzen Klasse lächerlich machte. 

Eine Technik gegen Leid im Kopf

Und während viele Menschen einfach daran gewöhnt sind, das so zu erleben, weil sie es nicht anders kennen, zieht man so wieder und wieder unbewusst das Problem des "einfachen" Schmerzes als Gesamtgröße in seinen Alltag. Was dann (in 1000 Überlegungen und Verstrickungen) ein überwältigendes Konzept des Nicht-Gewollten daraus basteln kann. Und schmerzt. Wer das gern ändern möchte und dem Wehtun an sich wieder Raum geben, bis es von selbst wie eine Welle ohne neuen Widerstand durch Körper und Seele gelaufen ist, kann dafür etwas tun. Man muss sich manchmal an die Kraft des Erd-Elements erinnern. In dem Fall sollte man sich rein sensorisch einfach auf den Platz des Schmerzes konzentrieren, nicht auf seine interpretierte Funktion. Das ist wie eine achtsame Meditation auf das Leid, nur mit anderen Vorzeichen und Mitteln als sonst. Unter Ausschaltung der Falle Gehirn, mit Hilfe unserer Fähigkeit der Konzentration (Saturn). 

Also statt: Wer ist schuld daran? fragt man sich in dem Fall: Wo genau tut es weh? Nicht: Was? Sondern: Wie groß ist das Areal, wie fühlt sich der Schmerz an? Ist er spitzig, dumpf, heiß, kalt? Will er sich bewegen? Von wo drängt es ihn wohin? Das kann man übrigens mit jeder Emotion so üben, die einem schwer erträglich ist. Man darf es nur nicht vergessen. Dann wird der ganze Schmerz, den man im Alltag und über den Alltag hinaus ertragen muss, manchmal ein einziger, großer Übungsraum. Ich kann versprechen - mit sehr vielen unerwarteten Wendungen. Wenn man sich einfach eine Weile darauf einlässt. Die Erklärung ist nämlich nur in den seltensten Fällen auch die Lösung. Das kann man sich einreden, so lange man will, es wird nur in Teilen funktionieren. Denn es tut weiter weh. Bis der Schmerz verpufft ist (aber das Leiden, durch Merkurs Festhalten, oft noch weiter- und weitergeht). Ich vergesse selbst zu oft, dass es diese Mittel und Wege gibt und frage mich dann: Was in mir hält eigentlich so sauer an all diesem Leid fest, dass ich nicht mal üben will, es aufzugeben? Auch das ist wieder eine Ablenkung von der Direktheit, die Schmerz einem bringt. Ab in den Kopf! Als hätte er das Heilmittel. Die Angst davor, was all das bedeuten könnte, wird dann manchmal zur neuen und wieder anderen Schmerz-Ursache. Und dann steckt man irgendwann im Kreislauf fest und kann Dinge nur noch auf eine spezifische Art sehen. 

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Oft sind genau diese Widerstände gegen solche simplen Techniken, den unmittelbaren Schmerz ein bisschen kleiner zu halten, zu groß. Weil man ihn einfach weiter und weiter mit schon erlebtem Leiden verknüpfen will. Pluto klebt an vermeintlichen, emotionalen Ursachen und es braucht einen bewusst eingesetzten Uranus, um sich davon - erst mal rein technisch - zu befreien. Die Schnelligkeit des Aufspringens auf solche Gründe kommt vom Merkur - wieder aus dem Kopf, der ja einen Zwillinge-Anteil hat, den Sprinter, der aber schnell die Kraft verliert. Im einen Zeichen schneller, im anderen weniger schnell. Der andere Teil gehört der Jungfrau und liebt solche Routinen.

Ist das eigene Ritual zu stark und verweigert man sich selbst (als Zeuge seiner astrologischen Besatzung) den Zugriff auf neue Lösungen, macht man eben weiter wie bisher. Und das ist auch ok. Man muss ja nicht auch noch daraus einen neuen Schmerz basteln. Wenn wir bloß (noch) fähig wären, uns selbst als Teil eines großen Ganzen zu spüren, wo Leid einfach nicht vermeidbar ist, wäre vieles anders. Aber diese Art der Bewältigung hat ja auch einen Sekundärgewinn. Man vertreibt sich die Zeit (in der "etwas Schreckliches passieren könnte") mit gedanklicher Gymnastik. Zweischneidig ist das auch. Denn übliche Psychotricks jedenfalls, die keine kleine Mühe erfordern, kleistern Schmerzen, Wundsein oder unangenehmen Druck manchmal nur noch zu.

