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Astro-Labor

C.G. Jung: Die ganze Seele der Welt

Er war für die einen etwas wie ein Zauberer, für andere ein Rebell, der mit den Archetypen spielte, und für Kenner einfach nur ein Genius, der die Seelen-Codes entschlüsselte wie niemand vor ihm. C.G. Jung, der Löwe mit Stier-Mond, ist in diesem Sommer schon über 50 Jahre lang nicht mehr auf der Welt, deren Herz er so sehr prägte. Grund genug für die Schweizer Astrologin Sarah Kündig (STERNENKOMPASS), einen der größten Geister unter den Analytikern ausführlich zu portraitieren und auch die Frage nach seinem immer noch umstrittenen Aszendenten zu beleuchten. Hier also Teil 1 ihrer Spurensuche:   

C.G. Jung war der Mystiker unter den Vätern der Psychoanalyse. Am 6. Juni dieses Jahr jährte sich sein Todestag zum 53. Mal. Der 1875 geborene, protestantische Pfarrerssohn hat mit seinem tiefenpsychologischen Werk die Psychologische Astrologie erheblich mitgeprägt.

Er kannte sich auch in der Astrologie soweit aus dass er in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sogar drei Testreihen mit Dutzenden von Geburts-Horoskopen durchführte und veröffentlichte, um die statistische Stichhaltigkeit astrologischer Aussagen zu überprüfen. Doch Jung wirkte primär eben nicht als Astrologe in der Astrologie, sondern schuf die Begriffe und ihre inhaltliche Beschreibungen mit, die sich in die modernere Geburtshoroskop-Deutung fruchtbar integrieren ließen. Wer kennt sie nicht: Animus/Anima oder den berühmten Schatten, die Persona. Und einen der wichtigsten Begriffe in der psychologischen Astrologie, die Individuation.

C.G. Jung wurde in Kesswil am Bodensee am 26.7.1875 um 19:20 h geboren (Radix rechts). Nach meinen Recherchen ist dies die meist gebrauchte Geburtszeit. Allerdings umstritten, da sich genaue Zeiten leider nirgends - weder im Kirchenbüchlein, das im Staatsarchiv in Frauenfeld archiviert ist, noch auf der Gemeinde in Kesswil - registriert wurden. Es sei noch angemerkt, dass aber sehr wohl die Taufe, die zwei Tage nach der Geburt stattfand, am 28.7.1875, vom Vater eingetragen wurde. Für seine Recherche bin ich dem Herrn Staatsarchivar von Frauenfeld sehr dankbar. Nun denn - nach diesen Angaben hat Jungs Horoskop einen Steinbock- Aszendenten, bei Sonne im Löwen im 7. Haus, Mond in Stier im 3. Haus und MC im Skorpion.

Wäre da nicht doch ein Wassermann Aszendent "logischer"? Das wird gern diskutiert unter Astrologen, in Anbetracht der ungewöhnlichen Persönlichkeit des Analytikers, die sich auf den ersten Blick kaum mit einem manchmal starren Steinbock-Aszendenten in Verbindung bringen lässt.  Astro-Databank gibt bei einem schwachen Rodden Rating C eine Geburtszeit von 19.29 h an (RADIX), mit vorderem Wassermann-AC. Allerdings spricht die Bedeutung, die spätere Maßstäblichkeit und innere Festigkeit, die Jung trotz seiner vielen Experimente im Lauf seines Lebens erreichte, dann doch recht eindeutig für das Saturnische. Allerdings steht auch beim Steinbock-AC dessen Herrscher Saturn im Wassermann und 1. Haus, was wiederum auf eine eigenwillige Persönlichkeit und Unbeirrbarkeit hindeutet. Zudem bleibt hier Wassermann eingeschlossen im 1.Haus. Mitherrscher Uranus befindet sich im 7. Feld in Löwe, was die Unruhe der Ich-Entwicklung beschreibt, die Jung in seiner Kinder- und Jugendzeit erfahren musste. Schauen wir uns seinen Werdegang etwas näher an:

