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Heliozentrik - mitten im Sein

Manche Menschen sind ihrer Zeit weit voraus. Zumindest in ihren Überlegungen darüber, wie die Welt wirklich beschaffen ist. Einer von ihnen war der griechische Mathematiker und Astronom Aristarchos von Samos. Vor über 2200 Jahren hatte er die verwegene Idee, dass die Sonne der Mittelpunkt unseres Universums ist.

Es dauerte fast 1800 Jahre bis Nikolaus Kopernikus seine Idee aufgriff. Und weitere 150 Jahre bis Johannes Kepler durch seine Planetengesetze das Heliozentrische Weltbild endgültig im Bewusstsein der Menschheit etablierte. Die Sonne, Ursprung und Schöpferin allen Lebens, war fortan das Zentrum, um das sich alles drehte.

Nicht jedoch in der Astrologie. Selbst heute, mit dem Wissen, dass auch die Sonne um den Mittelpunkt unserer Galaxie kreist und selbst die Milchstraße einen fernen Bezugspunkt hat, berechnen wir immer noch den Stand der Planeten aus geozentrischer Sicht. Ein Vorgehen, das sich über Jahrtausende bewährt hat und deswegen auch heute noch aussagekräftig ist.

Trotzdem muss es verwundern, wie selten das heliozentrische Radix in Deutungen mit einbezogen wird. Zumindest als zweites Bezugschart. In einer Zeit, in der es massenweise Literatur über Mini-Planeten und –Asteroiden gibt, werden die Möglichkeiten und Chancen einer sonnenbezogenen Astrologie kaum genutzt. Vielfach mit Hinweis auf die klassischen Werke, in denen Heliozentrik keine Rolle gespielt hat.
Wie auch, denn bis vor kurzem waren Berechnungen darüber, nur versierten Mathematikern und Astronomen vorbehalten. Heute kann jedes Freeware-Programm auf Knopfdruck ein heliozentrisches Bild berechnen. Aber wie jeder Neuerung ergeben sich Fragen, die nicht einfach und schnell zu beantworten sind. Und was soll ein Geburtsbild aus der Sicht eines Himmelkörpers aussagen, auf dem niemand existieren und leben kann. Es keinen Ort gibt, der die Grundlage für die Berechnung eines Häusersystems wäre, keinen Mond mehr als individueller Punkt und selbst das Prinzip des Tierkreis (zumindest des tropischen) ist hier zurecht in Frage gestellt.

Erste Schritte

Nun, ein erster Schritt könnte darin bestehen, alle fragwürdigen Inhalte wegzulassen und nur die grundlegendsten Basics zu betrachten. Kein Häusersystem, keine Tierkreiszeichen. Was immer noch bleibt, sind die Bewegungen der Planeten und ihre Beziehungen untereinander. Aber alleine dadurch ergeben sich schon neue Ansätze, die man im geozentrischen Bild nicht finden wird.
Der wichtigste davon zeigt sich in der Stellung der Erde im heliozentrischen Bild. Sie steht symbolisch gesehen immer in der Opposition zur geozentrischen Sonnenstellung. Und schafft damit eine eindeutige Achsenbezüglichkeit. Als Widder-Sonne hab ich also automatisch eine Waage-Erde, Als Waage-Sonne desgleichen eine Widder-Erde.

Da wir ja immer noch auf derselben leben, auch wenn wir die Planetenbahnen aus Sonnensicht betrachten, stellt die Erde auch unseren Hauptbezugspunkt dar. Sie umfasst die Gesamtheit unserer körperlichen Manifestation in Raum und Zeit und Aspekte mit anderen Planeten zeigen eine unmittelbare Verbindung auf. Heliozentrische Transite über unsere Radix-Erde zeigen oft  eine immense Wirkung, und finden nicht immer gleichzeitig mit geozentrischen Aspekten auf unsere Sonne statt. Oftmals können sich heliozentrische Aspekte deutlicher und direkter zeigen, als die etwas „unscharfen“ geozentrischen.
Gleichzeitig ergeben sich durch diese Erd-Bezogenheit auch erweiterte Deutungsmöglichkeiten im geozentrischen Radix.

