Loop!

Astro-Labor

Man sieht das Chart vor Daten nicht

Ukraine, Russland & das Radix-Problem:

Dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, ist manchmal nicht zu vermeiden. Dass man ein "funktionierendes" Radix vor lauter kursierenden Daten nicht findet, wird vor allem bei Nations-Horoskopen manchmal zur unangenehmen Alltags-Herausforderung der Astrologie. Beispiel Krim, Ukraine und Russland. Für das Krim-Referendum am Sonntag sind die Länder-Grafiken wichtig.

Aber: Es spuken gerade in diesem Bereich viele anekdotenhafte Annahmen herum, die alles bieten, nur keine stabile Grundlage für die Deutung. Kurz, man betritt den klassischen Urwald an Möglichkeiten zur Prognose, wenn jeder nur sein eigenes Süppchen kocht und einfach die eine oder andere Idee mit in den ohnehin köchelnden Daten-Brei wirft. Obwohl andere bereits gründliche Vorarbeiten geleistet haben und es trotz des Trends zur freien Wahl durchaus unermüdliche und sehr genaue Termin-Forscher gibt. Am besten reagieren solche Geburts-Bilder, die sich einerseits auf ausdifferenzierte Angaben stützen und zum anderen wirklich "in der Zeit stehen". Das heißt, sich im Kontext der Geschichte als reagibel erweisen, historische Eckpunkte treffen und das aktuelle Klima aus sich heraus abspiegeln.

Wo findet sich nun aber die "wahre" Geburt eines Landes? Schwer zu sagen. Geschichtlich geben sich nun mal die "harten" Zeitpunkte neuerer politischer Gebilde genauso die Klinke in die Hand (in modernen Zeiten besonders in Richtung Osten) wie die Verantwortlichen. Wenn es gut (und abgesichert) läuft, beziehen sich später aber alle einander ablösenden Horoskope wieder wie in einer Kette inhaltlich aufeinander. Das heißt zum Beispiel: Russlands "altes" Radix wird in Teilen schon sein neueres Bild spiegeln. Fast immer gibt es bei den Nationen aber zu allem Unglück nicht nur widersprüchliche Angaben (vor allem durch das Gewirr von Zeiten und Zonen in schwierigen Phasen), sondern auch ganz unterschiedliche Wertungen über die Bedeutung eines Stichtags im unermesslichen Daten-Chaos. Ein Dschungel, der sich hier und jetzt, in Bezug auf Russland, Ukraine und Krim, wenigstens ein bisschen lichten soll.

Leider vervielfacht das Internet mit seiner Informations-Flut zunehmend willkürlich ganz "neue" Zeiten und Daten, die dann wie Jack In The Box unbestätigt wieder irgendwo auftauchen und sich per Gerücht festsetzen. Obwohl sie oft höchstens dem Anschein nach sicher sind. Die Kunst des Quellen-Hinweises, der astrologisch so wichtig ist, wird im Netz mit seinen Ritualen des Abschießens von Meinung bis Urteil gründlich verlernt. Auch am Beispiel der jetzigen Konflikte zeigt sich, wohin astrologische Ungenauigkeit immer führt. Zum freien Floaten im Tank der kosmischen Fantasie.

Am Ende steht man dann oft nur noch rudernd in einem Kokon subjektiver Zahlen, Fakten, Daten und Auswahl-Optionen da und tastet wieder nur beliebig die Zukunft ab. Genau das geht in der Astrologie aber nicht - bei aller Freude am Fabulieren und archetypischer Bild-Arbeit - sie kommt später. Zuvorderst ist ja Genauigkeit wichtig, wenn man nicht haltlos im Kessel Buntes herumschleudern will, der keine Hierarchien mehr kennt. Deutlich wird das am Problem der Daten von Ukraine, Krim und Russland. Gehen wir mal hinein in die bislang häufiger kursierenden Zeiten (und erhalten hoffentlich dann mehr Klarheit über die effektiveren Radix-Bilder). An besten fängt man immer am Anfang an. Zunächst daher wichtige Zeitpunkte für die aktuellen Protagonisten, wie sie momentan immer wieder auftauchen. Oft fehlen schon hier die Zeiten oder sind umstritten, das lässt sich nicht vermeiden. Man findet dann aber wenigstens manchmal eine astrologische Grob-Struktur über Zeichen-Anlagen, die als Unterlage hilfreich ist und eine erste "Figur" eines Geschehens beschreibt - wie ein Schattenriss. 

Kurzer Rückblick Ukraine (historisch):

  • 20. November 1917, Gründung der Ukrainischen Volksrepublik als Teil einer föderativen Russischen Republik für den Januar 1918 proklamiert (Wiki) - bei Sonne Skorpion Quadrat Uranus Wassermann, keine Zeit.
  • 29. April 1918, Putsch -> Entstehung Hetmanat Ukraine. Sonne Stier, Merkur rückläufig Stier, beide Quadrat zum Löwe-Saturn und Neptun (keine Zeit), Uranus inzwischen im Quadrat zur Proklamations-Sonne (besagte Kettenbildung und Rückbezüglichkeit). 
  • 14. Dezember 1918 erneute Ukrainische Nationalrepublik (Sonne Schütze, Merkur wieder rückläufig, diesmal im Steinbock, Jupiter bei 13 Grad Krebs, heute unter Überläufen von Ur-Plu), Uranus-Saturn-Opposition Löwe-Wassermann, wieder in Quadraten zur Proklamations-Sonne. Es erscheint ein fixer Mond in Stier, wie er ähnlich in der Zukunft häufiger auftauchen wird in existenziell von Auflösung bedrohten Ländern. 
  • Das Reichskommissariat Ukraine wurde ab dem 1.9.1941, 12 Uhr (ab hier gilt im Krieg üblicherweise die deutsche Zeit, also GMT+2) gebildet, mit einem Skorpion-AC auf 17 Grad und einem Saturn auf 28 Stier, wieder mit den fixen Bezügen zu den schon angeführten Charts.

Hier leuchtet schon das Prinzip der gegenseitigen Rückbezüglichkeit auf, trotz kaum vorhandener Zeiten. Stellungen, die wir auch im bislang für mich sicherst recherchierten, modernen Radix der Ukraine (unten) ganz ähnlich wiederfinden - zum Beispiel mit dem Löwe-Cluster und einem Wassermann-Mond in der Nähe der mundanen Uranus-Saturn-Achse von April 1918 und den Fix-Ständen zur Besetzungszeit. So wird der Stab quasi weitergegeben. Das neue MC nimmt mit Pluto 1991 außerdem die Nachbarschaft zur ursprünglichen Skorpion-Lagerung ein. Es geht wiederholt um Existenz, um's Überleben, um Autonomie, Beherrschung. Auch das Nazi-Besetzungs-Chart der Ukraine setzt Mond eng an den 1991er AC der modernen Ukraine und Mars genau auf deren Spitze 3 im Widder. Die Charts stehen also gesammelt in klarer Bezüglichkeit, folgende, neue Grafiken werden/sollten auch diese Ebene der Fixierung und kardinalen Initiative aufweisen.