Seine Kindheit und Jugend 

C.G. Jung kommt als Sohn des evangelisch-reformierten Pfarrers Paul Achilles Jung und von Emilie Jung, geborene Preiswerk aus Basel, zur Welt. Seine väterlichen Vorfahren stammen ursprünglich aus Deutschland, bis der Großvater als Professor für Chirurgie an der Universität Basel in die Schweiz übersiedelte. Mehrere Verwandte mütterlicherseits und zwei Brüder des Vaters waren Theologen. Jungs Mutter kam aus Basel. Durch ihre Familie ist Jung über fünf Jahrhunderte zurück im schweizerischen Volkstum verwurzelt. Ihr Vater, Samuel Preiswerk, war ein bedeutender Theologe und Hebraist, der auch mit Geistern Umgang pflegte. Mediale Begabung, ebenso wie Theologie, Naturwissenschaften und Medizin, also jene Bereiche, die in Jung's späterer Ausrichtung die Psychiatrie kreuzen, haben Tradition. Dies ist im Horoskop angezeigt unter anderem durch Jupiter im 9.Haus in Trigon zu Saturn im 1.Haus.

Früh schon ist die Beziehung zwischen seinen Eltern gespannt. Sie schlafen in getrennten Zimmern, der Junge beim Vater. Jung charakterisiert ihn als guten unkomplizierten Menschen, dessen dogmatischer Glaube ihm jedoch leer, schematisch und leblos erscheint. Dass Jungs Sonne eingeschlossen im 7. Haus steht, deutet dabei schon an, dass sein Vater sich nicht gut entfalten konnte oder zumindest keine stark prägende Kraft im Leben des Sohnes war.

Auch das Quadrat zum Neptun weist einerseits auf Jungs starke Verbindung mit den Welten des Unbewussten hin, andererseits auf Schwächung des Vaters. Es kann aber auch den blind gläubigen, religiösen Vater anzeigen. Später assoziiert Jung in Bezug auf ihn Zuverlässigkeit, gleichzeitig aber auch Ohnmacht. Die Enttäuschungen in der Ehe, sehnsüchtige Erinnerungen an die Studentenzeit und immer stärker werdende Glaubens-Zweifel führten oft zu schlechter Laune und chronischer Gereiztheit, bis die Glaubens-Krise schließlich, laut seinem Sohn, für den frühen Tod des Vaters verantwortlich wird.

Mond-Uranus und die Wechselhaftigkeit

In völlig anderer Hinsicht übte die Mutter auf Carl Gustav tiefe Prägung aus. Er beschreibt sie gewissermaßen als gespaltene Persönlichkeit. Das lässt ihn sie einerseits als liebende Mutter mit einer großen animalischen Wärme, Gemütlichkeit und Redseligkeit erleben, zum anderen wirkt sie auf ihn auch unheimlich, archaisch und ruchlos. Auch ein Bild für seine Mond-Stellung im 3. Haus, der ein Quadrat zum Uranus macht. Das belegt zum einen die plötzliche Wechselhaftigkeit dem Jungen gegenüber, zum anderen auch die liebende, redselige Mutter, durch das applikative Sextil von Mond und Venus im Krebs und Sextil von Mond und Merkur. Zitat Jung:

Meine Mutter war mir eine sehr gute Mutter. Sie hatte eine grosse animalische Wärme..., eine ausgesprochene literarische Begabung (Merkur Konj. Venus!), Geschmack (Mond im Stier!) und Tiefe. Sie hatte alle hergebrachten traditionellen Meinungen (Venus Konj. Merkur in Krebs!) die man haben kann aber handkehrum trat bei ihr eine unbewusste Persönlichkeit in Erscheinung, die ungeahnt mächtig war."

Ende der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts zog die Familie nach Kleinhüningen, heute Vorort von Basel. Dort, oberhalb des Rheinfalls, wächst der Kleine auf dem Lande auf - im Umkreis von Pfarrhaus, Kirche und Friedhof. Carl ist geprägt vom elterlichen Glauben und deren Versuch, ein frommes Leben zu führen. Die Formen und Riten, die ihm präsentiert werden, kommen ihm jedoch schal und hohl vor. Das Kind wird von Träumen und Visionen heimgesucht. Diese vermitteln ihm ein anderes, vielschichtiges Gottesbild, das den ganzen Aufwand an Überzeugungs-Taktiken weder nötig hat noch akzeptieren kann. Im Alter von drei Jahren erlebt er einen Traum, seine Ur-Offenbarung, wie er sie nennt, wird diesen aber erst im Alter von 83 Jahren erzählen.

