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Astro-Labor

Forschung: Der Stern von Bethlehem

Es ist wie eine astrologische Detektiv-Geschichte: Eins der größten, nie wirklich gelösten himmlischen Rätsel bleibt ein Licht-Phänomen, das vor Jahrhunderten von der Ankunft jenes Menschen auf der Erde zeugte, der als christlicher Erlöser bekannt werden sollte: Jesus, angekündigt vom Stern von Bethlehem. Viele Wissenschaftler haben sich später darüber den Kopf zerbrochen, wann genau das war. Aber nur wenige sind zu schlüssigen Ergebnissen gekommen, die Jesus' Geburt in einen nachvollziehbaren zeitlichen Rahmen setzen. Einer, der das Problem überaus gründlich betrachtet hat, ist der Schweizer Archäoastronom und Philosoph DIETER KOCH, einer der gegenwärtig besten astrologischen Forscher und mit Dr. Alois Treindl (Astrodienst) Kreator der Swiss Ephemeris. Mit der freundlichen Erlaubnis des Autors hier seine faszinierenden Forschungs-Ergebnisse, die erstmals im MERIDIAN erschienen:

Der Bericht vom Weihnachtsstern befindet sich im Matthäusevangelium, Kapitel 2 (Übersetzung des Verfassers, siehe auch die Grafik weiter unten rechts). Die gängige Theorie z.B., derzufolge der „Stern“ eine Jupiter-Saturn-Konjunktion in den Fischen im Jahre 7 v. Chr. gewesen sein soll, ist trotz scheinbar passender Symbolik unvereinbar mit den Aussagen des Matthäus. Es ist ja nicht von einer Konjunktion, sondern von einem einzigen Stern die Rede. Die beiden Planeten verschmolzen auch nicht optisch miteinander, sondern blieben bei ihrer größten Annäherung noch ein gutes Grad voneinander entfernt, also im Abstand von etwa zwei Mond-Durchmessern.

Eine der genannten fixen Vorstellungen ist die, daß der „Stern“ eine ganz außergewöhnliche Erscheinung gewesen sein muß, um die „Magier“ zu veranlassen, den weiten Weg von Mesopotamien nach Jerusalem auf sich zu nehmen. Doch dagegen spricht etliches:

  • 1. Herodes fragt die Magier nach der „Zeit des Sterns“. Das Phänomen war offenbar weder auffällig noch für jedermann ersichtlich.
  • 2. In der astrologischen Praxis, zeichnet sich ein außergewöhnliches Horoskop in der Regel nicht durch ungewöhnliche astronomische Phänomene aus, sondern durch eine besondere Gesamtkonstellation, in der allenfalls ein bestimmter Planet markant steht.
  • 3. Studiert man die Arbeitsweise der Magier im zitierten Text, so erkennt man, daß sie sich nicht nur auf Himmelsbeobachtung verlassen, sondern auch Träume und heilige Schriften zu Rate ziehen. Der Stern allein genügt also nicht unbedingt zur Messiasprophezeiung. Die Magier könnten z.B. einer Prophezeiung oder Vision folgenden Stils gefolgt sein:

„Geburt eines königlichen Kindes bei der nächsten morgendlichen Erscheinung von Stern x, im Lande Palästina“. Aufgrund der biblischen Prophezeiungen von Daniel 9,24-27 erwartete man zur Zeit Jesu die Ankunft des Messias. (Lukas 2,25-38) Nach Ansicht des apokryphen arabischen Kindheitsevangeliums folgten die Magier einer Prophezeiung Zarathustras.

Ich will nun zeigen, daß unter diesen Voraussetzungen eine ganz neue Deutung des Sterns von Bethlehem möglich wird, die viel realistischer, textnäher, jedoch keineswegs weniger spektakulär als alle anderen ist. Dies übrigens auch dann, wenn wir die Erzählung von den Magiern für einen bloßen Mythos halten. Sie berichtet gleichwohl von einer eindeutig identifizierbaren Konstellation.