Die moderne Ukraine in ihrer astrologischen Ausprägung ist mit ihrer noch jungen Geschichte letztlich aber immer noch ein Buch mit sieben Siegeln und deutlicher Fall für die Zeit-Experten - am Besten mit professionell übersetzten offiziellen Quellen oder zumindest direktem Kontakt zu den Herkunfts-Ländern. Denn was rund um die Sowjetunion beim Bruch des östlichen Schmelztiegels an zeitlicher Wirrnis entstand, ist nicht zu übersehen, selbst für Laien. Umso problematischer wird all das, wenn es um eine astrologisch verwendbare Zeit geht, mit der das Radix steht und fällt.

Das Drama der Ukraine-Zeiten

  • Unbestritten geht es hier zunächst um den 24.8.1991, an dem durch die Unabhängigkeits-Erklärung das Ende der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik gekommen war. Hierzu ist das Radix (rechts) von Astrodienst (Astro-Databank) zeitlich am differenziertesten recherchiert, mit 18 h (EEDT h3e). Als Quelle der Stunde wird ein Artikel aus dem Land selbst angeführt. Ort ist Kiew, Rodden Rating AA.
  • Der AC liegt hier nun, wie man sieht, auf 16,5 Steinbock, angesteuert von Pluto-Uranus, die erst noch bei Uranus-Neptun Station machen. Bei einem MC im Skorpion, das sich wiederum mit Pluto und Sonne-Mond (Sonne allerdings gerade in Jungfrau, wo sie aber Merkur-Venus und Jupiter im Löwen mitzieht) im Paket auf die alten Fix-Stände der Vorgänger bezieht. Auch die Anbindung an die aktuelle Entwicklung ist zweifellos vorhanden.

Die Astro-Databank arbeitet bislang grundsätzlich weltweit am genauesten, nicht nur hinsichtlich der hier so bedeutsamen Zeitzonen-Recherchen. Aber letztlich sind in den verworrenen geschichtlichen Phasen immer Missverständnisse möglich, zumal mit Aussenblick auf ein Land, das seine Zeit-Beschlüsse damals auch "politisch" formulieren musste.

Dr. ALOIS TREINDL beschreibt in einem Beitrag auf TZ@IANA (Time Zone Database) eine einleuchtende Herleitung der Zeiten und damit auch dieser Zeitzone für das betreffende Radix. Eine letzte Beurteilung bleibt aber schwierig und letztlich ein ambitioniertes Projekt (nicht nur für diese eindimensionalen Jahre, in denen wir nun mal leben). Aber Astrodienst entspricht mit seinem Ergebnis bislang weitgehend unserer Recherche. Wir haben selbst versucht, die in offiziellen Dokumenten und zusätzlich auch inoffiziellen Berichten angegebenen Zeit-Verschiebungen Stück für Stück nachzuvollziehen. Daraus entwickelte sich alles in allem jedenfalls eine am Ende viel umfangreichere Sicht auf die Zeit-Historie der Sowjetunion, Russlands und der Ukraine, die gerade seinerzeit immer mit ihrem politischen Kontext Hand in Hand geht und daher auch "eingebettet" zu lesen ist.

Zu Beginn dieser unendlichen Geschichte um ein immer noch nicht endgültig geklärtes, aber weitgehend abgesichertes, ukrainisches Horoskop deshalb vor dem eher trockenem Material ein fabelhaftes Zitat aus einem ukrainischen BLOG, wo direkt in die Tiefe und Feinheit der gesamten Zeit-Thematik mit ihrer viel größeren geschichtlichen Dimension geleitet wird:

Nur wenige Menschen erinnern sich, dass die Trennung der Ukraine von der UdSSR nicht am 24. August 1991 mit der Erklärung der Unabhängigkeit, nicht am 16. Juli 1990 mit der Erklärung über die staatliche Souveränität begann. 1990 wurde in der Ukrainischen SSR am 1. Juli die Sommerzeit der UdSSR eingestellt und so kam es zur verlängerten Standardzeit [...] 1 Stunde vor Moskau." 

Was hier mit "Sommerzeit" im Sprachgebrauch gemeint ist, folgt gleich noch. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist es nämlich nicht der übliche Wechsel, den wir westlich so nennen, sondern beschreibt hier den Verzicht auf ein Politikum. Die seit 1930 andauernde sogenannte "Sommerzeit" nämlich, mit der die Republiken seitdem zeitlich ganzjährig in eine andere Zone gerieten und zur Union aufschlossen. Mit seinem Hinweis umreisst Autor Kondratio jedenfalls schon auf den Punkt, was bei einem Bruch mit dieser Tradition eigentlich entstand. Nämlich viel mehr als eine verstellte Uhr. Mit der unerwarteten Abkehr von russischer Zeit (in welche Zone nun genau auch immer, was ich in Folge noch zur Diskussion stellen werde) nahm die Ukraine in jenem Jahr bereits die Abkehr von Moskau 1991 vorweg. Jedenfalls, soweit ich es verstanden habe, unter Assistenz diverser elektronischer Translatoren. Der Weg zu solchen Zusammenhängen ist nun mal mühsam - vor allem wenn sie ukrainisch beschrieben sind. Mancher spart sich das lieber (ich gehöre im Alltag auch oft dazu). Und dann greift man doch wieder zum nächsten unverstandenen Datum, was nur zu weiterer Wirrsal führt.

Wie dieser Blogger so wahr erklärt, hatte in der Ukraine damals alles einen bedeutsamen Hintergrund: "Zeit bestimmt die Existenz der geschaffenen Dinge im Allgemeinen [...] und derjenige, der die Berechnung der Zeit beeinflussen kann, kann sich auch auf das Leben des Landes auswirken." An Such-Prozessen wie diesem nach einem kleinen Detail, der wahren Zeit für ein wahres Datum in der Ukraine nämlich, zeigt sich auch, dass Astrologie in den Basics nicht weniger braucht, als beinhartes Durchhalten und große Genauigkeit, um nutzbare Daten zu stabilisieren. Und dabei mehr und mehr über die Welt zu lernen, an der wir als Astrologen teilhaben.  

Genauigkeit ist darum gerade für die Geburts-Bilder, die eine auseinanderbrechende Weltmacht und ihre Satelliten betreffen, auch viel mehr als nur ein formales Übel. Immer wieder kursierten ja in der Vergangenheit auch bei größerer Einigkeit über Tag (und zum Teil Zeit) gerade für das Horoskop der Ukraine noch unterschiedliche Radix-Grafiken. Das liegt nicht nur an den heftigen, kaum mehr nachvollziehbaren Wechseln in den zugeordneten Zonen während der historisch speziellen und schwierigen Situation. Sondern vielleicht auch an dem westlichen Unverständnis mit Blick auf das politische Leben und seine Vernetzungen, damals, im Osten. Außerdem gibt es gerade in diesem Umfeld historisch zwischen dem ukrainischen Sprach-Gebrauch von "Sommer" und "Sommerzeit" vielleicht ein grundlegendes Missverständnis. Worauf nähere Recherchen hindeuten. Ich verstehe die Zusammenhänge inzwischen so:

Die Zeit: Wie fing es also an?

