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Astro-Labor

Die drei Furien

Neid, Zorn, Rache, Vergeltung und das Gefühl, unaufhörlich vom Schicksal gepeinigt zu werden. Dieses Schreckensszenario findet sich in den drei Erinyen oder Furien der griechischen Mythologie wieder.Zum einen galten sie als Rachegöttinen, die zusammen als Einheit angerufen werden konnten, zum anderen waren sie aber auch Bewahrerinnen der sittlichen Ordnung.

Mit diesem Thema und dem Bezug zu den gleichnamigen Asteroiden hat sich Birgit Braun umfassend beschäftigt. Eine Reise in die Unterwelt, leicht gekürzt jetzt im Astrolabor. Der vollständige Artikel findet sich auf ihrer Webseite Starfish.

Die Erinyen (Furien) Alekto, Megaira und Tisiphone waren in der griechischen Mythologie drei Göttinnen der Unterwelt, die Verbrechen gegen die natürliche Ordnung rächten. Dabei ging es hauptsächlich um Mord, respektloses Verhalten, Verbrechen gegenüber den Göttern und Eidbruch. Ein Opfer solcher Verbrechen, das Gerechtigkeit forderte, konnte den Fluch der Erinyen auf den Übeltäter herabrufen. Mit diesem Akt bindet sich das Opfer an den Täter, wodurch ein sich ständig wiederholender Kreislauf von Vergeltung und Wiedergutmachung entsteht. Am mächtigsten war der Fluch von Vater oder Mutter auf das Kind, denn die Erinyen selbst entstanden aus solch einem Verbrechen, da sie aus dem Blut des Gottes Uranos entsprangen, nachdem dieser von seinem Sohn Kronos entmannt und damit seiner Schöpferkraft beraubt wurde.

Der Zorn der Erinyen zeigte sich auf vielfältige Weise. Am schwerwiegendsten war er, wenn ein Vater- oder Muttermörder mit Wahnsinn gepeinigt wurde. Mörder konnten mit Krankheit bestraft werden. Ein Volk, das einem Mörder Unterschlupf gewährte, konnte mit Hungersnöten, Krankheiten und Epidemien bestraft werden. Nur mit Reinigungsriten und der Erfüllung von Bußaufgaben konnte der Zorn der Erinyen besänftigt werden.

Die Rache-Göttinnen waren Dienerinnen des Hades und der Persephone in der Unterwelt, wo sie die Peinigung jener Verbrecher beaufsichtigten, die dem Tartaros, der Hölle der Verdammten, übergeben worden waren. Die Römer kannten die Erinyen als die drei Furien.

 

Megaira

Der erste Asteroid, der nach einer der drei Erinyen benannt wurde, war Megaira (Entdeckung: 9. Januar 1901, 20:14 UT, Heidelberg). Megaira befand sich bei ihrer Entdeckung auf 29°57' Krebs, exakt auf der Zeichengrenze der klassischen Elternzeichen Krebs = Mond = Mutter und Löwe = Sonne = Vater.

Megaira (deutsch auch "Megäre") bedeutet "der neidische Zorn", Groll. Im übertragenen Sinne wird ihr Name auch für eine böse, wütende Frau verwendet.

Die Mond/Mars-Konjunktion nahe dem Jungfrau-Aszendenten deutet tatsächlich aus klassisch-astrologischer Sicht auf eine wütende (Mars) Frau (Mond) hin, auf Impulsivität, heftigen Ausdruck von Gefühlen, Trotz, Unbeherrschtheit, Wut und Zorn. Uranus im Quadrat unterstreicht das Unbeherrschte und macht unberechenbar in seinen emotionalen und aggressiven Impulsen. Pluto, ebenfalls im Quadrat zu dieser Konjunktion, intensiviert die Emotionen und den Zorn, auch um den Preis, dass der Betreffende sich damit selbst schädigt. Es geht ihm um das "Prinzip" der Vergeltung, koste es, was es wolle. Mond/Pluto intensiviert die Gefühle, und auch die Neigung, den Fluss der Gefühle nicht zuzulassen, an seinem Zorn festzuhalten. Hier entsteht die Bindung "bis in alle Ewigkeit". Die "geistigen Eltern" (Vater-Imago Pluto und Mutter-Imago Uranus) befinden sich im maximal möglichen Gegensatz (Opposition), dazwischen das wütende, "verfehlende" Kind (Mond/Mars), auf dessen Schultern sich der elterliche Zorn entlädt. Das "böse" Kind, das den Zorn der göttlichen Eltern auf sich gezogen hat, will es den irdischen Eltern wiederum recht machen, alles "wiedergutmachen", passt sich ihnen an, macht sich "passend", bindet sich an sie, weil dies die immense Spannung zu den geistigen Eltern entspannen kann (Mond/Mars Trigon Sonne und Saturn).