„...da kamen Magier aus dem Osten“ [Anm. Red: Der gesamte Text findet sich in den grünen Kästen links und weiter unten rechts zum Großklicken!]:

Das Wort „Magier“ (griech. magoi) stammt aus dem Altpersischen und bezeichnet die Priester des Zoroastrismus. Da sie aus dem Osten kommen und sich mit Sternen befassen, könnten sie aus Mesopotamien angereist sein, dem Heimatland der Astrologie.

Mit der Eroberung Mesopotamiens durch Kyros II kamen die Magier mit den Chaldäern, den babylonischen Sterndeutern in Kontakt. Noch heute gründet sich die Magie stark auf astrologische Symbolik. Wie gesagt, zeigt der Matthäustext, daß die Magier mehrere Weissagungsmethoden miteinander kombinieren. Sie ließen sich durch Träume vor Herodes warnen. Und sie befragten jüdische Schriftgelehrte nach alten Prophezeiungen, die den Weg zum Kind weisen konnten. Kommt hinzu, daß in alten zoroastrischen Texten das Kommen eines Heilsbringers, des sogenannten Saoshyant, prophezeit wird. Der Stern ist somit wohl nicht der einzige Anlaß für die Reise der Magier. Vielmehr verließen sie sich auf eine Vielzahl von Indizien und Methoden. 

Ein Vorgehen wie bei tibetischen Mönchen?

Gingen die Magier vielleicht ähnlich vor wie die tibetischen Mönche, die das Karmapa-Kind suchten? Sie folgten einer Prophezeiung, die Hinweise auf Zeitpunkt, Ort und Familie der Wiedergeburt enthielt. Folgten also auch die Magier einer Prophezeiung oder einem Traum, der- oder demzufolge ihr Heilsbringer beim nächsten Erscheinen eines bestimmten Sternes im Land der Juden geboren werden würde?

„...in den Tagen des Herodes“: Jesus müßte also vor dem Tode des Herodes geboren sein. Nach gängiger Lehrmeinung ist Herodes im Jahre 4 v. u. Z. gestorben, nach einigen Autoren hingegen erst 1 v. u. Z. Die historischen Angaben der Bibel im Zusammenhang mit Jesu Geburt sind leider kontrovers. Auch die heidnische Geschichtsschreibung betreffend das Palästina jener Zeit ist lückenhaft. Auf jeden Fall ist unsere Zeitrechnung, die vorgibt, mit der Geburt Christi zu beginnen, sicher nicht korrekt.

Jesus wurde weder zu Beginn des Jahres 1 u. Z. noch an einem 25. Dezember geboren. Dieses Weihnachtsdatum hat erst die Kirche im 4. Jh. eingeführt, in Anlehnung an heidnische Sonnenwendfeste, die eine natürliche symbolische Beziehung zur Geburt des Erlösers, der „Sonne der Gerechtigkeit“ (Mal. 3,20 oder 4,2), zu haben schienen. 

„...seinen Stern im Osten (wtl. im Aufgang) gesehen“: Häufig liest man in Übersetzungen: „im Morgenland gesehen“. Doch wörtlich steht: en tê anatolê, „im Aufgang, im Osten“. Nicht ein Land ist gemeint, sondern eine Richtung. Auch wenn die Magier apò anatolôn kommen, so heißt dies wörtlich: „aus (der Richtung) der Aufgänge“, aus dem Osten. Es ist also nicht gesagt, daß die Magier im „Morgenland“ waren, als sie den Stern sahen. Viel naheliegender ist die Interpretation, daß sie ihn im Osten aufgehen sahen. Diese Auffassung wird heute von vielen Autoren geteilt, die über den Stern von Bethlehem geschrieben haben.

