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Astro-Labor

Chariklo - die Frau des Heilers

Die Mühlen des Kosmos mahlen zwar bekanntlich etwas langsam, aber nun ist es so weit – endlich emanzipieren sich auch weibliche Kleinstplaneten und Himmelskörper. Denn bisher war das Tragen von Ringen nur den vier großen Gasplaneten Jupiter (4), Saturn (mehr als 100 000), Uranus (13) und Neptun (5) vorbehalten. Aber am 26. März 2014 gaben Forscher aus Brasilien bekannt, dass sie auch bei dem größten Zentauren in unserem Sonnensystem zwei schmale Ringe entdeckt haben (LINK zu SPON). Pardon, Zentaurin wäre wohl die richtige Bezeichnung, zumindest was die Herleitung des Namens angeht.

Chariklo wurde am 15. Februar 1997 von dem Astronomen James V. Scotty entdeckt (Link zum Entdeckungschart). Das ist insofern bemerkenswert, da Zane B. Stein, der Deutungs-Vater von Chiron, schon vor einigen Jahren auffällige Verbindungen in den Geburtshoroskopen von Science-Fiction Autoren im Zusammenhang mit Chariklo entdeckte. Was ihn über Gene Roddenberry, dem Erfinder des Star Trek Universum, zu einer Untersuchung der verschiedenen Mannschaften auf dem Raumschiff Enterprise führte. Und natürlich fand sich vor allem bei „Scotty“, dem legendären Schrauber der ersten Crew (bzw. beim Schauspieler James Dohan) ein prägnantes Signum. Die kleine Zentaurin steht bei ihm im Quadrat zur Venus, zu seiner Jupiter-Neptun Konjunktion, und in Opposition zu seinem Radix-Mars.

Das passt dann zu einer der Grundannahmen über ihre Bedeutung: „Chariklo aspects seem to be prominent in individuals who take a step into the future.“

Mythologisch gilt Chariklo als Tochter des Apollon, einem der 12 Hauptgötter des griechischen Pantheons. Der wiederum war ein Sohn des Zeus und der Göttin Leto, zugleich auch der Zwillingsbruder von Artemis. Er galt als Gott des Lichts, der Heilung, des Frühlings, der sittlichen Reinheit und Mäßigung sowie der Weissagung und der Künste. Seltsamerweise hat er es trotzdem (wie auch manch andere der 12 Hauptgötter) nur als hypothetischer Planet (oder auch Wirkpunkt) der Hamburger Schule geschafft, in einem erweiterten, astrologischen Modell einen Platz zu ergattern.

Allerdings, andere Quellen bezeichnen Chariklo auch als Tochter des Perses (der titanische Gott der Zerstörung) oder des Urschöpfers Okeanos, der in der olympischen Hierarchie nur von Zeus selbst übertroffen wurde. Mit vorschnellen Deutungs-Ableitungen aufgrund der griechischen Götter-Saga sollte man also vielleicht vorsichtig sein, auch wenn diese immer gerne als Grundlage genommen wird.

Aber in einem sind sich die Historiker einig, Chariklo wurde mit Chiron (bzw. Cheiron) vermählt. Ein imposantes Paar also, das seine Runden am Himmel zwischen Saturn und Uranus dreht. Chiron braucht dazu knapp 51 Jahre, Chariklo etwa 12 Jahre länger. Auf Grund dieser Verbindung hat Zane B. Stein vorgeschlagen, vor allem die Konjunktion der beiden Zentauren zu untersuchen und mögliche Ereignisse auf Gemeinsamkeiten hin zu überprüfen. Die letzte fand am 03. September 1949 auf 3°37´Schütze statt, die nächste dürfte erst in ca. 150 Jahren stattfinden (genaue Berechnungsgrundlagen fehlen im Moment noch).

