Loop!

Astro-Labor

Sterne der Kreuzigung und Auferstehung

Ostern astrologisch:

Sollten die biblischen Erzählungen über Jesus von Nazareth nicht nur eine rätselhaft fiktionale Geschichte sein, sondern Berichte eines wahren Lebenswegs, wurde Jesus wie jeder Mensch an einem bestimmten Tag geboren und auch die Tage seiner Kreuzigung und der Auferstehung wären reale historische Daten. Der Schweizer Archäoastronom und Philosoph Dieter Koch (der u.a. zusammen mit Dr. Alois Treindel vom Astrodienst, die Swiss Ephemeris kreierte), hat sich mit diesem Thema sehr ausführlich beschäftigt und ist zu faszinierenden Ergebnissen gekommen:

In meinem Artikel über den Geburtsstern Jesu (Loop! Artikel) habe ich gezeigt, daß Jesus, zumindest nach frühchristlicher Vorstellung, am Morgen des 1. September 2 v.Chr., einem jüdischen Neujahrsmorgen, geboren wurde.

Der Stern war die Venus, die gerade ihren Erstaufgang als Morgenstern vollzogen hatte. Läßt sich auch die Frage klären, wann Jesus gekreuzigt wurde? Die Antwort scheint hier sehr viel einfacher. Zumindest sind sich die Gelehrten weitgehend einig, daß Jesus entweder im Jahre 30 oder 33 am Freitag vor dem Passah-Fest gekreuzigt worden sein muß. Wie kommen sie darauf? Lukas schreibt, daß Johannes der Täufer im 15. Regierungsjahr des Kaisers Tiberius am Jordan zu predigen und taufen begann. (Lukas 3,1ff.) Auch Jesus kam zu Johannes und ließ sich taufen, wobei der Heilige Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Zu diesem Zeitpunkt war Jesus gerade etwa 30 Jahre alt. (Lukas 3,21ff.) Nun weiß man, daß Kaiser Tiberius den Thron am 19. August 14 n.Chr. bestieg. Sein 15. Regierungsjahr dauerte demnach vom August 28 n.Chr. bis zum August 29 n.Chr. Jesus muß also nach diesem Zeitpunkt gekreuzigt worden sein.

Jesus begann nach seiner Taufe öffentlich aufzutreten. Wie lange dauerte sein öffentliches Wirken?

Gemäß den Evangelien nach Matthäus, Markus und Lukas könnte es sich um ein Jahr und ein paar Monate gehandelt haben, gemäß dem Johannesevangelium um drei Jahre und einige Monate. Jesus wurde also wohl 31 bis 33 Jahre alt. Über die Kreuzigung wissen wir, daß sie an einem Freitag und am Tag vor dem Pässach-Fest stattgefunden hat. Zwei Daten scheinen all diese Bedingungen zu erfüllen: der 7. April 30 und der 3. April 33 zu erfüllen. Welches aber ist richtig?

Lukas berichtet, daß sich bei der Kreuzigung eine Sonnenfinsternis ereignet habe.

Und es war um die sechste Stunde, und eine Finsternis wurde über die ganze Erde bis zur neunten Stunde, wobei die Sonne sich verfinsterte (tu heliu eklipontos); und der Vorhang des Tempels riß mitten entzwei. Und mit lauter Stimme rief Jesus und sprach: „Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist!“ Und als er dies gesagt hatte, hauchte er den Geist aus. (Lukas 23,44ff.)

Eine Sonnenfinsternis fand leider an keinem der beiden Daten statt. Das war schon grundsätzlich unmöglich, weil das Passahfest stets auf den Vollmond fällt, während Sonnenfinsternisse nur zum Neumond stattfinden können. Die Sonne hätte also höchstens durch besondere atmosphärische Bedingungen verdunkelt werden können. Allerdings spricht Lukas explizit von einer „Eklipse“ (tu heliu eklipontos).