1990 gibt es die Ukraine noch nicht ohne ihren Umraum. Moskau. Zeitlich und politisch. Und Moskau ist die Sowjetunion und nach wie vor groß, zumindest für die erste Hälfte dieses entscheidenden Jahres. Es prägt immer schon die gesamte östliche Zeit, ist ihre chronologische "Mutter". Auf 37,30 Grad Ost liegend, ordnete man Moskau geographisch 1919 zuerst irrtümlich der Zeitzone 2 (UTC +2) zu. Wobei der größte Teil der Stadt in Wahrheit in der dritten Zone liegt. Das wird 1930 angepasst, nun  ist man bei UTC +3, da, wo man hingehört.

Ukraine sitzt dagegen eigentlich geographisch "richtig" in Zeitzone 2, folgt aber ab 1930 dem sowjetischen Kokon (und dem Zeit-Dogma), indem es sich mit einer zusätzlichen Stunde an Moskau anpasst. Genau das nennt man offenbar seither dort allgemein entweder "Sommerzeit" (nur gilt die ganzjährig, also anders als bei uns) oder, zur besseren Abgrenzung, auch "Mutterzeit". Die so entstandene, neue Standardzeit Kiews entspricht vorerst GMT +3. Das, was wir dagegen unter Sommerzeit verstehen, wird in der Ukraine auch umgangssprachlich "der Sommer" genannt, für das reale Daylight-Plus. Auch hier folgt Kiew seit 1981 wieder der Union. Mit ihr wird jedes Frühjahr und jeden Herbst umgestellt, auf eine Daylight Stunde zuzüglich zu UTC +3. Damit ist man in Kiew im Sommer schon 2 Stunden über seiner "eigentlichen" Zeit (nämlich inzwischen bei UTC +4), bis zur Rückkehr in den "Winter". All diese Begriffe sind bedeutsam, sonst gerät man sofort ins Rechen-Chaos. 

Auch jetzt wieder, im wilden März 1990, stellt Kiew offenbar folgsam die Uhren um, als Moskau wechselt. Darauf deuten unter anderem die Quellen bei TZ@IANA hin - und dieser Zeitpunkt ist auch anderswo noch nicht umstritten. Wie üblich, wird also nach bisherigen Erkenntnissen auf "den Sommer" (analog zu unserem Begriff Sommerzeit) umgestellt. Da scheint man noch einig, wie sonst auch. Aber die Welt verstrickt sich leider gerade mehr und mehr. Andere Republiken rebellieren, das Baltikum köchelt schon. Und auch Russland, Kopf der Union mit 78 Prozent der Fläche, leidet unter einem kleinen Problem - seiner drohenden Zersägung. Am 12. Juni 1990 erfindet es darum seinen Rettungs-Coup und erklärt seine Souveränität als russische Föderation. Denn man will nicht etwa als Land einem "Stück Schweizer Käse ähneln, wobei die Löcher größer wären als der Käse" (Link). Genau diese Gefahr droht. Bald schon könnte die ganze Sowjetunion aus 35 Republiken bestehen, da sich jedes winzige ethnische Gebiet just anschickt, Republik werden zu wollen. Dann mit diesem Versprechen hat die Union ihre kleinsten Rebellen ruhig gestellt. Viele neue, wild gewordene "Löcher", ausgerechnet auf russischem Hoheitsgebiet?

Nein. Das würde Russland völlig zersplittern und Macht-Einbußen bedeuten. Um das zu verhindern, macht man die Volte zur Selbst-Bestimmung. Damit können die UdSSR-Räte allein keine durchdrehenden Republiken mehr schaffen. Und: Die alte, russische Macht-Schlinge zieht sich erneut zu. Pech für die Republiken.

Die Sache mit "dem Sommer" und "der Sommerzeit"

Aus genau dieser Ecke kommt jetzt aber der Bruch. Dabei muss man die Begrifflichkeiten auseinander halten, wenn man die Entwicklung der Ukraine und ihrer Zeit verstehen will. Kurz vor Russlands Souveränität kursiert rund um Kiew bereits ein erster Entwurf für eine Resolution, die einen harten Zusammenstoß mit der Mutter-Zeit beinhaltet. Sie lautet: "Abschaffung der Sommerzeit auf dem Territorium der Ukraine vom Juni 1990." ("GODFATHER MOSKAU ZEIT", Artikel ukrainisch). "Sommerzeit" bezieht sich hier - folgt man den anderen umgangssprachlichen, ukrainischen Quellen - auf die Regelung seit 1930, also die Anpassung an Russland, GMT +2 = zuzüglich der "Mutterschaft" von einer Stunde, wie es seither gehandhabt wurde. Bei dieser deutlichen Formulierung aber schwante den Abspaltern wohl selbst Schlimmeres. Es klingt wie eine Kampf-Ansage. Also heisst es, vorsichtiger beschließen. Zwei Wochen nach dem Akt der Souveränität Russlands (und wiederum zwei Wochen vor Kiews erstem Winken mit seiner staatlichen Souveränität am 16. Juli, die aber noch nicht in Trennung von der Union endet) kippt die Ukraine am 1.7.1990 unvermittelt ihre brave Zeit-Folge gegenüber der Union. Anders. Mit einem Trick.

Die Quelle ZEIT IN DER UKRAINE (ukrainisch), nennt das, was jetzt, 1990, passiert eindeutig: "Stornierung der Mutterschaftszeit". Das würde bedeuten, Kiew bricht damit praktisch weg aus Moskaus alten "Sommerzeit-Republiken" ab 1930 und streicht einfach die zuzügliche Mutter-Stunde, indem es zu seiner ursprünglichen Zeitzone zurückkehrt. Verbliebe damit aber dennoch in der sogenannten "Sommer"-Regelung, wie sie überall, auch im Westen, per Daylight-Umstellung üblich ist. Wo immer da doch noch Missverständnisse herrschen sollten - am Ende bleibt nach bisherigen Erkenntnissen doch dieselbe Umsetzung. Selbst wenn Kiew stattdessen die Moskauer Sommer-Regelung (analog unserer Sommerzeit) gestrichen und dafür die Mutter-Stunde behalten hätte, was inhaltlich unlogisch wäre und so auch nicht aus den Quellen herauslesbar ist, es läuft auf dieselbe Zeit heraus.