Phillip Sedgewick, ein amerikanischer Astrologe, der zu fast allen, neuentdeckten Himmelskörpern sehr detaillierte Angaben macht, beschreibt die Eigenheiten von Chariklo so:

„Chiron´s Gattin hatte vermutlich früher auch die Funktion einer heiligen Prostituierten in den matriarchalen Tempeln. Heute zeigt sie soziale Grenzen auf, vor allem zwischen den Geschlechtern. Sie untersucht Wechselwirkungen, um die unterschiedlichen Intensionen zu verstehen, nicht um zu urteilen oder emotional darauf zu reagieren, sondern um Heilungsansätze bei allen zwischenmenschlichen Diskrepanzen zu finden.“

Woher diese und andere Autoren ihre Erkenntnisse haben, weiß ich nicht. Generell halte ich Zuordnungen nach einer „Probezeit“ von nur knapp 35 (Chiron) oder 15 Jahren (Chariklo) für bedenklich. Damit will ich die Beobachtungsgabe und den aufrichtigen „Forschungsansatz“ meiner Kollegen nicht in Frage stellen. Aber wenn man das astrologische Modell als ein dynamisches Ganzes begreift, dann muss man etwaige Beobachtungen immer auch in Bezug zu dem aktuellen Zeithintergrund setzen. Zeichenwechsel der Planeten, nachhaltige Aspekte, all das muss sich zwangsweise auch im Ausdruck neuer Entdeckungen zeigen, wenn denn alles mit allem zusammen hängt. Erst die Beobachtungen Vieler über Generationen hinweg, können dann aufzeigen, welche Erscheinungsformen wohin gehören. Manches, was heute neuen „Himmelskörpern“ zugeordnet wird, findet sich dann vielleicht in den Grundarchetypen wieder, das was übrig bleibt, mag tatsächlich den „Frischlingen“ zugeordnet werden.

Dank der globalen Vernetzung muss das nicht mehr Jahrhunderte dauern, aber einen gewissen Reifungsprozess sollte man solchen Entwicklungen doch zugestehen, bevor man entsprechende Deutungen in die astrologische Praxis einfließen lässt. Denn was immer Skeptiker und Kritiker am astrologischen Modell auszusetzen haben, eines ist sicher: die Grundlagen dieses Systems sind aus den genauen Beobachtungen vieler Menschen in den unterschiedlichsten Kulturen und Epochen entstanden. Wurden über Generationen hinweg immer wieder hinterfragt, überprüft und notfalls angepasst. Wer heute als Vertreter dieser Deutungskunst, neue Himmelskörper wie die Zentauren, gleichsetzt mit den Planeten-Giganten Jupiter, Saturn und Neptun, wer also die bewährten Hierarchien einfach auflöst, ohne neue und nachvollziehbare zu schaffen, der darf sich nicht wundern, wenn er sich irgendwann in einem höchst beliebigen Deutungs-Dschungel wiederfindet. Und selbst die Orientierung verliert.

Natürlich sollten und müssen neue Entwicklungen untersucht werden, auch das war immer ein Merkmal astrologischer Forschung. Aber nur weil wir heute in einer Zeit des „Bigger, Better, Faster, More“ leben, sollte man sich durch die Faszination der neuen Entdeckungen, seien es Asteroiden, Zentauren, Kometen, Zwerg-Planeten, Plutoiden und transneptunische Objekte, nicht zu voreiligen Schlüssen verleiten lassen.

Die Zentauren sind dafür ein anschauliches Beispiel. Was Chiron angeht, hatte ich das Glück, tatsächlich auch schon über Transit-Auslösungen ein paar Erfahrungen zu machen, die durchaus mit einigen Teilen des ihm zugeordneten Bildes übereinstimmen. Gerade der Aspekt des Heilens erschien mir prägnant, allerdings hauptsächlich im Zusammenhang mit einem Zustand, den die meisten von uns kurz vor dem Einschlafen erleben. Dann, wenn das Tagesbewusstsein sich schon verabschiedet hat und eine eindrucksvolle Bilderwelt entsteht, die auch einen starken emotionalen Charakter hat. Diese Phase (die man heute „Powernap“ nennt, den kurzen Erholungsschlaf) hat tatsächlich etwas sehr Regeneratives, kann in sehr kurzer Zeit eine „geistige Rundumerneuerung“ bewirken. Man erlebt sie auch in bestimmten Meditationsphasen.