Die Erscheinung der Gestirne

Bei solcher Übersetzung gibt der Text auch astrologisch mehr her. Besondere Aufmerksamkeit schenkten die sternkundigen Priester Mesopotamiens der heliakischen (morgendlichen) Ersterscheinung eines Gestirns nach einer Periode, in der es unsichtbar war. Ausdrücklich spricht Matthäus von einem Erscheinen“ (phaínesthai) des Sternes. Im Laufe eines Jahres verschwinden die meisten Himmelskörper einmal am westlichen Abendhimmel und tauchen einige Wochen später am östlichen Morgenhimmel wieder auf. In der Zwischenzeit werden sie von der Sonne überholt und von ihrem Licht überstrahlt, so daß man sie nicht beobachten kann. Der Übergang aus der Unsichtbarkeit in die Sichtbarkeit am östlichen Morgenhimmel wurde als Analogie zum Geburtsvorgang begriffen. Babylonische Geburtshoroskope, die auf einigen Keilschrifttafeln erhalten sind, verzeichnen heliakische Planetenaufgänge, sofern sie in der Nähe der Geburt stattgefunden haben.

„...erfragte genau die Zeit“: Herodes fragt nach der Erscheinungszeit des Sternes. Dies offenbar, um das Alter des Kindes zu erfahren, das er töten will. Später sagt Matthäus, daß Herodes alle Kinder tötete, die in Bethlehem und Umgebung lebten und zwei Jahre oder jünger waren, „zu dem Zeitpunkt, den er von den Magiern genau in Erfahrung gebracht hatte“ (Mt. 2,16).

Man hat aufgrund dieser Angabe vermutet, daß zwischen dem Erscheinen des Sterns und der Ankunft der Magier zwei Jahre liegen mußten. Doch die Astrologie geht normalerweise von einer annähernden Gleichzeitigkeit von himmlischen und irdischen Ereignissen aus. Eine Zeitdifferenz von zwei Jahren scheint viel zu lang. Matthäus stellt auch eingangs fest, daß die Magier zur Zeit der Geburt Jesu in Jerusalem ankamen. Noch klarer sagt es Justinus Martyr: „Zugleich (háma) mit seiner Geburt kamen Magier von Arabien und huldigten ihm“. Und: „die Magier sagten, sie hätten daraus, daß ein Stern am Himmel erschien, erkannt, daß in eurem Land ein König geboren worden ist“. Außerdem soll Jesus in einer vorübergehenden Notunterkunft geboren und noch am selben Ort von den Magiern besucht worden sein. Kurz danach floh die heilige Familie nach Ägypten. Die Magier müssen also kurz nach Jesu Geburt eingetroffen sein.

Aus alledem wird auch deutlich, daß die Magier ungefähr gleichzeitig mit der Erscheinung des Sterns in Jerusalem angekommen sein müssen – ganz entgegen dem gängigen Vorurteil, daß sie den Stern in ihrer Heimat („im Morgenland“) entdeckt haben und aus diesem Grunde nach Palästina aufgebrochen seien. Daraus ist zu schließen, daß die Magier die Sternerscheinung vorausberechneten und ihre Reise so planten, daß sie gerade zu diesem Zeitpunkt in Palästina eintrafen.

Tatsächlich entwickelten mesopotamische Himmelskundler ab 500 v.Chr. mit der Erfindung der Geburtshoroskopie auch Algorithmen zur Berechnung von Planetenpositionen, und sie kannten auch Ephemeriden. Auch außerhalb Mesopotamiens waren Astrologen zur Zeit Jesu in der Lage, ein Geburtshoroskop zu errechnen, wenn auch nicht mit der Präzision, mit der wir dies heute können. Die Magier konnten somit schon lange vor dem Erscheinen des Sternes aufbrechen, um das Kind möglichst gleich nach der Geburt, d. h. gleich nach der Erscheinung des Sterns zu finden.