Was in diesem Horoskop fehlt, ist die bedingungslose Liebe, Akzeptanz und Vergebung, denn Neptun, die Empathie und Akzeptanz, ist nur über die Opposition zu Jupiter und das Galaktische Zentrum (GZ) an das Aspektbild angehängt, im Grunde eigentlich ausgesperrt (die Opposition als Sperr-Asepkt). In Opposition zum GZ steht Neptun in maximaler Entfernung zum transzendenten, formlosen Göttlichen jenseits der Eltern-Instanzen.

Alekto

Vier Tage später wurde der nächste Asteroid entdeckt, der nach der Erinye Alekto benannt wurde: 13. Januar 1901 um 22:31 UT in Heidelberg. Er befand sich auf 7°21' Löwe.
Alekto "die (bei ihrer Jagd) Unaufhörliche"; das Gefühl, unaufhörlich vom Schicksal gepeinigt oder permanent verfolgt zu werden.

Aufgrund des geringen Zeitunterschiedes gegenüber der Entdeckung des Asteroiden Megaira weist dieses Entdeckungshoroskop in der Form des Aspektbildes und der Lagerung einige Ähnlichkeit mit Megaira auf. Der Mond hat sich inzwischen von der Konjunktion mit Mars gelöst und befindet sich zu Beginn des Zeichens Skorpion auf der 2. Hausspitze nahe dem Kreuzungspunkt K1.
Es steht hier nicht mehr wie noch bei Megaira die Emotion, der Neid und Zorn im Vordergrund, sondern dass ein unerträglicher Zustand kein Ende finden kann. Es bleibt das Leistungsdreieck bestehend aus der Uranus/Pluto-Opposition im Quadrat zu Mars, der hier in das 12. Haus gerutscht ist. Die beiden Eltern-Imagines Uranus und Pluto bleiben weiterhin in extremer Anspannung. Ihre Positionen sind verhärtet, kristallisiert, unerbittlich. Keiner ist bereit, auch nur einen Millimeter nachzugeben. Diese immense Spannung entlädt sich beim Mars, der sofort bereit ist, diese Energie in Handlung und Aktionen umzusetzen. Er ist unermüdlich aktiv, versucht das Ziel zu erreichen, die Spannung "abzuarbeiten". Wir können uns jedoch leicht vorstellen, dass die Opposition der beiden geistigen Planeten einen immensen Energievorrat enthält, der abgearbeitet werden muss. Mars kommt hier nicht zur Ruhe.

Es gibt im Leistungsdreieck durch Erschöpfungsphasen zwar immer wieder kurze Ruhezeiten, damit neue Energie aufgetankt werden kann. Doch hier ist die Erholung vermutlich zu kurz. Mars bildet ein Trigon zu Saturn und erhält ein einseitiges von Merkur, der in Konjunktion mit der Sonne steht. Die "Zufriedenstellung" der irdischen Elternrollenspieler (Saturn und über den Merkur eingeschränkt auch die Sonne) scheint nicht lange anzuhalten. Im 12. Haus, dem passiven Ich-Raum, spielt sich dieser Leistungskampf im Verborgenen ab, im Inneren. Die Diffusivität des 12. Hauses bringt den Betroffenen schnell in eine unterlegene Position, erzeugt Enttäuschung, Gewissensbisse, oder er fühlt sich als Opfer eines ungerechten Schicksals.
Auch im Entdeckungshoroskop des Asteroiden Alekto findet sich Neptun am Talpunkt, diesmal im 9. Haus der Sinnfindung und des autonomen Denkens. Gegenüber stehen Jupiter und Venus in Konjunktion mit dem Galaktischen Zentrum. Diese Opposition ist jedoch nicht losgelöst, sondern schwach weil über einseitige Aspekte in das Aspektbild eingebunden. Neptun erhält ein schwaches Trigon vom Mond und ein Quincunx von der Sonne, und Jupiter steht im Halbsextil zum aufsteigenden Mondknoten. Die beiden grünen Aspekten bieten zwar keine Substanz und Sicherheit, reizen aber immerhin Bewusstseinsprozesse an.

Tisiphone

Die dritte Erinye, Tisiphone, wurde am 17. Januar 1901 in Heidelberg um 22:18 UT entdeckt. Tisiphone befand sich zu diesem Zeitpunkt auf 29°45' Krebs, also wie ihre Schwester Megaira auf der Grenze zwischen Krebs und Löwe, den "kosmischen Eltern" Krebs = Mond = Mutter und Löwe = Sonne = Vater.