Was also praktisch ab diesem 1. Juli 1990 passiert: Vermutlich gilt effektiv wieder UTC +2 (wie geographisch richtig) plus einer Stunde. Wie immer man die dann auch nennt. Dieser Bruch mit der Tradition bedeutet in jedem Fall eine Flucht aus dem mütterlichen Zeit-Dekret. Ein Signal, wie ein Wimpel: Man marschiert nicht mehr mit der Sowjetunion. Für manche mag sich das wie ein unsinniger Rechen-Akt anhören. Aber für die Ukrainer wirkt es als Fanal. Fußend auf den offiziellen Beschlüssen, ist dieser besagte, erste Julitag damit so oder so der entscheidende Schwenk. Bewusst lässt man Moskau zurück. Rein rechnerisch steht die Ukraine dadurch (nach momentanem Verständnis) im Gleichlauf mit der +3 East European Daylight Time (und nah an einem westlicheren Umraum). Kiew wandert nun bis September 1991 "praktisch" mit der veränderten Zeit weiter, letztlich GMT +3. Was man natürlich auch als "ohne herkömmliche Sommerzeit" interpretieren könnte. Aber jede Variante steckt hier denselben Claim ab. Russische Medien, die UKRAINISCHE WIKIPEDIA und Experten wissen, dass im Frühjahr danach etwas Eigenartiges passiert, auf den Uhren der Mutter: 

"Zum 31. März 1991 wurde die Sommerzeit in der gesamten Sowjetunion abgeschafft," schreibt die Russische WIKIPEDIA. Hier wohl tatsächlich als "Sommerzeit" gemeint, da russisch benannt. Moskau fasst damit erstmalig seit Jahren tatsächlich auch einen Sommer lang keinen Zeiger an und benutzt bis Herbst durchgehend Standard-Zeit. Damit ist eine "Angleichung" im angeschlossenen politischen Raum angepeilt, als Versuch, zu den Abtrünnigen an den Grenzen zu West-Europa durchzukommen und sie zeitlich wieder zu umarmen. Hier nun steckt der große "Faktor X", der letztlich für mich noch nicht geklärt ist. Ob damit auch die Ukraine, die noch nicht unabhängig ist, sondern erst im Spätsommer Autonomie beschließt, ihre Zeit erneut ändern muss, ist nicht letztgültig sicher. Aber: Ich finde bislang keinerlei dahingehende, offizielle Dokumente.

Was klar sein dürfte, ist die Bedeutung des Zeiten-Wirrwarrs. Zeitzonen bilden unsichtbare Grenzen und strukturieren den Raum, schreibt der langjährige Russland- und Baltikum-Korrespondent Christoph Neidhart im Buch "Russia's Carnival" (Rowman & Littlefield, 2003). Er erlebte das Drama nach Beibehaltung der Winterzeit auf russischen Umlaufbahnen allerorten, wo man Jahrzehnte von der stabilen Mutterzeit so abhängig gewesen war. Nun kamen auch in den Ländern noch Zeit-Verschiebungen hinzu.

Für eine Weile wusste keiner, wie spät es war - oder welchem Zeit-Regime ein Zug- oder Flugplan gerade folgte." (Christoph Neidhart, siehe oben, Seite 169/170)

Hier nun das Bulletin des Obersten Sowjet der Ukrainischen SSR, N 26, st. 400 über die Änderung in der Berechnung der Zeit in der Ukrainischen SSR, LINK. Das heisst, der ukrainische "Knaller"-Beschluss von 1990, mit dem man sich von Moskau zeitlich verabschiedete, und der zeigt, wie geschickt letzten Endes vorgegangen wurde. Von der einen oder anderen Sommerzeit ist gar nicht erst die Rede. Es heißt vielmehr (rudimentär übersetzt) kurz: „Installierung der zweiten Zeitzone am 1. Juli 1990 auf dem Gebiet der Ukrainischen SSR mit dem Zusatz von einer Stunde“. Was HIER in einem anderen, inoffiziellen Text direkter und anders ausgeführt wird: "Moskauer Zeit minus eine Stunde" = so oder so also der Wegfall des russischen Zeit-Dekrets. Darauf beziehen sich vermutlich jene anderen Übersetzungs-Varianten, die für den ursprünglichen Text besagen: "...ohne eine Stunde". Was nun zunächst völlig anders klingt, beschreibt in meinem Verständnis ein bleibendes Problem der Lesart und der Bezüglichkeit. Man bedenke, die Politiker mussten vorsichtig formulieren (siehe brisanter, zeitlicher Kontext). Letztlich ließe sich aus beiden Varianten auch wieder ein und dieselbe Zeit schließen, da es entweder meinen kann:

  • falls man es als "unter Zusatz von" übersetzt: GMT +2, mit zusätzlicher Stunde Sommer-Anpassung, wie sie ja fast überall gebraucht wird, nicht nur in Moskau. Das ist die klare Variante. Oder
  • falls man es als "ohne eine Stunde" übersetzt: GMT +2, nur ohne die bislang übliche klassische "Mutterzeit"-Stunde bzw. ohne Sommer-Stunden.

Es ist wichtig zu sehen: Wer hier Texte fertigte, war kein Astrologe, sondern es ging vor allem auch um Formulierungen, die nicht mit problematischem politischen Umraum kollidierten. Wichtig ist in beiden Versionen inhaltlich eine Rückkehr zur stabilen Zeitzone im realen Umraum. Für mich scheint dabei das effektive Muster von GMT +3 = 3 Stunden östlich das einzige, das auf diesem Hintergrund Sinn macht. Die neue, eigene Zeit jedenfalls nimmt so oder so schon die "Ukraine-Geburt" vorweg. Sie bleibt offenbar nun auch über deren Stichtag hinaus, im August 1991, erhalten und muss insofern für das Errechnen des ukrainischen Radix' verwendet werden.

Was für ein Durcheinander dadurch schlussendlich damals wirklich chronologisch und begrifflich herrschte, zeigen die Folge-Beschlüsse der Ukraine bis Ende 1991. Auch sie bringen wieder Probleme der Lesart. Nun nähert sich die Unabhängigkeit. Im nächsten Zeit-Dekret (betreffend eine Nicht-Änderung der aktuellen Zeit) taucht plötzlich ein Begriff auf, den wir nun schon kennen: "Sommer"-Zeit. Nach meinen Übersetzungs-Programmen mit genau diesen Anführungsstrichen ausgeführt.

Gemeint sein muss deshalb auch die Sommerzeit in unserem Sinne, also Daylight Saving Time, die - hier erkennbar - offenbar dann doch auch den zeitlichen Bruch mit Moskau am 1. Juli überdauerte. Obwohl die ukrainische "Sommerzeit" (in Form der Mutterstunde von 1939) nun abgeschafft war.