Man schämt sich dann dafür (je nach persönlichem Bauplan), so wehleidig oder dramatisch zu sein. Oder die Frustration passt nicht in die schöne, bunte Zeit mit schönen, bunten Anforderungen an ein "Mind-Set". Es bleibt einem also am Ende kaum etwas anderes übrig, als Schmerz ohnehin einfach zu er-leben - oder eben das "Wesen Leid", das wie ein kleines Monster in einem wohnt, noch besser kennenzulernen.

Drei Arten des Leidens

Die tibetischen Buddhisten unterscheiden beim Leid drei Arten, die man auch astrologisch ganz gut nachvollziehen kann: 

  • Das Leid des Leidens: "Normales" Leid, was einfach wehtut. Geburt, Alter, Sterben, Krankheit, Unangenehmes im Alltag, aus dem wir besser keine große Sache machen. Wir leiden, wenn wir von Geliebtem getrennt werden, Ungeliebtes treffen, Gewünschtes nicht bekommen und  Bekommenes beschützen. Das ist das Leid, das dadurch kommt, dass wir in einer Welt der Dinge leben, die wir haben wollen oder eben nicht. Dieses Leid braucht Raum und Zeit und ist stark verbunden mit Mars, Mond und Saturn.
  • Das Leid der Veränderung: Das spricht für sich. Alles, was angefangen hat, hört auch wieder auf. Und wenn man es noch so stark festzuhalten versucht. Oder dann erst recht. Unser Aussehen, schöne Gefühle, Beziehungen, Besitz, Situationen, Erkenntnisse, die von anderen Erkenntnissen abgelöst werden. Dieses Leiden wird leicht von Pluto und Uranus (Trennung und Zerstörung) angeschoben. Auch die Erfahrung machen wir alle.
  • Das Leid der Bedingtheit: Die komplizierteste Art des Leids, die der Buddhismus daran festmacht, dass wir in einer bedingten und bedingenden, als kausal erkannten  Welt leben, wo selbst der wunderbarste Zustand immer auf einen Ursache-Wirkungs-Kontext zurückgeführt werden kann. Ich fühle mich nicht wohl, weil... Es tut mir weh, weil... Das wahre Wesen des Menschen, heißt es, der freie Kern, bleibt in dieser menschlichen Existenz unsichtbar oder man täuscht sich darüber, was das bedeutet (nicht, dass wir hier alles erreichen oder tun können, wenn wir nur wollen!). Diese Art des Leidens ist mit Neptun verbunden.

Auch jetzt kommt es nach den wichtigen Konstellationen der Langsamläufer immer wieder zu großem Leid und Leiden. Leid ist ein ungeliebtes Thema, dem man sich fast nur dann widmet, wenn es wieder mal irgendwo ganz besonders zieht und zerrt. Mit Saturn im Wassermann (wo er Flüchtigkeit als festgenagelt beschreibt) und Uranus im Stier (der auch Chaos in Sozialverbänden symbolisiert) müssen wir uns alle in unserer Zerrissenheit noch etwas besser auszuhalten lernen. Auch in der automatischen Reaktion auf Altlasten, die Mensch noch nie einfach abwerfen konnte wie einen Rucksack: Das, was nicht nach unserer Nase läuft. Manchmal muss man das Leid im Leben wahrscheinlich wirklich lieben, um anders mit sich selbst umzugehen. Aber das ist schwierig.

Welcher Lösungs-Ansatz eignet sich für mich?

Das Saturn-Chiron-Quadrat hat 2017 eine Qualität im Leiden angestoßen, die mit „Untröstlichkeit“ gerade mal im Ansatz zu beschreiben ist. Im Schützen zeigte Saturn dem immer aufgeräumten, sich ausdehnenden Jupiter seine Blockaden und nagelte sie quasi fest, während Chiron in den Fischen einem scheinbar Zugang zu Welten gab, in denen es möglich sein könnte, leidlos zu leben. Aber das stimmte nicht. Die Suche wurde immer ausgedehnter und fast verzweifelt, auch wenn den glücklichen Findern immer viel versprochen wird. 