Ich kann heute sagen, dass ich dieses Phänomen während der Auslösungen durch Chiron wesentlich häufiger und bewusster wahrgenommen habe. Allerdings hatte ich damals auch prägnante Transite durch andere Langsamläufer und leider werde ich wohl nicht alt genug werden, um denselben Chiron-Transit vor einem anderen Zeithintergrund nochmal zu erleben. Aber je mehr solcher Beobachtungen festgehalten werden, desto grösser ist die Chance, dass die nächste Astrologen-Generation darauf zurück greifen kann und zusammen mit ihren eigenen Erfahrungen, ein klareres und deutlicheres Bild von Chiron bekommt.

Ich bin aber auch der Meinung, dass es völlig überflüssig ist, Chiron und anderen jetzt schon einen Status einzuräumen, der sie gleich setzt mit den Planeten. Hier sind die heutigen, astronomischen Ansätze vielleicht hilfreicher, denn auch die Astronomen suchen händeringend nach neuen Ordnungsstrukturen. Deswegen mag sogar die Degradierung Plutos zum „Zwerg-Planeten“ ein Wink in die richtige Richtung sein. Denn gleichzeitig wurde er ja dadurch zum Stammvater und Namensgeber einer neuen Gattung, der Plutoiden. Ähnlich wie das durch Chiron bei den Zentauren geschah.

Bisher hat man die Entdeckung neuer Planeten astrologisch immer auch in einen Zusammenhang mit neuen Entwicklungen und einem entsprechenden Bewusstsein gebracht – betrachtet man jetzt die Entwicklungen auf unserem kleinen Planeten in den letzten Jahrzehnten, dann müssten sich ja auch hierfür neue astrologische Entsprechungen finden lassen. Doch auch die Technik, die uns heute das Internet und die mobile Revolution beschert hat, funktioniert weiterhin auf der Basis der alten Naturgesetze, sprich Planeten und Zeichen. Aber es sind neue Verbindungen und neue Anwendungsmöglichkeiten dieser Kräfte gefunden worden. Und vielleicht verkörpern Zentauren und Plutoiden genau das – eine energetische Feinmechanik, die nur Brücken zwischen den grundlegenden Archetypen baut, aber selbst keine neuen Grundlagen einbringt.

Die Basis wären im Falle der Zentauren immer die Planeten, deren Umlaufbahnen berührt oder gekreuzt werden. Bei Chiron sind das Saturn und Uranus, Phollus kreuzt die Bahnen von Saturn, Uranus und Neptun, Nessus nur die Bahnen von Uranus und Neptun. Chariklo hingegen bewegt sich immer zwischen Uranus und Saturn, ist somit weniger eine direkte Verbindung, über die Informationen von einem Archetyp zum anderen übertragen wird, sondern eher eine Brücke zwischen den Welten.

Pluto wiederum könnte dementsprechend tatsächlich auch eine Grenze zwischen dem „inneren- äußeren“ (von Merkur bis Neptun) und dem „äußeren-äußeren“ Sonnensystem (alles was "hinter" Pluto kommt) markieren. Und damit in gewisser Weise ebenso ein „Wächter der Grenzen“ werden, wie es Saturn auf seine Art ist. Er müsste also, um seiner besonderen Rolle gerecht zu werden (die sich deutlich in seinen nachhaltigen Auslösungen zeigt), gar kein Planet sein, sondern könnte auch als eine Art „höhere Oktave“ schon bestehender Archetypen, zwischen den alten und neuen Bewusstseins-Strömungen vermittelnd wirksam sein.

In die astrologische Deutungs-Praxis übersetzt, bezogen auf die Zentauren, könnte solch ein Ansatz zu folgenden Überlegungen führen:

1. Die Stellung eines Zentauren im Radix bezieht sich vorwiegend auf die Inhalte der Planeten, deren Bahnen er kreuzt oder zwischen denen seine Bahn verläuft. Bahnkreuzer fungieren als „Überträger“ der entsprechenden Themen und Inhalte, dabei ist die Bewegungsrichtung zu beachten. Bewegt sich zB Chiron zum Zeitpunkt der Geburt von Saturn auf Uranus zu, dann werden bestehende Strukturen vorrangig erneuert oder auch verworfen. Umgekehrt (von Uranus zu Saturn) werden neue Impulse in bestehende Strukturen eingepasst. Dies geschieht immer mittels der „alten“ Herrscher, in deren Zeichen und Haus sich der jeweilige Zentaur befindet.