Der Beschluss vom 21.9.1990 lautet: 'Belassung der "Sommer"-Zeit auf dem Gebiet der Ukrainischen SSR.' Das legt nah, dass der "Sommer", also unser Begriff der Sommerzeit, tatsächlich seit dem Switch im Juli weiterbestand und die Theorie von der weggenommenen "Mutter-Stunde" richtig ist. Mit einem wieder neuen Beschluss vom 25.9.1991 dann, nach der Unabhängigkeit, brechen normalere Zeiten an. Es heisst darin: Beendung der „Sommer"-Zeit ab 29. September 1991 auf dem Territorium der Ukraine". Was erneut zu bestätigen scheint, dass hier wieder die übliche, auch bei uns so benannte Wechsel-Zeit gemeint ist. Kiew geht damit nun fast schon europäisch in eine übliche Umschaltung - zurück auf Zeitone 2 = effektiv also GMT +2 für den Winter. Ohne Sommer-Stunde. 

Auch in Russland tut sich etwas. Die alte Mutter kehrt ab Frühjahr 1992 zu ihrem normalen "Sommer"-Zeit-Rhythmus zurück. Bürger haben sich über die neue Zeitmoden dieser komischen, dauernden Standardzeit beschwert, niemand sieht einen Sinn darin. Nun benutzen Ukraine und Mutter unterschiedliche Zonen und zeitliche Trennungen. Die rein zeitlichen Verschiebungen sind übrigens in der original-sprachlichen Literatur weitgehend deckungsgleich geschildert. Aber es gibt  doch noch ein paar Unbekannte. Mehrfach sind mir beim Übersetzen ganz am Rande Hinweise darauf begegnet, dass es auch Zonen gegeben haben kann, wo schlicht mitteleuropäische Zeit mit wechselnden Mustern gebraucht wurde. Die Sprach-Verwirrung Richtung "sommer" und "Sommerzeit" bzw. Mutterstunde tut ein Übriges. Ein nicht völlig ausschließbarer Wechsel zu (der aber erst viel später eingeführten) Winterzeit pur würde auch Folgendes erklären:

Den Wassermann-AC, den der Warschauer Astrologe Bogdan Krusinski der Ukraine nach wie vor berechnet (indem er GMT + 2 gebraucht, siehe direkt im Anschluss). Um dieses Fragezeichen letztendlich auszuschließen, habe ich bereits mehrfach versucht, mich direkt bei der ukrainischen Botschaft nach direkter Auskunft da zu erkundigen, wo letzte Zweifel beseitigt werden könnten. Aber dort geht man jüngst gar nicht erst ans Telefon. Verständlich, die Ukraine hat ja bekanntermaßen gerade auch völlig andere Sorgen. Bis zu endgültigen, stabilen Erklärungen in diese Richtung folgen wir deshalb - auch auf dem Boden unserer eigenen Recherchen - der Ansicht des Astrodienst.

Weitere Ukraine-Horoskope & Daten

Hier nun der besagte Streiter für die GMT +2 Version: Bogdan Krusinski aus Polen (astrologychart.eu) nimmt ebenfalls dasselbe Autonomie-Datum und liegt mit der Zeit zumindest ganz nah beim Astrodienst. Er präzisiert auf 17.57 h. Ich habe ihn aber vor allem auch wegen seiner Quelle für die Zeitzone GMT +2 angeschrieben. Wobei er mir antwortete, dass er sicher sei, dass Ukraine 1990 zu "2 gmt (eet)" gewechselt sei. Auch aus dem offiziellen Beschluss zu lesen, den er mit "ohne eine Stunde" übersetzt. Das Übersetzungs-Problem samt der dadurch immer noch nicht beweisbar klaren Aussage, habe ich ja bereits oben erläutert.

Mit dieser West-Europa nahen Zone (entspricht "Winterzeit) kommt er auf einen AC im Wassermann. Dies übrigens ist das Radix, was ich bisher selbst auch für die Entwicklungen in der Ukraine zugrunde gelegt hatte, da es gute Ergebnisse zeigt (siehe die Artikel zur Ukraine bei Loop!). Aber letztlich bleibt auch das, wie alle anderen, bis zum "offiziellen" Beleg der Lesart, eine Annahme.

Meist operieren die östlichen Astrologen (auch aus Nachbarländern) tatsächlich enger an den bedeutsamen Ostblock-Quellen als wir Westler. Der Wassermann-Ac wäre mit dem Mond vorn und Saturn-Anbindung aus 12 auch absolut einleuchtend. Aber wo die Nachforschung bislang eine andere Zone zu bestätigen scheint, gibt es da erst mal wenig zu rütteln. Wir werden das weiter recherchieren.

Nick Campion benutzt das gleiche Datum 24.8.1991 für die Ukraine, aber eine frühere Zeit für eins der bislang meist zitierten, aber irrtümlichen Radix-Bilder mit dem früheren Steinbock-AC: In "The Book of World Horoscopes," Cinnabar Books, 1996, zitiert er “local astrologers” mit einer Zeit von 5:31 PM = 14:31 GMT - das wäre dann Zone 3.

Macht aber hier einen AC von 8,5° Steinbock (da eine halbe Stunde zu früh, bezogen auf die von Astrodienst erwähnten Zeitungs-Berichte - und inhaltlich zu früh die extrem auffällige Entwicklung jetzt). Darum vermutlich auch nicht wirklich funktional und anwendbar, obwohl Campion sonst für die Arbeit mit Ländern immer eine fabelhafte Nase und reichlich Recherche-Ausdauer hat und deshalb eine hervorragende erste Anlauf-Adresse darstellt.

  • Jamie Patridge schließlich, australischer Astrologe, arbeitet mit einem ganz anderen CHART, dem 1.12.1991, 20h, EET (für: "Legalization of Ukrainian Independence", die Volks-Abstimmung zur Bestätigung der Unabhängigkeit). Hier sehen wir eine Schütze-Sonne und einen hinteren Waage-Mond sowie ein 11,5 Grad Widder-MC. Das lässt immerhin den Pluto-Uranus jetzt im Transit zu und macht dieses Chart letztlich brauchbar für bestimmte Hintergründe. Oder man benutzt es als Zusatz-Horoskop, da er damit relativ allein ist. Als Landes-Radix für die Föderation kommt es eindeutig etwas zu spät. 
  • Der 16. Juli 1991, Souveränität als erster Schritt in die Unabhängigkeit, käme als Hilfs-Radix auch noch in Frage, allerdings habe ich dafür bislang keine Zeit entdecken können. Merkur-Jupiter im Löwen im Quadrat zu Pluto im Skorpion fallen in diesem zeitlosen Radix als Anbindung zur älteren fixen Kette klar auf.

Fazit:

Ohne adäquate, das heisst tatsächliche Zeit, die belegbar ist, kann auch das best-funktionierende Radix nur täuschen. Ich selbst verabschiede mich - aus genau dem Grund - vorerst für die Zukunft von "meinem" viel gebrauchten (übrigens auch deutlich aufschlussreichen) Ukraine-Chart. Eben jenem Krusinski-Radix, das ich nach mehrfachen Prüfungen lange als Basis gebraucht hatte. Aber mich hat die Zeit-Frage doch nicht losgelassen, so dass ich nach dem Studium der ukrainischen und russischen Quellen vorerst zum bislang best-recherchierten, das heisst, real noch bis auf Weiteres stabilsten Horoskop übergehe - siehe oben, die Variante 1, vom Astrodienst.