Interessant ist nun, daß sich am Abend des 3. April 33 (links das mögliche Horoskop) eine partielle Mondfinsternis ereignete. Könnte es sein, daß Lukas eine Mondfinsternis zu einer Sonnenfinsternis aufbauschte? Allerdings war diese Mondfinsternis in Jerusalem kaum wahrnehmbar. Der Mond ging in Jerusalem erst 16 Minuten vor dem Ende der Kernschattendurchquerung auf. Die Bedeckung betrug zu diesem Zeitpunkt nur noch gut 15% und nahm rasant ab. Kaum jemand wird diese Finsternis wahrgenommen haben, zumal der Mond so nahe beim Horizont zunächst gar nicht sichtbar war. Doch immerhin handelte es sich um ein Mondfinsternisdatum, dessen sich frühchristliche Astrologen durchaus bewußt gewesen sein dürften. Es ist auch zu bedenken, daß der vorausgehende Neumond, der auf den Beginn des religiösen und astrologischen Jahres ein potentielles Sonnenfinsternisdatum war. Zwar war diese Sonnenfinsternis von Palästina aus nicht zu sehen.

Doch für antike Astrologen, wie für heutige, war die lokale Beobachtbarkeit von Finsternissen nicht unbedingt deutungsrelevant. Es ist daher gut möglich, daß die in den Evangelien erwähnte Sonnenfinsternis ihren Ursprung in astrologischen Berechnungen antiker Astrologen für das Pässach-Fest des Jahres 33 hat. Der Zufall will es leider, daß auch für das Datum aus dem Jahre 30 gute astronomische Gründe geltend gemacht werden können.

 Am 24. November 29 nämlich, also gut vier Monate vor dem möglichen Kreuzigungsdatum des Jahres 30, ereignete sich eine totale Sonnenfinsternis, die im nahen Osten beobachtet werden konnte (rechts). Wäre es möglich, daß frühe Christen die Kreuzigung Jesu im Nachhinein mit dieser Finsternis in Verbindung brachten? Die Zentrallinie der Finsternis lief zwar nicht direkt durch Jerusalem, sondern durch die nördliche Levante, über Antiochia am Orontes (heute Antakya) und in südöstlicher Richtung. In Jerusalem war die Finsternis also nicht total (Bedeckung 92%) und konnte ihren Schrecken nicht voll entfalten. Interessant ist aber, daß Lukas ausgerechnet aus Antiochia stammte. D.h. er wird die Finsternis entweder mit eigenen Augen gesehen oder aber Menschen gekannt haben, welche sie gesehen haben. Man beachte: Zwar berichten alle drei synoptischen Evangelien, daß von der sechsten bis zur neunten Stunde eine Dunkelheit über das Land kam.

Aber nur Lukas fügt noch den Zusatz hinzu: „wobei die Sonne sich verfinsterte“ (tuu heliuu eklipontos). Wir dürfen annehmen, daß dieses Ereignis die Menschen in Antiochia tief beunruhigte und sie schlimmste, ja apokalyptische Ereignisse für die nächste Zukunft erwarten ließ. Dies um so mehr, als die Finsternis sich in Opposition zum „Übeltäter“ Saturn (gemäß damaliger Meinung der Astrologen) ereignete. Das Horoskop der möglichen Kreuzigung des Jahres 30 (gut vier Monate nach der Sonnenfinsternis) sieht wie folgt aus:

Gibt es weitere Indizien? Wenden wir uns dem Auferstehungsmorgen zu! Lukas schildert das Geschehen wie folgt:

(1) … Am ersten Tag der Woche aber, in tiefer Morgendämmerung, kamen sie (d. h. Frauen, die Jesus begleitet hatten) zum Grabmal und brachten die Kräuteröle, die sie zubereitet hatten. (2) Sie fanden aber den Stein von dem Grabmal weggewälzt, (3) und als sie hineingingen, fanden sie den Leib des Herrn Jesus nicht. (4) Und es geschah, als sie darüber ratlos waren, und siehe, zwei Männer traten zu ihnen in blitz-glänzendem Kleid (en hestheeti astraptuusee). (5) Als sie aber in Furcht gerieten und die Gesichter zur Erde neigten, sprachen sie zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden unter den Toten?