Die Frage des Herodes zeigt, wie gesagt, daß der Stern keine auffällige Himmelserscheinung war. Diese falsche Vorstellung geht auf das apokryphe Jakobusevangelium zurück, wo es heißt: „Wir sahen einen gewaltigen Stern, der leuchtete unter den anderen Gestirnen und ließ ihr Licht verblassen“. Doch hätte Herodes da noch einer Aufklärung bedurft? Hätte der Stern nicht in aller Munde sein müssen? Und dennoch mag in Jakobus’ Beschreibung ein Körnchen Wahrheit liegen. Es gibt ja auch unter den gewöhnlichen Himmelskörpern sehr helle und schöne Exemplare, z.B. die Venus oder den Jupiter.

„...der Stern, den sie im Osten erblickt hatten, ging ihnen voraus“: Das Geführtwerden durch den Stern kann natürlich nicht wörtlich gemeint sein. Ein astronomisches Phänomen macht keine zufälligen Bewegungen, sondern erscheint für alle Bewohner derselben Gegend in derselben Himmelsrichtung. Manche Autoren haben die Stelle so verstanden, daß die Magier den Stern, während sie von Jerusalem nach Bethlehem wanderten, direkt vor sich sahen. Der Weg verläuft in Nord-Süd-Richtung. Der Stern hätte also im Süden gestanden. Dies ist aber unwahrscheinlich. Sofern die Magier wirklich in den Tagen der Geburt Jesu und des heliakischen Aufgangs seines Sternes in Bethlehem eintrafen, so war es heller Vormittag, bis der Stern im Süden stand. Sie konnten ihn nur im Osten, am Morgen vor Sonnenaufgang, sehen.

Rückläufigkeit und Umkehr?

Das griechische Wort proágein, das mit „vorausgehen“ übersetzt wird, könnte jedoch als astronomischer Fachbegriff intendiert sein. Ptolemäus und seine Zeitgenossen verwendeten das Wort prohegeísthai, das gleichbedeutend ist mit neutestamentlichem proágein, für die Rückläufigkeit von Planeten. Der Terminus entstammt der mesopotamischen Astrologie und erklärt sich von daher, daß rückläufige Planeten in ihrer Tagesbewegung schneller sind als Fixsterne und direktläufige Planeten. Die Aussage, daß der Stern den Magiern „vorausging“, dürfte daher bedeuten, daß der Stern sich in einer Rückläufigkeitsphase befand. Er war nur morgens im Osten sichtbar. Die Magier sind früh morgens aufgebrochen, und während sie nach Süden zogen, stand der rückläufige Planet links von ihnen. Der Weg von Jerusalem nach Bethlehem ist so kurz, daß sie den Ort noch vor Sonnenaufgang erreichen konnten.

„...kam zum Stillstand“: Auch der Stillstand“ des Sternes kann bei einem astronomischen Phänomen nicht wörtlich gemeint sein. Alle Himmelskörper bewegen sich im Tageslauf unaufhörlich von Ost nach West. Für die Astrologie bedeutsam sind aber die Stationen der Planeten, d.h. ihr Stillstand in Bezug auf den Tierkreis oder Fixsternhimmel. Die Magier hätten das Kind dann an dem Tage gefunden, als der Planet seine rückläufige Phase beendete, stationär wurde und seine siderische Bewegungsrichtung umkehrte.

„...oberhalb (des Ortes), wo das Kindlein war“: Auch hier ist festzustellen, daß kein Stern je über einem bestimmten Haus oder einer bestimmten Person stehen kann.

Befindet er sich im Zenit, dann steht er in gleicher Weise über allen Häusern der Gegend. Im Zenit konnte er aber aus demselben Grund nicht stehen, wie er auch nicht im Süden stehen konnte. Kurz nach seinem heliakischen Aufgang war er nur vor Sonnenaufgang im Osten zu beobachten. Matthäus meint wohl eher, daß der Stern bei der Ankunft der Magier an dem Ort, wo das Kindlein war, seine Station machte.