Der Phallus dieses Traumes schein auf alle Fälle ein unterirdischer und nicht zu erwähnender Gott zu sein. Als solcher ist er mir durch meine ganze Jugend geblieben und hat jeweils angeklungen wenn vom Herrn Jesus Christus etwas zu emphatisch die Rede war."

Damals, so stellte er fest, habe sein geistiges Leben seinen unbewussten Anfang genommen. Seine inneren Erlebnisse behält Jung allerdings für sich. Hier zwingt ihn Lilith durch das Quincunx zum Pluto im 3. Haus leidenschaftliche und tief berührende Empfindungen auf, denen er kaum ausweichen kann. Als er neun Jahre alt ist, wird seine Schwester Gertrud geboren, was sein Misstrauen gegenüber den Eltern verstärkt. Denn er hat vom Verlauf der Schwangerschaft nichts bemerkt und seine anschließenden Fragen werden mit der unglaubwürdigen Geschichte vom Storch, der das Kind gebracht habe, beantwortet.

Mit elf Jahren fängt für Carl die Gymnasial-Zeit in Basel an. Anstelle der ländlichen Spielgenossen, tritt die Bekanntschaft mit Kindern aus der sogenannten oberen Schicht. Eine neue Welt eröffnet sich ihm durch die städtisch vornehme Umgebung und in einer Reihe von tiefgreifenden Erlebnissen, welche sein elftes und zwölftes Lebensjahr prägen. Auf dem Münsterplatz erhält er von einem anderen Jungen einen Stoß, fällt hin und schlägt den Kopf an. Ohnmachtsanfälle sind die Folge, die insbesondere dann auftreten, als er wieder in die Schule gehen soll. Aufgrund der rätselhaften Krankheit bleibt er mehr als ein halbes Jahr der Schule fern und widmet sich in der freien Zeit der viel interessanteren Welt des Geheimnisvollen, der Natur und der Bibliothek des Vaters. Neptun steht an seinem IC und bebildert die Feinfühligkeit seines Sonne-Neptun-Quadrats noch einmal anders. Plötzlich wird ihm aber bewusst dass er mit seinem Verhalten vor sich selbst und den Anforderungen der Wirklichkeit flieht. Diese Erkenntnis macht ihn zu einem ernsthaften Kind (Wirkung von Saturn im 1. Haus in Wassermann), das von da an konzentriert lernt und zu einem guten Schüler wird. 

Die Seele erwacht, der Geist geht mit

In dieser Zeit erwacht in Jung ein neues Bewusstsein. Hier macht sich Lilith in Konjunktion zu Mars (doppelter Impuls!) im 11. Haus (wassermännisch geprägt!) in Schützen bemerkbar. Sie symbolisiert auch die geistige Hinterfragung, mit plötzlich überbordender Fantasie, welche zur Suche nach neuen Impulsen anregt. Der Junge spürt eine Autorität in sich und die nimmt in einer Reihe von Erlebnissen seltsame Gestalt an. Unter diesen Eindrücken entwickelt sich auch die noch unartikulierte Vorstellung, er bestehe aus zwei Persönlichkeiten. Einem Schuljungen und einem "inneren", alten, weisen Menschen - die er "Nr. 1 und Nr. 2" nannte.

"Spiel und Gegenspiel dieser beiden Persönlichkeiten haben nichts mit einer Spaltung, im üblichen medizinischen Sinne, zu tun. Im Gegenteil, sie werden bei jedem Menschen gespielt", schrieb Jung rückblickend. Nr.2 ist für ihn zeitlebens die maßgebende Stimme geblieben. Jungs Hauptbetonung des Selbst, im Gegensatz zum Ich, wurde auch als "kopernikanische Revolution" in der Psychologie bezeichnet. Auch hier hatte, neben Sonne-Neptun, dem Aspekt, der ja für die stark angelegte Transzendenz des Selbst steht, wieder Lilith ihre Hand im Spiel. Durch das exakte Sextil zu Jupiter im 9.Haus (Jupiter steht hier stark da in seinem Domizil-Haus) wird Jung durch eine unbewusste Hand geführt. Inspirative Kräfte wirken und regen zu genialen Handlungen an. Er setzte richtigerweise auf seine innere Stimme, die es ihm "zeitlebens Danken" wird.

