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Wie der Hasen-Buddha zum Mond kam

rabbit108Wie man ja weiß, entdecken Menschen mit Wasser-Betonung im Horoskop oft nicht "den Mann", der angeblich da oben im Mond wohnen soll ?.Sondern sie spüren eher die Kraft der "Mama Luna", die nicht nur zu Ostern auf der weit entfernten, lunare Oberfläche mit dem Eindruck eines tierischen Begleiters mit langen Ohren aufscheint (links). Für alle jedenfalls, die Augen haben, das zu sehen. Da zeigt sich dann vielleicht glücksverheißend das niedliche, mitfühlende Geschöpf, das in Asien traditionell auf dem Erdtrabanten eifrig Kräuter stampft, die Unsterblichkeit schenken sollen. Ein Hase, das 4. chinesische Zeichen, in reiner Zahlenfolge Analogie des westlichen Krebs', allerdings zuständig im Frühling. Wie kommt aber nun dieses Häschen auf den Mond? Eine Antwort gibt die sehr alte Geschichte vom kleinen Hasen-Buddha aus dem Palikanon (Sasa-Jataka 316), von uns für euch zu Ostern nacherzählt:

"Es war einmal - und das ist schon sehr, sehr lange her -  da wurde der Buddha, der sich entschlossen hatte, immer wieder auf die Welt zu kommen, bis keine einzige menschliche Seele mehr unglücklich ist, in einer Familie kleiner Hasen wiedergeboren. Später wohnte er in einer WG mitten im Wald mit seinen drei besten Freunden, einem Affen, einem Schakal und einem Fischotter. Weil sie alle verschiedene Lieblingsessen hatten, kümmerte sich jeder allein um die Mahlzeiten, aber abends saßen sie immer zusammen und redeten über die Welt und wie man am besten ein gutes Leben lebt. Einmal meinte da der kluge kleine Hase:

„Hm, alles in allem ist es doch wohl sehr hilfreich, anderen Leuten Almosen zu geben, ansonsten die ethischen Regeln einzuhalten, die alles für alle gut machen, und am besten noch die Neu- und Vollmonde zu feiern, oder?“ Seine Freunde fanden das auch und so kehrte man mal wieder glücklich in die Höhlen zurück, um sich dort auszuschlafen.

Tage später saß der kluge kleine Hase wieder mal gemütlich draußen und betrachtete die Sterne, rechnete etwas, drehte sich dann plötzlich zu den anderen um und sagte: "Leute, wenn ich mich nicht irre, ist morgen Vollmond. Also wäre es ganz gut, wenn wir das anständig feiern würden, indem wir sehr viele Almosen geben. Sollte also jemand vorbeikommen, der nicht viel hat, schenkt ihm bitte auch etwas von eurem Essen!" Das versprachen sie alle, auch wenn eigentlich nie jemand vorbeikam.

Am nächsten Morgen witterte der Otter am Flußufer sieben rote Fische, die jemand gefangen und unter Blättern und Erde versteckt hatte. Er grub sie aus und rief: „Hallo-hallo? Gehört das hier jemandem? Wenn nicht, nehme ich's besser mit!" Als keiner antwortete, fand er, man müsste auch nicht übertreiben mit der Ethik, steckte die roten Fische in den Rucksack und fand sich sehr bemüht, gut und tugendhaft. Der Schakal war aber sogar noch tugendhafter und extra bis weit weg zu einer Hütte losgezogen, wo er in der Küche zwei Fleischspieße, eine Eidechse und einen Topf Milch fand.

Weil niemand zuhause war ,rief er vorsichtshalber auch erst mal: "Hallo? Gibt's denn hier wohl einen Eigentümer? Wenn nein, nehme ich das Zeug doch lieber mit, bevor es noch schlecht wird." Dann packte er alles ein und freute sich zuhause, wie gut er die ethischen Regeln eingehalten hatte. Nicht stehlen, nicht lügen und so weiter! Sehr wichtig für ein prima nächstes Leben. Auch der Affe hatte unterwegs ein paar tolle, süße Mangos entdeckt und nahm sie für die notleidenden Leute mit, die vermutlich wieder nicht vorbeikommen würden. Total tugendhaft, wie er sich fand. Zuhause malte er sich dann aber erst mal aus, wie lecker das würde, falls zufällig wirklich kein Armer hereinspazierte, an den man die Früchte verteilen müsste.

ostermondWo war währenddessen der kleine, kluge Hasen-Buddha? Er hatte wie immer ein paar Bündelchen Gras und Kräuter gesammelt und saß nun zuhause, weil ihm auf einmal ein Problem aufging. "Was soll ich bloß machen, wenn keine Tiere, sondern Menschen in Not vorbeikommen? Denen kann man keine Grashalme anbieten! Dünne Leute brauchen was Kräftiges, am besten etwas Fleisch, aber das werden sie nicht essen wollen, weil man ja keine Wesen töten darf." Eine verwickelte Situation! Also grübelte und grübelte er, bis ihm ein Licht aufging. Er hatte zwar kein Fleisch im Vorratsschrank, aber er war ja selbst aus Fleisch. Da konnte man doch einfach auch sich selbst anbieten. Problem erkannt, Problem gebannt. Wie wunderbar und selbstlos!