So verführerisch Direktionen und Transite über ein Geburts-Bild auch sein mögen - stimmen die Daten nicht, bleibt alle andere Arbeit wackelig. Da wird dann höchstens der Wunsch Vater der Ideen zur Metagnose, ganz zu schweigen von Prognosen. Womit wir zur schwierigen, weil fast noch unklareren Krim kommen.

Die Krim:  

  • Am 18. Oktober 1921 Gründung der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Krim innerhalb der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR) der Sowjetunion. Hier findet sich - in aller historischen Frühe - eine späte Waage-Sonne. Hier sitzt Pluto bei 10 Grad Krebs (aktuell von Uranus bestrahlt). Ein Skorpion-Merkur macht Mittig das Quadrat zum Neptun in Löwe und erneut zeigt sich ein fixer Stier-Mond, wie in der Ukraine-Historie, der die fixen Positionen abrundet. 
  • Am 19. Februar 1954 wird die Region Krim von der RSFSR in die UdSSR übertragen. 0 Fische Sonne, Pluto 23,5 Löwe, fast genau ins Quadrat zur Sonne des folgenden Stichtags >

Am 12. Februar 1991 (rechts oben, der mehrfach als historisches GRÜNDUNGS-DATUM benannt wird) stellt man die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik Krim nach einer Volksabstimmung vom 20. Januar 1991 innerhalb der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik wieder her. Diesmal stehen Merkur und Jupiter, Sonne und Pluto angespannt fix - besonders Sonne-Pluto schafft Bezug zu 1921 und 1954 (Kette)

Das Januar-Radix der dazu führenden Abstimmung wäre für einen Vergleich zum jetzigen Referendum lohnend, wenn es eine sichere Zeit hätte. So bleiben beide Bilder schwierig und wackeln letztlich. Am Tag der Abstimmung ist jedenfalls eine Merkur-Uranus-Konjunktion (plus Neptun) von 6-11° Steinbock zu verzeichnen, wieder aktuell unter Plu-Ur. Die folgende "Autonomie" (soweit sie vorhanden war, innerhalb der Ukraine) spiegelt sich für Februar dann in der Wassermann-Sonne bei etwa 22,5 Grad. Hier ist die fixe Abspalterin gezeichnet, die heute unter Saturn-Quadrat steht, der zudem nah dem ebenfalls zur Sonne verspannten Geburt-Pluto transitiert. Ein recht treffendes Bild für das, was momentan auf der Krim passiert. Ein Formal-Akt, der das ohnehin rebellierende, zerrissene Selbst blockiert. Dazu kommt der wechselwarme Zwillinge-Mars, akut im Quadrat-Anlauf von Neptun. Die aufgelöste Durchsetzung, der Verlust des Eigenen, bzw. weitergehend auch eine sich ankündigende, direkte Aufweichung der Grenzen. Wo die Venus im Fische-Zeichen, wenn auch noch viel zu weit entfernt, bereits auf Neptun wartet. Mehr ist ohne Stunde nicht zu sagen.

  • Am 6. Mai 1992 wird die Verfassung der "Republik Krim" verkündet. Dieser Tag wäre auf den ersten Blick als wichtiges jüngstes Datum ebenfalls für ein aktuelles Landes-Horoskop auf dem "Markt". Aber hier fehlen erstaunlicher Weise die sonst auffälligen, aktuellen Bezüge zur kardinalen Pluto-Uranus-Lagerung und Saturn. Natürlich kann das Achsen-Kreuz diesbezügliche Stände aufweisen - muss es sogar, wenn das Chart anwendbar sein soll. Nur kann man mit Hoffnung nicht arbeiten. Liegen diese Stände nicht vor, um inhaltlich die jüngste Entwicklung spiegeln (u.a. die Autonomie aus formalen Erwägungen zum Referendum und möglichen Beitritt zu Russland), "steht" das Radix eben auch "nicht in der Zeit", wie schon in der Einleitung erwähnt. Das kommt vor. Dann ist es sinnvoll, auf den augenscheinlich stärker reagierenden 12. Februar, die historische Gründung, zurückzugreifen, die momentan besser den wirklichen Prozess abbildet. Die fixe Anbindung Allerdings ist auch bei diesem 6. Mai enthalten - ein Quadrat von Sonne (Stier) zu Saturn (Wassermann) und Pluto (Skorpion), wiederum in der Reichweite der Vorgänger-Horoskope.

Nun zu Russland:

  • Historisch: Daten ohne Ende. Eines davon die Russische Revolution mit dem Sturm auf das Winterpalais > 8.11.1917, 2.12 h, St. Petersburg. Hier steigt ein Jungfrau-AC in Zeichenmitte auf, bezüglich zum Juni-Radix von 1990 (links). Sonne + Merkur im Skorpion machen zu Jahrhundert-Beginn ein Quadrat zu Uranus bei etwa 20 Wassermann und legen einen frühen Fokus auf die vielen fixen Vernetzungen im Osten. Dieses Horoskop schlägt Adrian Ross Duncan als Hintergrund für die astrologische Arbeit mit vor Vermutlich gut funktionierend für Basis-Recherchen, allerdings fehlt mir hier die Zeit-Quelle. In anderen Publikationen ist vielmehr von "kurz nach zwei" nachts die Rede. 

 

  • Ähnliches gilt für den 30. Dezember 1922, als der Zusammenschluss der sowjetischen Sozialistischen Republiken zur Sowjetunion beschlossen wurde. Wieder die fixen Stände, Venus und Mond hinten im Skorpion-Stier, Neptun Mittel-Stand Löwe.
  • Nun mein bevorzugtes Radix für das moderne Russland (oben links): Mehrere Autoren benutzen es, speziell in der Föderation selbst, unter anderem ALBERT TIMASHEV, z.B. in einem Beitrag bei astrologer.ru. Wobei aber auch er die Zeit-Herkunft nicht belegt, die ich bislang auch noch nirgendwo gefunden habe:

Es handelt sich offenbar um den Zeitpunkt, als der erste Kongress die Deklaration der staatlichen Unabhängigkeit Russlands als Russische Föderation annimmt. Tag ist der oben (beim Thema Ukraine) schon benannte 12. Juni 1990 (jetzt National-Feiertag) um 13:45 (9.45 GMT), Moskau. Hier wiederholt sich der AC-Jungfrau vom Winterpalais (nur später), damit auch das Thema der Ordnung, die Herr Merkur hier aber in der Moderne eindeutig raumgreifend in 9 in die Ausweitung für die Zukunft trägt. Mars taucht hoch aggressiv oder initiativ in seinem Zeichen Widder in 7 auf (ixiert auf das Gegenüber, Feinde oder Freunde,, mit Quadrat zu Uranus-Neptun im Steinbock und verletzt von Jupiter-Chiron im Krebs - oder umgekehrt. Da entdeckt man auch die angeschlagene Herkunft. Diese gesamte, große Mars-Figur befindet sich aktuell unter Belagerung des Uranus-Pluto. Die starke Berührung spricht natürlich für eine mögliche, ergebnis-orientierte Verwendung bei den aktuellen Entwicklungen. Venus-Pluto-Opposition Mitte Stier-Skorpion bindet es an die Vorläufer an. 