Tisiphone (auch: Teisiphone), "die Vergeltung" oder "die den Mord Rächende". Sie wird auf griechischen Amphoren häufig mit Hundekopf und Fledermausschwingen dargestellt, und schwenkte die höllische Fackel des Wahnsinns.

Da Tisiphone nur acht Tage nach Megaira und vier Tage nach Alekto jeweils um etwa die gleiche Uhrzeit entdeckt wurde, ändert sich auch in ihrem Entdeckungshoroskop die Form und Lagerung des Aspektbildes nur wenig. Es ist immer noch ein dynamisches, weil dreieckiges, und auf Individuation ausgerichtetes, weil senkrecht gelagertes Aspektbild. Das Leistungsdreieck zwischen Uranus, Pluto und Mars besteht ebenfalls noch. Der Mond steht allerdings auf knapp 24° Schütze im Einzugsbereich des Galaktischen Zentrums, in schwacher (einseitiger) Konjunktion mit Uranus und in Konjunktion mit Jupiter sowie in Opposition zu Neptun. Sogar zu Pluto wirft er einen sehr schwachen, einseitigen Oppositionsaspekt.
Lag bei Megaira der Schwerpunkt noch auf dem "wütenden Zorn" und bei Alekto darauf, dass ein Zustand unendlich (schrecklich) schien ("die Unaufhörliche"), so geht es jetzt bei Tisiphone um Rache und Vergeltung für den Verstoß gegen die natürliche Ordnung. Der größtmögliche Verstoß ist Mord: einem anderen Menschen das Leben (und damit die Schöpferkraft) zu nehmen.

In der klassischen Astrologie ist Saturn der Gesetzeshüter. Er achtet darauf, dass niemand seine Grenzen überschreitet, und wenn doch, stutzt er ihn auf das rechte Maß zurück. Saturn steht in allen drei Erinyen-Horoskopen in seiner Heimat, dem Zeichen Steinbock. In Tisiphones Entdeckungs-Horoskop steht er besonders stark auf der kardinalen 4. Hausspitze. Er ist hier der unerbittliche Chef. An das Aspektbild ist er nur über das Trigon zu Mars angehängt. Er nimmt nicht viel aktiven Einfluss. Er herrscht einfach durch seine starke Präsenz, und erinnert insbesondere Mars über den Trigon-Aspekt in allen drei Erinyen-Horoskopen an das Gesetz. Direkt in das Geschehen des Leistungsdreiecks involviert ist jetzt der Mond, der zu Uranus in Konjunktion und zu Pluto in Opposition steht. Der Mond identifiziert sich dem Anschein nach mit den "geistigen Eltern-Imagines" Uranus und Pluto.

Tisiphone strafte besonders gerne mit Wahnsinn ("die höllische Fackel des Wahnsinns schwenkend"). Heute nennen wir Wahnsinn eine "psychische Erkrankung", die oft, wenn nicht vielleicht immer, ihre Ursache in einer Frühstörung der kindlichen Entwicklung hat. Es spielen daher oft Mond und Neptun in Verbindung mit Saturn und anderen "harten" Planeten und Aspekten eine Rolle. In der indischen Astrologie wird der Mond direkt mit Wahnsinn und psychischen Erkrankungen in Verbindung gebracht, denn der Mond symbolisiert dort ganz konkret den "Geist" (Englisch "mind" und Sanskrit "manas").

Besänftigung der Furien

In der Mythologie konnten die Erinyen nur durch das Praktizieren von Reinigungsriten und die Erfüllung von Bußaufgaben besänftigt werden. In heutiger Zeit sind dies wohl eher therapeutische und resozialisierende Maßnahmen, die die Wiederherstellung einer "natürliche Ordnung" im Menschen zum Ziel haben. Diese können nur funktionieren, wenn innerlich erkannt wird, was die Ursache für die im Inneren und manchmal außerhalb in der Welt wütenden Furien sein könnte. Erst dann kann der Betreffende auf die Suche nach (Er)Lösungen gehen.

Wirklich "nachhaltig" scheint mir mittlerweile ein (Er)Lösungsweg nur, wenn auch die Dimension des Kreises in der Horoskopmitte einbezogen wird. Die Neptun/Jupiter-Opposition an Talpunkten in den Horoskopen aller drei "Furien" deute ich als Wink, auch und vor allem in dieser Richtung zu suchen. Wir kommen damit in den Bereich religiöser Traditionen, die von Schuld, Sünde, Sühne und Vergebung handeln. Hier muss wohl jeder seinen eigenen Weg zurück zum "Göttlichen" finden, zur inneren geistigen Führung und zur Barmherzigkeit (Neptun am Talpunkt), um die "natürliche Ordnung" in sich selbst wiederherzustellen.

Den vollständigen Beitrag finden sie auf Birgit Brauns empfehlenswerter Webseite Starfish.

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