Der Konfirmations-Unterricht des Vaters war ihm dagegen maßlos langweilig. Die Distanz zur kirchlichen Theologie vergrößert sich. Die intensive Auseinandersetzung mit inneren Ereignissen seines Lebens, gibt Jung über weite Strecken seines Lebens das Gefühl großer Einsamkeit. Das Wissen um inner-seelische geheimnisvolle Vorgänge, die die Spielkameraden anscheinend nicht kennen, bewirkt, dass sich Jung bereits als Kind als Aussenseiter empfindet. „Meine Jugend kann unter dem Begriff des Geheimnisses verstanden werden, und ich kam dadurch in eine fast unerträgliche Einsamkeit“ (dies deutet auch wieder auf den Steinbock AC und Saturn im 1.Haus hin!). Neptun im 3. Haus und das unterstützende Quintil zu Merkur tun ihre Sache dazu und Jung beginnt seine Frage-Stellungen systematisch zu verfolgen. Heißhungrig stürzt er sich in die Lektüre der philosophischen Geschichte. Schopenhauer ist der erste Fund, Kants Erkenntnistheorie eine Erleuchtung.

Unerwartete, uranische Veränderungen

 Im Alter von zwanzig Jahren, beginnt Jung sein Studium an der Universität Basel. Nach langen unsicheren Überlegungen, in denen er zwischen Natur- und Geisteswissenschaften schwankt, entscheidet er sich für Medizin. Der athletisch aussehende junge Mann (Pholus im 1.Haus), schließt sich der Studentenverbindung "Zofingia" an und ist, so wird berichtet, stets zu Späßen aufgelegt. 1896, ein halbes Jahr nach Studienbeginn stirbt der Vater, was für die Familie schwerwiegende finanzielle Schwierigkeiten mit sich bringt. In seinem Solar Horoskop von 1896 ist dies gut ersichtlich! 

Uranus im 8.Haus in Skorpion in Opposition zum Mars (körperlicher Vater), ließ schon nichts Gutes erahnen. Er prognostizierte Jung plötzliche, unerwartete Veränderungen (auch durch viele Quadrate sehr schlecht aspektiert). Weil Uranus im Skorpion steht und zusätzlich noch im Skorpion-Haus, war die Veränderung radikal. Mit der Opposition zu Mars die beste Voraussetzung also für eine Katastrophen-Situation.

Da sich dies auf der materiellen Achse 2/8 abspielt, ist ebenfalls die finanzielle Einbusse ersichtlich. Auch der Saturn im 8.Haus und in Skorpion ist ein deutlicher Hinweis darauf dass der Horoskopeigner in Finanzfragen über die Bücher gehen und das Loslassen gelernt werden muss. Mars Quadrat zum Mond, der Mond Mitherrscher des 4.Hauses, im 12. oder Haus der Prüfungen. Und der Aszendent Fische, das Zeichen der Armut, tritt auch nicht zufällig auf. Herrscher Neptun befindet sich im 4.Haus, was die finanziellen Nöte anzeigt. Der Student übernimmt eine Unterassistenten-Stelle und den Vertrieb einer kleinen Antiquitäten-Sammlung einer Tante, um Mutter und Schwester durch zu bringen. Hier hilft der Jupiter im 6. Haus Löwe (die grosszügige Tante!) im Brotberuf und bekommt zusätzlich Hilfe durch das applikative Trigon zum MC. Chiron im 8.Haus im Trigon zu Neptun unterstützt es mit einer konstanten Leistung und Einsatzwillen für eine Arbeit, auch wenn sie nicht gerade viel Lohn einbringt.