2. Aus der Stellung des Zentauren zu allen anderen Planeten, lässt sich erkennen, durch welche Energien und Lebensbereiche dessen Mittlertätigkeit unterstützt bzw. erschwert wird.

3. Vorrangig findet eine Deutung nur in Bezug auf die Basis-Planeten statt, mit denen der Zentaur eine "physische" Verbindung hat, Aspekte mit den entsprechenden Planeten geben Hinweise auf die spezifischen Eigenheiten des Vermittlungs- oder Übertragungs-Prozesses.

4. Transite und Auslösungen der Zentauren auf die jeweiligen Themen-Planeten sind besonders zu beachten, sie könnten wichtige Lebensphasen kennzeichnen, in denen diese Themen besonders zum Tragen kommen.

Das wären jetzt ein paar einfache Regeln, die man sicher noch verfeinert erklären und darstellen könnte, aber im Sinne einer möglichen Neu-Bewertung und -Orientierung im Umgang mit den neuen „Stars“ am Astrologie-Himmel, wohl besser erst einmal einfach hält.

Überträgt man das jetzt auf die „Frau des Heilers“, Chariklo, dann ergeben sich alleine dadurch ein paar Hinweise, in welche Richtung man weiter forschen könnte. Im Gegensatz zu ihrem Gatten, überträgt sie demnach keine Inhalte, sondern schafft einen eigenen Ausgleich zwischen den Themen. Ihre Zeichen- und Häuserstellung zeigt also generell eine Möglichkeit auf, wie der Einzelne oder das Kollektiv, Saturn- und Uranus-Themen in Einklang miteinander bringen kann.

Ein Beispiel: Als ich diesen Artikel im März 2014 geschrieben habe, stand Chariklo auf 26°24´im Schützen und kurz vor der Konjunktion mit dem Galaktischen Zentrum. In ihrer ausgleichenden Funktion zwischen Saturn (den alten Grenzen) und Uranus (den neuen Ufern) konnte sie damals vor allem über das Jupiter-Prinzip wirksam werden. Da Jupiter aber gerade in starker Spannung mit Uranus stand, war die Einbindung neuer Elemente in die alten Strukturen schwierig. Einige Zeit später löste sich Jupiter aber aus dem Quadrat mit Uranus und wanderte mehr und mehr ins Trigon zu Saturn. In dieser Phase konnte der Ausgleich bzw. die Heilung zwischen den beiden Prinzipien wieder besser funktionieren.

Erstaunliche Parallelen zur letzten Konjunktion von Chariklo mit dem GZ (1952) gab es tatsächlich: damals wurde die Montanunion gegründet, ein Vorläufer der späteren EU. Vielleicht ein Fingerzeig darauf, dass es 62 Jahre später nicht um Wirtschaftssanktionen und nationalistische Interessen gehen sollte, sondern um das genaue Gegenteil. In dem man Möglichkeiten für neues Wachstum aller Seiten schafft (Jupiter-Schütze-Prinzip), ergeben sich auch Möglichkeiten, die alten Strukturen und harten Grenzen (EU, Amerika und Russland) in neue, zeitgemäße und freie Verbindungen (Uranus) zu überführen.

Das wäre also ein Vorschlag, wie man neue Elemente in Deutungsansätze einbaut, ohne gleich alles in einen „astrologischen Topf“ zu schmeißen. „Weniger“ führt wie so oft vielleicht auch diesem Fall zu einem „mehr“ an freudvollen Neuentdeckungen samt neuen Einsichten. Auf der Basis bewährter Strukturen und Inhalte.

In diesem Sinne – fröhliches Forschen mit Chariklo, der neu-beringten Dame am Firmament…

Links zum Thema:

Zane B. Stein zu Chiron und Chariklo
ASTRO-WIKI: Chiron und Chariklo

Bilder: Titelbild - By ESO/L. Calçada/M. Kornmesser/Nick Risinger (skysurvey.org) (http://www.eso.org/public/images/eso1410b/) [CC-BY-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

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