Für den Umgang mit Leid gibt es astrologisch leider keinen roten Faden, sondern ein paar Milliarden ganz spezifischer Wege, sich das, was sich nicht verändern lässt, wenigstens nicht noch schwerer zu machen, als es ohnehin ist. Man sieht, astrologisch ganz grob unterteilt, schon mal zwei Problem-Entwicklungs-Typen:

Typ 1: Für Menschen mit größeren Feuer-Luft-Anteilen als Zeichen-Anlage im Radix eignet sich oft tatsächlich der Pfad der Konzentration auf Positives eher, als ein tiefer Einstieg in die eigenen Defizite. Das kann sich nämlich für sie eher wie eine sehr frustrierende, langweilige Kleinarbeit anfühlen. Ihre Entwicklung wird ja stark angeschoben durch alles Lichte und Leuchtende. Also kann ein „Re-Framing“ helfen, eine Neu-Einrahmung des Gesamtbildes. Ein generelleres Umdenken in Richtung auf „das Gute“. Wobei solche Prozesse dann unglücklicherweise auch zu oberflächlich verlaufen können. Aber das ist ok, wenn es sich für Feuer/Luft richtig anfühlt.

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Aber auch bei ihnen wird nachhaltiges, konfrontatives Tiefseelen-Tauchen nötig, wenn Traumata reaktiviert werden und eine bewusste Beschäftigung mit dem Ernst des Lebens ansteht. Das passiert oft, wenn Geburts-Anlagen von Erde-Wasser-Planeten wie Pluto, Saturn oder Neptun berührt sind. 

Wer zwar wichtige persönliche Stände wie Sonne/Mond oder AC in Feuer-Luft hat, aber „dahinter“ eine deutlich stärkere Betonung von Erde- oder Wasser-Faktoren, wird an "nur" positivem Denken (und allen schnellen Energie-Liferanten wie bekannten Licht & Liebe Techniken) letztlich eher scheitern. Mit einem solchen Radix und sollte man besser auf lange Sicht auch wie Typ 2 verfahren.

Typ 2: Menschen mit mehr Erde-Wasser in der Radix-Anlage werden am ausschließlich bewussten, positiven Denken oder Handeln nicht wirklich chronisch Freude haben, wenn sie richtig leiden. Alle Make it Simple-Parolen sind hier, wenn überhaupt, höchstens ein kleines Trostpflaster für etwas, was viel stärker schmerzt. Sie werden gut fahren, wenn sie akzeptieren: Hindernisse sind kein kosmischer Dreck, der spontan aus dem Weg geräumt werden muss, um sich danach ins „richtige Dasein“ zu befördern und ewig glücklich zu leben. Für sie gehören Blockaden dazu und machen eine wichtige Hälfte ihres Wegs sogar erst aus. Als häufig rechtshirn-aktiver Empfindungs-Macher-Typus ist, ist Erde-Wasser nah an sensibler, kreativer Wahrnehmung, aus der sich evolutionär die „Problembewältiger“ entwickelt haben.

Oder anders gesagt: Schwierigkeiten führten immer schon besonders schnell zur Suche anderer, neuer, noch nie dagewesener Lösungen. Ohne Regenschauer und Dauerfrösteln in den Knochen säßen wir möglicherweise immer noch gemütlich auf den Bäumen und verspeisten Bananen. Aber dann hat eben ein sehr kluger und nasser erster Affe ein Dach gebaut. Je ausgeprägter Erde-Wasser im Chart, desto mehr kann man vom Weg der Hindernisse profitieren. Er endet auch noch lange nicht da, wo man Leid als Teil des Daseins akzeptiert. Hier geht es aber dezidiert nicht darum, Blockaden mal eben wegzudenken oder umzudeuten, sondern anzunehmen und mit Verhaltensänderungen zu beantworten. Denn an allem anderen kann man sich leicht die Zähne ausbeißen. 

0000leid1Für Feuer/Luft ist spontane Umleitung von Energieschüben, Visionieren und Denken wichtig. Für Erde-Wasser akutes Handeln. Je nach Typ kann man auch mit den Alltags-Hürden experimentieren und sie als „Boten“ von etwas Notwendigem betrachten. Einer Art Ampel, die sich immer zum richtigen Zeitpunkt in den Weg stellt. Weil es a) im Zyklus nun einfach dran ist oder b) eine Bedeutung als Kompensation von etwas anderem hat, die man übersehen hatte. 

