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Ich bin ein Putin-Versteher

Wenn Argumente nicht mehr greifen oder sogar unerwünscht sind, dann gibt es ein probates Mittel: Man findet einen Begriff für die Gegenseite, der jegliche ernsthafte Auseinandersetzung mit deren Argumenten überflüssig macht. Dann muss man diesen Begriff nur solange wiederholen, bis er sich in den Köpfen festgesetzt hat und schon hat sich eine inhaltliche Diskussion erledigt.

Meta ist jetzt also ein Putin-Versteher, im Prinzip also ein Berg-Auf-Bremser und Warmduscher. Astrologisch gesehen habe ich eben zu viele Waage-Anteile (harmoniesüchtig bis zur Selbstaufgabe), einen stark beschädigten Saturn (kann schwarz von weiß nicht mehr unterscheiden) und Mars darf bei mir nicht sein, wozu er da ist. Nämlich zur Durchsetzung der eigenen Willensimpulse, notfalls auch mit Gewalt.

Wem genau ich diesen neuen Titel nun zu verdanken habe, ist nicht endgültig zu klären. Aber einer der ersten Journalisten, die ihn als Argument benutzten, war der ehemalige Chefredakteur der "Zeit", Robert Leicht (geb. 10.08.1944 in Naumburg). Die Löwe-Sonne mit einer Mars-Merkur Konjunktion in der Jungfrau nimmt auch zu anderen, kontroversen Themen selten ein Blatt vor den Mund, trotzdem erstaunlich, dass er den Begriff des Putin-Verstehers schon am 24. Februar auf Gerhard Schröder bezog. Damals, als Herr Steinmeier gerade das großartige „Agreement on the Settlement of Crisis in Ukraine“ auf den Weg gebracht hatte. Und die Medien dies als Anfang einer neuen, europäischen Außenpolitik feierten. Hier schon wird Schröder als Putin-Versteher abgekanzelt, weil er öffentlich die Meinung vertrat, dass die EU in diesem Konflikt zu sehr Partei ergriffen und sich deshalb als Vermittler im Konflikt disqualifiziert hätte.

Damals, als auch der Autor überzeugt war, dass ein Bürgerkrieg durch das wackere Engagement der Europäer verhindert worden sei (Link zum Artikel). Tja, so kann man sich täuschen. Kein Wunder, denn dieser Artikel erscheint am Tag, als sich Sonne und Neptun in Konjunktion befinden. Und zu einer Zeit, als diese Konjunktion auch noch am Aszendent der Veröffentlichung steht. Inhaltlich, was die konkrete Einschätzung der Lage angeht, lag der Autor gelinde gesagt „ziemlich daneben“, was aber bleibt ist die Nebelkerze eines Diffamierungs-Begriffs – Putinversteher. Man mag Herrn Leicht zugute halten, dass er schon vier Wochen später anmerkte: „Man kommt schnell in den unansehnlichen Ruf des Russlandverstehers, wenn man sich dem kollektiven Zwang zur Verurteilung Putins nicht ohne die geringste Widerrede fügt."

Aber der Geist, den er gerufen hatte, war nicht mehr aufzuhalten. Mittlerweile findet sich die Bezeichnung in fast allen, sogenannten Leitmedien wieder, ob in der BILD, im SPIEGEL oder eben in der ZEIT selbst. Sind das nun alle willfährige „Obamisten“, untertänige „Merkeläre“ oder sind sie „mit dem Klammerbeutel gesteinmeiert“ worden? Gehören sie vielleicht einem Geheimbund an, der den „Herrn der Ringe“ als Fahrplan für eine NWO (neue Weltordnung) mißversteht? Denn Tolkiens Blaupause eignet sich hervorragend für die aktuelle Propaganda: der grausige Herrscher Mordors (Sauron - das Auge der Finsternis), nennt sich jetzt Wladimir Putin und droht damit, seine russischen Ork-Divisionen in die Länder von Mittelerde (= Europa) einfallen zu lassen. Die einzigen, die dies noch aufrecht verhindern könnten, sind zwei wackere Hobbits (Angela Merkel als Froda, Frank-Walter Steinmeier als Sam) in Begleitung des zwielichtigen Gollums (Barack Obama). So ähnlich zumindest sieht es der „Postillion“, Deutschlands Satire-Zeitung Nummer Eins im Web in einem seiner letzten Artikel:

Vor dem Hintergrund der Unruhen in Osgiliath hat der gondorische Truchsess Denethor am Mittwoch in Minas Tirith weitere Sanktionen gegen Mordor erlassen. Sie zielten zunächst auf den Handel mit Lava und Schwefelgestein, könnten aber auch auf in Mordor beliebte Beauty-Gesichtsmasken aus Torf ausgeweitet werden. Sanktionen gegen Saurons Machtzirkel selbst seien leider unmöglich, da Mordors Herrscher keine Freunde habe.