Diese Idee war nun aber so ungewöhnlich, dass sie als Gedanke durch alle vier Winde und drei Zeiten flog, bis zum Thron von Götterkönig Shakra, dem Boss er Devas, der Leuchtenden. Dessen riesiger Sitz im höchsten der kosmologischen Himmel, die mit der Erde stofflich verbunden sind, fing sofort an zu wackeln. Da dachte der Gott sich: "Oh, wenn das mal kein Zeichen ist, dass da unten gerade etwas besonders Tugendhaftes passiert!" und beschloss, den Verursacher zu testen. Also kletterte er, verkleidet als Bettler, in den Wald hinunter.

Als erstes traf er den Fischotter vor seiner Behausung und blieb stehen. "Na, worauf wartest du?" fragte der Otter. „Och", sagte der Götterkönig, "wenn du ein bisschen was zu essen für mich hättest, wäre ich schon zufrieden."

"Ok," meinte der Otter. "Du siehst aus wie ein Asket, die sind mir sympathisch und zufällig habe ich hier gerade sieben rote Fische liegen. Als total tugendhafter Otter kann ich dir anbieten, so viel davon zu essen, wie du willst und wenn das nicht reicht, könntest du auch noch bei mir wohnen." Beeindruckt nickte der Gott, aber sagte: "Das ist ja mal richtig nett. Danke! Darauf komme ich nachher zurück, ich habe noch einen Termin!" Als er weiterging, begegneten ihm erst der Schakal und dann der Affe und mit beiden passierte ihm genau das gleiche: Sie boten ihm einen Happen und einen Schlafplatz an. Was den Gott wieder begeisterte, wobei er sich aber nicht vorstellen konnte, dass es diese Leute gewesen waren, die seinen Thron zum Wackeln gebracht hatten. Denn das war ja alles ganz normale Mildtätigkeit.

cloudsSchließlich sah er dann aber nach ein paar Stunden von Weitem jemanden,  der ihm wild winkte und sich ein Bein ausfreute. Es war der kluge, kleine Hasen-Buddha, der eine wunderbare Gelegenheit sah, seine Idee an den Mann zu bringen: "Ach, das ist ja schön, dass du hier vorbeikommst, armer, alter, klapperiger Asket! Ich habe hier etwas für dich! Ganz unglaublich zartes, schmackhaftes Fleisch, wie ich es noch nie jemandem angeboten habe. Sammel doch schnell noch etwas Holz, dann können wir es für dich braten." 

Weil der Hase aber schon wusste, dass der Mann nicht bereit sein würde zu töten (das ist nicht nur unter Asketen eine Ursache für sehr schlechte Wiedergeburten), würde er den Job eben selbst übernehmen müssen und sich in die Flammen stürzen. Vorher schüttelte er sich aber noch und warnte alle kleine Läuse und Flöhe in seinem Pelz: "Leute bringt euch lieber in Sicherheit, ich verbrenne mich gleich nämlich!" Kaum waren die kleinen Quälgeister weg, brannte das Feuer auch schon knisternd und der Hase hopste mitten hinein. Hoch erfreut, etwas für jemand anderen tun zu können. Aber anstatt dass ihn die hohen Flammen fraßen, beührten sie ihn gar nicht. So stand er einfach wartend da wie ein Schneemann im tiefen Winter und es wurde ihm nicht mal ein einziges Härchen gekrümmt. 

„Hallo?" rief er. "Was ist denn da los? Brennt das Feuer etwa noch nicht genug?"

Aber da eröffnete ihm der klapprige Asket, dass er gar kein armer Mann war, sondern Shakra, der große König der Devas und von Himmel und Erde, und dass er das unglaubliche Mitgefühl des kleinen Hasen nur testen wollte. Als Belohnung griff er dann sofort nach dem höchsten Berg, der in der Nachbarschaft herum stand, zerquetschte ihn, und als daraus Saft tropfte, malte er damit ein Bild des klugen Hasen-Buddha mitten auf die leuchtende Mondscheibe. Das dient dazu, dass sich alle Menschen bis ans Ende aller Universen an das große Herz eines kleinen Hasen erinnern sollen. Und immer, wenn sie zum Mond hoch sehen, daran denken, tugendhaft, hilfreich und großzügig zu bleiben. Auch wenn es ihnen selbst gerade nicht in den Kram passt. Es gibt immer irgendwo einen armen Hasen, dem es noch schlechter geht, der sich aber trotzdem viel besser benimmt. Nicht nur bei Vollmond.

Die Sasa-Jataka aus dem Palikanon

Bilder (bearbeitetI: Pixabay + Zeimusu/assumed (based on copyright claims) - [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC BY-SA 2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

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Freitag, 20. Oktober 2017

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