(Lukas 24,1-5)

Was sind dies für zwei Männer? Offenbar Engel. Aber in der Bibel und der frühchristlichen Literatur stehen Engel oft für Gestirne, und umgekehrt. (Off. 1,20; Mt 24,29; Mk 13,25; Judas 1,13) Es stellt sich somit die Frage, ob nicht auch die beiden „blitz-glänzenden“ (astraptontes) Männern vor dem Grabmal für irgendwelche „Sterne“ könnten. Hellhörig sollte uns auch die Tatsache machen, daß die Frauen „in tiefer Morgendämmerung“ zum Grab gehen. Dies ist der Zeitpunkt zu dem man Erstaufgänge (heliakische Aufgänge) von Gestirnen beobachten kann.

Betrachten wir nun die astronomisch-astrologische Situation an den beiden in Frage kommenden Auferstehungsmorgen, so gewinnt der Sonntag, der 5. April 33 enorm an Überzeugungskraft. Bei ausgesprochen guter Sicht nämlich konnten die Frauen, als sie das leere Grab fanden und ratlos umherblickten, Venus und Merkur in Konjunktion am östlichen Horizont stehen sehen. Könnten die beiden „blitzglänzenden“ Engel also Venus und Merkur gewesen sein? Verblüffender noch: Die Venus vollzog gerade in den Tagen vor der Kreuzigung ihren Erstaufgang als Morgenstern. Dies kann wohl kaum ein Zufall sein. Wie ich im Artikel über den Stern von Bethlehem gezeigt habe, vollzog der Morgenstern auch bei Jesu Geburt einen Erstaufgang. Die Bibel sagt auch ausdrücklich, daß Jesus der Morgenstern sei (Off. 22,16). Sowohl Jesu Geburt als auch seine Kreuzigung und Auferstehung wurden also anscheinend mit einem heliakischen Aufgang der Venus assoziiert.

Die Assoziation von Auferstehung und heliakischem Aufgang der Venus findet sich übrigens auch in der mesopotamischen Mythologie. Die Venus-Göttin Ischtar steigt in die Unterwelt hinab, wird dort getötet und an einen Holzpfahl gehängt, sodann wiederbelebt und zur Oberwelt zurückgeschickt. Dieser Mythos erzählt offensichtlich vom Verschwinden der Venus als Abendstern und ihrem Wiedererscheinen als Morgenstern. Dieser Vorgang wird also mit Tod und Auferstehung verglichen. (Näheres hierzu im Internet, INANNAS GANG IN DIE UNTERWELT).

Ich verzichte darauf, das Horoskop der Auferstehung (rechts in der Grafik) im Detail zu deuten. Einen Hinweis möchte ich aber noch geben. Die Sonne steht im Widder. Den Widder können wir mit dem „Lamm Gottes“ (einem jungen Widder) assoziieren. Zwar hat die Symbolik des „Lammes Gottes“ ihre Wurzeln im jüdischen Brauch, am Passahfest Lämmer zu opfern. Das Opfer des Lammes Gottes reinigt die Menschen von ihrer Sünde. Doch sind astrologische Entsprechungen damit nicht unbedingt ausgeschlossen. Das Sternbild des Widders wurde in Mesopotamien mit dem sterbenden und auferstehenden Gott Tammuz (Dumuzi), dem Geliebten der Venusgöttin Ischtar (Inanna), identifiziert. Die Analogie zu Jesus liegt auf der Hand.

Jesus gilt im übrigen als „der gute/rechte Hirte“ (griech. ho poimeen ho kalos; Joh. 10,11) seiner „Herde“. Denselben Titel trug auch Tammuz (babylon. rē'û kīnu; sumer. sipad zid), der im Mythos Hirte ist.

Assyrische Könige trugen ebenfalls den Titel „guter Hirte“, und auch Jesus galt seinen Anhängern als „König der Juden“.