„...große Freude: Diese zeigt vielleicht an, daß der Stern sehr schön und hell war. Im Jakobusevangelium steht, wie erwähnt, daß der Stern so hell war, daß er alle anderen verblassen ließ. Tatsächlich ist Venus der hellste aller Sterne. Wenn der Mond nicht scheint und keine anderen Lichter stören, wirft sie sogar Schatten. Wer wurde von ihrem Anblick nicht schon freudig berührt?

Alle oben genannten Phänomene um den Stern werden im babylonischen Geburtshoroskop berücksichtigt. Neben den Positionen der Planeten in den Tierkreiszeichen verzeichnete dieses nämlich auch heliakische Aufgänge, Rückläufigkeiten und Stationen, sofern sie sich in der Nähe des Geburtszeitpunkts ereigneten.

Die Venus

Aus all diesen Feststellungen läßt sich das Gestirn eindeutig identifizieren. Es kann sich nur um die Venus handeln, weil – abgesehen vom schwer zu beobachtenden Merkur – nur die Venus bei ihrer Ersterscheinung am Osthorizont rückläufig ist und schon wenige Tage später ihre Station macht. Der Jupiter ist bei seiner Ersterscheinung direktläufig und braucht etwa vier Monate bis zu seiner Station. Jesus wird in einer vorübergehenden Notunterkunft geboren, während der Stern im Osten erstmals sichtbar wird. Kurz darauf, bei der Station des Sterns, treffen die Magier ein. Die Venus paßt also, der Jupiter paßt nicht.

Doch gibt die Bibel noch deutlichere Hinweise. Im Alten Testament wird der Messias nach Ansicht der Theologen mit folgenden Worten angekündigt: „es tritt hervor ein Stern aus Jakob“. (4. Mose 24,17).

Die Legende vom Weihnachtsstern („wir haben seinen Stern im Aufgang gesehen“) nimmt offensichtlich hierauf Bezug. Der Name dieses „seines“ Sterns wird am Ende der Johannesoffenbarung ausdrücklich genannt:

Ich, Jesus, ... bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der glänzende Morgenstern (astêr prôinos)" (Off. 22,16; vgl. Jesaja 58,8-10).

Eine weitere Stelle, wo Jesus mit dem Morgenstern in Verbindung gebracht wird, ist 2. Petrus 1,19:

Und so besitzen wir das prophetische Wort befestigt, auf welches zu achten ihr wohl tut, als auf eine Lampe, welche an einem dunklen Orte leuchtet, bis der Tag anbreche und der Morgenstern (phôsphoros, in der lateinischen Bibel: lucifer!) aufgehe in euren Herzen.“

Phôsphoros bzw. lucifer, bedeutet eigentlich „Bringer des Lichts“. Die Anwendung dieses Namens auf den Teufel stammt erst aus der Zeit der Kirchenväter und tut seiner ursprünglichen Bedeutung Unrecht. In Wirklichkeit bezeichnet er die Venus als Anzeigerin des nahenden Tages. Das wird noch deutlicher bei dem anderen Venusnamen eôsphoros, „Bringer der Morgenröte“.In dieser Funktion hatte der Planet in der Antike weit größere Bedeutung als heute, zumal in südlichen Gebieten, wo die Dämmerung nur sehr kurz dauert.

Die Petrusstelle erinnert stark an Joh. 1,9:

"Das Licht scheint in der Finsternis ... Es war das wahre Licht, das, in die Welt kommend, jeden Menschen erleuchtet“.

Also auch hier wird der Messias vermutlich mit dem Morgenstern verglichen. Ein sehr treffender Vergleich, denn auch Jesus symbolisiert einen „nahenden Tag“ des Lichtes, der Erkenntnis, nämlich das „Reich Gottes“. Eine weitere Stelle dieser Art findet sich in Matthäus 4,16: „Das Volk, das in der Finsternis saß, sah ein großes Licht; und denen, die im Land und Schatten des Todes saßen, ihnen ging ein Licht auf.“ Dies aber ist nichts anderes als eine Übersetzung von Jesaja 9,1 (vgl. auch 60,1-3; 62,1).