Auf historische Stichproben reagiert dieses Radix bestens: Beim August-Putsch sitzt Pluto exakt auf Spitze 3, Mars im engen Quadrat zur Sonne und Merkur und Venus rückläufig steuern den Sonnen-Herrn, Geburts-Merkur vorn in den Zwillingen mit einem Quadrat aus. Die Alma-Ata-Erklärung über die Auflösung der Sowjetunion vom 21.12.1991 setzt dem neuen Russland Saturn an Mond und Chiron auf den Südknoten. Als Jelzin im September 1993 eigenwillig die Verfassungs-Krise auslöst, ist Sonne (Herrin 11) gerade über den AC gewandert, und Uranus-Neptun in Konjunktion laufen erneut auf Jupiter-Chiron zurück in die Opposition. Allerdings reagiert auch hier das weiter unten aufgeführte Flag-Up-Radix mit seinem Löwe-AC auf Saturn-Pluto-Spannungen mundan. Bei Billigung der Verfassung steht aber in diesem früheren Chart Sonne gegenüber Sonne und Mars am IC, Merkur und Venus (als Mittler der Mond) gehen ins Trigon zum Mars. Beim Untergang der Kursk verzeichnet man hier einen Saturn auf dem russischen Merkur bei 0 Zwillinge, Mars Opposition Mond + Nordknoten und den laufenden Südknoten am Saturn (Begegnung mit dem Tod). Als Putin im August 1999 als Jelzins Thronfolger und Ministerpräsident installiert wird, steht Sonne-Uranus-Opposition (Löwe-Wassermann) mundan in heftiger Spannung zur föderierten Venus im Stier. Venus mundan steigt gerade aus dem russischen Haus 12 heraus. Mars steht am Pluto. Am 26. März 2000 wird Putin zum zweiten Präsident des neuen politischen Gebildes, wichtigster Mann im Land. Nun mit Saturn fast genau auf der Radix-Venus des neuen Russlands. Er wird (mit einigen Pausen) lange maßstäblich bleiben.

  • Zipporah Dobyns schwört für das neue Russland hingegen auf  Gorbachows Resignation (Rücktritt nach dem August-Putsch) am 24.8.1991, 21.32 h EEDT (zur Erinnerung, Datum auch für Ukraine, darum schlecht differenzierbar!), hier aber bei einem AC 17° Stier, Mond 24 Wassermann (ebenfalls Anbindung an Vorgänger). Wie Lynn Hayes (BELIEFNET) in ihrer Suche nach dem "richtigen" russischen Horoskop festhält, beharrte Zyb Dobyns auf die Funktionalität dieses "Geburts-Bildes" für das moderne Russland. Hayes findet einen solchen Zugang aber eher beliebig - was ich nicht teile. Jedes Bild (Grund-Voraussetzung: mit stimmiger Zeit und inhaltlicher Begründung) ist als historisch erfassbarer Eckpunkt durchaus heranziehbar, wenn es denn deutlich astrologisch reagiert.  
  • Adrian Ross Duncan nennt wie Hayes noch einmal das Minsk Abkommen > Commonwealth of Independent States (CIS) > 8. Dezember 1991, 14.17 EET, Minsk, wobei sie sich mit Nick Campion auf einer Linie befinden, der aber >
  • die spätere Ratifizierung der Minsk Deklaration heranzieht mit dem 12. Dezember 1991, 13:22 h, AC 10,5 Widder, ebenfalls aktuell reagibel.


Ein 2. "logisches" Chart?

  • Adrian Ross Duncan gebraucht jedoch bevorzugt das Hissen der Flagge auf dem Kreml: Russland Flag Up > 25.12.1991, 20.45  EET 3, Moskau, nach seinen Angaben, Quelle fehlt.
  • Die Russen selbst, die es besser wissen sollten, benutzen offenbar dafür den nicht so glatten Zeitpunkt 20.38 h  (russisches ZET-FORUM, siehe Grafik rechts, wo auch auf eine Kontroverse der russischen Astrologen in Bezug auf das "richtigere" Horoskop - Juni 1990 oder Dezember 1991 Chart - siehe rechts - hingewiesen wird. 

Momentan steht jedenfalls Saturn zum Löwe-AC des Flaggen Charts im Quadrat und Pluto-Uranus laufen Richtung Uranus, wie bei vielen anderen "Abspaltern" auch. Allerdings sind hier noch der Nord-Knoten und Sonne (weiter) über Uranus mit eingebunden. Bei den Transiten erlebt man auch hier geschichtlich sehr deutliche Reaktionen, die Kette stimmt ebenso - vor allem auch über die Achsen. Was einen Pluspunkt und echte Differenzierungs-Möglichkeit gegenüber anderen Optionen darstellt.

Die frühere, herausgehobene Datierung aus dem Kanon der vielen "neuen" Länder spricht jedoch letztlich eher für das Juni-Horoskop 1990. Was letztlich dieses Radix mit dem Widder-Mars also, im Quadrat zu Uranus (plus Jupiter-Chiron im Krebs), für Russland innerhalb der Gruppe der Länder, die den Zerfall im Osten durch Neugründung auffingen, persönlicher, nachvollziehbarer und identifizierbarer macht. Ich würde auch deshalb wenigstens dafür plädieren. Ein weiterer Grund wäre das Sonne-Sonne-Trigon, es mit dem Februar-Radix der Krim verbindet. 

Fazit: Inhaltlich sinnvoller als viele andere Geburts-Bilder ist vermutlich - vor allem in Bezug auf die jüngsten Vorgänge rund um "Wieder-Eingemeindung" der einst abgespaltenen Teile - dieses frühe Radix der Souveränität. Ich werde allerdings zukünftig das Flag-Up Bild, das mich bei Transiten überzeugt hat, mit hinzuziehen. 

Wie geht es weiter?