Sofern die Angaben der Bibel historisch korrekt und meine Interpretationen richtig sind, fallen somit sowohl Jesu Geburt als auch seine Kreuzigung und Auferstehung mit einem heliakischen Aufgang der Venus zusammen. Gleichzeitig fallen beide Daten auch auf ein prägnantes Kalenderdatum. Geboren wurde Jesus am jüdischen Neujahr (Rosh-hash-shanah), d.h. an einem Herbst-Neumondfest. Gestorben und auferstanden ist er dagegen an einem Frühlings-Vollmondfest, dem Passah-Fest (das die Christen durch Ostern ersetzten). Es handelt sich dabei nicht nur um zwei sehr hohe jüdische Feiertage; beide stehen auch noch geradezu komplementär zueinander.

Eigentlich ist dies alles zu schön, um wahr zu sein.

Sofern wir glauben, daß Jesus tatsächlich Gottes Sohn war, werden wir es vielleicht mit heiliger Ergriffenheit gern so annehmen. Andernfalls aber muß der Verdacht aufkommen, daß diese beiden Daten gar nicht wirklich Jesu Geburts- und Todesdatum sind, sondern von frühen Christen nur um ihrer symbolischen Bedeutung willen so gewählt wurden. Vom tatsächlichen Geburts- und Todesdatum Jesu hätten wir dann nicht die geringste Ahnung. Ich will diese Frage offen lassen.

Historisch gesehen, sind solche Datierungen von Jesu Geburt und Tod im Kontext eines liturgischen Kalenders zu sehen, wie wir ihn auch noch heute kennen. Alle christlichen Feiern – darunter die Feste von Geburt, Tod und Auferstehung Jesu – wiederholen sich in strenger Reihenfolge innerhalb eines Kalenderjahres und stehen irgendwie in Beziehung zum Ackerbaujahr. Vergleichbare kultische Kalender sind auch aus Mesopotamien überliefert. In Uruk, der Heimat des großen Königs Gilgamesch, feierte man jährlich zweimal „Neujahr“, zum Herbstneumond und zum Frühlingsneumond. Das Herbstfest leitete das neue Ackerbaujahr ein: Es fiel der erste Regen, man begann zu pflügen und zu säen. Am Frühlingsfest hingegen feierte man die Ernte. Dies war auch in Palästina so. Im Altertum war der jüdische Lunisolarkalender an die Reifung der Gerste gebunden. Der Frühlingsmonat Nisan oder Abib, in dem das Passahfest stattfand, begann am ersten Neumond, nachdem auf den Feldern reife Gerste gefunden werden konnte, d.h. ab Anfang März.

Jesu Lebenslauf beginnt also – kalendarisch gesehen – im Herbst, am Anfang der feuchten Jahreszeit und des Vegetationszyklus; und er endet bei der Ernte der Gerste, am Ende der feuchten Jahreszeit und Anfang der Trockenzeit. Jesus wird hier anscheinend – wenn man so will – mit dem „Geist der Gerste“ gleichgesetzt. In diesem Kontext ist auch die Tatsache zu verstehen, daß Jesus beim Abendmahl den Jüngern das Brot als seinen „Leib“ anbietet. Brot und Wein treten bereits in Mesopotamien stellvertretend für die gesamte Ernte auf. Übrigens wimmelt es im Neuen Testament von Anspielungen auf Saat und Ernte. Anscheinend diente die Figur Jesu bereits in sehr früher Zeit – zur Zeit der Abfassung der Evangelien – als Projektionsleinwand für die alten Mythen, die ums Ackerbaujahr kreisten. Er ersetzte alte Vegetationsgötter wie Tammuz oder Osiris, die ebenfalls jährlich starben und auferstanden.

Jesu Tod und Auferstehung wurde somit in zwiefacher Weise mit kosmischen Vorgängen „identifiziert“, zum einen mit dem abendlichen Verschwinden und morgendlichen Wiedererscheinen des Morgensterns und zum andern mit dem Sterben und Wiedererwachen des Pflanzenlebens im Jahreslauf.

Eine ausführliche wissenschaftliche Behandlung des Themas mit allen Quellenangaben findet sich in dem Buch: Dieter Koch, Der Stern von Bethlehem, kostenlos zu lesen unter GILGAMESCH.  

Bilder (bearbeitet): Wikimedia Commons und Pixabay (gemeinfrei), Collagen: Loop!

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