Der Postillion, Osgiliath-Krise: Minas Tirith verschärft Sanktionen gegen Mordor, Artikel vom 29. April 2014

Verschwörungstheoretiker behaupten mittlerweile aber auch, dass die Putin-Versteher-Kampagne von Teilen der neuen Illuminaten losgetreten wurde. Dabei ginge es gar nicht um die Ukraine und Russland, sondern um die nächsten Präsidentsschaftswahlen in den USA. Denn es wird gemunkelt, dass die Bush-Dynastie ihren letzten Trumpf aus dem Ärmel ziehen möchte, um dem Bösen in der Welt Einhalt zu gebieten. Jeb, der Bruder von George, dem Maler, solls richten. Allerdings braucht das Böse dazu natürlich ein entsprechendes Gesicht und wie bei jedem guten Hollywood-Film fangen die Planungen dafür schon 2-3 Jahre vorher an.

Und bis dahin müssen natürlich alle Warm-Duscher wie die Fraktion der Putin-Versteher eindeutig als Feinde der Freiheit und Demokratie geoutet sein. Denn dann werden wieder die Wilden Kerle gefragt sein, die ohne Angst in die Schlacht gegen das Böse ziehen, weil sie verstanden haben, dass es um unsere Zukunft geht. Denn entweder leben wir in Freiheit und Frieden unter dem Banner von Mittel-Erde, oder Saurons Monsterscharen werden uns auf ewig dazu verdammen, in den Steppen Sibiriens nach Erdgas zu graben.

Aber vielleicht ist das alles auch nur ein Ausdruck von Verzweiflung auf Seiten der neuen deutschen Wellenreiter. Hatte man sich das doch so schön ausgemalt – mehr Engagement in der Außenpolitik, mehr militärische Präsenz in Krisenherden. Und schon das erste Engagement führt zu einer diplomatischen Katastrophe, die heimlichen Versuche der militärischen Präsenz werden via Kidnapping durch die Truppen des Bösen verhindert. Da hilft eben nur die Flucht nach vorne bzw. die Diffamierung aller Anders-Denkender, damit niemand in diesem Land unangenehme Fragen stellt.

Schon gar nicht die Frage nach der Kompetenz unserer politischen Meinungsmacher. Denn das Netz vergisst ja bekanntlicherweise nie und so kann man auch heute noch die Leitartikel aus den Tagen der Vorfreude auf die neue Rolle Deutschlands in der ZEIT nachlesen (Artikel vom 25. Februar). Da ist die Rede vom „Weimarer Dreieck“ und „dem großen Erfolg der europäischen Aussenpolitik“. Möglich gemacht durch „Verantwortungsgefühl, Risikobereitschaft, Handlungsfähigkeit und diplomatisches Geschick“ und dem „sachlichen Ton gegenüber Russland“. Aber auch dass „Russland sein Scherflein dazu beitrug“ und ein „klares Signal ausgesendet hat, dass es an einer politischen Regelung der Krise interessiert sei“.

Auf dem Boden von so viel Sachverstand scheint dann auch die Idee entstanden zu sein, auf ein altes Instrument der politischen Diffamierung zurück zu greifen – eine Neuauflage der „Roten-Socken-Kampagne“.

Und es ist auch noch nicht allzu lange her, dass Freiheit und Demokratie in Deutschland gefährdet schienen, wenn man ein „Willy-Versteher“ oder SPD-Wähler war. Wenn man den Kniefall eines deutschen Bundeskanzlers in Warschau und seine Ost-Politik nicht als Landesverrat, sondern als politische Klugheit und menschliche Größe verstand.

Aber die Geschichte hat gezeigt - die unblutigste Revolution, die jemals in Europa stattgefunden hat, mitsamt dem Fall der Mauern zwischen Ost und West, ist aus dieser Haltung, einer klugen und richtigen deutschen Außen-Politik entstanden.

Im Gegensatz zu manch anderen haben das viele Menschen noch nicht vergessen.

Und in genau diesem Sinne gestehe ich gerne ein - ja, ich bin ein Putin-Versteher. Und das ist auch gut so…

Titelbild-Loop Collage: Teile davon von  Peace_love_and_happyness.svg: *Face-smile.svg: The people from the Tango! project Nuvola_emblem-favorite.svg: David Vignoni Peace3d.svg: Arkanosis derivative work: — Arkanosis PODY_barnstar.svg: LadyofHats derivative work: — Arkanosis (Peace_love_and_happyness.svg PODY_barnstar.svg) [LGPL (http://www.gnu.org/licenses/lgpl.html)], via Wikimedia Commons

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