Gehen Jupiter und Uranus als Anzeiger von Luft-Feuer-Trends über Schlüssel-Konstellationen im Radix, ist für jeden Typ mehr Distanz angesagt - oder der Versuch, in schwierigen Phasen auch mal für eine Weile das Körnchen Gute zu sehen und insgesamt weiter ins Positive einzuschwenken.  

Auch bei isoliert starken persönlichen Ständen in Erde-Wasser wird aber die Technik der Konfrontation mit dunkleren Seiten nicht wirklich befriedigend verlaufen, wenn im Hintergrund eine dominantere Betonung von Feuer-Luft-Faktoren arbeitet. Da sollte man schon genau hinsehen, wenn man den eigenen Weg besser abstimmen will auf die spezielle Mischung, die man braucht. Die Haupt-Anlagen in den Feldern (die ja sehr gegensätzlich zur Zeichen-Anlage sein können) werden - analog dazu - auch mindestens zwei Umsetzungs-Formen für den Alltag der Entwicklungs-Prozesse anzeigen:

a) Radixbilder mit betonten Feuer-Luft-Häusern (1, 3, 5, 7, 9, 11) arbeiten auf der obigen Grundlage der Themen hilfreich und „sättigend“ per Kopf - mit energetisch-geistigen Techniken (z.B. mit NLP, Gesprächstherapien, „Dämonenfüttern“ aus der tibetischen Tradition, Meditation usw.)

b) Radixbilder mit betonten Erd-Wasser-Häusern (2, 4, 6, 8, 10, 12) sollten als bewussten Ansatz grundsätzlich zunächst mehr „irdische“ Umsetzungen ausprobieren – wie Körperarbeit, Systemaufstellungen oder praktisch eingängige Mental-Techniken wie „The Work“ usw.).

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Schmerz ist alltäglich. Leid unvermeidbar. Wie gesagt - solange alles sich ändert, hat das auch eine gar nicht so schlechte Nachricht, die einem ein flexibler Merkur mitbringt: Leid zeigt ja, dass wir noch da sind. Dass wir es anders wollen. Dass wir Mittel und Wege suchen und auf der Krebs/Steinbock-Achse nicht völlig versteinert sind. Wir können unser Leid - so gesehen - nur tragen, mitnehmen, in die Mitte des Alltags, wo es sowieso schon ist. Man macht dadurch nichts größer, akzeptiert nur einen Fakt.

Auf jedem Weg, den wir mit dem großen, alten Rucksack voller Lasten von früher bis jetzt durchwandern, werden Schmerzen und Leid uns ja begegnen. Aber es muss sich dadurch gar nicht immer gleich "alles" anfühlen, als würde man barfuss auf Scherben gehen. 

Wie jetzt wieder, bei den vielen, vielen Überraschungen, die Saturn im Wassermann und Uranus im Stier uns leibhaftig in den Koffer packen. Die bekommen wir nicht aus unserer Welt gedacht oder weggetreten. Es wäre darum gar nicht so schlecht, vielleicht wenigstens ein paarmal am Tag auf die Pausentaste zu drücken. Damit die endlosen Reklame-Filme der Selbst-Verbesserung, die so auch aufgerufen werden, nicht noch mehr Druck auf das sowieso schon bedrückende Leben erzeugen. Die mögliche Bereicherung daran klingt für mich auch oft nur noch nach Durchhalteparole. Aber ich glaube, das daran stimmt: Wo wir ein schlagendes Herz haben, das unglücklich sein kann und Verletzungen durchleben, ohne sie im Kopf zu einem Schlachtfeld zu machen, verbinden wir uns mit allen anderen, denen es auch so geht. Genau da haben wir Kontakt. Wo man das Leid besser kennt, ist ein gemeinsames Leben.

Bilder (bearbeitet): PublicDomainPictures.net (Titel - George Hodan) + Pixabay + sri

Zitat-Quelle: Der sehr empfehlenswerte Artikel im „Lions Roar“ - The Wondrous Path Of Difficulties

 

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Mittwoch, 5. Oktober 2022

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