Ab Ende des zweiten Semesters beginnt Carl Gustav, sich mit spiritistischer Literatur zu beschäftigen und nimmt später an Séancen teil (Sonne-Neptun, Neptun in 3). Diese spiritistischen Sitzungen, wie sie Ende des 19. Jahrhunderts Mode sind, finden mit der medial begabten damals 15jährigen Cousine Helene Preiswerk statt. Jung, zugleich fasziniert (Lilith in Schützen!) und wissenschaftlich distanziert (Saturn in Wassermann), beteiligt sich über zwei Jahre an den Treffen. Diese Erfahrungen werden zur Grundlage für seine Dissertation Zur Psychologie und Pathologie sogenannter okkulter Phänomene, die er 1902 an der Uni Zürich einreicht.

Mit voller Kraft auf's "Abstellgleis"

Dennoch zieht es ihn zunächst nicht zur Psychiatrie. Erst als er in Richard von Krafft-Ebings Lehrbuch der Psychiatrie liest, Psychosen seien als Krankheit der Person zu betrachten, fährt es wie ein Blitz in ihn: Psychiatrie! Sein Uranus, mit Trigon zum aufsteigenden MK! Hier war der Ort wo der Zusammenstoß von Natur und Geist zum Ereignis wurde. Seine Freunde waren befremdet, galt die Psychiatrie doch als Abstellgleis, statt als Karriere-Bahn. Ende des Jahres 1900 besteht Jung das Staatsexamen als Bester und leistet sich zur Feier erstmals in seinem Leben einen Besuch in der Oper. 

Die Jahrhundertwende markierte für die Psychiatrie einen Wendepunkt. Sigmund Freud veröffentlichte die Traumdeutung. Am 10. Dezember tritt Jung seine Assistentenstelle in der Psychiatrischen Klinik Burghölzli bei Professor Eugen Bleuler an, einem der bedeutendsten Psychiater seiner Zeit. Anfangs liegt ihm noch therapeutisches Interesse fern. Die Frage die Jung am meisten beschäftigt, obwohl sie uns heute so selbstverständlich vorkommt, ist: "Was geht in den Geisteskranken vor?". Das kümmerte damals kaum jemanden. Man stempelte den Kranken mit einer Diagnose ab, die oft genug weit an der Sache vorbei griff und damit war der Fall meist erledigt.

In dieser Situation wurde Sigmund Freud (Radix Astro-Databank oben links) für Jung wegweisend, durch seine Arbeiten zu Hysterie und Traum, die die psychologische Frage in die Psychiatrie einbrachten. Jungs eigentliche wissenschaftliche Arbeit beginnt mit diagnostischen Assoziationsstudien. Die Experimente bringen erste Ergebnisse, von denen die Zürcher Schule nachhaltig geprägt werden sollte. Hier entwickelte sich die Theorie der "gefühlsbetonten Komplexe" (später einfach Komplexe genannt). C.G. Jung weist dabei nach, dass sie sich vom Bewusstsein unabhängig verhalten.1905 kann er sich habilitieren und wird Oberarzt in der Klinik Burghölzli und im gleichen Jahr Privatdozent für Psychiatrie an der Uni Zürich. Es folgen vielfältige Einladungen zu Vorlesungen im Ausland, insbesondere in den USA. Im Laufe seines Lebens erhält Jung mehrere Ehren-Doktorate. Ab 1909 unterhält er neben all seinen Verpflichtungen eine Privatpraxis in seinem Haus in Küsnacht am Zürichsee. Die Klinik-Tätigkeit gibt er zugunsten seiner Praxis und wegen Zerwürfnissen mit Bleuler auf. 

Die erste Begegnung mit Sigmund Freud...

...fällt in das Jahr 1907 und Jung erlebt sie unter der mundanen Uranus-Neptun-Opposition im Quadrat zu seiner Knotenachse. Das lässt an Schicksal denken. Die persönliche Begegnung mit dem 19 Jahre älteren Freud wird ausgelöst durch die Lektüre des Buches „Die Traumdeutung“. Jung veröffentlicht die Dementia praecox und begründet so seinen Ruf in der Fachwelt. Ohne dass sich Jung allen Ansätzen Freuds anschliesst, untermauert diese Schrift die freudsche Theorie. Im Vorjahr hatte er Freud seine Arbeit über Diagnostische Assoziationsstudien zugeschickt und damit einen bis zum Jahr 1913 fortgesetzten Briefwechsel eröffnet. Freud lädt Jung daraufhin zu sich nach Wien ein. Hier ereignete sich jene legendäre erste Begegnung, bei dem die beiden Psychoanalytiker in einem fast pausenlosen, dreizehn Stunden währenden Gespräch einander nahe kommen. Einige Jahre werden sie sehr eng zusammenarbeiten.