Wenn nun die Welt auf die Krim schaut, da am Sonntag das Referendum für ihren möglichen Beitritt zur russischen Föderation läuft, passiert das tatsächlich in einer brisanten Situation: Es liegt der Vollmond auf der AC-DC-Achse des Juni-Radix Russlands. Der seit einer Woche wieder vorläufige Jupiter befindet sich erneut auf Kurs in Richtung auf den russischen Geburts-Jupiter. Ein Return der Kolonialisierungen steht also sowieso an, der mit Chiron auch immer eine bittere Pille im Geheimen beinhaltet. Pluto auf Neptun in 4 (nun eng - Herr 3 auf Herr 6 und 7) will das Unbegreifliche, Sich-Entziehende, Aufgelöste, im russischen Geburtsbild weiter in seinen Käfig bringen. Mond am AC holt die "Mutter-Rolle" (Schütze beherrscht auch 4 und Jupiter steht im Krebs) wieder in die Erscheinung. Im Zeit-Combin sehen wir einen Zwillinge-Cluster mit Stier-Sonne, der seltsam an das Radix der verschwundenen Maschine der Malaysia Airlines erinnert. Kein Wunder, die Föderation (mit diesem Radix) befindet sich jetzt im Combin mit der aktuellen Zeit zwei Wochen vor jenem Erstflug der Boeing. Aber das mag nur ein komischer Zufall sein. 

Die Ukraine (mit ihrem 16° Steinbock AC) empfängt den Vollmond auf dem Jungfrau-Mars, der ja am AC Russlands vom Juni 1990 steht. Aber im Begegnungs-Quadranten kommt er ejer als Außen-Rollenspieler daher. Das sieht deutlich nach starken Verletzungen aus. Auch hier, umgekehrt, findet sich ja der synastrische Pluto auf Radix-Neptun. Nur wird der Skorpion-Herr in Kiew in 12 eben eher "erlitten" (Erkenntnis eines funktionierenden Häuser-Systems mit verwirklichenden Stellungen). Während der ukrainische Neptun (zwar auch noch in 12 im Radix, aber mit Konjunktion zum AC) eher die eigene Schwächung darstellt.

Da Russland dagegen deutlich mit Pluto als Herr 3 fast auf Spitze 3 im Radix identifiziert ist (das ist der sichernde Griff nach dem Umraum) und über Kontrolle aktiv verfügt, wird die Verteilung desselben Aspekts an die zwei Parteien relativ relativ schnell deutlich. Das Saturn-Quadrat zum Wassermann-Mond der Ukraine (und damit schon vorab zur angeschlossenen Sonne, denn die Ukraine ist nun mal auch zu Vollmond "geboren") zieht sich erneut zu.

Das Zeit-Combin der Ukraine steht beim Dezember 2002 - mit einer zunehmenden Konjunktion von Sonne-Mond und Pluto im Schützen. All das wirkt jedenfalls nun gar nicht wie die freudige Versicherungs-Erklärung einer abstimmenden Krim, dass man sich doch noch richtig lieb hat und ewig beieinander bleiben will.

Nur das Horoskop der Halb-Insel ist in Ermangelung von mindestens Zeit (und zudem eines wirklich erprobten Datums) kaum gründlich aufschlüsselbar. Neptun im Zulauf ins Mars-Quadrat belegt für das "Unabhängigskeits-Radix" vom Februar 1991 Auflösungen. Es ist fast sicher, dass die Entscheidung, wie immer sie ausfällt, letzten Endes nicht klug sein wird. Hier stellt sich die Eigen-Initiative als verschwommen, vernebelt und entgrenzt dar. Nichts wird wohl wirklich hinzugefügt, nur weggenommen. Mit Venus auf Radix-Merkur (auch 1991 stand sie bei der Volks-Abstimmung schon im Wassermann) beschönigt manchmal die an sich eher objektive Sicht auf nötige mentale Abgrenzungen. Uranus-Uranus ist zudem sehr eng und deutet generell auf eine Trennung hin - aber das betrifft alle politischen Neubildungen, die um diese bewegte Zeit entstanden und kann ohne Häuser-System nicht zugeordnet werden. Was wirklich wirkt wie ein Gang nach Canossa, ist aber auch ohne zeitliche Genauigkeit Saturn über dem Sonne-Pluto-Quadrat (Wassermann/Skorpion) "dieser" Krim. Ein Käfig, in dem die Krim ohnehin seit Gültigkeit dieses Charts sitzt. Autonom gedacht, im Gitter.

Saturn kommt nirgendwo, nie, wie eine erweiternde Rebellion daher. Sondern immer wie eine sehr mächtige Beengung, meist von einem wie auch immer gearteten Oben. Wohin die Krim am Wochenende auch stimmen mag, wo sie auch landet (und weshalb) - frei zu sein sieht astrologisch ganz anders aus. Loop! hat schon zu Jahres-Beginn auf die hoch problematische mundane Situation im April hingewiesen. Weltweit, bei rücklaufendem großen Quadrat. Das war absehbar. Nun hatte das beginnende Jahr eine Mars-Uranus-Opposition, die sich jetzt im obigen, hoch funktionalen Radix von Russland spiegelt, als Quadrat. Zitat aus 2014: Das Jahr mit dem Paukenschlag: "Dies ist ein radikales Jahr. [...] Die Gefahr der negativen Seite solcher Projektionen auf Gegner und das Entstehen von Feindbildern ist jedenfalls größer als sonst, gerade, wenn die Knoten-Achse auch noch in die Waage übergeht, [...] eine Sollbruchstelle, die schon im Frühjahr (Mitte Februar/März) mit einem (wieder vorläufigen) Venus-Quadrat intensiv wird." 

Bleibt zu hoffen, dass sich nun hier nicht tatsächlich mentale Kontinente als Vorbereitung für die Spannung über alle vier kardinalen Seiten des Zodiak Ende April so verschieben, dass Dinge wirklich aus dem Ruder laufen. Ich glaube immer noch an die menschliche Möglichkeit zur Vernunft. Aber es gibt Zeiten, da wird Mars zum Zünder. Diese Zeit ist bald und jetzt daher die Chance für die Verantwortlichen der Weltgeschichte, wirklich die Luft anzuhalten und nachzudenken. Und dann in aller Ruhe abzuwarten, bis der Aggressions-Anfall wieder vorbeigeht. 

Nachwort: Falls mir hier irgendwo Fehler unterlaufen sein sollten, was Daten, Zahlen, Fakten angeht, entschuldige ich mich schon im Voraus. Ich habe mehrere Tage und Nächte über Zeitzonen, russisch-ukrainischen Übersetzungen, Gesetzes-Texten, Geschichts-Werken, Uhren und Quellhinweisen gebrütet und bin mit dem Globus im Arm eingeschlafen. Jetzt verstehe ich, wieso man im Internet so gern auf Dokumentationen verzichtet. Sie verursachen letztlich häufiger genau die Fehler, die man doch vermeiden will.

Bilder (bearbeitet): Vasily Vereshchagin (2nd LINK) - Jan van Bronchorst (Dutch) (Artist, Details of artist on Google Art Project) [Public domain], Автор Anthony Jenkinson und Gerard de Yoda . Original-Uploader WAR Vizu bei ru.wikipedia Викискладаvia via Wikimedia Commons

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