Nach dem Untergang von Venus als Abendstern im Westen, der Gegend des Todes, ist ihr spektakuläres Wiedererscheinen als Morgenstern auch ein Symbol für das große Thema des Christentums und anderer antiker Mysterienreligionen: für die Auferstehung.

Westen wurde als Untergangsrichtung der Sterne mit dem Tod in Verbindung gebracht, Osten dagegen, als ihr Aufgangsgebiet, mit Geburt bzw. Wiedergeburt. Der mesopotamische, wie der ägyptische Sonnengott stieg abends im Westen in die Unterwelt hinab und wurde im Osten neu geboren. Und ein mesopotamischer Mythos berichtet davon, wie die Venusgöttin Ischtar in die Unterwelt stieg, starb, wieder auferstand und zum Himmel aufstieg.

Weiter zur Symbolik der Venus: Nicht von ungefähr erscheint sie in Off. 2,28 als Königszepter, das Jesus trägt. In Mesopotamien spielte die Venusgöttin Ischtar die Rolle der Königsmacherin. Sie nahm junge Helden zu ihren Liebhabern und machte sie zu Königen (Gilgamesch). Sie trat auch als „Mutter“ oder „Ziehmutter“ assyrischer Könige auf (Assurbanipal). Es besteht eine direkte Verbindung zu Maria und dem Jesuskind, das zum König der Juden bestimmt ist. Die Jungfrau Maria wird auch in der katholischen Marienverehrung bis heute manchmal als „Morgenstern“ angesprochen. Kurz: Jesus hat bemerkenswerte symbolische Verbindungen mit der Venus. 

Das Geburtsdatum Jesu

Frühaufgänge der Venus finden nur alle 584 Tage statt. Es besteht somit Hoffnung, daß wir das von Matthäus intendierte Geburtsdatum Jesu bestimmen können. Hier hilft uns die Johannesoffenbarung weiter. In einer Vision sieht Johannes folgendes Bild:

Und ein großes Zeichen erschien in dem Himmel. Eine Frau, bekleidet mit der Sonne, und der Mond [war] unter ihren Füßen, und auf ihrem Kopf ein Kranz von zwölf Sternen. Und sie hat [ein Kind] im Bauch und schreit in Geburtswehen und in Schmerzen zu gebären...“ (Off. 12,1ff.)

Der Text wird als eine Vision der Geburt des Messias interpretiert. Wenn die Frau das Sternbild Jungfrau ist und die Sonne sie „bekleidet“, so wird dies heißen, daß die Sonne in der Jungfrau steht, sie folglich überstrahlt und unsichtbar macht. Der Mond steht „unter ihren Füßen“, also kurz vor dem Sternbild Waage. Das Kind, das sie gebiert, müßte der heliakisch aufgehende Morgenstern sein. Es gibt nun tatsächlich ein Datum, auf das diese Beschreibung paßt:

der 1. September 2 v.u.Z

(= astronomisch -1).

Damit ist auch klar, was von der Jungfraugeburt (Mt 1,18ff.) zu halten ist: Jesus ist ganz einfach Sternzeichen Jungfrau. Interessantes Detail: Venus ging nicht aus dem Schoß des Sternbildes Jungfrau hervor, sondern aus ihrem KopfEs handelt sich insofern um eine „unbefleckte“ Geburt, vergleichbar ein wenig der Geburt der jungfräulichen Göttin Athene aus dem Kopf des Zeus. Zu dieser Interpretation paßt auch die Fortsetzung des Bibeltexts:

Und es erschien ein anderes Zeichen in dem Himmel: und siehe, ein großer, feuerroter Drache, welcher sieben Köpfe und zehn Hörner hatte, und auf seinen Köpfen sieben Diademe; und sein Schwanz zieht den dritten Teil der Sterne des Himmels [mit sich] fort; und er warf sie (: die Sterne) zur Erde. Und der Drache stand vor dem Weibe, das im Begriff war zu gebären, auf daß er, wenn sie geboren hätte, ihr Kind verschlänge. Und sie gebar einen männlichen Sohn, der alle Nationen weiden soll mit eiserner Rute; und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und zu seinem Throne.“