Nach meinen Recherchen fand die erste Begegnung am 27.2.1907 um 13 Uhr statt. Auf den ersten Blick fallen die vielen Konjuktionen die die beiden zusammen haben, auf. Aber schauen wir uns zuerst die Tages-Stellung zum Zeitpunkt des ersten Zusammentreffens an. Der Tages MK fällt auf Jungs Sonne, was eine für ihn entscheidende Zeit und die Arbeit an seiner Entwicklung und Lebensaufgabe anzeigt. Zugleich bildet der absteigende MK (nicht eingezeichnet aber vis-a-vis des Aufsteigenden) eine applikative Konjuktion zum AC von Jung.

Was darauf hinweist dass ihn sein Karma auffordert der eigenen Persönlichkeits-Entwicklung einen Schub zu geben. Hier setzt er neue Ziele und die Messlatte um einiges höher als in der Vergangenheit. Und weil Freuds Pholus noch in der Nähe steht, werden er und Freud eine Zeit lang gute Partner sein. Das Mitteilungsbedürfnis und die gegenseitige Befruchtung im Gespräch ist deshalb erhöht, weil einerseits der Tages AC eine applikative Konjuktion zu Jung's Merkur macht und andererseits Tages-Merkur den gleichen Aspekt zu Freud's Jupiter. Auch zu beachten ist die Tages-Lilith, mit ihrer fast exakten Konjuktion mit Freuds Mond. Eine Wiederbegegnung aus alten Zeiten etwa? Oder "nur" das Indiz, dass der arrivierte Analytiker zu dieser Zeit seelisch unter Druck stand?

Die beiden verbinden jedenfalls 11 Konjuktionen, darunter auch sehr schöne - wie Sonne Konjuktion Mond, exakt 0 Grad! Diese Begegnung musste anfangs harmonieren, denn hier lag wohl eine seelische Verbindung vor. Es fällt auf, dass die Haupt-Betonung auf dem 3.Haus liegt. Neun Gestirne plus DC befinden sich darin. Freud's MK auf Jung's Chiron dort weist auch auf eine starke Entwicklung bei beruflichen Themen hin, die bald via Gespräche oder brieflich ausgetauscht werden. Venus Konjuktion Chiron zeigt außerdem die Jungs Begünstigung durch den Mentor. Pluto Konjuktion Neptun, zwar separativ, aber trotzdem immens beeinflussend, belegt dazu das gemeinsame Interesse an Grenzwissenschaften. Und dann wären da noch Uranus und Pluto in zunehmender Konjuktion. Diese Stellung hat später mit grosser Wahrscheinlichkeit zum Bruch der Beziehung beigetragen.

Denn hier verlaufen die Dinge oft völlig anders, als man es sich vorgestellt hat. MK in Opposition zu Jupiter spricht davon, dass C.G. Jung die Erwartungen oder Forderungen von Freud nicht mehr erfüllen wollte. Wenn man die Synastrie umdreht, ist noch folgendes interessant: Jung's Jupiter befindet sich im 12.Haus, also dem Prüfungs-Haus von Freud. Dass der Freud letztlich zu viel von dem Jüngeren forderte, zeigt sich für mich plakativ auch durch seinen Pholus, den er Jung ins 12. Haus setzt. Zwar erfuhr der durch diese Partnerschaft eine Weile eine Entwicklung zur inneren Reife. Trotzdem blieb die Begegnung, alles in allem, letztlich eine regelrechte Überforderung.

Teil 2 der Loop Miniserie über CG Jungs Leben folgt am kommenden Wochenende.

Bilder (bearbeitet): Titel - New York Times (29 September 1912), Public Domain, + Cornelis Troost [Public domain oder Public domain] + Walter H. Gallaway (1870–1911) [Public domain oder CC-BY-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)] + further Public Domain, all via Wikimedia Commons

Mehr von Sarah Kündig auf ihrer Seite Sternenkompass.

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