Die inneren Planeten

Merkur und Venus sind  ja aus geozentrischer Sicht immer an den Lauf der Sonne gebunden. Die größte Elongation (Winkelabstand) die Merkur erreichen kann, liegt bei ca. 28°, bei Venus sind es ca. 47°. Mit anderen Worten – Merkur kann gerade mal ein Zeichen von der Sonne entfernt stehen, bei Venus sind es im Extremfall auch mal zwei Zeichengrenzen, die Sonne und Planet trennen können.
So gleichen beide Himmelkörper eher zwei Monden, sind also nur verlängerte, energetische Arme der Sonne.
Im heliozentrischen Bild dagegen sind beide befreit von dieser zwanghaften Bindung. Merkur umrundet die Sonne in knapp 87 Tagen vollständig, Venus benötigt dazu ca. 224 Tage. Hier liegen wohl die offensichtlichsten Chancen einer zusätzlichen Deutung. Vor allem, wenn man den heliozentrischen Umlauf der Erde mit einbezieht.

Ein Beispiel: Durch die gebundene Elongation kann es geozentrisch niemals zu bestimmten Aspekten zwischen Sonne auf der einen, und Merkur und Venus auf der anderen Seite kommen. Die Konjunktion ist dabei noch der häufigste Aspekt, lässt man die Nebenaspekte einmal außen vor. Geozentrisch bedeutet Konjunktion, dass sich aus unserer Erdsicht beide Himmelskörper am selben Zodiakort befinden. In diesem Beispiel finden wir zwei Konjunktionen zwischen Merkur und Sonne, die erste am 17. November 2012, die zweite am 18.01.2013.
Geozentrisch bleibt kaum Spielraum für eine unterschiedliche Deutung, abgesehen von der unterschiedlichen Zeichenstellung. Betrachten wir jetzt die beiden heliozentrischen Charts für dieselben Zeitpunkte, zeigt sich aber sofort ein Unterschied. Die erste „Konjunktion“ ist tatsächlich eine. Erde und Merkur befinden sich jetzt, von der Sonne aus gesehen, am selben Himmelsort. Aus unserer geozentrischen Sicht bedeutet das, dass sich Merkur VOR der Sonne befindet.

Im zweiten Bild finden wir dagegen eine Opposition zwischen Erde und Merkur. In diesem Fall befindet sich Merkur HINTER der Sonne, jedenfalls was unseren Blickwinkel von der Erde aus angeht.

Ohne uns also groß in neuen Bedeutungszuschreibungen zu verlieren, können wir alleine daraus schon eine Schlussfolgerung ziehen.

Im ersten Fall haben wir es mit einer wirklichen Konjunktion zu tun, hier steht uns Merkur näher als die Sonne selbst. Im zweiten Fall steht Merkur hinter der Sonne, wird also von ihr verdeckt, und ist zudem weiter von uns entfernt als sie.

Allein dieses Bild mag eine gewisse Sinnhaftigkeit vermitteln, eine Differenzierungsmöglichkeit, wie man geozentrische Aspekte im Spiegel eines heliozentrischen Bildes betrachten kann.
Aber das ist nur ein Anfang. Theoretisch können so selbst die kleinsten Abstände zwischen Merkur und Sonne aus geozentrischer Sicht eine neue und verfeinerte Bedeutung bekommen.

Zwei Bilder, ein neuer Weg

Dasselbe Prinzip ist natürlich auch auf Venus übertragbar. Eine Konjunktion zwischen ihr und der Sonne im Geo-Radix kann also auch zwei unterschiedliche Helio-Seiten aufzeigen.
Und last not least gilt das natürlich auch für die Aspekte zwischen Venus und Merkur selbst. Geozentrisch könnten sie im Extremfall gerade mal eine weite Quintilposition zueinander einnehmen, heliozentrisch ist jede Verbindung möglich.

Ausgerechnet also die alten klassischen, persönlichen Planeten bekommen durch die entpersönlichte Sonnensicht völlig neue Ausdrucksformen, die problemlos auf das ursprüngliche Radix übertragbar sind.
Dies ist nur als ein kleiner Appetizer gedacht, der Lust auf mehr machen soll. Die Hinzunahme des heliozentrischen Bildes muss also keineswegs in chaotische Deutungsverhältnisse führen. Statt „man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr“, heißt es hier wohl eher „der Wald erstrahlt in neuem Licht“. Und mit ihm jeder einzelne Baum.

(wird vielleicht eines Tages fortgesetzt...)

Image Credits: NASA/JPL-Caltech/T. Pyle (SSC)

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Freitag, 18. Oktober 2019

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