Die Beschreibung des Drachens paßt auf das Sternbild Hydra. Die sieben diadembesetzten Köpfe dürften Sterne im Kopfbereich, die zehn Hörner helle Sterne entlang seines Körpers sein, die eine Art Zickzackmuster erzeugen. Der Schwanz der Hydra umfaßt zwar nicht wirklich den „dritten Teil“ aller Sterne, doch ist sie in der Tat ein extrem langes Gebilde mit sehr vielen Sternen. Auf der Ekliptik erstreckt sie sich über etwa vier Tierkreiszeichen, was tatsächlich einem Drittel des Tierkreises entspricht. Wenn die Jungfrau auf dem Osthorizont steht, so „wirft“ die Hydra tatsächlich ihre Schwanzsterne „auf die Erde“ (s. Abb. 1). Der „männliche Sohn“ dürfte der Morgenstern sein. In der Tat näherte sich dieser in den Tagen nach seiner „Geburt“ zunächst den Fängen der Hydra, geriet also in Gefahr, „gefressen“ zu werden, entfernte sich aber nach dem Stillstand wieder von ihr und wurde „entrückt“. Für die hierauf folgenden Verse gebe ich keine Deutung, weil Experten vermuten, daß sie eine spätere Hinzufügung darstellen.

Das gefundene Geburtsdatum Jesu ist auch insofern bemerkenswert, als es ausgerechnet auf den Neujahrstag des jüdischen Kalenders (rosh ha-shanah) fällt. Im alten Israel, wie in Mesopotamien, wurde an diesem Tag die Inthronisation des Königs gefeiert. Zudem erwartete man auch den Herrschaftsantritt des Messias für diesen Tag. Wenn die Königsmacherin Venus ihren heliakischen Aufgang ausgerechnet am Neujahrstag hatte, so war dies in der Tat ein besonderes Ereignis.

Daß Jesu Geburt ausgerechnet am jüdischen Neujahrstag stattgefunden haben soll und seine Kreuzigung ausgerechnet am anderen großen Fest im Frühling, dem Pässach-Fest, daß er also beim Herbstneumond geboren worden und beim Frühlingsvollmond gestorben sein soll, mag Zweifel an der Historizität dieser Daten wecken. Sind sie nur ein astraltheologisches Konstrukt, erfunden von frühchristlichen Astrologen? Oder hat Gott in weiser Vorsehung Jesus Geburt und Tod auf diese Daten gelegt? Ich will diese Frage offen lassen.

Wie auch immer dem sein mag, wir können hiermit das Horoskop Jesu berechnen. Überzeugt es auch astrologisch, und nach den Regeln der antiken Astrologie? Ich denke schon, möchte aber darauf nicht zuviel Gewicht legen, da bekanntlich auch falsche Horoskope „treffend“ interpretiert werden können. Der Löwe-Aszendent paßt zu einem König der Juden. Venus, Jupiter und Mars in Konjunktion am Löwe-Aszendenten zeigen einen charismatischen Führer, einen leidenschaftlichen Lehrer der Liebe an. Saturn im Quadrat zu Sonne und Merkur symbolisiert die Reibereien Jesu mit dem rechtgläubigen Judentum.

Eine ausführliche wissenschaftliche Behandlung des Themas mit allen Quellenangaben findet sich in dem Buch: Dieter Koch, Der Stern von Bethlehem, online kostenlos zu lesen unter -> GILGAMESCH.

Artikel © 2008/2014 Dieter Koch, Zürich

Bilder (zum Teil bearbeitet): Inmaculada Niña von Francisco de Zurbarán, ca. 1630 (Museo Diocesano de Sigüenza, Guadalajara, Spanien) + AstroWiki/Juri Viktor Stork + Grafiken Dieter Koch + Wikimedia Commons + Pixabay

 

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